Adipositas: Eine Aufgabe nicht nur für das Gesundheitssystem

Adipositas ist ein chronische Erkrankung, wird aber häufig als Versagen der Patient:innen angesehen. Dabei sind die Faktoren, die zu ihrer Entstehung und zum Fortbestehen beitragen, sehr vielfältig, wie etwa Begleiterkrankungen, Medikamente, Schichtarbeit, Stress und Schlafstörungen. Aber auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie Nahrungsmittelangebot, Preise und mangelnder Zugang zu Information bzw. Hilfe sind hoch relevant. Viele Faktoren sind von den Betroffenen selbst nicht zu beeinflussen, und viele Lösungsversuche, wie wiederholte Diäten, verschlimmern das Problem.

Hier einige links zum Einlesen:
Überblick über beitragende Faktoren und Energiestoffwechsel: Europe PMC und Obesity treatment dilemma 1-s2.0-S1262363620301270-am.pdf (1,1 MB). (Abschnitte über Thermodynamik können auch übergangen werden)
Die Rolle der Gene und mehr (unterhaltsamer Vortrag): https://www.youtube.com/watch?v=88tWJ1p5d4o und https://www.youtube.com/watch?v=g5R7G_fU6cU.
Misserfolg von Diäten und Diäten als Risiko für Gewichtszunahme: Dieting does not work, UCLA researchers report | UCLA
Der Zusammenhang von Stress, Entzündungen und Depressionen mit Adipositas: Europe PMC und Associations between Anxiety, Depression, Antidepressant Medication, Obesity and Weight Gain among Canadian Women - PMC.
Die Rolle von Zucker https://www.youtube.com/watch?v=DboTyNu-FLk und die Kohlenhydrat-Insulin-Hypothese: https://academic.oup.com/ajcn/article/114/6/1873/6369073#303131860.
Funfakt: Schlaf als Heilmittel: Europe PMC
Der Faktor Fitness: Europe PMC mit dieser Graphik:

Notwendigkeit für einen personalisierten Ansatz:
Obesity Lancet Correspondence PIIS2589537023001219.pdf (154,8 KB):

This would represent a paradigm shift in obesity care, and reflect the much needed understanding of the complexity of obesity. Unlike other health outcomes with less associated stigma and for which there are fewer people, including HCPs, who believe that these outcomes can be entirely prevented and cured through a commitment to a healthy lifestyle,9 the message of complexity is not an easy one to accept due to the decades of simplistic “eat less, move more” messaging for both the prevention and treatment of obesities. The ingrained belief that obesities is simple and can be easily prevented and treated through individual agency is perhaps one of the factors holding back personalisation and tailoring of approaches within healthcare.

Umwelt und Adipositas: Built Environment and Obesity | Epidemiologic Reviews | Oxford Academic.
Maßnahmen in der Umwelt: https://www.annualreviews.org/doi/full/10.1146/annurev.publhealth.29.020907.090926?url_ver=Z39.88-2003&rfr_id=ori:rid:crossref.org&rfr_dat=cr_pub%3Dpubmed&
Sozioökonomische Unterschiede: Das RKI schreibt zur Prävalenz in Deutschland:

These findings suggest a widening obesity gap between the top and the bottom of the socioeconomic spectrum. This has the potential to have adverse consequences for population health and health inequalities in coming decades. Interventions that are effective in preventing and reducing obesity in socially disadvantaged groups are needed.

Adipositas als public health Aufgabe: https://www.youtube.com/watch?v=VmxpjRVeEy4.

Das ist eine Auswahl, meist reviews, aus einer Unmenge von Veröffentlichungen. Ich würde mir wünschen, dass das Thema hier informiert und respektvoll diskutiert wird.
Ich weiß, es ist viel Information, aber vielleicht ist das eine Chance, mehr Sachwissen aufzubauen, um bewerten zu können, was geeignete politische Maßnahmen und Rahmenbedingungen sein könnten.
Vielleicht können wir erst ein gemeinsames Verständnis des Problems aufbauen, bevor wir ins sparring gehen :wink:

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@Dagmar Danke, ganz viele Herzchen! :heart::heart:

Ich denke, Du hast nichts dagegen, wenn ich einige Beiträge hierhin verschiebe.

Liebe Grüße

Ellen
für die Moderation

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Ich denke nicht, weil das zu Bulimie führen könnte.
Das ist auch eine Krankheit.

Besser als Shaming sind gute Vorbilder, die erreichbar sind.

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Ok, ich bin zum Glück nicht so davon bettroffen, aber was könnte ein gutes Vorbild mit realistischen Zielen für dicke Menschen sein? Was verstehst du darunter? Kannst du das kurz erläutern? Abgesehen davon, das unser Köper nicht zum Abnehmen gemacht ist, da müssten ganz andere Maßnahmen außer sport und Diät gemacht werden… das ist aber ein extra thema…

Ich bin ein großer Fan von Paul Mason

Ich schon. Immerhin ist Adipositas und die damit assoziierten Krankheiten der Killer Nr. 1 in D, noch vor dem Rauchen.
Muss ja nicht ausgerechnet über SM laufen …

" Schätzungen für die erwachsene Bevölke- rung in Deutschland gehen davon aus, dass 0,5 % bis 1 % der Männer und Frauen an Magersucht und 2 % bis 4 % an Ess-Brechsucht (Bulimie) leiden."

" Nach Selbstangaben aus den Jahren 2019/2020 sind in Deutschland 46,6% der Frauen und 60,5% der Männer von Übergewicht (einschließlich Adipositas) betroffen. Fast ein Fünftel der Erwachsenen (19%) weisen eine Adipositas auf. Mit höherem Alter steigen Übergewichts- und Adipositasprävalenzen an."

Da ist also noch Luft nach oben.

Diese Zahlen hängen stark an der medizinischen Definition des Begriffs „Übergewicht“. Wenn man vom z.B. nach BMI ginge, wären viele Athleten (und ich meine nicht Sumo-Ringer) übergewichtig.

Mir ging es nicht so sehr um ‚Übergewicht‘, sondern um das Verhältnis von Bulemie zu Adipositas. Letztere ist afaik definiert durch einen BMI von >= 30 und den habe ich bei Athleten noch nicht gesehen. Da ist man schon ganz schön schwabbelig.

Ein Kollege von mir hat 40 kg auf Normalgewicht abgenommen. Dessen Arzt hatte ihm gesagt, dass sein Gewicht so sei, als ob er den ganzen Tag zwei 20 kg Koffer rechts und links durch die Gegend tragen würde. Schönes Bild, oder? Und dass das nicht gut für die Gelenke hüftabwärts sein kann, sollte klar sein.

Wenn du Fat-Shaming zur Staatsdoktrin erklären würdest, würden diese Zahlen vermutlich nach oben gehen.

Das gefällt mir besser.

Ich stelle mir immer Butterpäckchen vor, die ich um meinen Bauch binden und wieder weg nehmen kann. Ein Pächchen wiegt 250 g, also pro zugenommenes Kilo Fett wären es 4 Stück.

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Warum nur muss bei Grüns alles immer so wortwörtlich genommen werden?
Es ist mir völlig wumpe, ob die sich schämen; ich will, dass sie abnehmen (oder ein Attest vorlegen).

  • wenn ein 150 kg Amerikaner in sein Auto steigt, erzeugen die 50 kg Übergewicht einen messbaren Mehrverbrauch und damit mehr CO2. Mal 100 Mio fettleibige Amis mal durchschnittliche Meilen pro Tag … da kommt so einiges zusammen.
  • So ein 150 kg Körper will auch unterhalten werden mit einem signifikanten Mehrverbrauch an Lebensmitteln. Auch das ist klimarelevant.
  • Wenn mein Koffer ein paar kg zuviel hat, kostet mich das 55 $ pro kg und Strecke. Wenn besagter Ami 50 kg Übergewicht unter der Gürtelschnalle an Bord bringt, ist das kostenlos. Ich das gerecht?
  • Und wenn ein 200 kg Ami im Flugzeug 1,5 Sitze belegt, soll er gefälligst auch 1,5 Tickets bezahlen.

Bei Grüns hingegen erhöht Fettleibigkeit als Diversitätsmerkmal offenkundig die Wahlchancen. Ich halte das für eine sehr ungesunde Entwicklung (pun intended).

Bei normalem Übergewicht wäre ds allerdings diskriminierung da es ein häufiges Problem ist dass dann über alle Passagiere verteilt über den Kerosinzuschlag bezahlt wird. Der Extrem dicke Ami hingegen, eing statistischer riesenausreißer bei den Kerosinkosten, der 200 Kg wiegt sollte Tatsächlich mehr zahlen.

Denn der wiegt so viel wie ein erheblicher Teil der Gepäckladung. Es sei denn er weist nach dass er nur duch eine seltene krankheit extrem Dick geworden ist und nicht überfressen ist.

Das Thema ist wirklich weit, und keineswegs einfach. Ich habe gerade nach Veröffentlichungen gesucht und bin versunken. Vielleicht wartet ihr etwas, ich schaue, ob ich einen thread dazu schaffe. Hier ein Appetithäppchen (pun intended): Europe PMC. Ich würde es gut finden, wenn Adipositas als das behandelt würde, was es ist: Als chronische Krankheit, für die es kein ausreichendes evidenzbasiertes Behandlungsangebot gibt.

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Ja das ist richtig, Fettleibigkeit ist nicht ausreichend behandelt und viele sterben daraun dass es einfach als Bewegungsfaulheit abgetan wird.

Es gibt jedoch Studien die Zeigen das unser Körper gar nicht dazu gebaut ist durch Sport abzunehmen.
Weil der leider sehr gut den Mehrverbrauch durch Sport an anderer Stelle nahezu komplett einsparen kann. Und dieses zu gut funktionierende Energiesparsystem bringt die Leute mit Chonischen Übergewichtsproblemem letztlich um. um es mal ganz knapp zusammengefasst zu erklären. Leider habe ich die besagte Studie nicht zur Hand :see_no_evil: Gehört aber in einem anderen Thema diskutiert.

Man muss eigentlich den bisher nicht gut erforschten Grundumsatzsparapparat austricksen um wirklich dauerhaft abzunehmen.

Alles andere, auch krasse Diäten bringen nix und führen eher zur Mangelernährung. Leider hat unsere Nahrung zu viele Kalorien. Und der Gundumsatz mancher Menschen ist so extrem niedrig dass auch sehr moderate Kalorienzufuhr zu massiven Problemen führt, weil die wengier essen müssen, als die über die Nahung an Vitaminen und anderen Dingen versorgt wären.

So wenig kann man gar nicht essen… nicht auf dauer!

Ich denke, das solltest du ihnen selbst überlassen.

Sportler haben einen signifikanten Mehrverbrauch an Lebensmitteln.
Wenn Adipositas zu einer geringeren Lebenserwartung führt, gleichen sie das mehr als aus. Es ist auch nicht unbedingt gesagt, dass Leute, die zunehmen, grundsätzlich mehr essen als Leute, die nicht zunehmen, weil das auch eine Frage des Stoffwechsels ist.
Möchtest du, dass wir als Grüne Lebensmittelmarken einführen?
Es gibt da so eine üble Studie, wie viel jeder Mensch pro Tag von welchen Lebensmitteln essen dürfte, über die es im anderen Forum schon dram dramatische Diskussionen gegeben hat. Ich will den Namen der Studie jetzt nicht erwähnen.

Ich denke, dann muss er Business-Class fliegen, dort hat er mehr Platz. Ist das nicht so?

Jetzt lass mal den armen Robert in Ruhe.

Du hast von Übergewicht geredet und das beginnt nach dem BMI bei 25 (nicht bei 30). Und der ist bei Kraftsportlern schnell erreicht.

Das Hauptproblem des BMI ist, dass er nicht zwischen (ungesundem) Fett und (gesunden) Muskeln unterscheidet.

Wieso Robert? Der sieht doch noch relativ normalgewichtig aus. Im Gegensatz zu einigen anderen.

Es kommt darauf an, mit wem du ihn vergleichst. Gabriel? Altmeier? Kohl?

Ich habe mal von einem Wissenschaftler gelesen, dem es gelungen ist, den Kalorienverbrauch außerhalb von Laborbedingungen exakt zu messen und der hat festgestellt, dass trainierte Sportler Nahrung effizienter nutzen und damit auch keinen höheren Kalorienverbrauch haben. (Gilt wohl nicht fürLeistungssportler)

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Gibt es dazu auch einen link?

Ja genau das ist der Effekt den ich meine, druch regelmäßiges Training ,egal wie intensiv sinkt der Kalorienverbrauch so stark ab, dass Sport langfristig nur einen kleinen Positiven Effekt auf das Gewicht hat… das ist das Proble mdas man eigentlich mit Mediakmenten austricksen muss. Sport ist aus anderen Grünen gesund, aber nicht zum Abnehmen wirklich gut geeigent… Das ist ein modernes Märchen… es war ein mal… wenn sich nicht gestorben sind leben sich noch heute…