Warum sollten Menschen, die eine Vollzeitaus- und Weiterbildung machen nicht das Bürgergeld kriegen und als in „Bildungsmaßnahme“ geführt werden? Das gilt auch für Studenten.
Wow! Eine sympathische und provokante Frage, Danke!
Zu meinen eigenen Hintergrund: Drei meiner Töchter studieren und bekommen nahezu Bafög-Höchstsatz, der beträgt seit neuestem 633,- EUR (zu Hause wohnend) bzw. 934,- EUR (auswärts wohnend). Außerdem bekommen die beiden auswärts studierenden von uns Eltern ihr volles Kindergeld (demnächst einheitlich 250,- EUR) überwiesen, die eine, zu zu Hause wohnt, zahlt von ihrem Kindergeld 150,- EUR für Strom/Wärme/Essen/Sanitärbedarf.
In allen drei Fällen bin ich der Meinung: Sie können sehr gut davon leben, weil sie nicht verwöhnt sondern recht anspruchslos sind, auch hinsichtlich ihrer Wohnunterkunft.
Beim Bafög wurde das Schonvermögen (lange 8.000 EUR) nun deutlich auf 15.000EUR (unter 30 J) / 45.000 EUR (ab 30 j.) heraufgesetzt, es ist aber weitaus niedriger als beim Bürgergeld (60.000 EUR).
Schülerbafög ist übrigens niedriger, dies am Rande. Könnte man diskutieren…
Man könnte also Bürgergeld/Bafög einander angleichen und sagen: „So, muss für alle gleichermaßen reichen“. Hätte ich kein Problem mit, man könnte auch bürokratisch entschlacken.
Ein oder mehrere skandinavische Länder zahlen die Studentenunterstützung unabhängig vom Einkommen der Eltern. Das ist bürokratisch einfach, ob es gerecht ist, eine andere Frage (ich hege durchaus Sympathien für das Modell).
Jetzt kommt der Knackpunkt:
Im Gegensatz zum Bürgergeld geht es bei deinen Kinder zunächst um die Frage: Wer in einer Gesellschaft ist finanziell verantwortlich für deren Ausbildung? In D.: Die Eltern finanzieren die erste Ausbildung eines Kindes. Nachvollziehbar, und Bafög setzt dort an, wo das Einkommen der Eltern nicht reicht. Ein Durchaus logisches System das auch deutlich macht: Du bist für die Ausbildung jener Kinder, die du in die Welt gesetzt hast, zunächst mal selbst verantwortlich, so wie für deren Erziehung (Erziehungsrechten und Pflichten der Eltern gemäß GG). Man kann darüber streiten, ob diese Pflicht über das 18. Lebensjahr hinaus zu leisten ist. In D. gilt: „Dein Kind, deine Ausbildungskosten!“
Zurück zu Skandinavien: Hier in D schwärmen viele von diesem Modell, dass keinen Unterschied beim Einkommen der Eltern macht. Ich würde dieses System, bei aller Sympathie und Einfachheit, in unserer jetzigen Situation NICHT auf D. übertragen wollen. Die Fans vergessen nämlich gerne, dass in den skandinavischen Ländern die (Spitzen)Steuersätze viel höher liegen. Es ist also durchaus korrekt wenn der Staat sagt, wir unterstützen alle gleich, schließlich haben wir den Eltern der „rich kids“ vorher ordentlich in die Taschen gegriffen. Also ein völlig anderer Finanzierungsansatz.
Grundsätzlich bin ich bei dir: Eigentlich könnte man beides angleichen, was sicher zu deutlich höheren Bafög-Aufwendungen für den Staat führen würde. Dieses Geld sollte er sich über höhere Einkommensteuersätze beschaffen. Mit einer solchen Regelung sollte man aber auch die sozialabgaben- und steuerbefreiten Hinzuverdienstmöglichkeiten für StudentInnen drastisch einschränken bzw. den Regelungen des Bürgergeldes angleichen.
Was mir außerdem noch nicht ganz klar ist: Wie unterscheiden sich RV-/KV-Versicherungspflicht zwischen Bafög- und BürgergeldempfängerInnen, auch hier sollte man dann angleichen.
Dann noch zwei Ungerechtigkeiten: Ein solches StudentInnendadein wäre sehr attraktiv… Studium beginnen, ein paar wenige Kurse belegen und volles Bafög/Bürgergeld beziehen. Von allen Vorteilen profitieren (Semesterticket) und ungebunden sein (meistens haben StudentInnen noch keine Familie), evtl. mit dem Privileg, ein subventioniertes Wohnheimzimmer zu ergattern…
Im Gegensatz dazu Azubis mit voller Arbeitswoche, die im 1. Lehrjahr evtl. weniger bekommen als StuudentInnen, max. 30 Tage Urlaub haben… Deshalb: Einführung eines Mindestlohns für Azubis, z.B. 10,-/Std. = 1.500 - 1.600 EUR brutto/MOnat, was nach Abzug der Sozialabgaben (Steuern würden ja kaum anfallen) ganz brauchbar wäre.
Sehe ich anders. Es ist Aufgabe der Gesellschaft dafür zu sorgen, das die Kinder in einer Gesellschaft leben. die ihnen die Möglichkeit bietet, ihre Fähigkeiten weitestgehend zu nutzen. Das lässt sich mit Sicherheit auch betriebswirtschaftlich beweisen. Eine Aufwands/Ertragsstatistik mir Kosten auf der einen Seite und den Steuer- und SV-Einahmen auf der anderen Seite, gruppiert nach Bildungslevel sollte dies beweisen.
Das D hier ein massives Problem hat, sehen wir an den verschiedenen Studien. Auch die Aussage, das Kinder ein Armutsrisiko sind, ist grauenhaft.
Ich will nicht angleichen. Ich will das BaföG wegfällt und dafür das Bürgergeld in Kraft tritt mit allen seinen Regeln.
Das Bürgergeld lässt immer Missbrauch zu. Schliesslich würde Sie es auch kriegen, wenn sie nichts tun.
Ich bin zwar immer für Vereinfachungen und Standardisierung zu haben, aber ein Student muss mehr bekommen als ein Hartzer, der gar nichts macht. Alles andere würde mein Gerechtigkeitsgefühl verletzen.
Ich sehe das als Dreigestirn. Der Staat muss die Möglichkeiten schaffen, aber Eltern und Student müssen auch ihren Teil beitragen. Der Zuschuss der Eltern ist eine gute Motivation, ihren Sprössling etwas anzutreiben. Die (teilweise) Rückzahlbarkeit ist eine Motivation für den Studenten.
Zu meiner Studienzeit war BaFöG noch ken Darlehen. Ich habe damals reihenweise Leute vom Typ „Soziologiestudent im 37ten Semester“ kennengelernt. Das blockiert natürlich auch Studienplätze.
Nein, wieso?
Nein, nur der Student*in.
Na und? Ist beim Bürgergeld nicht anders.
Ihr konzentriert euch auf Studenten. Das ist falsch. Ich rede von Bildung und Weiterbildung. Wenn einer ALG2-Empfänger*in ohne Abschluss eine Schule besuchen will, um einen Abschluss nachzuholen, fällt er aus AlG2. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Meine Betreuerin von der Arbeitsagentur hat mir das gesagt, nachdem ich gefragt habe, ob ich das Abitur nachholen kann. Für mich war das nicht schlimm, da ich schlussendlich wieder einen Job bekam.
Darum geht es. Wir müssen nicht immer wie die AfD auf die Ausnahmen starren, sondern dafür sorgen, dass die Mehrheit weiterkommen und wieder in Gehalt und Brot kommt.
Soziologen werden teilweise sehr gebraucht, und 37 Semester sind heute nicht mehr möglich. Du bemühst also ein altes Klischee ![]()
Rückzahlen: Man sollte denken, nach einem Studium wird doch meist gut verdient, man kann die Zahlungen an die Einkünfte koppeln, also was solls. Wie so oft komme ich mit einem "aber: Gerade Studenten aus armen Familien werden dadurch abgeschreckt. Das ist ein anderes Mindset, und für arme Familien sind Schulden wesentlich bedrohlicher. Dem muss man nicht zustimmen, aber es spielt eine Rolle.
Bedarfe im Vergleich: Es ist wesentlich einfacher, für eine begrenzte Zeit arm zu sein mit guten Aussichten, als -oft wegen vielfacher sozialer und gesundheitlicher Belastung- langfristig in Armut festzustecken. Manche Bedarfe sind für Studenten größer (in der Grundsicherung sind für Erwachsene nur einige wenige Euro für Bildung wie Bücher, Kurse etc vorgesehen), manche, wie etwa für Gesundheit, sind für Empfänger von Sozialhilfe im Durchschnitt größer.
Ein großer Teil der Empfänger sind Alleinerziehende und ihre Kinder, viele von denen sind Aufstocker, wie auch viele andere, die aufstocken. Aufwendungen für den Beruf werden dann zwar nicht auf das Einkommen angerechnet, aber von „nichts machen“ kann hier keine Rede sein.
Ob es sinnvoll ist, Bafög und Grundsicherung zusammenzuschmeißen: Ich weiß es nicht. Das ganze System von Sozialleistungen ist ein Dschungel, bei dem nur Spezialisten wissen was man macht, wenn man daran rumbastelt.
Einen Hartzer in Weiterbildung würde ich dem Studenten gleichsetzen. Beide leisten (hoffentlich) zukünftig was für die Gesellschaft.
Bei vielen ‚Problemschülern‘ liegt die wahre Ursache in einem Problem-Elternhaus.
Das war mehr als ein Klischee. Und ein nicht rückzahlbares Bürgergeld würde es wieder aufleben lassen.
Meinetwegen können wir auch die Rückzahlbarkeit an das Einkommen der Eltern koppeln.
Das ganze lässt sich am einfachsten mit einem Grundeinkommen lösen. Die ganzen Bürokratischen Töpfe sind ineffiktiv und unsozial. Wobei es für die Bildung einen zweckgebuntenen Bonus bei mGrundeinkommen geben muss. Jeder, der Studieren will oder irgendwie Schule nachholen will und sich in eine Schule einschreibt, muss einen Bonus bekommen, damit wird dann das Schulgeld für Erwachsene Schüler abgedeckt und Schulzubehör bezahlt. Studium sollte grundsätzlich aus Steuermitteln finaziert werden. Kein Problem. Und zwar muss arbeit weniger besteuert werden sonder Kpital muss mehr besteuert werden um das zu bezahlen,. Das bekämpft Armut.
Armut der Eltern fördert die Entstehung von Kindrarmut und schlechte Bildung der Nächsten Generationen.
Bildung muss eigentlich Generell kostenlos sein, in dem Sinne kostenlos, nicht vom Betroffenen bezahlt zu werden, die Gesellschaft hat dafür zu sorgen, dass jeder Zugung zu Bildung hat, unabhängig vom Einkommen! Es ist eigentlich ein Menschenrecht, eine Chance auf Bildung und Ausbildung zu haben.
Und wer ewig lang malochen muss um Studieren zu können, verliert dadurch Lernchancen, weil viel Kraft und Nerven für die Bezahlung des Studiums draufgeht. Reiche Kids haben diesen Nachteil nicht! Das schreckt manche auch vom Studium ab.
Etwa Menschen mit Behinderungen, die aber geistig topfit sind, aber nicht der Kraft für rund um die Uhr zu arbeiten haben, nur damit das Studium bezahlt wird und noch gleichzeitig lernen müssen.
Da bekommen auch viele Gesunde einen Burnout, bevor sie überhaupt im angestrebeten Beruf gearbeitet haben! Ohne Antidepressiva ist so ein Wahnsinn kaum längere Zeit auszuhalten… Das will nur niemand zugeben… Es wird dringed Zeit das die Gesellschaft mal darüber nachdenkt. Kein Wunder dass es heute sehr viele junge Menschen mit psychischen Problemen gibt. Nicht erst seit Corona…
Da wird vom Einzelnen eher zu viel verlangt… Irgendwas läuft da schief…