In der ersten Stunde der Zeit, nachdem der 2. Weltkrieg vorbei war und die Verbrechen der Nazi-Diktatur, die fabrikmäßige Ermordung von 6 Millionen Menschen jüdischen Glaubens und Anderen in den Konzentrationslagern aufgedeckt war, gab es das Ziel des tatkräftigen Mitwirkens an unserer neuen Demokratie, mit Unterschieden in West und Ost, auch die DDR nannte sich demokratisch, was sicherlich umstritten ist, dass sich so etwas nie wieder wiederholen kann und darf - in West und in Ost.
Die Zeiten, die unsere beiden jungen Republiken durchliefen waren dadurch geprägt gewesen, aber sie waren insbesondere durch die imaginäre Frontlinie inmitten des Kalten Krieges der beiden Super-Mächte Sowjetunion und USA nicht einfach.
Berlin-Blockade, der Aufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR, Kubakrise, Vietnamkrieg und Studentenrevolte, sozialliberale Koalition und Brandts neue Ostpolitik, Entspannungsjahre und dann der Nato-Doppelbeschluss.
Bündnis 90/ Die Grünen und Russland
Die Partei Bündnis 90/ Die Grünen entstand aus der westdeutschen Friedens-, Umwelt- und Bürgerrechtsbewegung der 1970er/1980er Jahre, führte in den 1980er-Jahren eigene Dialog- und Reiseinitiativen nach Moskau und gleichzeitig eine intensive Menschenrechts- und Dissidentenarbeit gegenüber der Sowjetunion, was die Beziehung zu Russland von Anfang an ambivalent und wertegeleitet machte.
Friedensbewegung, Pazifismus und Abrüstung als prägende Haltung
Ein stark pazifistisches, abrüstungsorientiertes Selbstverständnis war lange Kernbestandteil grüner Identität. Diese pazifistische Prägung führte zu skeptischer Haltung gegenüber allen militärischen Machtprojekten und machte die Partei sensibel für geopolitische Machtpolitik, zugleich aber kritisch gegenüber autoritären Regimen, die Menschenrechte verletzen.
Menschenrechte, Dissidentenarbeit und moralische Einordnung
Die Grünen setzten früh auf Kontakt mit und Unterstützung von Oppositionellen in der Sowjetunion und betonten Menschenrechte als zentrales Kriterium für Beziehungen zu Russland. Diese Betonung moralischer Maßstäbe erzeugt eine besonders scharfe Ablehnung gegenüber russischer Repression gegen Oppositionelle und politischen Entwicklungen, weil sie für die Partei ein zentrales Wertkriterium ist.
Umwelt- und Sicherheitsfragen als Verstärker
Ereignisse wie Tschernobyl und die Debatten um Energiepolitik verstärkten bei ökologisch geprägten Wählern und Aktivisten Misstrauen gegenüber der sowjetischen bzw. russischen Führung und schufen langfristig ein höheres Problembewusstsein gegenüber russischen Praktiken in Umwelt- und Sicherheitsfragen.
Wandel nach 2014 und 2022: Radikalisierung der Haltung
Die völkerrechtswidrige Annexion der Krim 2014 und besonders der großangelegte Angriffskrieg 2022 führten zu einer breiten gesellschaftlichen und parteipolitischen Verschärfung gegenüber Russland. Bei den Grünen manifestierte sich das zusätzlich mit einer Abkehr von früherer Zurückhaltung gegenüber militärischer Unterstützung der Ukraine und einer klaren Betonung von Sanktions- und Sicherheitsmaßnahmen; das erklärt, warum ihre Ablehnung heute oft schärfer wahrgenommen wird als die mancher anderer Parteien.
Innere Streitlinien und Wahrnehmungsfaktoren
Innerhalb der Partei gab und gibt es Spannungen zwischen traditionellen Pazifisten und Realpolitik-orientierten Mitgliedern, zwischen historisch auf Dialog setzenden Kräften und solchen, die harte Menschenrechts- und Sicherheitslinien fordern. Öffentlich fallen die stärkeren, deutlich verurteilenden Stimmen leichter ins Auge, dadurch entsteht der Eindruck einer besonders negativen Haltung gegenüber Russland, die aus mehreren internen Debattensträngen zusammenläuft.
Kurz zusammengefasst: Die besonders scharfe Haltung vieler Grüner gegenüber Russland ist kein Einzelphänomen, sondern Ergebnis historischer Wurzeln in Friedens- und Menschenrechtsbewegung, ökologischer Erfahrung (etwa Tschernobyl), innerparteilicher Spannungen zwischen Pazifismus und Realismus sowie der Radikalisierung der Debatte nach 2014 und 2022.
Quellen: .
bing.com
Die Grünen und die Sowjetunion in der Ära Gorbatschow
Das als Hintergrund zum Diskussionsstrang und nun zum Diskussionsthema:
Die stärkeren, verurteilenden Stimmen bei den Grünen fallen leichter ins Auge, so antwortete mir mein Co.-Pilot im Internet. Ich glaube, dass das nur ein Teil der Wahrheit ist. Mit den Kursänderungen zur Beteiligung der Bundeswehr an den militärischen Operationen gegen das Regime Milosevic Ende der neunziger Jahre während der noch frischen rot-grünen Koalition unter Kanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer und der erst kürzlichen Kursänderungen erstmals pro Waffenlieferungen in ein Kriegsgebiet zu sein, fühlen sich die Grünen als progressiv. Jegliche Kritik weisen die stärkeren Stimmen innerhalb der Grünen von sich und der Rest schweigt.
Aber ist das wirklich ein Fortschritt? Ist das ein Fortschritt in einer Zeit wo der russische Außenminister Lawrow erklärte, die euro-transatlantischen Sicherheitssysteme, OSZE etc. wären überholt? Damit könnte der Weg dorthin weiter gesponnen werden - sie sind aus russischer Sicht obsolet, Spekulation und Gefahr zugleich. Wie sieht das der Westen allgemein und gibt Präsident Trump darauf noch einen Pfifferling? Ist das gut?
Was war 1975 passiert, noch Jahre bevor sich die Partei, Bündnis 90/ Die Grünen gegründet haben? Zum Höhepunkt der Entspannungsjahre - nach dem Prager Frühling 1968, trafen sich die Staaten des Westens und des Ostens in Helsinki und begründeten eine Schlussakte. In dieser würden den Staaten des Warschauer Paktes die nach dem 2. Weltkrieg entstandenen Grenzen anerkannt. Auf der anderen Seite zeichneten die Staaten des Warschauer Paktes mit der Sowjetunion den Staaten des Westens die Menschenrschtscharta der Vereinten Nationen entgegen.
Menschenrechte - bringt man diese eher durch eine Abschreckungsmethode oder durch Dialog ein, durch Kommunikation nach Innen zuerst und dann nach Außen?
Die europäische Integration, die sich zur Aufgabe gemacht hatte, dass ehemalige Kriegsgegner nicht mehr in eine Konstellation geraten können, gegeneinander Krieg zu führen, wo es nicht mehr so wichtig wurde wie in früheren Zeiten, ob nun das Elsass und Lothringen zu Frankreich oder Deutschland gehörten, inwieweit ist das durch eine Mitgliedschaft der Ukraine übertragbar, und dieser Ansatz auf Osteuropa mit der einschließenden friedlichen Wirkung auf Russland übertragbar?
Sind das progressive Themen für eine Außenpolitik der Partei Bündnis 90/ die Grünen? Geht es nicht zuerst um den Blick nach Innen? Geht nicht Beides, die Abwehr hybrider Angriffe aus Russland und die Gestaltung Europas zusammen mit Osteuropa unter Einbindung der Ukraine und Russlands, mit der Mitgliedschaft der Ukraine in der Europäischen Union?
Inwieweit ist es wichtig über Putins Revanchismus und Machtinteressen hinauszudenken und zu gestalten, um diesen Zerrütten der jahrzehntelangen Weltordnung - wo wir bei Kanzler Friedrich Merz seiner Sicht auf das Regime in Moskau wären - einen stärkeren Gegenpol zu geben? Hat dies nicht eine Gesellschaft verdient, die erstmals in den Folgejahren ohne alle Mahner auskommen muss, die den 2. Weltkrieg noch miterlebt hatten?
Was ist Fortschritt? Was ist pragmatischer Fortschritt? Ich verstehe unter pragmatischen Fortschritt, einen Schritt nach dem nächsten zu unternehmen, um Fortschritt zu erreichen.
Waffenlieferungen an die Ukraine und militärische, humanitäre und finanzielle Unterstützung der Ukraine können auch ein pragmatischer Fortschritt sein - aber dann wenn unser Europa, gestärkt durch das Bündnis in der Nato, es politisch vollkommen macht. Wie seht ihr das?
Sind die Entwicklungen im Osten Europas zwischen der Ukraine und Russland nicht ein Stück weit normal? Es sind zwei Staaten, die aus einer anderen autoritären Staatsform des Kommunismus kommen, was wäre die Entwicklung in unzähligen Staaten Osteuropas gewesen, hätten wir sie nicht in die EU und die Nato geholt?
Ich schließe das Diskussionsthema mit dem alten Sepp, dem Sepp Herberger, der seinen Mannen vor dem Finale 1954 im Berner Wankdorfstadion eingeimpft hatte: Die Ungarn wissen noch nicht wie stark wir sind, sie wissen nicht, dass wir so stark sind, sie zu schlagen.
An der Stelle könnt ihr Euch aussuchen, ob wir mittels Hilfe der Ukrainischen Armee, Russland und Putin, militärisch schlagen sollen, oder politisch?
Eins scheint mal klar, und egal wer in der nächsten Zeit in Russland Präsident ist, denn die kommunistischen Herrscher der Vergangenheit waren mit einer Ausnahme, in Afghanistan, wo die kommunistische Regierung etabliert werden sollte, zwar ernstzunehmende Verteidiger ihrer kommunistischen Idee, aber keine Kriegstreiber. Auf einen wie Gorbatschow zu warten, ist wie auf den Sechser im Lotto zu warten.
Der ukrainische Botschafter in Deutschland hat soeben von sich gegeben, früher oder später kommt der Krieg nach Deutschland. Ich gebe ihm soweit recht, wenn wir an der starren Isolation Russlands festhalten, und die Ukraine dabei weiter militärisch unterstützen. Nach dieser militärischen Unterstützung hat die Ukraine aber gar nichts davon, wenn in weiteren Teilen Europas andere Staaten unterstützt werden müssen, weil auch dort Krieg ausgebrochen ist.
Die Isolation Russlands aufzugeben ist nicht gleichbedeutend damit, auch die militärische Unterstützung der Ukraine aufzugeben. Es ginge nur um wenige Tage eines Waffenstillstandes, wo eine Lösung zusammen mit Moskau dazu ausgearbeitet werden sollte.
Debatten un Demokratie
Jetzt könnt Ihr Euch fragen, was das mit Demokratie zu tun hat. Nun, diese Debattenkultur darüber zu diskutieren, ob innerparteilich zwischen Realos und Fundis, oder im Deutschen Bundestag als alternative, aber noch bodenständige, und keinesfalls rechte Partei - eher linke Partei, die gab es früher bei Euch.
