Beeinflussen ARD und ZDF den Wahlkampf?

Offensichtlich haben ARD und ZDF eine Debatte der Kanzlerkandidaten nur mit den Herren Scholz und Merz geplant.

Merz und Robert Habeck stehen in den aktuellen Umfragen nahezu gleich auf. Die linearen Medien wollen uns aber lieber ein Duell zwischen Merz und Scholz verkaufen. Fair, unparteiisch und ausgewogen geht anders. Auch ein Ersatzduell gegen eine populistische Kandidatin kann nicht darüber hinwegtrösten.

Ein Triell muss her. Ein Triell unter den Kanzlerkandidaten der demokratischen Parteien.

Meiner Meinung nach wirkt dies auf mich wie eine gewisse Wahlbeeinflussung und dies darf in den angeblich unabhängigen ÖRR nicht passieren.

Diese Entscheidung verkennt die politische Realität und die Ausgangslage der kommenden Bundestagswahl. Der Wahlkampf 2021 hat bereits gezeigt, dass ein Triell zwischen den Kandidatinnen von SPD, CDU/CSU und Bündnis 90/Die Grünen die notwendige Chancengleichheit sichert und der Vielfalt der Regierungsoptionen gerecht wird. Eine Rückkehr zu einem Duell würde hingegen politischen Einfluss nehmen und die Wahrnehmung der Wählerinnen einseitig beeinflussen.

Aufgrund einer E-Mail meinerseits (nicht nur von mir) habe ich vom ZDF folgende Antwort bekommen:

"Sehr geehrte Zuschauerin,
sehr geehrter Zuschauer,

vielen Dank für Ihre Zuschrift an das ZDF.

ARD und ZDF laden zu einem Duell zwischen Amtsinhaber Olaf Scholz (SPD) und dem Herausforderer mit den besten Aussichten auf die Nachfolge, Friedrich Merz (CDU). Da es zwei weitere Parteien gibt, die seit der letzten Bundestagswahl konstant über zehn Prozent liegen, haben ARD und ZDF auch deren Spitzenkandidatin und Spitzenkandidat eingeladen, um ihre Ideen für das Land angemessen präsentieren zu können. Hierzu sind Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) und Alice Weidel (AfD) angefragt.

Alle Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten haben in der sogenannten „Schlussrunde“ am 20. Februar (ARD und ZDF) die Möglichkeit, im direkten Vergleich miteinander zu diskutieren. Auch die politischen Talkshows und geplanten Bürgerformate von ARD und ZDF ermöglichen den direkten Austausch.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Zuschauerservice"

Inzwischen hat Robert Habeck das TV-Duell mit Alice Weidel abgesagt und auch die AfD-Chefin Alice Weidel hat die Pläne der Fernsehsender kritisiert.

https://www.upday.com/de/habeck-sagt-tv-duell-mit-alice-weidel-ab?utm_source=upday&utm_medium=referral

Da der Bundeskanzler nicht direkt, sondern durch den Bundestag gewählt wird, ist es irrelevant wie die Umfragen zum Kandidaten stehen.
Die Werte der Parteien, die ja den Bundestag besetzen, sind da eher ein Anhaltspunkt.
Wenn die stärkste Partei gegen die Zweitstärkste antreten soll wäre es Merz gegen Weidel. Währe bestimmt lustig.
Habeck kann dann gegen Scholz antreten.

Aber die fairste (wenn auch schwierige) Lösung ist eine Runde aller. Da gehört dann aber auch Wagenknecht dazu.

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Dann müssten sie aber auch Weidel einladen. Die Partei ist nicht verboten.

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da ist der Haken.
Das wollten sie offenbar vermeiden, ebenso wie ein „Quartell“ (?) mit allen vieren.
Also machen sie es nach Erfolgsaussichten, nicht nach Größe der Partei.
Ach ja, und Wagenknecht macht ja theoretisch auch noch mit.
Die fällt aber sowohl nach Erfolgschance als auch nach Größe durch.

Welchen Maßstab nimmt man? Schwierig.
Entweder alle oder keiner, befürchte ich.
Sollen sich doch Weidel und Wagenknecht gegenseitig schlecht machen :slight_smile:
Aber das wird dann eher ein Zirkus, zu fünft, und dann mit den zwei "speziellen Kandidatinnen.
Insofern kann ich den Versuch verstehen, es nur mit Scholz und Merz zu versuchen.
Das KÖNNTE noch ein halbwegs vernünftiges Gespräch ergeben.
Und an Habeck als Kanzler glaube ich nicht, da müssten SPD und CDU abstürzen und die Grünen grandios aufholen. ALs Marketingansatz ist die Kanzlerbewerbung richtig, aber allzu ernst nehmen würde ich das nicht.

Wichtig wäre, das der Wähler/Zusschauer diese Chance der Diskutanten zur Inzenierung durchschaut und abschaltet - egal, wie viele Diskursteilnehmer nun angemeldet sind.

Leider ausdrücklich konjunktiv, da es zu viele gibt, die das nicht durchschauen - und ich nicht wüsste, wie man das ändern könnte - schon gar nicht für die anstehende Bundestagwahl - wäre ich Millionär, ich würde im Vorfeld ganzseitige Anzeigen in Zeitungen schalten, die auf die Unsinnigkeit dieser „Show der personifizierten Eitelkeiten“ hinweist.

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Das Format des sog. Kanzlerkandidaten-Duells wurde aus den USA übernommen und gehört einfach abgeschafft!

In den USA gibt es wirklich eine Personenwahl (wenn auch mit einem abstrusen Verfahren), da macht ein solches Duell noch Sinn. Zumal es immer nur zwei Kandidaten gibt.

Die Sender sollten diese sog. Kanzlerduelle einfach abschaffen. Es passt nicht mehr zu unserer Parteienlandschaft und bringt dem Wähler nix.

Wie wäre es stattdessen, wenn man die Sendezeit für einen fundierten Vergleich der Wahlprogramme nutzen würde. Das die AfD-Wähler gegen ihre eigenen Interessen wählen könnte man da schön vorführen.

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ich meine schon, dass es relevant ist, wer und wie die spitzenleute der parteien sind.
wie soll man einen eindruck von ihnen bekommen?
es ist wahlkampf, da ist alles inszeniert.
daran kommen wir nicht vorbei.
wenn ich nur einen sehe, bleibt alles unwidersprochen. wenn es mehrere sind, kriege ich auch eine gegenposition.
inhaltlich muss man nicht glauben was die sagen, aber vielleicht lernt man über den menschen was.
ich werde es jedenfalls anschauen

Das ist absolut relevant. Auf internationalen Konferenzen treffen sich keine Wahlprogramme sondern Menschen.

Das ist der Punkt, es ist keiner gezwungen, es anzuschauen. Deswegen ist die Diskussion hier ziemlich sinnlos.

So lange die Wähler nicht zu dieser Selbsterkennung kommen, wird das immer noch traumhafte Einschaltquoten erzeugen - die Sender sind also gut beraten (nicht zuletzt aus reinem demokratischen Mehrheitsdenken), solche Inszenierungen auch weiter anzubieten. Sstreng genommen erwarte ich das sogar von einem staatlich (also auch von mir) finanzierten öffentlichen Sender, dass er ein Programm anbietet, das für die meisten ein Gewinn darstellt (auch wenn es „objektiv“ gar kein Gewinn ist).

Geile Idee - es scheitert dabei aber an 2 Dingen - erstens: die Nachfrage be den Zuschauern - zweitens ist es sich er recht kompliziert, eine Sendung so zu gestalten, dass sie für alle akzeptabel hinreichend ausgewogen bleibt (auch ein Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen).

Was genau hast Du über Pirce Brosman beim Schauen der James Bond Filme gelernt?

Bei den zugegeben ganz wenigen Menschen, die in der Öffentlichkeit präsent waren, und die ich auch ein wenig persönlich kennen lernen durfte, habe ich vor allem gelernt, dass die in der Öffentlichkeit präsentierte Fassade nicht viel mit dem Menschen dahinter zu tun gehabt haben (wie immer nicht repräsentativ!)

Dann wäre es vielleich tsinnvoll, jeden der KandidatInnen einzeln zu interviewn, und ihnen ein Team von Wissenschaftlern (Sozial- wie Wirtschafts- und natürlich auch Naturwissenschaftlern) „zur Seite“ (oder doch gegenüber?) zu stellen, um diese Positionen alle einer gründlichen Prüfung zu unterziehen - dann hast Du Deine beiden Meinungen - und (zumindest eine) Seite, die nicht nur inszeniert.
Ich befürcte, das wird nur keiner der Politiker mit machen, oder - wie es oft passiert, wenn Politiker mit Wissenschaftsinformationen „unvermutet“ konfrontiert sind, wachsweich zu werden.

„Wissenschaft trifft Politik“ wäre in Wahlkampfzeiten doch mal ein geiles Konzept, oder?

Glaubst Du wirklich, dass sich damals etwas wesentliches geändert hat im Gefüge zwischen Deutschland und dem Rest der Welt, als brandt zurücktrat und Schmidt (noch ohne eindeutiges Wählervotum) das Ruder übernahm?
Sicher gab es Nuanchen, die sich änderten, und die auch sicher dazu führten, dass die Schere mit der Zeit größer wurde - aber Strukturell ist vieles beim alten geblieben. Und selbst der folgende Kulturschock bei der Ablösung Schmidts durch Kohl hatte keine dramatischen Konsequenzen auf internationalen Parkett - wieso also ist es Deiner Meinung nach so wichtig, wer das in Persona macht?

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Die Beeinflussung findet an anderer Stelle statt.

Tik Tok, Facebook, YouTube und Co.

Und neuerdings auch noch von ganz prominenter Stelle:

Dann machen wir eine Kinder-Rateshow draus: Was meint ihr liebe Kinder, welche Partei ist für höhere Erbschaftssteuern? Ob ihr recht habt oder nicht, sagt euch gleich das Licht :slight_smile:

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Dass er ein mittelmäßige guter Schauspieler ist. Und auch bei Politikeren geht es mir nicht darum, wie sie im innersten ihres Wesens sind (das wären die berüchtigten Homestories), sondern wie sie mit anderen Menschen interagieren. Letzteres gehört ganz wesentlich zu ihrem Beruf.

Ich glaube, dass sowohl Brandt als auch Schmidt durch ihre Persönlichkeit sehr viel verändert haben. Und nichts davon stand in irgend einem Wahlprogramm.

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das wäre gut, ersetzt aber keine Kandidatengespräche.
Man kann beides machen.
Und ob die Programme weniger geschauspielert sind als die Kandidaten wäre noch zu prüfen.

Und dann gibt es z B Trump. Der hat gar kein Programm. Trotzdem bewegt er die Welt. Was machst Du mit dem?
Ich verstehe diese merkwürdigen politischen Ekel vor Personen und Subjektivität nicht.
Glaubt irgendjemand, dass in der Politik (oder sonstwo) irgendwas rein objektiv ist oder betrachtet wird? oder dass das auch nur möglich wäre?
Der Anspruch, das Subjektive, das Menschelnde zu eliminieren, ist weltfremd und nicht zu erfüllen.
Wir müssen damit umgehen so gut wir können.
Wenn wir das Subjektive, den „human factor“ ignorieren, werden wir keine brauchbaren Ergebnisse erzielen.
Das gilt übrigens auch für unser aktuelles Lieblingsthema, die Diskussionsregeln.

Betrachte das mal von aussen:
wenn zwei Affen diskutieren und Dir sagen, sie wollen dabei völlig ausblenden, dass sie Affen sind, würdest Du sie für leicht beschränkt oder etwas überdreht halten.
Beim Menschen soll aber das Ignorieren des eigenen Wesens eine Tugend sein.
Warum?

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Affen diskutieren überhaupt nicht, deshalb ist diese Vorstellung als Grundannahme ungeeignet.

aua, das tut weh.
Ablenkung.

Ich hätte es auch so ausdrücken können:

Wäre das verständlicher gewesen?

Dann auf diesem „dümmsten Schwachsinn“ bzw. einer unzutreffenden Grundannahme eine logische Argumentation aufzubauen und andere Leute wie am Nasenring zu zwingen, dieser Argumentation zu folgen ist…sagen wir mal… nicht zielführend.

ich gebe zu, dass mein Affenbeispiel eine gewisse intellektuelle Transferleistung erfordert (Affe => Mensch), bin aber davon ausgegangen, dass diese Transferleistung etwa ab der 4. Grundschulklasse erwartbar ist.

Es würde auf auf jeden Fall in einen Gary-Larson-Comic passen, aber, wenn auch lustig, sachlich richtig ist es trotzdem nicht.

So sehr ich Dir durchaus recht gebe - warum wird daraus nicht die logische Konsequenz gezogen? Es gibt laut Wissenschaft immer noch viele Möglichkeiten der Auswege aus den vielen Krisen - daher geht es uns auch soooo um Fakten - aber leider, leider menschelt es, weil wir eben keine faktenbasierten Wesen sind.
Und trotzdem geht, wenn es um die Zukunft geht, sofort der Fokus vom die Krisen verursachten menscheln weg hin zu rein fakenbasierten Lösungen.
Das gilt insbesondere für die „Lösungsansätze“, die von den Kandidaten in solchen Talkshows (und dazu gehört eben auch so ein Kandidatenduell) vertreten werden - sie kommen lediglich den romantischen Träumereien in verführerischer Weise entgegen.
Was können wir also bestenfalls aus so einem Duell lernen - der eine ist vielleicht ein etwas besserer Schuhverkäufer als der andere.
Deswegen ist der Mehrwert gering.
Und wie ist es mit dem Wechsel von Lafontaine vom SPD-Chef und „Fastkanzler der SPD“ zum Bundesvorsitzenden der Linken - klar war er ach als SPD-Vorsitzender schon deutlich Linker als Helmut Schmidt - und trotzdem hat er als Linkenchef Positionen vertreten, die er als SPD’ler abgelehnt hat - wahrscheinlich nicht deswegen, weil sich seine Überzeugung so stark verändert hat - sondern, weil es andere Positionen in neuer Funktion vertreten musste - Schuhverkäufer eben…