Unser außenpolitisches Interesse fokussiert sich seit über einem Jahr vornehmlich auf die Ukraine. Im Schatten dessen machen wir uns zudem Sorgen um Taiwan und dessen unabhängige Souveränität. Aber was ist eigentlich innerhalb der EU los?
Man stelle sich vor, ein fremder Staat hält einen Teil der EU völkerrechtswidrig besetzt. Durch eine militärische Invasion, bei der es auch zu Massakern an der Zivilbevölkerung kam und ethnischen „Säuberungen“ wurde ein de-facto Regime auf dem Staatsgebiet eines EU-Mitglieds errichtet. Unvorstellbar? Das ist die Situation auf Zypern seit 1974 (bis auf dass es die EU damals so noch nicht gab).
Warum lassen wir uns das innerhalb der EU gefallen, während wir bei Drittstaaten so energisch dagegen vorgehen? Ich möchte keinesfalls dazu aufrufen den Zypernkonflikt eskalieren zu lassen, aber ich finde es spannend darüber nachzudenken, was wir aus der zyprischen Geschichte für die Konflikte um die Ostukraine oder Taiwan lernen können - denn in vielerlei Hinsicht sind sie sehr ähnlich. Wie sähe Zypern heute aus, wenn man sich damals nicht auf einen Waffenstillstand geeinigt hätte? Hätte es frühzeitig andere Möglichkeiten der Deeskalation gegeben? Welche fremden Mächte haben Öl ins Feuer gekippt und wie hätte man sie davon abhalten können?
ja und weil die Griechen 1974 Cypern verraten haben und bis heute fremdbestimmte Politik betreiben…
in Aussicht ist gerade auch eine Zusammenarbeit bei Öl-Bohrungen in der Agäis zwischen GR und Türkei gestellt (kollaterale Ökokatastrophen einprogrammiert), zugunsten von Profitinteressen, die solche Perspektiven befürworten und planen…
der Hauptakteur in der Region sind die USA / Nato, früher auch England
Geopolitische Kontrolle und Waffenverkauf ist eine zentrale Motivation
Europa ist vom unsichtbaren global-„Staat“ des internationalen Großkapitals besetzt , die EU ist für die dafür benötigten Banken entworfen worden…
Ein großer Teil von Nord-Zypern ist besetzt vom türkischen Militär, das ist der Status.
Da die Verwaltung dort nicht als Staat anerkannt ist, kann dieser Teil auch nicht durch die EU administriert werden…
Wie genau die Abläufe mit der EU waren, weiß ich nicht genau.
Ob es gut war/ist, dass Zypern in der EU reingegangen/ ist, bleibt fragwürdig…
Es gab auf beiden Seiten - der türkischen und der griechischen Seite Volksabstimmungen zur Wiedervereinigung. Danach sollte der gemeinsame EU Beitritt erfolgen.
Ursprünglich war es der Plan, dass Zypern nur vereint der EU beitreten darf, aus irgend einem Grund wurde dann davon abgerückt.
Bei der Abstimmung hat dann die türkische Seite für die Wiederveieinigung gestimmt, die griechische Seite dagegen. Im Endeffekt konnte dann nur der griechische Teil beitreten.
ja, ein Vergleich der Haltung der EU bezogen auf das Zypern-Problem im Gegensatz zu dem Ukraine-Problem, würde einige zusätzliche Diskussionen öffnen …
Diese findet man tatsächlich dann bei bestimmten politischen Analysten in den griechischen Medien… _ Als Résumé aus diesen ergibt sich die Aussage, dass die EU-Politik in diesen o.g. Fragen den Interessen der USA entspricht,
einerseits im Fall Zypern für ein Beibehalten der guten Beziehungen zur Türkei aufgrund ihrer Nato-Bedeutung (die traditionell als größer, weil weitreichender in Asien, als die von GR / Zypern bewertet wird)
andererseits im Fall der Ukraine, die bei der Ostfront zu Russland bzw. für einer Osterweiterung der Nato eine wichtige Position hat.
Die vorherrschende Meinung in GR ist heute, dass damals die CIA (die auch hinter der griechischen Hounta war) die entscheidende Rolle gespielt hat
Die Deeskalation ist ja passiert, indem das griechische Militär sich zurückgezogen bzw. in Folge nicht interveniert hat (was als Versagen der damaligen griechischen politischen Führung weiterhin bis heute gilt)
Und über die Frage, wie hätte man fremde Mächte davon abhalten können, sich einzumischen, wäre die Antwort davon abhängig, in welcher Welt und Machtverhältnissen man meint, dass wir leben und wo will man hin …, was wäre eine bessere Welt von morgen…
Andere behaupten es seien die Briten gewesen, die den Konflikt innerhalb Zyperns bewusst geschürt haben um sich auch nach Aufgabe der Kolonialherrschaft ihre Interessen in der Region sichern zu können - aus der Sicht wäre der Plan (devide et impera) gut aufgegangen, nur zu welchem Preis?
Bis 1960 haben die beiden Volksgruppen recht friedlich und ohne lokale Trennung miteinander auf der Insel gelebt. Ob und zu welchem Anteil sie sich damals überhaupt als zwei getrennte (und verfeindete) Volksgruppen verstanden haben, dazu gibt es unterschiedliche „Interpretationen“. Dann jedenfalls kam die Propaganda von den Seperatisten im Norden/Süden/Osten/Westen und hat das Land gespalten. Kommt die Geschichte bekannt vor? Mir schon
Also nach meinem Stand gab es ja sowohl von griechischer Seite als auch von türkischer Seite gegeneitige Vertreibungen. Da aber die Briten den Daumen auf Zypern drauf hatten, hatten sie das unterbunden.
Sprich, Druck von oben unterbindet ethnische Konflikte. Ähnlich war es unter Tito, da wurden auch die ethnischen Konflikte unterdrückt.
Sobald der Druck „von oben“ dann wegfällt, tauen die Konflikte wieder auf - oft noch nach Jahrzehnten.