Im Nahen Osten tobt der Krieg, in der Ukraine sowieso, die Ölpreise steigen, Merz will Mütter per Gesetz zur Ganztagsberufstätigkeit zwingen und Trump unterschreibt die Dollarscheine jetzt höchstpersönlich.
Alles ein Elend auf dieser Welt!
Aber die Schlagzeilen titeln: Der gestrandete Wal am Timmendorfer Strand! Endlich ein Problem, bei dem die Deutschen mal nicht tatenlos zusehen müssen.
Vor seiner Strandung schwamm der Wal in ein Stellnetz verheddert in der Lübecker Bucht herum. Schon dort kam es zu Einsätzen, um ihn vom Netz zu befreien. (NDR 20.3.26)
Kaum befreit, standet er Montag auf einer Sandbank am Timmendorfer Strand. Da liegt er nun und wird im Livstream sowohl von ARD, ZDF und News5 beobachtet.
Der Meeresbiologe und Youtuber Robert Marc Lehmann bereitet das Land und die Zuschauer vorsichtig auf den Tod des Tieres vor. Dass Wale stranden, sei nicht ungewöhnlich und wenn er stirbt, hat Timmendorf „einen riesigen, stinkenden Haufen Scheiße“ am Strand liegen. Der Kadaver müsste kostspielig zerteilt und entsorgt werden. Walstrandung in Deutschland – Kann man den Wal noch retten? | Robert Marc Lehmann
Und das ausgerechnet zu den Osterfeiertagen, der ersten Saison im Seebad. Wie unangenehm.
Schließlich macht sich der Walflüsterer doch noch auf den Weg an die Ostsee. Die Überlebenschance schätzt er auf 0,1 % ein, ähnlich wie seine Kollegin. Der Zustand des Tieres ist nicht besonders, neben der angegriffenen Haut hängt ihm Seil vom Fischernetz aus dem Maul - wer weiß, was er noch verschluckt hat. Vielleicht hat er sich zum Sterben hingelegt. (NDR: Marc Lehmann)
Aber die Bagger baggern unermütlich einen Kanal für den Wal und Mark Lehmann erklärt dem Tier im Taucheranzug, wohin er schwimmen soll. (Tagesschau) Das Tier würde vom Land SH sogar eine Polizeibootbegleitung Richtung Nordsee/Dänemark bekommen, damit er nicht wieder strandet, so Ministerpräsident Daniel Günther, der zur persönlichen Begutachtung herbeigeeilt war. Dänemark ist schon informiert. Die freuen sich bestimmt, wenn ein sterbenden Wal an ihrem Strand rumliegt …
Natürlich stellt sich in Deutschland ordnungsgemäß die Frage nach Zuständigkeit und Kosten für die Aktion. So erklärt sich der Timmendorfer Bürgermeister formal für nicht zuständig, hilft aber trotzdem und bekommt dafür vom Land SH erstmal 40 000 Euro. Für die Leistung seiner Mitarbeiter in der Verwaltung, die dann intern verrechnet werden, wie er sagt. (NEWS5 ab Stunde 8.08)
Denn der Bagger kam kostenlos und alle helfen ehrenamtlich. Was konkret haben seine Mitarbeiter für 40 000 Euro geleistet? Begleitende Beobachtung? Der Meeresbiologin aus Büsum ein Zimmer besorgt? Den Strand mit Flatterband abgesperrt?
Und so bangt nun das ganze Land um den Wal, beurteilt die Rettungsaktionen, macht Vorschläge und vergisst, dass das ursprüngliche Problem des Wales ein Geisternetz war, in dem er sich verfangen hatte.
Nachtrag: Der Wal ist weg.