Gibt es, war mal anfänglich Thema meiner Diplomarbeit, Vergleich der Schulsysteme in unterschiedlichen Staaten, insbesondere Deutschland-Sozialistische Staaten. Das krame ich aber jetzt nicht wieder raus, ist schon lange her. Ein Buch habe ich noch: Uri Brofenbrenner: Erziehungssysteme Kinder in den USA und Sowjetunion.
Sozialistisches Schulsystem
spezialisierte, individuelle Bildung, Talentfördernd, Elternhausunabhängig, Fähigkeitenorientiert, Erziehungs- und Bildungsauftrag
Grundsätzlich wollte der Kommunismus/Sozialismus die Erziehungsgewalt über die Kinder haben und sie dem Einfluß des Elternhauses entziehen. Zweites Ziel war, möglichst viele wirtschaftlich notwendige Spezialisten heranzuziehen, insbesondere in den MINT-Fächern. Das bedeutete, die Talente eines Kindes möglichst früh zu erkennen und in Spezialschulen zu fördern, unter Weglassung anderer Fächer. Z.B. Leistungssportschulen oder wer gut in Mathe und Physik war, wurde nicht mit Fremdsprachen gequält, die er nicht so gut konnte, sondern erhielt verstärkt Unterricht in seinen guten Fächern. Zudem gab es ein System lebenslanger Fortbildung.
Für die Lehrer war es verpflichtend, in jedem Schuljahr einen Hausbesuch bei den Schülern zu machen, um die Lern- und Lebensbedingungen der Kinder zu überprüfen/die Eltern zu kontrollieren und ggf. staatliche Maßnahmen einzuleiten.
Brachte ein Schüler schlechte Ergebnisse, haftete der Lehrer/die Klasse (Kollektiv) dafür. So musste eine z.B. Klassenarbeit solange wiederholt werden, bis kein Schüler mehr eine 4 oder schlechter schrieb. Der Lehrer und die Mitschüler mussten den schlechten Schülern solange Nachilfe geben.
Deutsches Schulsystem
Allgemeine Bildung, keine individuelle Förderung, Elternhausabhängig, Defizitorientiert, nur Bildungsauftrag
Das deutsche Schulsystem dagegen entstand aus der Notwendigkeit der beginnenden Industriealisierung. Arbeiter mussten Betriebsanleitungen von Maschinen lesen können, aber bitte nicht über revolutionäre Flugblätter reflektieren. Die Aufteilung in kostenlose Volksschule, kostenpflichtige Real- und Oberschule diente dem Klassenerhalt- um mal dieses altmodische Wort zu benutzen.
Bildung war in Deutschland immer vom Elternhaus abhängig und nicht von den Talenten.
Ein allgemeiner deutscher Lehrplan legt für alle Schüler gleiche, verbindliche Lernziele fest, unabhängig, ob sie dazu in der Lage sind, diese zu erreichen.
Wenn ein Kind im Sozialismus besser Malen als Rechnen konnte, kam es auf eine Kunstschule. Wer in Deutschland besser Malen als Rechnen kann, bleibt sitzen und kann im Bildungssystem nicht viel erreichen.
Ein besonderer deutscher Fehler im weltweiten Vergleich ist die Aufteilung der Kinder auf weiterführende Schulen bereits in der 4. Klasse. In anderen Ländern findet diese Aufteilung frühestens ab der 6. Klasse statt.
Genau das ist eben der fehlerhafte deutsche Ansatz. In anderen Ländern erfüllt der Lehrer diese Funktion. Wenn Kinder den ganzen Tag zur Schule gehen und dort den größten Teil ihrer Zeit verbringen, kann man die Erziehung nicht ins Elternhaus schieben und sich auf reine Wissensvermittlung in der Schule berufen.
Das Problem liegt nicht in der Person des Lehrers, sondern im Lehr-und Schulsystem, dem der Lehrer unterworfen ist. Er muss Lehrpläne erfüllen und alle Schüler auf dem gleichen Stand bringen, unabhängig von deren Talenten und individuellen Schwierigkeiten, auf die er keinen Einfluß hat. Das führt automatisch zu einer Kampfsituation im Unterricht, in der ja die Schüler auch untereinander konkurrieren. Er hat auch keine Ressourcen, um Lerndefizite oder besondere Talente in Extraunterricht auszugleichen. Dies ist in Deutschland dem Elternhaus überlassen. Der Fehler liegt in unserem System, nicht an den Schülern und Lehrern, die diesem defizitorientiertem System unterworfen sind. Pisa zeigt das immer wieder.
Ein motivierter Lehrer motiviert auch seine Schüler, aber unser Bildungssystem verhindert jegliche Motivation und fördert Frustration auf beiden Seiten.