Die Ursache für die globalen ökonomischen und politischen Krisen

Wir haben gerade viele Krisen, oder vielleicht auch nur eine Polykrise, wie man es nimmt.
Vermögensungleichheit, politische und soziale Spaltung, wirtschaftlicher und politischer Abstieg der bisherigen Industrieländer (im „Westen“), neue Machtzentren zB in China, die aber weitgehend autokratisch regiert werden, Klimakrise, Flüchtlingskrise.
Wir haben schon viel über das gesprochen, was (angeblich) alles getan und verändert werden, bis hin zu irgendwelchen Revolutionsfantasien.
Ich habe aber zunehmend den Verdacht, dass die Ursachenanalyse noch unzureichend ist, und dass deswegen auch die Handlungsempfehlungen daneben gehen.

Für mich stellt sich das wie folgt dar (im Sinne einer Arbeitshypothese):

  1. Grundansatz unserer (der westlichen, europäischen, deutschen) Politik war, dass die damals sogenannte 3. Welt sich „entwickeln“ soll und irgendwann zu uns aufschließt.
    Gleichzeitig war die 3. Welt (heute „globaler Süden“) ein Markt, auf dem wir Rohstoffe gekauft und den wir mit Waren beliefert haben. Es herrschte die Vorstellung, dass im weiteren Verlauf alle beteiligten Staaten dabei profitieren würden, und irgendwann würden alle einen Wohlstand haben, der auch nach unseren Maßstäben ein anständiges Niveau hat. Ohne dass wir dabei etwas verlieren.
    Das ganze wurde stark beschleunigt durch die Globalisierung, die in den 80er/90er Jahren einsetzte und in der Folge enorme Ausmaße annahm.

  2. Das wurde allgemein als positiv bewertet, gerade wir in D haben ja sehr gut davon gelebt, und die ehemalige „3. Welt“ hat zT enorme wirtschaftliche Fortschritte gemacht (Indien, China, Vietnam, Südkorea usw.; und Indien kommt erst noch!!).
    Ohne dass wir dabei etwas verlieren - dachten wir.

  3. Jetzt stellt sich heraus, dass wir sehr viel verlieren.
    Die Globalisierung hat uns anfällig gemacht für Lieferengpässe insb. in Südostasien.
    China macht gerade unsere Autoindustrie platt.
    Fernseher, Waschmaschinen, Kühlschränke tragen zwar zT noch deutsche Markennamen, werden aber sonstwo hergestellt und die Unternehmen gehören ausländischen Investoren. Bekleidung und Elektrokram kommt ganz überwiegend aus Asien.
    Auch die Flüchtlingsströme sind „globalisiert“, es flüchten nicht mehr verfolgte Einzelpersonen in ihre Nachbarländer, sondern Millionen migrieren gezielt in europäische Staaten, insb. D.

  4. Ursprünglich war geplant, dass die verlorenen Jobs in der TV-Fertigung (als Beispiel) durch neue, höherwertige Jobs ersetzt werden.

  • Das funktioniert aber nicht so richtig, weil wir ein schlechtes BiIdungssystem haben, und weil unsere Leute auch nicht von Natur aus schlauer oder fleissiger sind als die Asiaten, im Gegenteil.
  • D.h. es gibt einen relativ großen Teil der Bevökerung, der wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig ist, und nur den Mindestlohn verdient, oder auf dem Arbeitsmarkt gar nicht zu gebrauchen ist.
  • Diese Menschen haben zurecht Angst, dass sie bei dem Spiel nicht gewinnen können, weil ihnen dazu die Mittel und Fähigkeiten fehlen.
  • Diese Angst ist der Nährboden für den Erfolg der Rechten und Rechtsextremen.
    Die glauben, dass sie sich durch Abschottung, Nationalismus und Isolationismus retten können. Alles Fremde raus, die Zugbrücke hochziehen und es wird wieder gut.
  1. Das wirtschaftliche Problem ist dabei gar nicht die Vermögensungleicheit, sondern die schlechte Qualifikation und daraus resultierende schlechte Bezahlung der schwächsten 20% (30%?).
    Oder, andersrum ausgedrückt: die Tatsache, dass die ehemaligen 3. Welt Länder die Messlatte so hoch gehängt haben, dass sie nicht alle bei uns überspringen können.
    Wenn die ganze deutsche Wirtschaft so qualifiziert wäre, dass sie Leistungen anbietet, die es anderswo nicht gibt, hätten wir kein Problem. Dann könnte der Durchschnittsverdienst statt TEUR 45 zB bei TEUR 70 liegen und jeder hätte sein Auskommen.
    Ob Frau Klatten oder Herr Musk 50 oder 100 Mrd. besitzt, spielt dann überhaupt keine Rolle mehr.

  2. Diese Entwicklung wird zu einem erheblichen Wohlstandsverlust bei uns führen.
    Die deutsche Autoindustrie zB wird drastisch schrumpfen oder verschwinden.
    VW ist das Nokia der 20er (uU 30er) Jahre.
    Es wird sich ein ähnliches Wohlstandsniveau im Norden/Westen und in Teilen des „Südens“ einstellen (vor allem Asien). Für uns wird das ein Abstieg, für die anderen ein Aufstieg. Wenn wir nicht aufpassen, werden uns etliche Länder deutlich überholen.
    Dann sind wir vielleicht in 30 Jahren auf Rang 20 der größten Volkswirtschaften, statt heute Rang 3.
    Da wird einhergehen mit politischen Kämpfen und einer weiteren „Extremisierung“, vorwiegend nach rechts.

  3. In Kurzform:
    Der Aufschwung der ehemaligen Entwicklungsländer wird uns einen Teil unseres Wohlstands und unserer politischen Stabilität kosten. Die Vorteile der Globalisierung werden sich für uns in Nachteile verwandeln. Der Gewinn des „Südens“ wird unser Verlust.
    Parallel dazu verlieren wir an politischem Einfluss und die neuen Wirtschaftsmächte gewinnen. Militärisch gilt das gleiche.
    Wir haben uns geirrt, bzw. wir haben nicht vorgesorgt für den Tag, an dem die Globalisierung unser Problem wird.

  4. Was folgt daraus? Was können wir tun?
    Da bin ich noch unsicher.
    Hier ein paar erste Ideen:

  • Die Globalisierung muss begrenzt und reguliert werden.
    zB muss der Verkauf systemrelevanter Unternehmen an ausländische Investoren staatlich reglementiert werden.
  • In der Handelspolitik müssen unsere nationalen/europäischen Interessen größeres Gewicht bekommen.
    Wenn die EU als Einheit auftritt, kann sie sich auch gegen die USA, China oder Indien wirtschaftlich durchsetzen.
  • Sowas wie das Lieferkettengesetz können wir uns nicht leisten.
    Für die Zustände im Ausland sind in erster Linie die ausländischen Staaten zuständig und verantwortlich. Solche Gesetze lösen die dortigen Probleme nicht, machen aber unsere Wirtschaft kaputt (von wegen Bürokratieabbau).
  • Wesentliche Produkte müssen wir wieder in D oder der EU herstellen, ohne uns dabei völlig abzuschotten. Die Gewichtung muss anders werden, ohne das Prinzip des Freihandels aufzugeben. Auch hier ist die EU wichtig, wenn sie ein Verbund von Staaten ist, die zusammenhalten und einen gemeinsamen Markt haben können, ohne gegenseitige Erpressung befürchten zu müssen. Da sind wir noch nicht.
  • Und die Klimakrise? Keine Ahnung.
    Ich befürchte, die wird so nebenher laufen, bis auch da wieder dasselbe passiert:
    wir stellen irgendwann fest, dass wir nicht vorgesorgt und den Zeitpunkt zum Handeln verpasst haben.
  1. Das beschriebene Problem lässt sich m.E. nicht durch bekannte Rezepte lösen.
    Irgend ein „-ismus“ aus dem 19. oder 20. Jahrhundert taugt dazu nicht.
    Das Problem wurde nicht durch „den Kapitalismus“, nicht durch „patriarchale Strukturen“, nicht durch Kolonialismus oder irgendsowas verursacht.
    Die Lösung liegt nicht im Sozialismus oder in der Abschaffung des Kapitalismus, aber auch nicht in der Entfesselung des Kapitalismus und weiterer Liberalisierung.
    Wir müssen einen neuen Ansatz finden, der Dinge kombiniert, die bisher als unvereinbar galten.
    Es werden mit Sicherheit mehr staatliche Eingriffe nötig sein als bisher, insb. im Verhältnis im Ausland, aber im Inland auch Freiheiten für die Wirtschaft, die mit Ungerechtigkeiten verbunden sein können.
    Wir werden egoistischer und selbstbewusster sein müssen, ohne nationalistisch und engstirnig zu werden.

  2. Wer erfindet ein Modell, dass diese Anforderungen erfüllt und unseren Laden die nächsten 50 Jahre zusammenhält?

  • Von links erwarte ich wenig, dort ist zu viel Ideologie aus dem 19. Jhdt. unterwegs, das Gefüge ist schwer aufzubrechen nach so langer Zeit.
  • Zu weit rechts/neokonservativ darf es auch nicht sein, die sind auch zu ideologisch auf Freihandel eingeschworen.
  • Die FDP unter Linder ist zu verbohrt.
  • Die Grünen hingegen haben da ein gewisses Potential.
  • Um es zu personalisieren: wenn Merz und Habeck sich mal 2 Wochen mit 20 Fachleuten einschließen würden, hätte ich gewisse Hoffnungen.
  • Die Kommission hätte hier auch ein lohnendes Aufgabenfeld. Keine Ahnung, ob da was kommt.

Aber zuerst muss die Analyse mal stimmen und sich durchsetzen.

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Die Analyse finde ich hinsichtlich der wirtschaftliche Situation recht gut. Damit lassen sich aber nicht die ganzen politischen Krisen erklären. Zwar lassen sich wirtschaftliche Interessen und Poltik nie ganz trennen, aber ich glaube wir überladen das Thema, . wenn wir es so global behandeln.
Es ist eigentlich nicht erstaunlich, sich in Zeiten großer industrieller Umwälzungen auch marktwirtschaftliche Strukturen ändern. Unser Interesse an positive Veränderungen in der 3. Welt sollte weiterhin stark sein. Das nun Indien und China auch zu wirtschaftlich wichtigen Nationen gehören, ist erst mal angesichts deren kolonialer Vergangenheit erfreulich und für unsere Wirtschaft auch ein wichtiger Absatzmarkt, d. h. wir habe hier eine wichtige Nachfrage für unsere Produkte. Richtig ist, dass unsere Wirtschaft vielfach hinter der globalen Entwickung hinterher hinkt. Die Befürchtung, dass unsere Wirtschaft nicht mehr den alten Status erreicht, . ist mehr als berechtigt und wahrscheinlich. Die Politik kann aber nur an den Rahmenbedingungen drehen. Hier hindert insbesondere die Schuldenbremse die notwendigen Investitionen. Konkret müssen die Energiekosten geringer werden und Abläufe( auch bürokratische) verbessert werden. Außerdem muss sich was in der Bildungspolitik tun. Das europäische Lieferkettengesetz sehe ich weniger als Problem und hat eher positive Effekte in der 3. Welt und sorgt für mehr faire Marktbedingungen. Was die politischen Möglichkeiten betrifft, sehe ich
nicht, dass es in der CDU nur ansatzweise einen Zukunftsplan gibt oder sie irgendetwas aus der Vergangenheit gelernt hätte.

Ich dachte das nicht.

Das liegt daran, dass die Menschen in Deutschland diese Dinge möglichst billig haben wollen aber gleichzeitig viel verdienen wollen.

Das ist aber kein rechtfertigender Grund, diese weltweit unfairen Zustände mit Gewalt aufrecht zu erhalten. Es kann nicht das Ziel sein, Menschen in anderen Ländern unter unfairen Bedingungen arbeiten zu lassen, um in Deutschland günstige Preise für Wegwerfartikel zu bieten, die sie sich alle leisten können.

Na dann mal los.

ich glaube du hast die dimension des problems nicht erkannt. diese haltung muss man sich leisten können. vw kann das nicht mehr. und die wirtschaft erstickt an solchem gutgemeinten bürokratischen wahnsinn.
bist du bereit, für solche dinge wie das lieferkettengesetz und „faire bedingungen in der 3. welt“ ein drittel deines einkommens herzugeben?
bist du bereit, das ins programm aufzunehmen und damit vor die wähler zu treten ?
wie wird sich das auf unsere gesellschaft auswirken?
bitte keine spontanen wohlfühlreflexe, sondern die lage mal neu durchdenken

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Vergleich mal bitte deutsche Einkommen mit den Einkommen, die die Leute in den Ländern haben, um die es hier geht. Und dann stell die Frage noch mal.

Es muss natürlich verknüpft sein mit Einfuhrzöllen auf Fertigprodukte, die unter Bedingungen hergestellt wurden, die das Lieferkettengesetz nicht akzeptieren würde.
Oder Einfuhrbeschränkungen, wie wir sie früher hatten. Ich erinnere mich daran, dass wir Anfang der 1990er Jahre zum Beispiel kein Plastikspielzeug aus China in den Regalen der Geschäfte hatten. Als ich dann nach Kanada kam, sah ich es dort zum ersten Mal.

Da ist sicher sehr viel richtig, habe gerade nicht die Zeit, darauf detaillierter einzugehen.

Wir, der „Westen“ (EU, NA, Japan, Australien) werden unsere absolute Vormachtstellung verlieren, bzw. haben das schon.

Ich finde das erstmal nicht so schlimm, wenn wir uns angleichen, das haben die Entwicklungsländer verdient. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass wir in Armut versinken werden. Unser Anteil am Kuchen wird zwar geringer, aber der Kuchen wird viel gößer.

Aber wir müssen unsere, vor allem deutsche, Bräsigkeit (wir sind eh die besten, uns kann keiner, wir müssen uns dafür nicht mal anstrengen) aufgeben. VW ist eine sehr gutes Symbol dafür. Wenn wir das schaffen, können wir auch in Zukunft mitspielen, nicht als Führer, aber als ein starker Partner unter anderen starken Staaten. Technisch sind uns die anderen auch nicht so weit voraus. Sie setzen nur schneller um.

Was mir Sorgen macht, ist nicht so sehr das Erstarken anderer Staaten und ihrer Wirtschaft, das ist wie gesagt positiv, es sind die autokratischen, teils aggresiven Tendenzen in einigen dieser Staaten.

Und natürlich der Klimawandel, der mir bei Deinen Betrachtungen etwas fehlt. Es könnte passieren, dass es zum alles bestimmenden Akteur wird (siehe Spanien)

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Die Probleme bei VW sind ganz andere. Nichts zu tun, ist auch keine Alternative. Produkte, die durch Kinderarbeit oder Vernichtung der Umwelt hergestellt werden um möglichst billig auf den Markt zu kommen verfälschen den Markt, weil damit die gleiche Produktion unter " fairen" Bedingungen teuerer sind und deshalb kaum konkurrenzfähig. Wir reden im Übrigen von einem EU- Gesetz, so dass alle Unternehmen mit entsprechender Größe von dem Lieferkettengesetz betroffen sind, so dass es jedenfalls in diesem Wirtschaftsraum kein Wettbwerbsnachteil gibt. Ob man jetzt das deutsche Lieferkettengesetz noch 2 Jahre laufen lässt bis man das Eu- Gesetz anwendet ist eine andere Frage.
Wenn man die Industrie wegen der Bürokratie klagen hört, geht es tatsächlich um Kosten. Da das Gesetz nur große Unternehmen betrifft, bezweifle ich, dass diese so hoch sind, dass sie wirklich ein Wettbewerbsnachteil ( weltweit) darstellen.

Ich glaube ein Hauptproblem in Deutschland ist die Angst/Verweigerung gegenüber Veränderungen.
Ganz klassisch im Moment das Thema der E-Mobilität, dass unser Autowirtschaft verpennt hat.
Aber auch sonst wird jede Veränderung (z. B. neue Bahnlinien, Windkraftanlagen) erst mal als Bedrohung gesehen.
Der Wunsch vieler ist, dass alles einfach so bleibt wie es ist.
Das mainifestiert sich auch in unseren Amtsstuben.

So funktioniert das aber nicht. Die Welt entwickelt sich weiter. Mit oder ohne uns. Wer nicht mit macht, bleibt zurück.
Ich empfehle da das Büchlein „who moved my cheese“
oder auf deutsch „Die Mäusestrategie für Manager“ (blöde Übersetzung des Titels)

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Es trifft indirekt auch die kleinen Zulieferer der großen Unternehmen.

Europa hat den „globalen Süden“ über Jahrhunderte hinweg kolonialistisch ausgebeutet. Da wir auch nichts gegen Kinderarbeit. Wie zynisch muss es auf diese Länder wirken, wenn wir ihnen jetzt plötzlich die Arbeitsbedingungen vorschreiben wollen?

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Das ist nur eine Sichtweise. Natürlich ist Kinderarbeit abzulehnen, natürlich hatten unsere Vorfahren andere moralische Maßstäbe als wir heute.

Die Frage ist: Glauben wir wirklich, dass Europe noch in einer Position ist, die Welt hier zu verbessern? Wenn wir die Produkte nicht kaufen, kaufen sie die Chinesen und verkaufen sie dann an uns weiter. Das ist kinderleicht zu verschleiern, da hilft kein Lieferkettengesetz.

Bürden wir unseren Unternehmen da nicht zu viel auf?

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Nur indirekt, Sie sind nicht Adressat des Gesetzes. Wo ist, das Problem?
Dass sie Menschenrechte und Umweltgestze einhalten müssen ? Das ist ja das Ziel !
Das Gesetz ist kein Gesetz gegen irgendwelche Staaten, sondern gegen einzelne Unternehmen, die sich unter Verletzung der Menschen- oder Umweltrechte Marktvorteile erwerben. Das zu unterbinden ist im Interesse aller nur nicht dieser Unternehmen.

Die Einkäufer in den großen Unternehmen delegieren die Pflicht per Vertrag weiter an ihre Lieferanten. Dein Einwand verdeutlicht die Krux mit vielen Gesetzen. Der Gesetzgeber denkt immer noch sehr linear und direkt und ignoriert die Kreativität in der Wirtschaft. Sie Cum-Ex.

Das Problem ist, dass Unternehmen in Deutschland kontrollieren sollen, ob Firmen irgendwo in Afrika, von denen sie Radiergummis kaufen, unsere Gesetze einhalten.

Das tun sie nicht, weil alle Konkurrenten das auch machen. Den Einkäufern in Deutschland ist das egal. Denen in China erst recht. Sie freuen sich über niedrige Preise und können auch gar nicht effizient kontrollieren was in den Firmen ihrer Lieferanten passiert.

Bitte denke doch mal etwas weiter.

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vorsicht, darum geht es nicht.
wenn du 30% deines geldes verlierst bist du im internationalen vergleich immer noch wohlhabend. aber in D bedeutet das für viele einen absturz und ein anderes leben. und letzteres ist entscheidend.
und für manche bedeutet es bei uns tatsächlich armut. der vergleich mit Ghana oder Sudan ist irrelevant.
wieder meine frage: wer von euch ist bereit 30% seines einkommens und vermögens abzugeben damit es dem globalen süden besser geht ?

Die Frage ist doch schon unsinnig, weil du unterstellst, dass solche Erträge einfach transformiert werden können. Woher kommt die Zahl, wie und wo willst du den Verzicht in den globalen Süden transformieren? So funktioniert halt der globale Kapitalismus nicht. Am Rande nochmals der Hinweis, dass mit dem Wohlstand in der 3. Welt sich auch ein größerer Nachfragemarkt ergibt, also bestimmte Güter, die wir hoffentlich noch in Deutschland herstellen, mehr Käufer findet. Bestes Beispiel ist China, wo unsere Autohersteller in den letzten Jahren das zehnfache an Autos verkauft haben wie in Deutschland( jetzt allerdings nicht mehr!). Also was sollen solche Fragen, komm lieber zum Thema zurück.

jedes einzelne gesetz nicht.
aber die summe aller gesetze und die daraus folgende bürokratie schon.
wir sind ein unternehmen mit ca. 200 mitarbeitern. wir werden wahrscheinlich alleine für das thema geldwäsche einen weiteren juristischen mitarbeiter einstellen müssen. kostet ca. 150.000 +x mit allem drum und dran. und jeder anwalt bei uns wird zig stunden im jahr darauf verwenden müssen. das ist aber nur eins von vielen themen (datenschutz…).

die haltung „das können die unternehmen ruhig mal machen“ ist irgendwo zwischen ahnungslos und bösartig.

von der lieferkette sind wir gott sei dank nicht betroffen. den ansatz des gesetzes halte ich für verfehlt und die umsetzung stelle ich mir grauenhaft vor.

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und wenn nicht ?
welche güter stellen wir denn künftig noch her? wo werden wir in 10/20 jahren noch wettbewerbsfähig sein?

eben. jetzt nicht mehr.

das kann dir jeder vw mitarbeiter in 30 sekunden erklären.
in der autoindustrie wird es in den nächsten jahren viele tausend menschen geben, die solche einkommensverluste erleiden.

die globalisierung und der aufholprozess des „südens“ kostet uns ab jetzt geld.
das schönzureden ändert daran nichts.

nochmal die frage : wer ist bereit im interesse des globalen südens auf 30% seines geldes zu verzichten. ich würde das ungern tun.
und ich ahne warum du dich vor einer antwort sträubst.

Das kann ich schon nachvollziehen . Ich erinnere mich auch noch an den Aufwand der Umsetzung des DGSVO in unserem Betrieb. Leider lässt auch die Qualität vieler Gesetze nach. Das ist schon ein Thema.

Wohl kaum! VW wird das eher über Betriebs - oder Betriebsteilstillegungen regeln. Das es wesentlich einfacher wie über ein kollektiver Notfalltarifvertag alle unzufrieden zu machen, d.h in den betroffenen Betrieben werden die Leute ihren Job verlieren und über Sozialplan und Interessenausgleich eine Abfindung erhalten . Für den Rest gilt der bisherige Arbeitsvertrag. In Umstrukturierungsphasen läuft das leider so. Glücklicherweise ist der Arbeitsmarkt noch recht entspannt und wir haben Fachkräftemangel ( war in anderen Krisen schon anders). Manche werden sich aber neu orientieren und auch umschulen lassen müssen. Ich gebe zu , VW ist ein Sonderfall ( auch weil das Land Niedersachsen beteiligt ist) , denke aber schon, dass es auf diese Lösung , vielleicht mit ein Zwischenschritt, rausläuft. Das ist jedenfalls wahrscheinlicher, wie ein Lohnverzicht von 30%.

Die Frag ist relativ platt formuliert aber natürlich wird und muss es darauf hinaus laufen.
Im Prinzip ist es dasselbe wie fairtrade-Artikel kaufen, was man ja jetzt schon individuell und freiwillig tun kann.

Meine These war doch gerade, dass wir zwar Anteile am weltweiten Produkt verlieren werden, aber nicht zwangsläufig absolut weniger verdienen werden.

Wir verlieren alleine schon dadurch Anteile, dass Länder wie China und Indien mehr produzieren als früher. Das ist doch nichts Schlimmes.

Der Grund ist doch, dass wir in Europa seit einigen Jahren Überkapazitäten haben und das jetzt nicht mehr mit dem China-Geschäft ausgleichen können.

Die Überkapazitäten sind aus einer gewissen Marktsättigung, also sinkender Nachfrage entstanden. Das kann sich jederzeit auch wieder ändern, wenn z.B. die fossilen Treibstoffe sehr teuer werden und die Konsumenten kleinere, elektrische Autos kaufen wollen.

Das ist jetzt etwas vereinfacht gedacht, aber wäre es wirklich so schlimm, wenn wir weniger Ressourcen in die Produktion von Autos stecken (falls die Nachfrage dauerhaft niedrig bleibt) und dafür mehr Wärmepumpen, Windräder, Batterien und Elektrolyseure herstellen? Von all dem werden wir sehr brauchen.

Wir werden dort Absatzmärkte verlieren, wir werden noch mehr Konkurrenz auf den heimischen Märkten haben, aber das kann bei der notwendigen Transformation sogar unterstützen, weil dann, wie oben beschrieben, bei uns Ressourcen frei werden (Arbeitslose), aber könne die nicht zu den dringend benötigen Facharbeiter in anderen Bereichen werden?

Wir haben zur Zeit eine seltsame Spaltung der Diskussion: einerseits klagen wir über mangelnde Arbeitskräfte andererseit haben wir Angst vor hohen Arbeitslosenzahlen. Das kommt mir sehr schizophren vor.

Genau!

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