Die meisten Lehrkräfte an deutschen Schulen sind weiblich

Wieder mal ein interessanter Beitrag aus den Krautreporter News-Lettern:

Der einzige Mann, der meine Erziehung und mein Aufwachsen bis zur weiterführenden Schule beeinflusst hat, war mein Vater. Und der war selbst Lehrer.

Ich schreibe das, weil ich damit die Regel bin. In Deutschland ist Schulbildung weiblich. So betitelt die Seite statista einen neuen Artikel. Das Ausmaß war mir bisher nicht bekannt. Neun von zehn Lehrkräften an Grundschulen sind weiblich. Im Durchschnitt, über alle Schulformen hinweg, machen Frauen einen Anteil von drei Viertel aller Lehrkräfte aus. An Gymnasien sind sie ebenfalls in der Mehrheit.

93% der Lehrkräfte in Kindergärten und 88,5% an Grundschulen sind weiblich.

Klar ist: Jungen machen seltener Abitur als Mädchen. Jungen werden später eingeschult. Sie können schlechter lesen, bleiben öfter sitzen, bekommen schlechtere Übergangsempfehlungen, brechen die Schule häufiger ohne Abschluss ab und werden für die gleiche Leistung schlechter benotet. Das haben Forscher:innen vom Berlin-Institut 2015 im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung herausgefunden. Sie sagen: „Es besteht eine erhebliche Benachteiligung junger Männer im allgemeinbildenden Schulsystem der neuen Bundesländer.“

Nun ist natürlich die Frage, gibt es einen Zusammenhang mit dem Geschlecht der Lehrer?

Je höher der Anteil weiblicher Grundschullehrer:innen, desto mehr Jungen finden sich unter den Hauptschüler:innen beziehungsweise den Hauptschulabbrecher:innen – und desto weniger sind sie unter den Abiturient:innen vertreten.

Über die Benachteiligung von Jungen zu schreiben, hat für mich immer einen Beigeschmack. Denn geht es um Erwachsene, dreht sich die Benachteiligung, leider immer noch, schnell um. Christian Gesellmann hat mein Gefühl in seinem Text gut getroffen:

„Ich denke, wir stehen in diesem Fall vor einem moralischen Dilemma: Frauen kämpfen nach wie vor um Gleichberechtigung. In medialen wie politischen Diskursen um bestehende Ungerechtigkeiten – zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt – stehen deswegen all die Felder im Fokus, in denen Frauen noch immer diskriminiert werden – und das sind nicht gerade wenige. Dieser Fokus führt wiederum dazu, dass die Nachteile, die Männer beziehungsweise Jungen erfahren, in den Hintergrund rücken. Aber ein Nachteil hebt den anderen nicht auf.“

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Das ist ein Problem, und es ist seit Jahrzehnten bekannt. „Kleine Helden in Not“ etwa war ein ein weit verbreitetes Buch zum Thema.
Das fängt damit an, dass Väter in den Familien weniger präsent sind (hat sich aber seitdem etwas verbessert), dass Jungen weniger Identifikationsfiguren haben bzw weniger präsente Vorbilder zum Lernen durch Nachahmen, dass Jungen von Frauen teilweise weniger Lehre annehmen, bis zum für Jungen weniger geeigneten setting, da sie mehr körperliche Aktivität brauchen, oder Lernwege, die weniger über Sprache und mehr über motorische Erfahrungen führen, aber auch dass bei bei Jungen Selbstwert/Lerneifer weniger über Anerkennung/Lob der Lehrerinnen gesteigert wird und dass sie bei Problemen eher externalisieren, was eher Kritik auslöst.
Da spielen viele Faktoren eine Rolle.

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Wieder eine Ausrede für mich, dass ich nicht als Lehrerin arbeiten muss.
Danke dafür.
Ich hatte wegen des Lehrermangels schon fast ein schlechtes Gewissen, weil ich es könnte, aber es nicht mache.

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Brauchen wir jetzt eine Männerquote in den Schulen?

Wenn das so ist, frage ich mich, wo denn die angebliche systemische Diskriminierung der Frauen her kommt?

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Ich weiß nicht, ob es bis zu dir schon durchgedrungen ist, dass der Lehrerberuf nicht mehr so attraktiv ist wie früher. Lehrer haben kaum noch Befugnisse, und wenn Schüler den Unterricht stören, ist das ihr gutes Recht. Auch noch andere Gründe gibt es, warum man sich das nicht aussucht, und dann bleiben eben als Erste die Männer weg.
Je größer der Personalmangel, desto größer die individuelle Arbeitsbelastung, verbunden mit der geringen Wertschätzung. Das halten wohl Frauen besser aus, weil sie so gebaut sind, auch die Qualen der Geburten auszuhalten, so sagt man.

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Na, ein Grund mehr für eine Quote.
Quoten sind doch sonst auch Mittel der Wahl.
Und warum gehen die Frauen dann nicht?

Was ist den das für eine sexistische Aussage. :wink:
Männer und Frauen sind doch gleich.
Und noch weiterführend: Geschlecht wird doch durch Sprechakt festgelegt.
Steht so doch auch in den grünen Grundsätzen.
Also Geschlecht kann ja dann kein Argument für irgendwas sein.

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Vielleicht finden sie nichts Besseres, weil die guten Jobs bereits von Männern besetzt sind?
Keine Ahnung. @Binnen_un_Buten was sagst du dazu?

Dann erzähl mal. Hast du deiner Frau bei der Geburt das Händchen gehalten und bist ohnmächtig geworden?

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ich habe zu dem Thema einen Beitrag im BR gehört, der genau diesen Zusammenhang als mitursächlich beschrieben hat.
Für die Schüler ist „Lernen“ oder „viel Lernen“ mit einer Frau verknüpft, der Lehrerin.
Für die Jungs ist das ein geringerer Ansporn als für die Mädchen, denn sie können sich mit einer Frau weniger gut identifizieren, sie ist für einen Jungen nicht das ideale Vorbild und „role model“.
Daher sei es wichtig, dass mehr Männer Lehrer werden.
Ich finde den Gedanken plausibel (auch wenn das bei mir in der Grundschule nicht anders war mit den Lehrerinnen und ich jetzt nicht solche Effekte feststellen konnte; aber vielleicht reagieren die Schüler heute eben anders).

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Wie gedenkst du, sie dazu zu motivieren?

Ein Freund meines Sohnes, wirklich gut drauf und engagiert, hat gerade sein Referendariat geschmissen, weil es für ihn unerträglich war.

Am schlimmsten an den Gymnasien sind übrigens die Eltern, die als Rechtsanwälte den Lehrern mit Klagen drohen.

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Nun ich glaube: Niemand behauptet das Frauen an den Schulen diskriminiert werden. Weder vor noch hinter dem Lehrertisch :slight_smile:

Und das unabhängig von Gehalt, Frauen eher zu sozialen Berufen neigen scheint mir auch wissenschaftlich gesichert.

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Das ist dann aber eher so, dass sie es machen, weil es ja jemand machen muss.
Da sind Männer wohl schmerzfreier, und ich übrigens auch.
Die Lehrer, die mich am Meisten geprägt haben, waren übrigens Männer. Bin ich damit schon trans?

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9 Beiträge wurden in ein neues Thema verschoben: Das Patriarchat hat mal wieder zugeschlagen

Ich mag meinen Beruf. Der Grad an Selbstwirksamkeit ist sehr hoch.

Allerdings habe ich auch so meine Vorturteile. Als ich Chemie LA nachstudiert habe, saßen in den Seminaren die Grundschullehrerinnen, direkt vom Abi, maximal ein Auslandsjahr. Die waren im dritten Semester und sahen schon genauso aus wie fertige Grundschullehrerinnen.

Ich denke, man muss die beschissene Ausbildung reformieren und so mehr Quereinsteiger gewinnen, die wirklich was vom Leben verstehen und dies weitergeben nöchten.

Ich kann aber meine Söhne mal fragen.

Letzten Endes sind die Arbeitszeiten extremst familienfreundlich. Das ist vermutlich auch ein Grund.

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Leider ist das Ansehen von Quereinsteigern gering, besonders bei Eltern („Kein richtiger Lehrer“).
Die Bezahlung ist auch schlechter, insbesondere im Vergleich mit verbeamteten Lehrern.
Pädagogik müssen sie in ihrer Freizeit zusätzlich unbezahlt lernen.

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Ich auch nicht.

Die Frage ist doch. Wenn Frauen die Erziehung weitgehend in der Hand haben, warum werden dann Frauen später angeblich systemisch diskriminiert?

Tja das ist eben mal exemplarisch was die Grünen wollen.
Da braucht man sich nicht zu wundern wenn die Leute den Grünen nicht mehr folgen wollen.

Dan erkläre bitte doch mal, warum wir angeblich ein Patriachat haben wenn doch Frauen überwiegend erziehen?

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Das geht von einer falschen Vorstellung aus: Wieso sollten Erzieherinnen einen Einfluss auf die Entscheidungsfindung von Männern in der freien Wirtschaft haben? Selbst wenn diese Männer selber an Schulen mit vielen Lehrerinnen waren. Da überschätzt du glaube ich den Einfluss von Lehrern allgemein.

Es geht hier aber überhaupt nicht darum, ob Frauen nun noch überall oder gar nicht diskriminiert werden!

Der beschriebene negative Einfluss von „zu vielen Lehrerinnen“ auf die Bildung von Jungs ist doch ein Problem egal wie es zu dieser Situation kommt, oder?

ich? ich gedenke da gar nichts. Ich habe einen Radio-Beitrag zitiert.

Ja, Rechtsanwälte können schwierig sein.
Für den Fall, dass das so ein passiv-aggressiver Vorwurf sein sollte: ich habe meinen Jungs gesagt, wenn sie Abitur haben wollen, sollen sie sich anstrengen und so verhalten, dass sie es auch bekommen und nicht dem Lehrer die Schuld geben.
Hat funktioniert :slight_smile:

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Ich könnte eine mögliche Verbindung zwischen Abwesenheit von Männern in der Erziehung und dem Patriarchat anbieten, aber ich weiß nicht, ob die irgendwo wissenschaftlich, in dem Fall anthropologisch, belegt ist:

Menschen sind zwischen Arten, auch Primaten, die Paarbindung (pair-bonding species) haben, und denen, in denen ein Alpha einen Harem (tournament species) hat, irgendwo in der Mitte. Es kommen bei den Menschen alle möglichen Zwischentöne, aber auch beide Extreme vor.
Wenn nun Jungen hauptsächlich Frauen in der Erziehung erleben, was typisch für Harems-Primaten ist, so könnten die anderen Verhaltensweisen, die ebenso typisch dafür sind, besser erlernt oder gebahnt (preparedness?) werden.
Dazu gehören hohe inter-male-Aggression, hohe male-female-Aggression, weniger between-group Aggression, größere Verhaltensunterschiede zwischen Männchen und Weibchen als bei pair-bonding Spezies.

Das wäre der evolutionsbiologische Ansatz.
Auf der individuellen Ebene sind es entsprechende Lernvorgänge, evtl, mit biologischer Preparedness, wie es sie auch bei anderen Verhaltensweisen, etwa Phobien oder sexuellem Verhalten, gibt.

Der tiefenpsychologische Ansatz: Jungen können sich wegen der Abwesenheit des Vaters, also des Fehlens eines „Dritten“, schlechter aus der Mutter-Kind-Dyade lösen, was ihnen spezielle Probleme verursacht (Mädchen dann andere).

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Sollte es natürlich nicht sein.

Also für einen Grünen ist das schon eine gewagte Aussage.
Negativer Einfluss von zu vielen weiblichen Lehrkräften rüttelt ja an den Grundfesten einer feministischen Partei. :wink: :laughing:

Na was hat denn Einfluss?
Wenn nicht die Erziehung (übrigens soll ja auch die Erziehung zuhause oft primär durch die Mutter erfolgen) was soll denn dann die Ursache für das angebliche Diskriminierung und das angebliche Patriarchat sein, wenn nicht Erziehung und damit ein Großteil der Sozialisierung?

Nö, kann ich nicht. Allein schon weil ich nicht der Meinung bin, dass wir in Deutschland kein Patriachat haben.
Häme?
Ja schon ein wenig. Denn wenn die Frauen ja größtenteils die Erziehung machen, dürfte es die angeblichen Probleme ja eher nicht geben.