1. Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.
2. Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.
3. Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.
4. Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s
Und das Liebste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.
Dieses, die Kinderhymne von Berthold Brecht wurde von Bodo Ramelow vorgeschlagen, der eine neue Diskussion über die Nationalhymne und Nationalflagge abermals anregt.
Ich glaube, die Bundesrepublik ist genau jetzt reif für die Diskussion und letztendlich auch für diesen Text. Was meint Ihr?
Von Text und Melodie fand ich die DDR Hymne immer besser:
(Und immer noch nein- ich bin kein Kommunist! Meine zweite Hymne ist Sonne der Gerechtigkeit )
1. Strophe
Auferstanden aus Ruinen
und der Zukunft zugewandt,
laß uns dir zum Guten dienen,
Deutschland, einig Vaterland.
Alte Not gilt es zu zwingen,
und wir zwingen sie vereint,
denn es muß uns doch gelingen,
daß die Sonne schön wie nie
über Deutschland scheint.
2. Strophe
Glück und Friede sei beschieden
Deutschland, unserm Vaterland.
Alle Welt sehnt sich nach Frieden,
reicht den Völkern eure Hand.
Wenn wir brüderlich uns einen,
schlagen wir des Volkes Feind.
Laßt das Licht des Friedens scheinen,
daß nie eine Mutter mehr
ihren Sohn beweint.
3. Strophe
Laßt uns pflügen, laßt uns bauen,
lernt und schafft wie nie zuvor,
und der eignen Kraft vertrauend,
steigt ein frei Geschlecht empor.
Deutsche Jugend, bestes Streben
unsres Volks in dir vereint,
wirst du Deutschlands neues Leben.
Und die Sonne schön wie nie
über Deutschland scheint.
Da war der Dichter wohl etwas übergriffig. Ich war vor ein paar Tagen in Verona und habe die Etsch überquert.
Italienisch Adige. Und Südtirol heißt Italienisch Alto Adige. Also war das wohl mal die österreichische Südgrenze.
Und anscheinend ist Verona auch das Bern des Dietrich (Theoderich) von Bern. Warum auch immer.
Abgesehen davon, daß es da eine tolle Arena gibt wo man einen guten Hintern oder ein gutes Kissen braucht, falls man auf den Steinstufen eine Oper besucht.
Sorry für das OT, aber ich war da zufällig letztes Wochenende und bei der Stadtführung gab es eben auch eine Menge Geschichte.
Ich denke wir haben momentan Wichtigeres zu tun als über eine Nationalhymne zu diskutieren, wenn gerade die Lage national und international eher schlechter wird.
So als Zeichen des Aufbruchs zur Wiedervereinigung hätte man das vielleicht machen können. Aber jetzt?
Die Kinderhymne ist ganz nett, aber der Satz hier wirkt doch heute überholt:
Da merkt man, dass sie 1950 geschrieben wurde.
Damals ein guter Gedanke, heute eher merkwürdig.
Unseren militärischen Schrecken haben wir schon lange verloren, vor der Bundeswehr erbleicht (leider) niemand mehr.
Fragt Putin.
Auch die ganzen Versuche, jeden Hauch von Nationalismus zu vermeiden, sind m.E. nur aus der damaligen Zeit heraus zu verstehen:
„Und weil wir dies Land verbessern Lieben und beschirmen wir’s“
Das ist Blödsinn. Wir lieben das Land nicht, weil wir es verbessern.
Wir verbessern es, weil wir es lieben.
„mag´s uns scheinen (!)“
nur scheinen, es darf nicht wirklich das Liebste sein.
Und keinesfalls dürfen wir mehr Vaterlandsliebe haben als andere Völker.
Durchschnitt dürfen wir sein, aber mehr nicht.
und da wird dann der alten Hymne noch eine mitgegeben
„Nimm das, Du Maas- und Memelfetischist.“
Wie gesagt, 1950 absolut ehrenwert, aber heute … ?
Die wenigsten wissen heute, wo Maas und Memel liegen, von der Etsch ganz zu schweigen.
Kurz und klein: der Vorschlag mit dieser Hymne kommt 60 Jahre zu spät, der Text ist heute rückwartsgewandt.
Das geht heute anders und besser. Mehr Zukunft, weniger Rückschau.
Für mich würde es reichen, wenn die Hymne ein gesundes Maß an Liebe zu unserem Land sowie Freundlichkeit und guten Willen gegenüber dem Rest der Welt ausdrückt.
Deutschland ist ein schönes und erfolgreiches Land, das wir lieben und beschützen.
Wir sind friedlich und wollen zu einer guten Zukunft für uns, Europa und die ganze Welt beitragen.
So in der Art. Reicht das nicht?
Alles darüber hinaus ist unnötig und schwierig.
Was ich nicht brauche, sind Belehrungen über geschichtliche Zusammenhänge („Räuberin“ usw), erzieherische Aufarbeitung des 2. WK („Oder bis an den Rhein“) oder nationalistische Überhöhungen („Deutschland über alles“).
All das kriegt schnell einen parteipolitischen Touch und mindert die allgemeine Akzeptanz.
Deswegen wird Ramelows Initiative auch diesmal wieder im Sande verlaufen.
Es ist natürlich nicht in dem Sinne „Deutschland über alle anderen Nationen“ zu verstehen, aber in einem positivem Sinn ist es sehr nationalistisch, in dem Sinne einer geeinte Nation, die besser ist als die vielen Fürstentümer.
Genau wie eine geeinte EU besser ist als viele einzelne Staaten.
aber heute kommt es so an, der Wortlaut wirkt heute unangenehm „über-patriotisch“.
Eine Hymne, die man nur dann nicht missversteht, wenn man bis ins 19. Jhdt zurück geht, hat sich überlebt.
hast Du mal eine Fundstelle dazu, worauf sich die Formulierung mit dem „über alles“ damals bezog?
hab was gefunden:
(angeblich die gemeinsame Seite der deutschen diplomatischen Vertretungen in Polen)
Hoffmann von Fallersleben zielte mit seinem Text auf die seinerzeit als Utopie anmutende
Einheit einer deutschen Nation. Denn das Gebiet, in dem weitgehend deutsch gesprochen
wurde, bestand seit 1815 aus insgesamt 39 Einzelstaaten (ein Kaiserreich, fünf Königreiche,
ein Kurfürstentum, sieben Großherzogtümer, zehn Herzogtümer, elf Fürstentümer und vier
reichsfreie Städte), die sich auf dem Wiener Kongress im Deutschen Bund
zusammengeschlossen hatten. Es gab kein gemeinsames Staatsoberhaupt, keine einheitliche
Verwaltung und Gesetzgebung, keine Wirtschafts- und Zolleinheit und kein einheitliches
Heerwesen.
Vor allem kritische Intellektuelle forderten deshalb öffentlich die Überwindung von
Kleinstaaterei und fürstlicher Landesherrlichkeit und die Gründung eines deutschen
Nationalstaats
Du weißt, dass ich hier rausgeflogen bin, weil ich der Meinung bin, dass man sich Begriffe und ihre Deutung zurückholen muss.
Es ist möglich und in meinen Augen sehr wichtig. Weil sonst die Schreihälse und Vaterlandsverräter mehr und mehr Begriffe zu Pfui-Begriffen machen, während die Toleranten dem Paradox anheimfallen und mehr und mehr Begriffe vermeiden/scheuen/umschreiben.