Im Herbst dieses Krisenjahres findet der Bundeskanzler deutliche Worte. Er tritt ans Rednerpult, schaut in die Runde, dann der erste Satz: „Meine lieben Parteifreunde, ein Blick in die heutigen Zeitungen zeigt an den Überschriften, wie groß die Unruhe in der Welt ist.“ Es herrsche Krieg. Jeden Tag Tote und Verwundete. Gerade erst habe Moskau eine amerikanische Initiative zur Beendigung des Konflikts abgewiesen.
Und dann die Lage in Deutschland: „Die Preisentwicklung für einige Lebensmittel und Gebrauchsartikel ist nicht tragbar“, sagt der Kanzler. Hinzu kommt die Brennstoffknappheit, über die er ausführlich spricht. Der Winter ist nicht weit, und die Menschen müssen ihre Wohnungen heizen. Außerdem sind da noch die Millionen Flüchtlinge im Land, die versorgt werden müssen.
Kein Wunder, dass sich Enttäuschung, ja Wut im Land ausbreitet. Der Kanzler reagiert mit persönlichen, fast wehmütigen Worten: „Dem Bundestag und sicher auch der Bundesregierung werden so viele Vorwürfe gemacht. Ach, meine Freunde, ich wünschte, alle die Deutschen, die sich den Mund zerreißen, könnten einmal zusehen, wie in der Bundesregierung und im Bundestag gearbeitet wird.“
So also spricht der deutsche Bundeskanzler. Im Oktober 1951. In dem Jahr in dem Konrad Adenauer (CDU) ein Gesetz mit dem Namen „Gesetz über den Lastenausgleich“ erarbeiten lässt. Demnach wird auf große Vermögen eine Abgabe fällig. Über 30 Jahre hinweg jedes Jahr 1,67 Prozent.
Bei der nächsten Wahl verbessert die CDU ihr Ergebnis von zuvor 31 auf 45 Prozent.
Der Effekt, das bei einer Vermögens- (oder Erbschaftssteuer) jeder sofort an seinen kleinen Familienbetrieb oder das Häuschen seiner Eltern denkt und nicht an wirkliches Vermögen, weil
sich niemand vorstellen kann, was wirkliches Vermögen bedeutet, der ist in Deutschland besonders
ausgeprägt.
Nun hat die Regierung damals den Hausbesitzern vor dem Lastenausgleich schon die Wohnungslosen ab 1946 in die Immobilen gesetzt. Erst 1962 konnte mein Vater die letzte Mieterin von ca. 10 Personen hinausklagen. (zusätzlich zur eigenen Familie mit 5 Personen), die das Wohnungsamt meinem Opa in das Haus mit 5 Zimmern Küche Bad gesetzt hatte.
Obendrauf kam also der Lastenausgleich, der über Jahrzehnte ging.
Und ob da wirklich jeder gleich nach seiner Fläche belastet wurde? Auch die Unternehmer ? Kennt da wer was ?
Alle Milliardäre Deutschlands besitzen zusammen etwa 0,5 Billionen. Wenn wir auf 1 Bln erhöhen, haben wir auch die meisten Multimillionäre erwischt. 1,67% davon sind 16,7 Mrd. Das reicht nicht mal für ein Zehntel vom „Doppelwumms“.
Belege bitte. Es gibt leider keine offiziellen Zahlen zu den wirklichen Vermögen, da diese amtlich nicht erfasst werden. Nur verschiedene Presse-Sammlungen:
„Das reichste Prozent besaß knapp 800.000 Euro oder mehr.“
… also jeder mit einem etwas größeren EFH in einer Großstadt.
Und das reichste 1 % besaß 2007 zusammen 2,59 Bln.
Wenn, dann schon die aktuellen zahlen von 2019/2021
Das reichste Prozent der Einwohner in Deutschland verfügt über 30 Prozent des Vermögens. Dagegen hat in Großbritannien das reichste Prozent der Einwohner 24 Prozent des Vermögens, in Italien und Frankreich jeweils 22 Prozent.[48][49]
Das Vermögen des wohlhabendsten Hundertstels aller Haushalte in der Bundesrepublik wird auf etwa zwei Billionen Euro geschätzt, wobei es nach Kalkulationen der Wirtschaftsprofessoren Mishael Milaković und Jan Schulz von der Universität Bamberg auch dreieinhalbmal so hoch liegen könnte.[50]
Ob die 1,67 % eine gute oder schlechte Idee waren, weiß ich nicht.
Jedoch ist wohl -
jedenfalls den Erzählungen meiner Eltern (r.i.p.) zu Folge -
mit den Begünstigten des Lastenausgleichs ähnlich schlampig-großzügig verfahren worden, wie bei der Entnazifizierung.
Ich weiß auch nicht , wie gut die Idee war, der damalige Lastenausgleich. Er war anscheinend eher eine Schlampig umgesetzte Steuer, die viele unangemessen benachteilligt hat. Mit der Ausrede versucht ma nsich heute einer fairen Besteuerung der Superreichen zu entziehen, die mehr Geld haben, als diese eigentlich tatsächlich erwirtschaften können.
Das liegt daran, das Reiche zu viele Privilegien haben. je Reicher man ist desdo weniger Steuerlast…
Und mega Reichtum lässt sich nur mit Finaztricks oder Ausbeutung verdienen, nicht duch wirkliche Arbeit. So viel arbeiten kann kein Mensch…
Und die große Macht der Reichen ermöglicht es, Ausbeutung zu legalisieren. Zum Beispiel Lohndumping mit einem schneeball- Subsub- Unternehmen- System. das ist oft bei Lieferdiensten und auch bei Amazon der Fall. Billglohn für Fachkräfte… Und dann wundert man sich über Fachkräftemangel…
Ich fand zunächst einfach dieses Zitat sehr witzig. Wenn wir ernsthaft über Vermögenssteuer diskutieren, muss der Titel natürlich noch geändert werden.
Bei einer Vermögenssteuer geht es mir in erster Linie nicht um Staatsfinanzierung sondern um eine gerechtere Gesellschaft und um Begrenzung der Macht. Ein Erb-Elite von Menschen die Ultra-Reich geboren werden und Ultra-Reich sterben, gefährdet jede Demokratie.
Das liegt vermutlich daran, dass die letzte Vermögenssteuer, die wir in Deutschland hatten, schon ab 120.001 DM Vermögen pro Person erhoben wurde. Quelle:Vermögensteuer (Deutschland) – Wikipedia
Das Problem ist, wenn du ein Haus für 300000€ hast und nicht genug verdienst, musst du es wegen der Vermögenssteuer verkaufen. Warum wunderst du dich darüber, wenn Leute davor Angst haben?
DIE LINKE hat wenigstens eine Zahl für einen Freibetrag genannt (2 Millionen), B90/DIE GRÜNEN nicht.
Ach, der alte Adenauer war schon ein Fuchs!
Man nehme den Reichen ein ganz, ganz klein wenig weg und gewinnt (u.a.) damit Wahlen: Aus der Perspektive der Armen: „Richtig so, dass die Reichen jetzt auch mal ihren angemessenen [?] Beitrag zum Gemeinwohl leisten müssen!“. Aus der Perspektive der Reichen: „Gut gemacht, bevor uns die Sozis und Kommunisten mit drakonischen Steuern und Abgaben kommen, geben wir lieber ein klein wenig ab um den Bärenanteil zu sichern!“
Zu der Überschrift des Threads: Der Kanzler hat das Problem gerade NICHT gelöst, er hat eine wesentliche Säule der ungleichen Verteilung von Vermögen und Einkommen (wie sehr werden Vermögen in die Steuer- und Abgabenlast einbezogen?) und der Unterfinanzierung des Staates für 30 Jahre zementiert. Ok, man hätte das LAG auch ändern können, politisch vermutlich sehr schwer durchsetzbar. Ein Glanzstück der Trickle-Down-Ökonomie!