Das Märchen vom Fachkräftemangel... Eigentlich ist es eine Fairnesskrise!

Hallo liebe Mitglieder leider ist der sogenannte Fachkräftemangel gar keiner. Die Probleme liegen tiefer…

es handelt sich wegen oft mieser Arbeitsbedingungen, veralteten Strukturen und schlechter Bezahlung eher um eine Fairnesskriese.

Wenn Geringverdiener kaum mehr als Harz 4 oder neuerdings Bürgergeld verdienen also trotz Arbeit Wohngeld brauchen um zu überleben, dann stimmt was mit unserer Arbeitskultur nicht…

Das bedeutet, für diese Gruppe ist der Mindestlohn zu niedrig. Wer arbeitet, muss normalerweise von sein Leistung leben können.

Es kann nicht sein, dass der Staat Dumpinglöhne mit Wohngeld usw… subventioniert anstatt dass endlich einen wirklich fairen Mindestlohn einzuführen, mit dem man wirklich vernünftig leben kann wie es eingentlich sein soll, wenn man was leistet.
Das subwentionieren von Dumpinglöhnen muss beendet werden, dann kommen die gesuchten Kräfte auch. Niemand will arbeiten um trotzdem arm zu bleiben. Da fühlt sich jeder verarscht… Kein wunder dass das so nicht läuft… Das ist ein großer Motivations und Attaktivitätskiller.

Dazu kommt noch das Problem dass der Abstand zwischen Facharbeiterlohn und Mindestlohn eher zu niedrig ist. Bei so miesen Aussichten ist es kein Wunder, das niemand mehr Fachkraft werden will die anspruchsvolle Aufgaben erledigen kann. Und das führt dazu dass niemand mehr Handwerker werden will.
Die Wirtschaft ist hier eigentlich am Zug was zu ändern. Wenn das nicht ausreicht, dann brauchem wir vielleicht auch einen allgemeinen Fachkraft- Mindestlohn, der den Mindestabstand zwischen angelernten Geringverdiener und Fachkraftlohn vergrößert um Mangelberufe Attraktiver zu machen.

Wir können es uns nicht leisten so viele Stellen unbesetzt zu lassen.

da wären dann noch die Arbeitsbedignungen… Und die eher zu unflexiblen und teils zu langen Arbeitszeiten. In Deutschland ist es ja quasi ein Statussymbol, Arbeitssüchtig und Burnout zu sein…

Beispiele hierfür gibt es genug. Wie kann es sein ,dass manche Medizinische Fachkraft, wie meine Mutter früher (bis vor 2 Jahren) mal war, trotz 40 Jahren Berufserfahrung und guter Reputationen vom Arbeitgeber über ihre Arbeit nur den ganz normalen Mindestlohn bekommen hat. Arbeitszeit ca-13 Stunden Täglich. über Jahrzehnte… sie hat alle Möglichen zahnärztlichen Assistenzleistungen erbracht , sowohl Anmeldung bis zum zur OP- Assistenz. nur eben… hmm… nix verdient. Und die Verantwortung am Menschen zu arbeiten kann man keinen ungelernten überlassen da das gefährlich sein kann. Warum wird das nicht besser bezahlt als zum Beispiel an der Aldi Kasse? Es hat sich durch Berechnungen gezeigt, dass Sie an der Aldi Kasse mit weniger Stunden dasselbe, ggf. sogar mehr verdient hätte…

Wir müssen endlich aufhören zu glauben, alle Menschen die sich nicht zu tode arbeiten sind faul…

heute hat meine Mutter kaum Rentenaussichten… und da wundert man sich dass im Gesunhheitsbereich keiner mehr arbeiten will. Und meine Mutter kann nicht mehr, der Stress ist ihr zu viel geworden obwohl sie noch eine weile vor der Rente ist.

Äh wenn das so weitergeht, müssen Sie die Leute im Pflegeheim selbst die windel wechseln usw… oh so was… wenn die das könnten bräuchten sie gar kein Pflegeheim …

dumm gelaufen.

Wie enden Märchen so schön ? Wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute…
Nur dass es diesmal kein schönes Märchen ist…

Eigentlich müsse es auf den Arbeitsmarkt bezogen so heißen:

Wenn sie sich nicht zu tode gearbeitet haben bis zum Suizid, dann leben sie noch heute… :smiling_imp:

hehe, ja der Spruch ist vielleicht gemein, aber treffend, genau das ist dsas eigentliche Problem…

Das ist ja beruhigend. Aber woher kommen sie? Wo halten die sich derzeit auf?

Definiere ‚vernünftig leben‘.

Auch mir geht es gegen den Strich, dass in vielen Ausbildungsberufen jetzt genau so viel bezahlt wird wie für Sandschaufler, aber das ist eine direkte Folge der Anhebung des Mindestlohns, die bekanntlich eine große Mehrheit der Grünen gefordert hat. Wenn wir ihn weiter anheben, bekommen wir irgendwann das Einheitsgehalt.

Tut mir leid aber das stimmt nicht. Mein Arbeitgeber stellt pro Jahr 500 IT-Experten zusätzlich ein (also reales Wachstum, die Abgänge sind da schon rausgerechnet). Wir würden auch 1000 nehmen.
Und diese Menschen werden alle sehr gut bezahlt.

Wenn du heute Informatiker bist, brauchst du nur 10 Minuten die Hand aus den Fenster zu schwenken und es klingeln 10 Headhunter bei Dir. Das nennt sich „Arbeitnehmerparadies“ oder Fachkräftemangel.

Natürlich gibt es Berufe die grottig bezahlt werden. Das ist aber nicht die Ursache dieses Problems sondern ein anderes Thema.

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Sage wir es so - es gibt einen echten Mangel bei hochqualifizierten Jobs (IT, Ingenieure, … , Handwerk) wie auch in hochbelasteten Jobs ( Pflege, Kita, … , Handwerk)
und - und das ist wichtig - das „Prekariat“ im Bereich Medien aber auch Geisteswissenschaften, die aber den Diskurs führen und ihre Lebenswelt z.T. wiederspiegeln.

Will sagen - ich würde nicht unbedingt die Axt an die Geisteswissenschaftsfakultäten legen aber … unseren Schulen zum Auftrag machen, dass sie für’s Leben ausbilden sollen und nicht für eine Instagram-Karriere und auch nicht für eine Zukunft im Staatsapparat. Es kann doch nicht sein, dass der Ingenieursberuf als uncool gilt und die Leute stattdessen soziale Arbeit studieren.

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Ja er hat schon recht. Die interessante Frage ist ja, WARUM fehlen viele Fachkräfte? Das ist ja das Problem, einige Berufe scheinen mir eher gehypt zu sein und anderes vergammelt… Ich finde schon , das Informatik künftig ein sehr wichtiges Feld sein und auch bleiben wird. Aber mal so gefragt: Bist du sicher dass wirklich so inflationär viele davon gebraucht werden?

Es gibt viel technischen Schnickschnack der nich unbedingt nötig ist. Mancher Bedarf an Informatikern ist auch absolut künstlich geschaffen worden.

Etwa da wo man einen Informatiker braucht, um bloß eine blöde Heizung einzustellen ,weil die Steuerung so extrem Kompliziert geworden ist und teilweise Internetgesteuert ist. Ein Handwerker ist oft damit überfordert. Selten klappt das gut. Bald brauchen wir den Heizungsinformatiker als Handwerksassistent um die ganzen überkompliziert gesteuerten Wärmepumpen zu betreiben? Alles nur weil der Glaube herrscht, dass man zum Energiesparenden Heizen unbedingt Rakentenwissenschaft braucht?

Bin gespannt wann man auf die teuere Idee kommt, mit sowas wie Stargate- Technik zu heizen. (Es gibt eine Stargate- Atlantis folge, die tatsächlich von einem so ähnlichen Thema handelt, allerdings will man das Gate eher dazu nutzen die Klimaerwärmung zu stoppen… also der umgekehrte Anwendungsfall als riesige Klimaanlage)

Und ich sehe auch dass wir einen extra Fachkräfte Mindestlohn brauchen, der etwas höher als der allgemeine ist, damit wieder genug fachkräfte kommen. Aber das wird nicht reichen, da wären noch die Arbeitsbedignungen und veraltete Strukturen und die tatsache, dass bestimmte berufe uncool sind.(ich meine als uncool gelten…)

Ja du könntest mit deinen Argumenten recht haben. Hast du ne Idee warum der Ingenieursberuf als uncool gilt?

Eigentlich kann man, wenn man einen ansoruchsvollen Geist hat, also relativ intelligent und kreativ Probleme lösen kann, sich gerade da hervorragend austoben. Es gibt ne Menge verschiedener Ingenierure…
Elektro, Wissenschaft, Technik, Maschinenbau, Bauingenieur, Architekt (zählt auch zu diesem Feld dazu),
Agraringenieur, Luftfahrttechnik, Raumfahrt… und noch ein Paar weitere Felder die ich gar nicht alle weiß wie die heißen…

Ich verstehe ich ganz warum das so uncool sein soll… Leider hat meine Gesundheit mich gehindert so einen Beruf zu erlernen und genug Schulbildung zu machen um Studieren zu können. Hätte mich durchaus Interessiert… schade, eigentlich ein riesiges Feld mit sehr vielen Möglichkeiten.

Und für meine Schwester war das auch mal eine Option ,sie wollte Architektin werden, hat aber wegen massiven Mobbing und Sexismus gegen junge Frauen abbrechen müssen…

Sagen wir es so - in der Schule wird den jungen Menschen eher nicht das selbstständige Lösen von Sachverhalten beigebracht und die Erwartung, noch ewig Mathe&Physik zu machen ist eben … zu anstrengend …
Hinzu kommt, dass es auch ein gehöriges Maß an Ehrgeiz und Frustrationstoleranz braucht, um in dem Job durch’s Studium zu kommen und dann am Ende glücklich zu werden. In der Elektrotechnik gibt es Abbrecherquoten bis 70% und das sind nur die, die überhaupt damit anfangen …

Und dann - die Zeit, in der „Nerds“ noch nicht bewundert und geachtet wurden, ist noch nicht so lange vorbei…

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Woher kommen diese hohe Abbrecherquoten? Gilt jemand, der nach dem Bachelor abbricht auch als Abbrecher? Die Degeneration unseres Schulsystems ist natürlich mitverantwortlich. Aber gibt es noch andere Faktoren? Ist das Abitur zu leicht und daraus folgend di9e Anzahl der Studierenden pro Fach zu hoch? Die Jugendlichen sind nicht dümmer als früher. Was kann getan werden, um die jungen Leute zu unterstützen?

Wenn die Personalabteilungen nicht jeden über 50 gleich aussortieren würden, gäbe es auch mehr Fachkräfte.
Und wenn man für jeden einfachen Sachbearbeiter Posten einen Studierten haben muss, schränkt das auch ein.

Das beste Argument gegen den Fachkräftemangel hat kürzlich eine Wirtschaftswissenschaftlerin im TV gebracht:
„Warum steigen dann nicht die Gehälter entsprechend?“

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Wo sollen die denn hinsteigen ? Ein guter ASIC-Designer verdient +/- 100T€/Jahr und es gibt einen recht großen Mangel. Am Geld liegt es nicht (nur) -jedenfalls nicht am oberen Ende der Gehälter

Die waren nur ganz früher geringer - erst seitdem das Abitur zum Standard geworden ist, die Leute alle studieren wollen, die Teilstudiengänge im Grundstudium ( BA ) mehr oder weniger gleich gestaltet sind und demzufolge in manchen Teilen etwas überfrachtet ( wie auch in der Schule ) fliegen die Leute früher raus.

Auch bei uns ( Studienbeginn 1990 ) wurden wir mit dem Satz begrüßt - das ist hier nur zu Anfang so voll - in 3 Jahren seid Ihr höchstens noch die Hälfte …

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Daher sollten die Personalabteilungen nur mit anonymisierten Bewerbungen arbeiten. Kein Name, kein Alter, kein Geschlecht und kein Bild. Beim der zweiten Tour der Auswahl sollte die Anfordernden die Bewerbungen durchgehen. Dann sollte doch mehr rauskommen.

Die steigen ohnehin. Aber es gibt auch Grenzen in den Gehaltsstrukturen der Unternehmen und auch die Aufwand/Ertragsrechnung muss positiv ausfallen…ausser im ÖD natürlich.

Ja dann müssen die Gehaltsstrukturen eben angepasst werden.
So ist das nun mal auf den „freien“ Markt.
Funktioniert ja bei Vorständen auch.
Wenn man nicht bereit ist zu „genug“ zu zahlen, geht man leer aus.

Das ganze Thema „Fachkräftemangel“ sieht doch eigentlich so aus:
„Wir finden nicht genug Leute für das Geld, dass wir bereit sind zu zahlen“

Hab mal auf dem Flug von Singapore nach Deutschland neben einem Personalmenschen von IBM-Asia gesessen. Der erzählte mir, dass er Ingenieure für Asien in Deutschland anwirbt, weil in Deutschland nicht die entsprechenden Gehälter für gesuchte Fachleute gezahlt werden.

Und löst euch mal von den IT Spezialisten etc.
Viel größere Probleme haben wir z.B. bei den Handwerkern.

Vielleicht sollten wir uns auch davon lösen, dass jede Tätigkeit von „Fachleuten“ erbracht werden muss. Z. B. im Heizungsbau sind mindestens die Hälfte der Tätigkeiten auch durch Hilfskräfte machbar.

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Und in der Verwaltung von Menschen mit Realschulabschluß oder einem guten Quali. Die Programme steuern doch ohnehin die Leute.

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Bloß nicht. Die kriegen dann wieder nur Mindestlohn, arbeiten entsprechend schlecht und nachher fliegen uns die Heizungen um die Ohren, oder die Kacheln von der Wand (bei Fliesenlegern).

hatte ich geschrieben. (Hervorhebung von mir)

Rohre von der Wand reißen, raus tragen, rein tragen, was an die Wand schrauben, aufräumen, etc.
Dafür musst du keine Fachkraft sein.
Stelle jeder Fachkraft eine Hilfskraft zur Seite, dann schafft die fast das doppelte.

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und die Hilfskraft kriegt dann Mindestlohn und muss Sozialleistungen beantragen, um sich und die Familie ernähren zu müssen?

StKl. 3/2 bringt Brutto 2080/Netto 1650€ + 500 Kindergeld + eventuell Wohngeld.

Mit Glück gibt es einen Tarifvertrag. Da ist die Vergütung etwas höher. Steuern sind als allein verdienendes Familienmitglied nicht existent. Allerdings frisst die SV immer noch kräftig.

Da kommt es auf die Höhe der Miete und der Nebenkosten an. Wer billig wohnt, ist mit Arbeit besser dran. Wer nicht, ist mit Bürgergeld besser bedient. Reines BG wäre 1.568€. Aber Arbeit lohnt sich nicht wirklich. Schließlich wird ein Teil des „Gewinns“ von den Kosten zur Erlangung wieder aufgefressen. Und 0€ Wohnkosten hat keiner.
Unterm Strich ist nicht arbeiten bei Mindestlohn einträglicher. Vor allem Wohnen und Energiekosten sorgen dafür.

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Hat das jemand geschrieben?
Ist das gesetzt?
Auch Hilfskräfte können mehr als Mindestlohn bekommen.
Und nicht alle haben eine Familie zu ernähren.
Denk nur an die vielen jungen Leute die hier Asyl bekommen haben und gerne was tun wollen.
Und selbst wenn sie Mindestlohn beziehen würden und aufstocken, besser als komplett Bürgergeld auf Kosten der Steuerzahler.
Zudem geht es hier darum, dem vermeintlichen Fachkräftemangel zu begegnen.

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Nö, denn dann profitiert der Arbeitgeber von den Sozialleistungen, indem sein zu gering bezahlter Arbeitnehmer vom Staat Geld zum Überleben bekommt. Und der Arbeitgeber kann sich den Profit durch den eingesparten Lohn in die Tasche stecken.
Zu den Flüchtlingen, mit denen ich beruflich zu tun habe:
Vater, Mutter, zwei Kinder - keine Heiratsurkunde, keine Geburtsurkunden. Bedeutet: Steuerklasse 1, weil nicht verheiratet, Mutter und Kinder nicht familienversichert bei der Krankenkasse, weil Verwandschaft nicht durch Dokumente nachweisbar. Ganz prima Spiel, weil Vater mit Steuerklasse 1 auch noch die Krankenkasse für seine „Lebenspartnerin im eheähnlichen Verhältnis“ zahlen muss. Dazu kriegen geduldete und Asylbewerber nicht mal Kindergeld, so das sie bei Berufstätigkeit mit einem Minus enden, im Vergleich zu Asylbewerberleistung.