Deutschland ist gewaltblind

Bitte übertreibe nicht. Wenn @lawandorder dich auffordert beim Thema zu bleiben, ist das definitiv keine Form von Gewalt.

Ich finde auch nicht, dass er eine nach einer persönlichen Logik argumentiert, sondern er benutzt die allgemein übliche Logik. Es bist eher Du, die einer manchmal nur schwer nachvollziehbaren Logik folgt.

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Wann und wo? Darf ich Popcorn mitbringen? Gibts Eintrittskarten?

Aber zurück zum Thema…
In meiner frühen Kindheit, die ich in den USA verbracht habe, war Gewalt immer ein Thema. Ob nun Football, die üblichen Raufereien an der Grundschule oder die subtile Gewalt der Apartheit.
Mit vier Jahren brachte mir mein Vater das Schießen bei…

Hier völlig undenkbar. Jedoch ist die Gewaltbereitschaft in den unteren Gesellschaftsschichten deutlich spürbarer, vor allem an Brennpunktschulen. Ohne jetzt bestimmte Bevölkerungsschichten anzuklagen, ist das Gewaltpotential durch das Elternhaus vorgegeben. Während die Spät 68er auf gewaltfreie Erziehung gesetzt haben und ein Laissez-faire bei vielen Jugendlichen zur Orientierungslosigkeit führte haben archaisch geprägte Elternhäuser als Konfliktlösung nur die körperliche Gewalt.

Überträgt man das nun auf eine Meta-Ebene der Gesellschaft und Politik, so findet man archaisch erzogene Mandatsträger und Entscheider eher weniger, dafür aber mehr Gewaltfrei Erzogene. Das spiegelt sich meines Erachtens in der Wehrhaftigkeit unserer Republik wider. Kaum jemand ist bereit, die Wehrpflicht ernsthaft einzuführen und die Werte scheinen verloren gegangen zu sein. Ich denke, dass dies mit ein Grund einer erstarkten nationalen Bewegung ist. Alte Werte wiederherstellen aus der Motivation der Angst.

Anstatt einer Kehrtwende oder dem Zuhören der Verängstigten, leben viele in einer Realitätsfernen Blase, die immer noch von der Friedensbewegung der 80er Jahre geprägt ist. Dafür drängen wir Andersdenkende in eine Blase der rechten Ecke. Mit dir rede ich nicht mehr, denn du favorisierst die AfD/Heimat/Identitären…

Während einige aufwachen und für eine militärische Lösung plädieren, um Putin zu stoppen, pochen andere ausschließlich auf Verhandlung, auch wenn die Ukraine dafür geteilt werden sollte.
Gewalt auszuüben bedeutet nicht nur, eine starke Bundeswehr zu haben, sondern auch nach innen Stärke zu zeigen.
Das bedeutet, wenn Intensivstraftäter mit oder ohne deutschen Pass zum 20sten Mal im Görli-Park in Berlin nach einem Raubüberfall aufgegriffen wird, müsste die Justiz kein böses Dudu aussprechen, sondern entweder lange Haftstrafen aussprechen oder gleich abschieben. In Texas bekommt man für eine Vergewaltigung ebenso lebenslänglich, als wenn man wegen der selben Straftat zum dritten Mal vor Gericht steht. Man gilt als nicht resozialisierbar und deshalb muss die Gesellschaft vor diesem Straftäter geschützt werden.
Die Methodik in Texas teile ich nicht, jedoch den Grundsatz, dass die Gesellschaft geschützt werden muss.
Innen wie aussen… hier fehlt es mir deutlich an politischem Willen. Bei Angriffen gegen die Gesundheit sollte ein Straftäter nicht mehr nach Feststellung seiner ID auf freien Fuß gesetzt werden dürfen. Hier würde eine Änderung der täglichen Praxis auch die eigenen Polizisten wieder von der Handlungsfähigkeit des Staates, den sie vertreten, wieder überzeugen, dass es sich lohnt für diese Demokratie einzustehen.

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Die aus eurer Blase, ist schon klar.

Gewalt ist auch in Deutschland ein Thema, wie du ja selbst auch geschrieben hast. Es ist nicht nur in den unteren Schichten ein Thema, sondern wir alle haben in uns ein Gewaltpotenzial, weil es zum Menschsein dazu gehört. Die Frage ist nur, ob wir uns das eingestehen und wie wir damit umgehen. Dieses Buch von Jordan Petersen hat mich sehr fasziniert, darin beschreibt er das:

den Gedanken hatte ich auch letztens.
Vielleicht haben einfach alle politischen Lager nur Angst vor der Zukunft und wollen Deutschland retten. Nur die Gründe für die Angst und die Vorstellungen, wie die Rettung passieren soll, unterscheiden sich gewaltig.

Die Grünen und Linken sehen die Gründe für den drohenden Untergang insb. im Klimakollaps, der Umweltvernichtung und der Verarmung und sozialer Ungerechtigkeit.

Die AfD, MAGA und andere rechte/rechtsextreme Gruppierungen befürchten (so mein Verständnis), dass das Abendland untergeht, weil zu viele fremde Einflüsse herrschen, zu viele Ausländer kommen, weil die bisherigen gesellschaftlichen Spielregeln, sozialen Normen und Machtverhältnisse sich nach ihrer Meinung zu schnell oder in die falsche Richtung ändern (das Gendern, die LGBTQ-Bewegung, „Multikulti“, Veganismus, Inklusion, neue wirtschaftliche und politische Konkurrenz wie zB China).

Einerseits fürchten die Rechten (egoistisch) sicher auch um ihren persönlichen Platz in der Gesellschaft, wenn sich alles ändert.
Aber ich kann mir vorstellen, dass viele auch ernsthaft glauben, dass die laufenden und bevorstehenden Veränderungen die Gesellschaft und den Staat als Ganzes zerstören.
„Biologistisch“ gesprochen sehen Rechte und Linke den Erhalt der Spezies Mensch bedroht, und deswegen fühlen sie sich verpflichtet und berechtigt, sich dagegen zu wehren, auch mit illegalen Mitteln (da sind die Klimakleber das simpelste, aber auch ein eher harmloses Beispiel).

Aus diesem Antrieb (Arterhalt!) resultiert die Unversöhnlichkeit beider Seiten und das gegenseitige Unverständnis.
„Wie kann man so blöd sein nicht zu begreifen, dass der Klimawandel (auch) Deutschland zerstört?!“
„Wie kann man so blöd sein nicht zu begreifen, dass der unbegrenzte Zuzug von Migranten Deutschland zerstört?!“
Der Hass der Rechten ist, so verstanden, nur die Kehrseite ihrer Angst vor dem Untergang.

Wenn man es mal wohlwollend interpretiert, ist der (auch gewaltbereite) „Widerstand“ der Rechten auch ein Zeichen einer gewissen Vitalität, eines intakten Abwehrmechanismus’ gegen Veränderungen, die Teile der Bevölkerung überfordern oder die tatsächlich problematisch sind.
Merkwürdigerweise versagt aber diese Abwehrmechanismus bei einer der greifbarsten und augenfälligsten Bedrohungen, nämlich der russischen Aggression. Insofern mag in dem ganzen rechten Sumpf irgendwo ein nachvollziehbares Motiv drin stecken, aber es wird doch durch viel Dummheit und niedere Beweggründe überlagert.

Du bist Petersen-Fan?! Das hätte ich nicht erwartet.
Er gilt ja bei den Linken eher als sowas wie der Anti-Christ, reaktionär, frauenfeindlich, rückwärtsgewandt, gottgläubig (insofern ist der Anti-Christ eine schräge Metapher), rechthaberisch, ein alter weißer privilegierter Mann usw usw.

Ich bin gespalten, was ihn angeht. Einerseits halte ich ihn für einen wirklich originellen Denker, andererseits hat er aber auch etwas bedenkliche Züge, gerade wenn es ins Religiöse geht und um die fanatische Abwehr „linken“ und „woken“ Gedankenguts, und wenn er ihm in Interviews die Tränen kommen, habe ich den Eindruck, das kommt von der Rührung über sich selbst. Aber es lohnt, sich mit ihm zu beschäftigen.

Das Buch habe ich nicht gelesen. Was schreibt er denn zum Thema Gewalt?

Ich bin kein Fan von irgendwem, sondern habe nur geschrieben, dass mich sein Buch fasziniert hat.

Ich habe das Buch nicht selbst sondern hatte es mir geliehen, deshalb kann ich nicht wörtlich zitieren, aber sinngemäß schreibt er, dass wir alle eine gewaltbereite Seite in uns haben, und wenn wir das leugnen, die Aggression gegen uns selbst wenden. Dass man sie aber auch im Griff haben und ein friedliches Leben führen kann, wenn man sich eingesteht, dass sie trotzdem existiert.

Ich begrüße es in diesem Fall nicht, weil es völlig unangemessen wäre. Eine derartige Verrohung der Gesellschaft im Alltag gab es wohl mal früher in den Geschichten, die das alte Testament erzählt.
Wir sollten uns die nicht wünschen und stolz darauf sein, wenn wir friedlich miteinander auskommen.
Gerade von Schlägereien hat nun wirklich niemand einen echten Gewinn.

Im Notfall mit Gewalt reagieren zu können, wenn man angegriffen wird, finde ich richtig, aber in der Welt herum zu reisen und zu gucken, wo gerade Zoff ist und man mitmischen könnte, nicht.

Du „zitierst“ die AfD Wähler:

Ich habe den Verdacht, dass diese Angst weniger reale Ursachen hat, auch wenn ich die Probleme durch die Migration durchaus sehe, sondern dass diese Angst gezielt geschürt wird, von Menschen denen es nur um ihre Macht und ihre Vorstellung einer reinen Gesellschaft (keine Ausländer, keine Queeren) geht. Deswegen sehen sie auch Putin nicht als Feind, ihre Ziele decken sich mit seinen Zielen. Sie stellen sich wohl eine gute Kooperation mit einem erstarkten Russland in Europa vor.

Man kann das vermutlich nicht direkt vergleichen, aber ich muss oft daran denken, wie im Dritten Reich der Hass auf Juden geschürt wurde, mit ganz ähnlichen Argumenten.

Der im 1. Beitrag verlinkte Beitrag von n-tv zitiert Claudius Seidl in der FAZ.
Seidl schreibt u.a.:

"Für die Freiheit muss man Opfer bringen

Dass die Grünen und das dazugehörige Milieu am ehesten bereit zur Kriegsertüchtigung seien, ist eine These, die sich falsch und widersinnig anhören muss – für all jene jedenfalls, die sich noch erinnern können an die Antinachrüstungsdemos der Achtziger, an „Schwerter zu Pflugscharen“ und den provokant antischneidigen Habitus jener Jahre. Wer jetzt aber spottet, dass aus dem langhaarigen Anton Hofreiter kein Held, aus der oft so harmlos wirkenden Annalena Baerbock keine Amazone mehr würde: Der glaubt womöglich immer noch daran, dass im Krieg starke Körper auf andere starke Körper mit Schwertern so lange einschlagen, bis der Stärkere gewonnen hat. Der hat schon die Erfindung des Streitwagens und des Katapults verschlafen. Der weigert sich, zur Kenntnis zu nehmen, dass es die supermodernen (und womöglich von Nerds, Brillenschlangen, Veganern entwickelten und gesteuerten) Waffen sind, welche die Uk­ra­i­ner davor bewahren sollen, in den Schützengräben des Donbass den Horror des Ersten Weltkriegs noch jahrelang nachspielen zu müssen.

Dass für die Grünen und ihr Milieu die Tapferkeit ein Fremdwort sei, ist nur ein, immerhin naheliegendes, Vorurteil. Man muss die Aktionen der Letzten Generation nicht gutheißen, um trotzdem zu sehen, dass die, die sich allein mit ihren ungeschützten Körpern auf eine vierspurige Straße kleben, dabei mehr Mumm zeigen, als das der Bauer tut, der mit seinem tonnenschweren Traktor ähnliche Effekte erzielt.

Der entscheidende Unterschied ist aber der, dass man dort längst gelernt hat, dass Wohlstand, Komfort, Bequemlichkeit nicht zu den unveräußerlichen Menschenrechten gehören. Dass man bereit sein muss, die eigene Lebenspraxis infrage zu stellen, wenn tödliche Bedrohungen erkennbar werden. Zu diesen Bedrohungen gehört eben nicht nur der Klimawandel. Zu diesen Bedrohungen gehört auch Putins Krieg. Es sieht so aus, als wäre ausgerechnet der angeblichen Verbotspartei die Freiheit kostbar genug, um einzusehen, dass man für sie Opfer bringen muss."
https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2024-04-04/e937dfd8736efe5c50b5223c43931d63/?GEPC=s5

Diesen Erklärungsversuch finde ich interessant. Die Bereitschaft der Grünen, sich großen Katastrophen entgegen zu stellen, bezieht sich nicht nur auf das Klima, sondern auch auf Russland und den Krieg.

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Auf besonderen Wunsch einiger user wurde diese Thema wieder geöffnet.

Jetzt kann man hier wieder antworten

Danke für das Hervorholen.

Gewaltbereite Clique… ich zähle mich nicht dazu, denn ich sehe viele Dinge eben aus meiner Lebenserfahrung heraus und bewerte es anders.

Aber das Thema Gewalt ist auch in Russland langsam zum Problem geworden.
Eine Welle „unsichtbarer Gewalt“ - Ehemalige Ukraine-Kämpfer verüben in Russland erneut Verbrechen (msn.com)
Die ehemaligen Sträflinge kehren ins Zivilleben zurück und sind per se total verroht.
Sie wurden zu Killern gemacht, wenn sie es vorher schon nicht waren und man hat vergessen, sie wieder zu zivilisieren…
Aber das ist nicht ein russisches Problem. Das habe ich bei vielen Veteranen beobachten können, die im tatsächlichen Kriegseinsatz waren.

Deine Logik bezüglich Putin kann ich nachvollziehen @Biologin . Provozieren wir, ist es falsch, provozieren wir nicht, ist auch falsch.
Ich hoffe, dass Putin bald das zeitliche segnen wird und in die ewigen Jagdgründe eingehen wird. Ich hoffe nur, dass der Nachfolger nicht genauso vernagelt ist und eine Rückkehr Russlands in die Weltgemeinschaft möglich sein wird.

Der FAZ-Artikel hat mich mehr angesprochen, obwohl ich auch ihm nicht ganz zustimme. Dein n-tv link hat mich nicht überzeugt. Wohl aber die Fragestellung, wie Gewalt erkannt und eingeschätzt werden kann, wenn man sie nicht selbst erlebt hat.

Selbst die Faust im Gesicht spüren: Das sollte niemand erleben müssen. Wir haben durch das Gewaltmonopol des Staates eine friedliche Gesellschaft, in der Gewalt nicht mehr zum Alltag gehört. Das ist ein Segen. Die meisten haben dadurch keine Einschätzung in (potentiell) gewaltsamen Situationen, das bleibt meist auf Ausnahmen und besondere Berufe beschränkt. In diesen Berufen wird gelernt, in Gewaltsituationen die Kontrolle zu behalten und nicht zum Opfer zu werden. Man lernt viele Facetten wie den Verlauf, Eskalation, Deeskalation, die Täter, die Opfer und andere Situationsvariablen einzuschätzen. Das ist auch Aufgabe des Militärs und der Informationsdienste. Gewaltmonopol des Staates bedeutet, dass der Umgang damit professionalisiert ist. Die Bürger müssen darauf vertrauen und vertrauen können, dass das System funktioniert.

Dem gegenüber ist der Konsum von Gewaltdarstellungen in Filmen/TV riesig. Menschen scheinen sich dafür zu interessieren. Vielleicht ist es Teil der Intention, auf diese Weise auch den Umgang mit Gewalt zu lernen, also lernen am Modell. Ein Nebeneffekt: Die Welt bzw Deutschland wird als gewaltsamer eingeschätzt, als sie sind.

Allerdings scheint es eine Zunahme von Gewalt in manchen Milieus, in Schulen und gegenüber bestimmten Gruppen zu geben, auch manche Berufsgruppen wie Ärzte, Sanitäter, Bürgermeister ua berichten das. Auch in manchen dieser Bereiche wird, als Reaktion auf die Zunahme, der Umgang mit Gewalt professionalisiert
Dass Menschen trotzdem Kampfsportarten lernen, widerspricht dem nicht: Man lernt, Eskalation zu vermeiden und die Grenzen der Notwehr. Man lernt zum Glück nicht, wie es ist, eine Faust ins Gesicht zu bekommen.
Die Professionalisierung von Gewaltgegenwehr finde ich richtig.

Auch Außenpolitik und Militärpolitik sollten professionell laufen. Auch darauf müssen wir Bürger vertrauen, denn wir haben in der Regel nicht die gesamte Hintergrundinformation.
Gleichzeitig bildet sich eine öffentliche Meinung über diese Fragen, gerade in krisenhaften Zeiten. Diese öffentliche Meinung bildet das ganze Spektrum ab zwischen wohl informiert, Humbug und gezielter Fehlinformation.

Spitzenpolitiker befinden sich in einer besonderen Situation: Sie müssen lebenswichtige Entscheidungen für alle treffen. Die Bedrohungslage hat sich so zugespitzt, dass sie sich in einer unbekannten Situation wiederfinden. Die letzten Jahre des Kalten Krieges war die Führung der UDSSR berechenbar, es konnten verlässliche Vereinbarungen getroffen werden. Auch in den Jahren danach waren wir, trotz Terrorismusgefahr, nie in einer so brisanten Situation. Ich kann mir vorstellen, dass die führenden Politiker auch persönlich unter Druck sind.

Natürliche Reaktionen auf eine akute Gefahr sind Kampf, Flucht oder Erstarren. Bei einer länger dauernden Gefahr versucht man sich anzupassen. Das braucht aber Zeit. Je größer und überraschender der Stress ist, desto mehr fällt man in sehr früh gelernte Anpassungsmuster zurück, die automatisiert wurden. Das bedeutet, die Entscheidungen werden u.U. schneller, automatischer aber oft auch schlechter. Mir scheint, dass gegenwärtig Robert Habeck die bessere Sammlung von Anpassungsmustern hat als etwa Olaf Scholz.

Die Persönlichkeit Putins bedeutet für Menschen, die mit ihm zu tun haben, einen besonderen Stress. Sein ganzes Verhalten ist darauf ausgerichtet, die Kontrolle zu behalten und den anderen durch Angst und Verwirrung klein zu halten. Das tut er nicht nur militärisch, sondern auch und besonders im direkten Kontakt. Die Telefongespräche, die Scholz mit ihm geführt hat, dürften eine Fundgrube für forensische Psychologen sein.
Dazu kommt, dass Putin aufgrund seiner Sozialisation (?) bestimmte soziale Signale offenbar nicht oder falsch versteht. Menschen, die diese Signale verstehen und als normal empfinden, werden durch seine dann rigide Reaktion verunsichert.
Diese Verhaltensweisen Putins werden in der offenen westlichen Gesellschaft wahrgenommen und lösen, je nach Vorerfahrung und Neigung, die verschiedensten Reaktionen aus.
Das Tohuwabohu um die beste Reaktion auf Putins Drohungen ist nicht überraschend. Es ist genau Ziel seiner Aktionen.
Es ist eine besondere Herausforderung, sich so einem Menschen entgegenzustellen und das richtige Maß in seiner Antwort zu finden. Dass Leute darauf nicht vorbereitet sind, ist normal. Aber sie sollten verd.mmt schnell lernen. Schneller auf jeden Fall.
Das ist dann wirklich ein Fall für Diplomatie: Nämlich gute Bündnisse zu schmieden, außerhalb der NATO und erst recht innerhalb.

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Hm …
Was heißt „nicht überzeugt“?
Es ist ja weitgehend eine Zustandsbeschreibung.

Mal ein Zitat:
„Die Verteidigung Deutschlands schien uns als edles, vor allem aber angenehm theoretisches Szenario. Wurde dieser sterile Blick auf Soldaten, Waffen und Krieg doch einmal gestört durch, sagen wir, russischen Krieg in Georgien, Krim-Annexion oder durch tote deutsche Soldaten bei Auslandseinsätzen, dann hat man das weggeachselzuckt.
Und sich umso fröhlicher aufgeregt, wenn die Bundeswehr etwas zu laut für Nachwuchs wirbt oder ein bisschen medienfremd darauf besteht, mit Fackeln vor dem Reichstag herumzulaufen. Deutschlands letzte Gewalterfahrung war eben eine, die es sich redlich verdient hatte - und das prägt offenbar die Wahrnehmung, auch knapp 80 Jahre später.“

Ist das aus Deiner Sicht eine richtige Beschreibung?
Was ist unrichtig?

Allem, was Du schreibst, kann ich zustimmen.
Aber mir ging es um was anderes:
das fehlende Verhältnis der Gesellschaft zur Gewalt,
die Neigung, wegzusehen und Gewalt nicht wahrzunehmen oder „weg-zu-psychologisieren“,
die Unfähigkeit, mit Gewalt und Aggression sinnvoll umzugehen (was immer das dann konkret bedeutet),
die Weigerung anzuerkennen, dass nicht jeder Gewalttätter mit gutem Zureden abgewehrt werden kann,
den Unwillen, Gewalt mit Gewalt entgegen zu treten, sich mit Gewalt zu verteidigen, wenn nichts anderes hilft,
die Wehrlosigkeit, die daraus resultiert, und die Existenzgefährdung, die Folge dieser Wehrlosigkeit sein kann.

Das alles bedeutet nicht, dass wir das Gewaltmonopol des Staates aufheben sollten (Gott bewahre), oder dass wir Gewalt zum Mittel der Politik machen sollten oder ähnlichen Unsinn.
Aber dass wir wieder lernen, uns notfalls mit Gewalt zu verteidigen (!), um unser Leben und unsere staatliche Existenz zu sichern.
Die fundamental wichtige Unterscheidung von Gewalt als Angriffsmittel und Gewalt als Verteidigungsmittel wird von der Ablehnung der Gewalt als solcher mittlerweile bei vielen völlig überdeckt, habe ich das Gefühl.
„Aufrüstung“ ist schlecht, auch wenn sie nur der Verteidigung dient?!
Das hat geradezu suizidalen Charakter.
Teilen der Gesellschaft scheint der Überlebenswille abhanden gekommen zu sein.

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Naja, tendeziell zähle ich mich schon auch dazu, weil ich im Ukrainekrieg (anders als im Gazakrieg) eine ganz einseitige Verantwortungszuschreibung vornehme, weil ich einzig für die Ukraine Empathie empfinde, und weil ich den - auch gewaltvollen - Widerstand gegen dieses russische Verbrechen aus einer tiefsitzenden eigenen lebensberdrohlichen Ohnmachtsstrategie heraus favorisiere, und nicht über genügend Phantasie verfüge, Alternativen selbst zu entwickeln (oder auch nur ernsthaft in Erwägung zu ziehen).
So sehr ich also diese meine Thesen über diesen Konflikt mit Vehemenz (als meinen Beitrag zum Diskurs) verbreite - so ist das doch bitte nicht als pochen auf den aus meiner Sicht einzig möglichen alternativlosen Weg zu verstehen - sondern eher als meine Beschränktheit, über anderes nachdenken zu können zu verstehen…
So gesehen gehöre ich dann wieder nicht so ganz zu dieser Clique - oder rede mir das nur schön - ich weiß es ehrlich gesagt nicht so genau…
Ich finde den Impuls, sich dieser Aussage selbstkritisch zu stellen, durchaus interessant und sehe das nicht als persömlichen Angriff…
@Biologin
Oder war es einer? :smirk:

Ich habe das Thema als so kompliziert empfunden, dass ich mich dem erst annähern wollte.
Weil ich diese Artikel als zu stark vereinfachend bei einem komplizierten Thema sehe.

Ich finde es ganz natürlich, dass Krieg und Gewalt weit weg scheinen, wenn sie nicht Teil des Alltags sind. Natürlich werden auch Berichte als „weit weg“ wahrgenommen, und auch Unverständnis für das, was Polizei und Militär machen, ist nachvollziehbar. Das ist sicher nicht typisch deutsch, sondern wird in allen sicheren Gesellschaften so gehen. Schon die alten Römer haben sich darüber beschwert, und die Spartaner haben auf die Athener herabgeschaut.
Insofern ist dein Zitat am Anfang zwar eine Zustandsbeschreibung, aber dieser Zustand ist nichts besonderes.

Innerhalb der Gesellschaft Gewalt übersehen bzw. wegdiskutieren: In allen Milieus werden Formen der Gewalt, die ähnliche Menschen betrifft, eher wahrgenommen, während Täter aus den eigenen Kreisen eher entschuldigt werden. Eine besondere Wehrlosigkeit habe ich eher bei jungen und unerfahrenen Menschen mit geschützter Sozialisation beobachtet. Es ist schon ein spezielles Milieu, das so tickt. Also weniger „die Gesellschaft“, sondern ein Teil davon. Allerdings ist dieser Teil in politischen Führungspositionen eher vertreten. Andererseits gibt es einen deutlich gewaltbereiteren Teil der Gesellschaft, oder auch einen gewalterfahreneren.
Dass manche sich bei Fragen von privater oder staatlicher Selbstverteidigung in die Tasche lügen, ist auch nicht neu. Vielleicht lernen sie auch langsamer, sind rigide und können sich einer neuen Situation nicht anpassen.

Ich denke, es gibt in der Bevölkerung große Zustimmung zu einer Politik, die sich gegen Putin wappnet. Was fehlt, ist eine Art von politischer Führung, die die Befürchtungen, die in unterschiedlichste Richtungen gehen, auffängt. Die sehe ich weder bei Scholz, Merz, Söder, noch vielen anderen. Zu einer guten Führung in unsicheren Zeiten gehört auch eine gewisse Selbstlosigkeit, das Ganze über die eigenen Interessen zu stellen. Wenn das vorgemacht wird, folgt der Großteil der Bevölkerung.
Umgehen mit Gewalt, mit Bedrohungen, ist eine Gemeinschaftsaufgabe.

wenn Du als Teil einer gewaltbereiten clique bezeichnet wirst, ist das ein angriff.
wenn du das „wegpsychologisierst“, ist das teil dessen, was ich mit diesem thread meine.
die aggression wird so lange umgedeutet, bis man nicht mehr mit gegenaggression reagieren muss, weil das dem friedfertigen selbstbild widersprechen würde. dafür setzt du in dem fall sogar dich selber herab

ohne dass ich dazu einen anlass sähe.