Um das Problem der Alterspyramide zu verdeutlichen, hier zwei Meldungen aus diesem Jahr:
Man beachte, daß in dem Artikel keine Statistik enthalten ist. Obwohl die Altersstruktur der Mitarbeiter ja vermutlich bekannt sein sollte. Diese Information ist aber doch essentiell, um das Problem wirklich zu verstehen. Denn so wie das in der Zeitung steht, ist das einfach eine Meldung unter vielen.
Wenn man sich die Quelle für die Meldung über den Nahverkehr anschaut steht dort:
Die Ergebnisse zur Anzahl und zum Anteil der Fahrerinnen und Fahrer von Bussen und Straßenbahnen nach Alter, Geschlecht und Staatsangehörigkeit stammen aus dem Mikrozensus. Die Daten beziehen sich auf die Berufsuntergruppe 5213 “Bus- und Straßenbahnfahrer/innen” der Klassifikation der Berufe 2010, sowie auf Personen ab 15 Jahren in Hauptwohnsitzhaushalten.
Das bedeutet doch, das von staatlicher Seite gar keine Daten über das Alter der Beschäftigten erhoben werden. Jeder Arbeitgeber im ÖPNV werkelt vermutlich einfach so vor sich hin. Die Personalabteilung findet halt keine Leute und ups nächstes Jahr gehen ja noch mehr KollegInnen in Rente!
Die Politik wird erst reagieren, wenn in Berlin morgens 20% der S-Bahnen wegen Personalmangels plötzlich ausfallen.
Auch hier enthält der Artikel nur ein paar Zahlen, obwohl die echten Daten in diesem Fall ja mit Ecosia leicht zu finden sind:
Man sieht, daß die Probleme im öffentlichen Dienst in den nächsten 10 Jahren kontinuierlich größer werden und lokal vermutlich bis zum Zusammenbruch der Verwaltung führen können. Und wir sind schon zwei Jahre weiter als die Grafik! Was ist mit den Zielen mehr Wohnungen zu bauen, wenn von den drei Mitarbeitern im Bauamt zwei in Rente gehen und man keine neuen findet?
Für mich ist das ein sehr gutes Beispiel, was in der Politik falsch läuft. Die Arbeit wird gesteuert von zwei Faktoren:
A) aktuellen Ereignissen und was diese für die Umfragen der Parteien bedeuten
B) langfristigen Plänen basierend auf Grundsatzprogrammen und Überzeugungen der Parteien
Die Daten über die aktuelle Lage und die zukünftige Entwicklung sind keine Basis für die Politik sondern nur Argumente für die obigen Ziele.
Aus Sicht meines Berufs wäre das so, als wenn man große Softwaresysteme ohne Monitorring betreiben würde. Nur als Beispiel: Wenn ich weis, daß ein System jeden Monat 50 GB mehr Speicherplatz benötigt, dann weiß ich auch, wann ich zusätzlichen Speicher installieren muss und kann das planen. Oder mich an die IT-Spezialisten wenden, damit diese den Speicherverbrauch optimieren bevor die Platten voll sind.
Die Politik lebt wohl im dem Glauben, daß das Problem der Überalterung bestimmt irgendwie durch KI gelöst werden wird. Das solche Systeme aber auch installiert sein müssen, bevor die Leute in Rente gehen? „Das wird schon irgendwie klappen.“ 