Die FDP ist ein Abgrund an Verlogenheit

ich hoffe, Ihr könnt das öffnen und lesen.
Es lohnt sich.

Ein Auszug:
" Die FDP müsse da raus, die Ampel müsse enden

Volker Wissing meldet noch einmal Bedenken an. Doch diese Bedenken werden nicht geteilt. Es sei doch alles längst besprochen, soll Johannes Vogel, der Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, gesagt haben, warum mache man die Debatte denn jetzt noch einmal auf? Dann schaltet sich Lindner ein. Diesmal wird er grundsätzlich: Er sehe sich außerstande, die FDP in eine Bundestagswahl zu führen, wenn seine Partei zugleich noch Teil der Regierung sei, soll er nach Angaben von Teilnehmern gerufen haben. Es ist eine Art vorgezogene Vertrauensfrage. Der Mann, der die FDP vor sieben Jahren quasi im Alleingang zurück in den Bundestag geführt hat, setzt nun alles auf eine Karte. Entweder die Ampel oder ich.

Was nun folgt, ist ein Ausbruch des Parteichefs, der bei einigen in der Runde lange nachhallt: Die FDP müsse da raus, die Ampel müsse enden. Er könne diese Fressen einfach nicht mehr sehen, soll Lindner gerufen haben. Andere Teilnehmer können sich daran nicht erinnern.

Sollte es bisher noch Zweifel an Lindners Entschlossenheit gegeben haben, zerstreut er sie an diesem Morgen. Und es ist klar, dass die große Mehrheit der Parteiführung ihm auf seinem Kurs folgt.

Insgesamt verschärft sich in diesen Wochen die Rhetorik innerhalb der FDP. Der „D-Day“ wird nun in den Spitzenzirkeln der Partei zum internen Wording für den Ausstieg. Das Wirtschaftswende-Papier nennt man „Torpedo“, von einer „Feldschlacht“ ist die Rede, in der man sich bald befinde.

Am 28. Oktober nach 21 Uhr verschickt der Bundesgeschäftsführer an einen kleinen Kreis ein Dokument, dessen Ausarbeitung in Potsdam beauftragt wurde. „Den Mitgliedern des Präsidiums der FDP zur Information“ steht auf dem Deckblatt. Der Titel: „Aktuelle Bewertung Bündnis 90/Die Grünen“. Darunter: „streng vertraulich/intern“. Das Dokument liegt der ZEIT vor und es liest sich, als käme es aus der Opposition. Nicht von einer Partei, die mit den Grünen seit drei Jahren das Land regiert. Die Grünen würden eine Politik verfolgen, die „autoritär in Wirtschaft und Gesellschaft“ eingreife, heißt es in dem Papier. Ihre Politik sei ein „ein Risiko für den Wirtschaftsstandort“ und ein „wesentlicher Treiber für die Erfolge (rechts-)populistischer Strömungen.“ Es folgen 19 Seiten, gespickt mit verheerenden Umfragedaten und kritischen Stimmen von Medien und Ökonomen zur Politik der Grünen. Die Schlussfolgerung: „Parteien, die angesichts der Bilanz und des Programms der Grünen eine Regierungsbildung mit der Partei anstreben, werden erhebliche Mobilisierungsnachteile erfahren.“ Das Papier, so die Idee, solle demnächst an die Presse durchgestochen werden. Doch dann überschlagen sich die Entwicklungen.

Unter den Koalitionspartnern der FDP herrscht helle Aufregung

Am Vormittag des 1. November erscheint auf der Homepage der FAZ ein Artikel von Volker Wissing, der sich liest, als wolle der Verkehrsminister einen Versuch unternehmen, Lindners Plan in letzter Minute zu vereiteln. Er warnt vor einem Koalitionsbruch. „Es ist fatal, wenn demokratische Parteien die Übernahme von Verantwortung verweigern, nur weil sie nicht alleine entscheiden können“, schreibt er. Jeder in der FDP-Führung versteht, an wen sich dieser Text richtet. Wenige Stunden später veröffentlicht der stern Lindners Papier zur Wirtschaftswende. Allerdings ist die Veröffentlichung von der FDP noch nicht zu diesem Zeitpunkt geplant. Irgendwo scheint das Papier durchgesickert zu sein. Der „Torpedo“, von dem die Liberalen sprachen, ist nunmehr ins Wasser geplumpst als geglitten.

Binnen weniger Stunden zeigt sich jedoch, dass das Papier genau jene Wirkung entfaltet, die sich die FDP erhofft hatte: Es ist die maximale Provokation für SPD und Grüne. Die FDP fordert darin die Aufweichung der Klimaziele, die Abschaffung des Solidaritätszuschlags, eine Senkung der Unternehmenssteuern und einen Stopp aller weiteren Regulierungen, darunter das Tariftreue-Gesetz, ein Prestigeprojekt der SPD. Unter den Koalitionspartnern der FDP herrscht helle Aufregung.

Einen Tag zuvor saß Christian Lindner in einem Fernsehstudio und wurde von dem Journalisten Markus Feldenkirchen gefragt, ob er es darauf anlege, aus der Regierung geworfen zu werden. „Ich stehe für solche spielerischen Sachen ungerne zur Verfügung, weil ich auch selber keine Freude daran habe“, sagte Lindner. „Wir sind in einer ernsten Situation für unser Land und ich finde, dass es auch eine Aufgabe für den politischen Journalismus ist, die Ernsthaftigkeit durch Debatten zu begleiten, die argumentativ sind und nicht mit oberflächlichen Gerüchten.“"

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Zitat Wissing aus der FAZ:

„Es ist fatal, wenn demokratische Parteien die Übernahme von Verantwortung verweigern, nur weil sie nicht alleine entscheiden können“,

  1. Ähnliche Haltungen gibt es leider auch bei uns.
  2. Wissing ist für mich der große moralische Gewinner der letzten Tag. Wer kann, sollte sich auch sein Gespräch mit Markus Feldenkirchen auf Spiegel Online anschauen.

Es ist erschreckend was hier gerade läuft, nicht nur in Deutschland. Ein globale Verwahrlosung aller demokratischen Sitten, wie ich sie noch nie erlebt habe. Was gerade in den USA abläuft scheint auch nach Europa zu infiltrieren. Politischer Halloween.

Gerade möchte ich am liebsten wirklich die Klospülung ziehen

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HERZLICHEN DANK, lawandorder FÜR DIE ZUGÄNGLICHMACHUNG DIESES ARTIKELS.
:wave: :point_up:

Du hast jetzt mindestens ein Dutzend Versuche frei, mich mit anderen Äußerungen mal wieder politisch „auf die Palme“ zu treiben.
(Ach, das geht ja gar nicht, da hat ja schon Kalo seinen festen Stammplatz).

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d.h. Du kannst den Artikel öffnen, obwohl Du kein Abonennt bist?
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ich war mir nur nicht sicher, ob es funktioniert, habe das gestern zum 1. mal gemacht

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ja, das ist das Furchtbare daran.
Ich fand die FDP seit Westerwelle ja schon immer scheisse, aber ich habe sie noch zu den halbwegs seriösen Partein gezählt.
Nach der Geschichte bin ich da aber nicht mehr sicher.
Und es ist alles so unnötig!
Sie hätten einfach die Koalition kündigen können, fertig. Wäre doch OK gewesen. Stattdessen veranstalten sie diesen D-Day-Schwachsinn und kreieren so ein Lügengebilde. und dann funktioniert es nicht mal :slight_smile:
Lindner ist ein aufgeblasener, selbstverliebter Schwachkopf, ich hab noch nie verstanden, was die Leute an dem finden.

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So schaut das aus

Ach ja danke stellvertretend für alle die dein Geschenk hier lesen

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Das traurige am Ganzen ist dass sich die FDP in den Umfragen tatsächlich scheint zu erholen, sie hatte erst vor kurzem 4 und jetzt schon wieder 5%.

Ja, ich konnte ihn vollständig lesen. Nochmals danke.

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Sie hatten einfach Schiss, dass damit ihre Unzuverlässigkeit einmal mehr offensichtlich wird. Und über allem drohen die 5%. Deshalb habe sie sich diese Strategie ausgedacht, alles Scholz in die Schuhe zu schieben. Wäre ja auch fast aufgegangen.

Wenn Du ein kühles Bier mitbringst, rück ich ein Stück zur Seite.

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Bei Bedarf könnt ich mich auch immer ‚anfunken‘: bin ZEIT-Abonnent und teile gerne

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Kann’s auch Palmwein sein? Passt irgendwie besser.

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Ich habe noch nie so viel Zustimmung zu einem Kommentar gesehen, wie unter diesem Artikel. Der Kommentar:

Das ist ungefähr das Widerwärtigste, was ich im Rahmen demokratischer BRD-Parteien je gelesen habe. Mit so einem Vorgehen untergräbt man die Demokratie. Möge die FDP mit ihrem Vorsitzenden, dem Schauspieler, möglichst schnell und restlos untergehen.
Scholz hatte mit jedem einzelnen Wort Recht!

Der Kommentar hat 3754 :star:
:heart_eyes:

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danke! gut zu wissen, dass das funktioniert.
Netter Zug von der ZEIT, auch wenn das natürlich für sie Werbung ist.

Zu glauben, dass das nicht auffliegt, ist aber ziemlich naiv, oder?
Da machen über Wochen mind. 6-7 Leute mit, einer von denen ist sogar offen dagegen (Wissing), jeder hat sicher noch einen Mitarbeiter, der es mitkriegt, das ist zuviel. Und es gibt sicher WA-Mitteilungen, emails, SMS usw.
Das kann nicht gutgehen.
Stümper.

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Mal wieder ein gutes Beispiel für diese Formel:

Die Frage der Geheimhaltung stellt sich bei jeder Verschwörung, und David Robert Grimes von der University of Oxford hat sie im Jahr 2016 auch mathematisch untersucht. Dazu hat er eine Formel aufgestellt, mit der man die Wahrscheinlichkeit beschreiben kann, dass irgendwer das große Geheimnis doch ausplappert:

Die Wahrscheinlichkeit L hängt logischerweise stark von der vergangenen Zeit t ab; darüber hinaus auch von der zu jedem beliebigen Zeitpunkt eingeweihten Menge an Menschen N(t) und der Wahrscheinlichkeit, dass eine Person das Geheimnis verrät (1-ψ).

Bei FDP Mitgliedern ist die letzte Größe wohl 1 :slight_smile:

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Für die Nicht-Mathematiker, die Kurve ist von dieser Art, wobei unten die horizontale Achse die Zeit ist, die vertikale die Wahrscheinlichkeit, 1 bedeutet sicheres Eintreten eines Ereignisses

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Es sind 2 Dinge, die mit den Geschehnissen verknüpft sind.
Zum einen sind da die sicher in jeder Partei, die sich in einer akoalition befindet, ablaufenden Fragen, bis zu welcher „Schmerzgrenze“ man bei Kompromissen gehen kann, um selbst noch eigene Akzente setzen zu können. Das erwarte ich persönlich sogar von den Verantwortlichen.

Die 2te davon zu unterscheidende Frage (sowohl beim Zusammenbleiben wie auch bei einer anstehenden Trennung) ist die Inszenierung.
Hier finde ich persönlich die Inszenierung eine Unverschämtheit, da sie versucht hat, die Sachlage sehr perfide so zu verdrehen, dass am Ende ausschließlich die anderen die Schuldigen sind - ein solches Verhalten ist - oder besser konjunktiv: wäre - unbedingt abzulehnen - eben weil das Bild der Realität dramatisch verzerrt wird.

Man kann nur hoffen, dass der Souverän dies erkennt, und mit Glaubwürdigkeitsverlust sanktioniert.

Allein, mir fehlt ei wenig der Glaube - erstens, weil die erzählten Narrative so schön eingängig sind - und zweitens, weil die Versuchung, die dahinter steckt, auf diese Weise von sich selbst ein „besseres“ Bild in der Öffentlichkeit zu suggerieren, zu weit verbreitet ist - und so kann es sein, dass in einem halben Jahr bei den eingefleischten FDP-Wählern bestenfalls der Eindruck, bleibt, dass das zwar nicht ganz so optimal gelaufen ist - aber „ein Hund ist er schon der Lindner“.
Das haben wir mit Strauss in Bayern Jahrzehnte auch so gehabt.
Und letztlich hat das System Kohl auch so funktioniert - auch wenn die beiden etwas schlauer waren bei der Umsetzung.
Was also wieder einmal fehlt ist, das gesellschaftlich die schonungslose Offenheit zu selten dem suggerieren Wunschbild vorgezogen wird.

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gilt diese Regel auch für das Posting in einem Forum?
was wird dabei gezählt als „jemand anders den Link schicken“?
jedes mal wenn der Artikel über die Verlinkung via einer anderen IP-Adresse geöffnet wird, zählt für die Zählung seitens der Zeit ?
ich konnte den Artikel auch öffnen…

genau das würde ich gerne rausfinden.

aber inwiefern fehlt es diesmal, wenn Journalisten es aufdecken und berichten?
meist ist das ja nicht der Fall…

Zeit und Süddeutsche tun grade der FDP keinen Gefallen…

wem sollte ein Gefallen gemacht werden, wäre auch eine Frage

Ansonsten ist das Vorgehen der FDP m.E. eher alltäglich in solchen politischen Szenen

und was in der Berichterstattung fehlt, sind noch die persönlichen Treffen von Lindner mit Tops der CDU und CSU die letzten Wochen in Berlin davor…

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nun, es gibt 7 Benutzer grade hier, wenn die Router-IP-Adressen gezählt werden, dann ist es bald soweit :wink:
ich habe die Zeitseite heute gegen 16:30 aufgerufen…

die Frage wäre auch inwiefern eine ähnliche Funktionalität von anderen Zeitungen oder Magazinen angeboten wird,
dann könnte hier noch mehr geteilt werden