AfD stellt erstmals einen Landrat in Deutschland

Der AfD-Kandidat Sesselmann hat sich bei der Stichwahl um das Landratsamt im thüringischen Kreis Sonneberg durchgesetzt. Die Partei stellt damit erstmals einen Landrat. In Thüringen wird die AfD vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft und beobachtet.

Aus der Landratswahl im thüringischen Kreis Sonneberg ist der AfD-Kandidat Robert Sesselmann als Sieger hervorgegangen. Damit hat er für die Partei erstmals in Deutschland ein solches kommunales Spitzenamt erobert.

Der 50-Jährige bekam in der Stichwahl in dem Landkreis im Süden Thüringens 52,8 Prozent der Stimmen und erhielt damit die nötige absolute Mehrheit, wie die Wahlleitung mitteilte. Der CDU-Kandidat Jürgen Köpper, der auch von der Linken, der SPD, den Grünen und der FDP unterstützt wurde, unterlag demnach mit 47,2 Prozent.

Sesselmann und die AfD bestritten den Wahlkampf vor allem mit Bundesthemen wie dem umstrittenen Heizungsgesetz, der hohen Inflation oder gestiegenen Flüchtlingszahlen. In der Region, die ländlich und konservativ geprägt ist, war darum von einer Abstimmung über die Bundespolitik die Rede, mit der derzeit viele Menschen unzufrieden seien.

Nach einem „Spiegel“-Bericht ermittelt die Thüringer Polizei gegen Sesselmann. Sie geht demnach dem Verdacht nach, wonach er im Wahlkampf einen Mann verbal bedroht haben soll, der CDU-Plakate aufhängen wollte. Der AfD-Politiker soll dem Mann vorgeworfen haben, sich an Sesselmanns Plakaten zu schaffen gemacht zu haben.

Ein großer Schock für alle demokratische Parteien.

Ein herzliches Beileid von mir nach Sonneberg.

Ich frage mich wirklich, wie dumm kann man sein, nur aus Protest eine Partei zu wählen, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Wenn ich dieses Bild sehe, könnte ich kotzen.

Wehret den Anfängen!

Doch angefangen hat es schon lange.

Bereits vor 90 Jahren trat die NSDAP in Thüringen in eine erste Landesregierung ein.

Das war der erste Schritt ins Deutsche Reich.

So kam es am 23. Januar 1930 erstmals in Deutschland zu einer Landesregierung, an der die Nazi-Partei beteiligt war.

Anscheinend wollen ein Teil der Menschen im Osten die ehemaligen SED-Verhältnisse in der damaligen DDR zurück.

Die SED war im Nachkriegsdeutschland die erste Partei, die sich ehemaligen Nationalsozialisten öffnete. Am 15. Juni 1946 fasste das SED-Zentralsekretariat den neuen grundlegenden Beschluss zur Aufnahme der ehemaligen NSDAP-Mitglieder, soweit sie bei der Entnazifizierung als „Mitläufer“ eingestuft waren.

"Wenn Du Hitler gefolgt bist, um Deutschland zu dienen, so bist Du unser Mann. Denn die SED ist die einzige Partei, die sich konsequent für ein einheitliches und großes Deutschland einsetzt, für ein Deutschland des Friedens und der Arbeit.“

:rage: :nauseated_face:

Ich denke, das ist die eigentlich wichtige Frage - wenn ich mir das „Siegerbild“ ansehe, so stelle ich fest, dass das stereotyp zu Wahlsiegen anderer Parteien (auch der Grünen) ist - Das Bild mit Leuten, die mit sich zufrieden sind, weil sie ein Mandat erringen, kann ich also niemandem verdenken …
Das stört mich also nicht so sehr …
Aber wie muss man drauf sein, solche Programme - unabhängig von der Frage, ob es hier um einen Posten geht, der sehr wenig parteipolitisch dominiert ist - mit all den zusätzlichen Infos drum herum - zu unterstützen - das zeigt mir wieder einmal, dass immer noch zu viele zu wenig kritisch hinterfragen …
Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang eine wissenschaftliche Veröffentlichung zum Thema Vertrauen und Unverrückbarkeit verinnerlichter Positionen
Der Artikel beschäftigt sich zwar mit der Glaubwürdigkeit von KI-Systemen - lässt sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aber auch auf politische Systeme und deren „Kompetenzträger“ umschreiben …
Das wäre dann wieder eine bildungspolitische Herkulesaufgabe, dieses Thema (das letztlich auf Selbstreflexion hinausläuft, durch (Nach-)Schulung in den Griff zu bekommen …

Wenn man sich die gestrige Ministerpräsidentenwahl in Griechenland ansieht, so sieht man auch hier, dass ein Kandidat gewählt wurde, dem am ehesten zugetraut wird, dass er die wirtschaftlichen Grundlagen verbessert - alle anderen politischen Rahmenbedingungen sind erst einmal „rel. uninteressant“ …
Auch hier wieder ein Rückgriff auf ältere Zeiten - die Nazis haben diesen Hang zu finanzieller Sicherheit durchaus für ihre Zwecke benutzt …

Und auch das Klima und der „grüne Heizungswahnsinn“ zeigen, dass es den Leuten primär darum geht, kurzfristig Ruhe zu haben und wenig Veränderung Inkauf nehmen zu müssen (da sind wir wieder bei der Angst, die solche (Wahl-)Entscheidungen ganz entscheidend mitprägt)
auch der Umgang mit der eigenen Angst (ist sie überhaupt berechtigt, und wenn ja, wie kann man unter diesem Druck trotzdem noch rationale Entscheidungen treffen) will gelernt sein - wird derzeit m Bildungssystem nicht vermittelt…

Mir macht an dieser Stelle weiger das Bild der Sieger noch die Tatsache des Wahlsiegs selbst Angst - sondern vielmehr, dass das strukturell kein Einzelphänomen ist - so etwas wird es demnächst vielleicht noch öfter geben - ich kann bislang allerdings recht gut mit dieser Angst leben/umgehen …

Als spontane und unreflektierte Bauchreaktion kam bei mir: verdammt, ist reaktionär-autoritäres Denken und Handeln in Thüringen schon generationsübergreifend, quasi erblich verankert !? :face_with_raised_eyebrow: :angry:
Ist natürlich Nonsense, aber offensichtlich haben sich die Verhältnisse dort (die ich im Detail nicht kenne) seit dem Untergang der DDR derart entwickelt und verfestigt, dass sich ein stabiles reaktionär-konservatives Konglomerat gebildet hat, basierend auf Sozialisation und Erziehung (individuell&politisch), sozialen Identitäten, psychologischen Bedürfnissen und medialen Einflüssen. Offensichtlich gab es dafür bereits geschichtlich einen gewissen ideologischen Nährboden.
Bei mir erzeugt das Ratlosigkeit, weil der Satz ‚it’s the economy, stupid‘ hier offensichtlich nicht passt. Die ‚objektive‘ ökonomische Lage ist ja bekanntlich nicht so desaströs, dass es als Erklärung herhalten kann, unsere demokratische Ordnung so grundsätzlich in Frage zu stellen.
In einem Zeitungskommentar habe ich eine Bemerkung gelesen, der zufolge die AfD-Wähler die Partei nicht trotz ihres fragwürdigen bis unerträglichen Personals wählen würden, sondern gerade deswegen, d.h. um maximale Ablehnung des ‚etablierten‘ Parteiensystems und deren Repräsentanten ausdrücken.
Ist das die provinzielle Version des GOP-Trumpismus, der auch ja die unappetitlichsten Politikerfiguren nach oben spült und den nichts weiter eint als der Hass auf liberale Geister und eine demokratische geführte Regierung.
Ich versuche ja immer, hinter allem eine gewissen Rationalität zu entdecken - aber hier muss ich passen: Experten für politisch-psychologische Pathologie bitte übernehmen.
Ich sehe nicht, wie man diese Wählerkohorten durch irgendeine (wie auch immer ‚optimierte‘ und auf Glaubwürdigkeit polierte) Politik (egal ob schwarz-rot-gelb-grün) in absehbarer Zeit wieder ‚einfangen‘ kann.
Selbst bei richtigen Weichenstellungen muss man da mit mehreren Legislaturperioden rechnen.

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Politische Psychologie: Da gibt es ein paar Ansätze, aber wie die ganz konkret in Thüringen wirken, ist nicht so einfach einzufangen, und ich bin da konkret nicht so informiert.
Ein Ansatz: Wenn Leute unter Druck geraten, werden ihre Einstellungen extremer, häufig mehr rechts.

„Unter Druck“ kann vieles heißen:
Ökonomisch („the economy, stupid“), also Rezession, Arbeitslosigkeit oder Inflation (die haben wir)
Ereignisse wie Naturkatastrophen
Soziale Veränderungen, wie große Veränderungen in der Art der Arbeit, der sozialen Umgebung, der Freizeitgestaltung, der Geschlechterverhältnisse (Frauenexodus aus dem Osten) oder Generationenverhältnisse oder im Alltag, etwa durch Digitalisierung
Verlust von Dingen, die als Ressource erlebt wurden.
Angriffe auf den Selbstwert

Große Veränderungen bedeutet Anpassungsstress. Vergangene Erfahrungen können hilfreich sein, wenn sie subjektiv als erfolgreiche Bewältigung erlebt worden sind, oder empfindlicher machen, wenn sie nicht gut bewältigt wurden. Das scheint bei vielen in Ostdeutschland der Fall zu sein.
Stressreiche Erfahrungen werden auch an die Kinder weitergegeben.

Für mich ist es hilfreich, mich an den psychologischen Grundbedürfnissen zu orientieren. Wenn die nicht erfüllt sind, zu oft im Widerspruch zueinander stehen, oder wenn sich an den dynamischen Gleichgewichten der Erfüllung etwas ändert, oder wenn Vermeidungsziele überwiegen, bedeutet das Stress und ist ein Risiko für psychische Störungen.
Die Grundbedürfnisse sind (nach Grawe. Diese Quelle finde ich besonders überzeugend)
Orientierung und Kontrolle
Bindung
Selbstwert
Lust/Unlustvermeidung
Diese Grundbedürfnisse werden durch das allgemeine Prinzip zusammengehalten, mögliche Widersprüche zu minimieren (Konsistenz zu erreichen). Die Art ihrer Erfüllung ist kulturabhängig. Daher kann man hier eine Verbindung zu Politik und Gesellschaft herstellen.

Der Link vom Anpassungsstress zum konkreten Verhalten geht über Lernen und Gruppenverhalten. Menschen geraten unter Druck, und dann suchen sie nach Erklärungen, Ventilen und Lösungen. Dabei orientieren sie sich an anderen, vorzugsweise in ihrer engeren sozialen Umgebung. Erst an der Eltern, dann an peers, Kollegen, Medien. In-group Erhöhung/out-group Abwertung scheint dabei ein gebahntes Verhalten zu sein, ebenso wie die Suche nach einem Sündenbock. Die Evolutionsbiologie lässt grüßen.

So mal ein eher allgemeiner Anfang, der mit näherem Wissen über die konkreten Verhältnisse gefüllt werden könnte.
Der Teil mit den Grundbedürfnissen ist aus der Psychotherapieforschung, ich halte das Konzept aber für sehr brauchbar in der politischen Psychologie.

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Das liest sich gruselig: Demokratie: Mehr als die Hälfte der Ostdeutschen unzufrieden - DER SPIEGEL
Aber ich würde gerne erst den Methodenteil lesen (ist das wirklich repräsentativ, wie wurden die Fragen gestellt), bevor ich das wirklich glaube. Die letzte Studie, die durch die Medien geisterte, war nicht repräsentativ, obwohl sie das reklamiert haben.
Hier ist der link zu der Studie: https://efbi.de/files/efbi/pdfs/2023_2_Policy_Paper.pdf. Ich brauche etwas Zeit, sie zu lesen.

Ein guter Beitrag bei Krautreporter zum Thema:

Die Forscher Manuel Funke und Christian Trebesch vom Kieler Institut für Weltwirtschaft haben sich in einer Studie von 2015 angeschaut, wie Finanzkrisen die Wahlen beeinflussen. Sie analysierten 800 Wahlen, 100 Finanzkrisen, 20 Länder, verteilt über 140 Jahre. Ein sehr guter Datensatz. Sie kamen zu dem eindeutigen Ergebnis: Rechts profitiert. Im Durchschnitt können rechte Parteien in den Jahren nach einer Finanzkrise ihren Stimmenanteil um 30 Prozent steigern.

Die rechte Strategie ist seit hundert Jahren erfolgreich: Man nehme eine x-beliebige Finanzkrise, fügen einen Schuldigen hinzu (Ausländer, Juden, globale Eliten), verbreite ein paar Verschwörungstheorien (Weise von Zion, Great Reset), säe Neid und Mißgunst unter den Benachteiligten gegen die noch mehr Benachteiligten („Die Asylanten müssen nichts tun und das Geld wird ihnen in den A… geschoben“), finde einen politisch Schuldigen (die Kommunisten, die Grünen) und fertig ist der rechte Zaubertrank. Manchmal kommt auch noch Religion hinzu.

Das funktioniert nicht nur in Deutschland.

Das ist ja die Aussage der Studie.

Mich wundert es nur: Bei einer Finanzkrise sind es ja eher die kleinen Leute die ihr ganzes Geld verlieren. Warum profitieren davon die Rechten und nicht die Linken?

Meine Reaktion in der Finanzkrise war eher in Richtung: Derivate-Handel komplett für Illegal erklären. Geld leihen und verleihen und Aktien sind ok. Alles andere illegal. :slight_smile:

Da kenne ich keine rechte Partei, die so was vorschlägt, oder?

Es gibt überhaupt keine Partei, die so was vorschlägt.

Die rechten Leute legen Wert darauf, dass der Staat nicht einspringt, wenn jemand seine Schulden nicht zurück zahlen kann. Sie gehen eher in Richtung Prepperszene und empfehlen, für sich selbst zu sorgen. Im Gegenzug erwarten sie vom Staat, mit dessen Entscheidungen sie nicht zufrieden sind, dass er sich raushält.

weil die Leute nicht nach ihren Interessen, sondern nach ihren Gefühlen wählen.
Wie immer bieten die USA gutes Anschauungsmaterial.
Die republikanische Basis ruiniert dort lieber die eigene Wirtschaft als ihren sinnfreien Kulturkrieg einzustellen (de Santis in Florida zeigt, wie es geht).
Dass sie dabei von einer Handvoll Milliardäre (Koch u.a.) ferngesteuert werden, begreifen sie nicht.

Die AfD ist genauso: Austritt aus der EU, Anbindung an einen maroden Kleptokratenstaat wie Russland, keine Arbeitskräfte aus dem Ausland, all das wäre fatal für unsere Wirtschaft.
Aber die Blut-und-Boden-Nummer ist denen einfach wichtiger.
Deswegen kann man denen auch nicht mit Logik kommen.

Und von einem Staat, mit dem sie einverstanden sind, dass er sich überall einmischt und hart durchgreift.
Doppelmoral par excellence

Siehe meinen letzten Beitrag. Die Linken wecken keine Emotionen: Neid, Missgunst, Hass, Zorn auf die Eliten.

Bitte nicht wieder mit Verboten, Derivate-Handel hat neben der schädlichen Form auch sehr nützliche Anwendungen, z.B. sicher sich Firmen mit Außenhandel gegen Wechselkursrisiken ab.

Wahrscheinlich, aber von der Logik her nachvollziehbar.

Danke erstmal für den Krautreporter-Artikel, sehr erhellend.
Es bleibt die Frage aller Fragen… an denen die Linke immer schon verzweifelt ist.

Ich habe mir den Spaß erlaubt, ChatGPT zu befragen :face_with_raised_eyebrow: :smirk:

Das Phänomen, dass Menschen in Krisensituationen dazu neigen, sich politisch „nach rechts“ zu orientieren, obwohl dies möglicherweise gegen ihre objektiven ökonomischen Interessen und langfristig Freiheitsrechte gefährden könnte, ist ein komplexes und vielschichtiges Thema. Es gibt mehrere Erklärungsansätze für dieses Verhalten:

1. Angst und Unsicherheit: In Krisenzeiten steigt oft das Gefühl von Unsicherheit und Angst. Menschen suchen in solchen Situationen nach stabilen Strukturen und Lösungen, die ihnen Sicherheit vermitteln. Rechte politische Ansichten werden manchmal als Mittel angesehen, um diese Unsicherheit zu mildern, da sie vermeintlich einfache Lösungen und klare Antworten auf komplexe Probleme bieten.
2. Verlust aversives Verhalten: Menschen sind oft stärker motiviert, Verluste zu vermeiden als Gewinne zu erzielen. In Krisenzeiten kann das Verlangen nach Vermeidung von Verlusten dazu führen, dass Menschen politische Ansichten unterstützen, die auf Konservatismus und Absicherung abzielen, auch wenn dies langfristig gesehen nicht ihren wirtschaftlichen Interessen entsprechen mag.
3. Gruppenzugehörigkeit und Identität: In Zeiten der Krise suchen Menschen oft nach sozialer Zugehörigkeit und Identität. Rechte politische Bewegungen können eine starke Gruppenzugehörigkeit und ein Gefühl der Gemeinschaft bieten. Dies kann dazu führen, dass Menschen ihre politische Orientierung ändern, um sich einer Gruppe anzuschließen, die ihnen einen Sinn von Zusammengehörigkeit vermittelt.
4. Sündenbock-Mechanismus: In Krisenzeiten können bestimmte Gruppen oder Minderheiten als Sündenböcke für die Probleme der Gesellschaft dienen. Rechte politische Ansichten, die auf Nationalismus oder Xenophobie abzielen, können in solchen Situationen an Attraktivität gewinnen, da sie einfache Erklärungen bieten und Schuldzuweisungen auf bestimmte Gruppen lenken können.
5. Medieneinfluss: Die Art und Weise, wie Medien Krisensituationen darstellen, kann die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen. Medienberichterstattung über Kriminalität, Migration oder wirtschaftliche Unsicherheit kann Ängste schüren und rechte politische Ansichten verstärken.
6. Führung und Rhetorik: Charismatische politische Führer können in Krisenzeiten besonders einflussreich sein. Ihre Rhetorik und Versprechen können die Menschen dazu verleiten, politische Ansichten zu unterstützen, die in anderen Zeiten weniger attraktiv wären.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Erklärungsansätze nicht universell gelten und von Situation zu Situation variieren können. Das menschliche Verhalten in politischen Angelegenheiten ist komplex und wird von einer Vielzahl von psychologischen, sozialen und kulturellen Faktoren beeinflusst.

Also so sehr viel Intelligenz hat diese AI nicht zu bieten. Wenn ich das in einem Schulaufsatz eines Politik-/Geschichte-LK gelesen hätte würde ich sagen: brav geschrieben, plausible Argumente, eine 2+. (Bin kein Lehrer, nie gewesen!!!). Bekannten Tatsachen und Phänomene, nichts wirklich Neues.

Kann man daraus ennoch Erkenntnisse für politisches Handeln ziehen?
Sind unsere Basisannahmen - ‚Homo oeconomicus‘, oder ‚It’s the economy, stupid‘ oder ‚Das Sein bestimmt das Bewusstsein‘ (‚Sein‘ als ökonom. Klassenlage gelesen) - von denen die ‚Linke‘ (was immer man auch darunter subsummieren will) seit über 150 Jahren quasi axiomatisch ausgeht - überhaupt tragfähig?
Offensichtlich sind es allenfalls notwendige, nicht hinreichende Bedingungen.
Das Mantra der Aufklärung von Rationalität und Vernunftbegabung des Menschen wurde seit seiner Etablierung ja schon oft genug vom ‚wahren Leben‘ rücksichtlos beiseite geschoben.

Müssen wir uns nicht eher mit scheinbar stabilen ‚anthropologischen‘ Konstanten bzw. evolvierten und damit fundamentalen Denk- und Verhaltensmustern befassen? Also Punkte 1 - 3.
Wenn Angstreaktionen (schönen Gruß von/zur Amygdala) fast alles dominieren, Verlustaversion und Tribalismus bzw. Identitätsbewahrung offensichtlich sehr tief in den verhaltenssteuernden neuronalen Strukturen unseres Gehirns verankert sind - müssen wir dann unsere Vorstellung davon, wie man potentiell mehrheitsfähige Politik gestaltet nicht ändern?
Das ‚gegnerische‘ Lager nutzt ja schamlos alle schmutzigen Tricks aus dem Manipulations-Werkzeugkasten (sei es geplant oder intuitiv) und spielt geschickt auf der Klaviatur der ‚Massenpsychologie‘.
Das Linke Lager ist sich dafür eigentlich ‚zu fein‘ bzw. es würde auch dem eigenen Politikverständnis und Menschenbild zuwiderlaufen.
Es ist aber notwendig, Programme, Strategien, Handlungsvorschläge, Wahlkämpfe - you name it - ‚psychologisch informiert‘ zu unterfüttern … also z.B. sich vorher klar zu machen, wie man gegen unvermeidliche Angst- und Verlustaversions-Stimmungen angeht (inhaltlich, nicht nur ‚Kommunikationstricks‘ zum besseren ‚Verkauf‘).
Zu den ‚identitären‘ Problemen habe ich keine Idee: leider wurde in den letzten 2 Jahrzehnten die sog. Identitätspolitik von vermeintlich progressiver/linker Seite erst hoffähig gemacht.
(Eigentor, die ‚Rechte‘ kann das mind. genauso gut.)

Bei den Punkten 4, 5 und 6 kann ich mir durchaus vorstellen, dass man mit vorhandenen ‚Werkzeugen‘ dazu funktionierende Handlungs- bzw. Bekämpfungskonzepte entwickeln kann, die auch in praktisches politisches Handeln münden.
Ich bitte um Nachsicht für diese Ab- bzw. Ausschweifungen…

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Ich sage ja.

Vor allem nicht den Leuten erzählen, mit ihnen würde etwas nicht stimmen, sondern ihnen stattdessen Besseres vorschlagen.

Das hat die afd zum Glück (noch) nicht zu bieten. Sollte dort jemals jemand mit Charisma nach oben kommen, dann gute Nacht.
In den anderen Parteien gibt es zwar auch wenige charismatische Politiker (Robert Habeck ist einer, Kevin Kühnert könnte mal einer werden), aber die afd ist wirklich eine Ansammlung von Neurotikern, Psychopathen und Volltrotteln.

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Na dann gut Nacht!

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Hm, ja, der tritt in der Tat ziemlich seriös auf. :face_with_diagonal_mouth:

Seriös vielleicht.
Du sprachst aber von Charisma. Das sehe ich auf den 1. Blick bei dem nicht.

Die Annahmen sind als solche nicht falsch, aber die Linke versteht sie seit 150 Jahren völlig falsch und zieht die falschen Schlüsse daraus.
Natürlich bestimmt das Sein das Bewusstsein, aber der ausgebeutete Proletarier will selber reich werden und nicht ein kommunistisches Paradies errichten, in dem alle mehr oder weniger arm sind.
Das kapiert die Linke bis heute nicht.
Yes, it is the economy, stupid. Aber das bedeutet nicht, dass die Wähler volks- oder betriebswirtschaftlich folgerichtig handeln, sondern entweder den wählen, der ihnen in der Vergangenheit die größten Geschenke gemacht hat oder den, der ihnen künftig das meiste Geld verspricht.
Der homo oeconomicus ist der sprichwörtliche nackte Affe (falls jemand Desmond Morris kennt), der maximal bis zum morgigen Mittagessen denkt (ich hoffe, ich trete den Affen nicht zu nahe).

Die Antriebsfeder des Menschen ist der evolutionsbiologisch verdrahtete Wille, zu überleben und sich fortzupflanzen, und die Angst vor allem, was ihn davon abhält.
Hinter extremen politischen Bewegungen steckt m.E. immer die Angst vor irgendwas.
Je extremer, desto ängstlicher.
Die Angst trägt den Opferstatus, den diese Bewegungen brauchen.
Und der Opferstatus rechtfertigt die Gegenwehr, Notwehr, den ggf. auch gewalttätigen „Widerstand“ gegen nicht selten herbeiphantasierte Bedrohungen.
The great reset, der Bevölkerungsautausch, die Umvolkung, die Globalisten, der ganze Schwachsinn.

Wenn man Politik macht, muss man diese Dinge im Hinterkopf haben.
Ein wenig kann man sicher diese niedrigen Instinkte auch von links bedienen, aber man wird die Rechtsextremen darin nie schlagen können.
Das bedeutet aber wohl, dass die Linke / die Mitte immer richtig gute Politik machen muss, um genug Wähler zu bekommen, während der rechte Rand sich auf das Nachblöken von Unsinn beschränken kann.
Entscheidend ist, dass die Politik nicht nur theoretisch gut ist, sondern dass sie gute Ergebnisse liefert!
Und das ist einer der großen Schwachpunkte aller Linken.
Sie geben sich zu schnell und zu häufig mit Lösungen zufrieden, die nett klingen, aber nicht funktionieren, also keine Lösungen sind.
Pläne, die in einer idealen Welt super sind, aber die an der Realität scheitern.
Stichwort wieder GEG, wahrscheinlich auch das SelbstbestimmungsG, die Klimakleberei, beim Gendern bin ich nicht sicher, wie es ausgeht.

Ja!!
Das ist eins von zwei Gleisen, auf denen man vorgehen muss.

Gegen sowas wie die AfD muss man unabhängig davon m.E. auch aggressiv vorgehen (im Rahmen der Gesetze!), da darf sich die Regierung zB nicht zu fein sein, einen Verbotsantrag zu stellen und das auszufechten, Straftaten der AfD-Leute zu verfolgen, Fördermittel zu streichen usw usw.
Dieses Problem werden wir nicht friedlich lösen.