Die Verlogenheit unserer EU

Die EU ist meiner Ansicht nach ein gutes Projekt und ich hoffe wir werden des irgendwann bis zu den Vereinigten Staaten von Europa schaffen.

Doch manchmal ist unsere Verlogenheit als EU-Bürger kaum zu ertragen:

Zur Erinnerung: Die EU exportiert immer noch fleißig Pestizide, die in der EU aus gesundheitlichen Gründen längst nicht mehr zugelassen sind.

Die Europäische Union hatte die Exporte solcher Pestizide zuletzt massiv gesteigert. Das Volumen hatte sich 2024 im Vergleich zur letzten Datenanalyse 2018 ohne das 2020 aus der EU ausgetretene Großbritannien auf fast 122.000 Tonnen mehr als verdoppelt.

Und natürlich werden mit diesen Persitziden hergestellte Lebensmittel auch wieder in die EU importiert.

Andererseits argumentieren die Aktivisten mit den Interessen der Bauern in Deutschland und der EU. „Europäische Betriebe müssen unter strengeren Auflagen produzieren und geraten zugleich in Konkurrenz mit Importware, die zu niedrigeren Kosten unter schwächeren Schutzstandards erzeugt werden kann“, so die Organisationen. Das sei „kein fairer Wettbewerb, sondern strukturell ungleiche Regulierung“.

In einer weniger giftigen Variante machen wir das ja auch mit China: Das pöse pöse China baut näcmlich immer noch Kohlekraftwerke! Wie unvernünftig! Aber das sie mit diesem Strom einen riesen Haufen Dinge für die EU produzieren, die wir dann billig importieren, das ist ja nicht unser Fehler, richtig?

Meine nicht. Ich habe mich während der Ampelregierung richtig ins Zeug gelegt, um zu erreichen, dass der Export von Substanzen, die in der EU als Pflanzenschutzmittel verboten sind, beendet wird. Das ist aber leider am damaligen Landwirtschaftsminister gescheitert.

1 „Gefällt mir“

ja, Du und der Minister, immer das alte Problem.
Wieviel Hybris kann man haben?!

Der Minister hätte auch ohne mich den Export verbieten können. Ich war ja nicht die Einzige, die ihm das vorgeschlagen hat.

Wenn es nicht an ihm gescheitert ist, hätte er rechtzeitig öffentlich machen können, an wem es dann gescheitert ist (mit Belegen).

Diese Praxis ist zu kritisieren, der EU pauschal Verlogenheit vorzuwerfen, lässt sich alleine damit nicht begründen. Wo wird denn gelogen?

Ich kritisiere nicht die Kritik an der EU, ich kritisiere die reißerische Wortwahl im Stil der BILD-Zeitung.

1 „Gefällt mir“

Es wird mit der halben Wahrheit gelogen (wiie so oft in der Politik). mit einem EU-weiten Verbot suggeriert das Parlament, dass es in der EU diesen Stoff (egal, ob in der EU auch verbraucht oder “nur” für den Export bestimmt) nicht mehr gibt.

Klar kann man sagen, dass das von jedem, der sich dafür interessiert, selbst zu recherchieren ist. Aber das ist für viele offenkundig schwierig und zumindest für alle zeitraubend…

Das ist bei den Embargos und deren Umgehung ähnlich…

ich stimme Dir grds. zu, aber zu Jörgs Ehrenrettung:
der thread-Titel weicht entscheidend vom ersten Beitrag ab:

Also nicht „die EU“, sondern wir als Europäer.
und nicht immer, sondern manchmal.
So passt das schon.

Aber mein Gott, die ganze Welt lügt, seit es die Menschheit gibt.
Wieso soll das plötzlich anders sein, nur weil es die EU gibt?
Ich wundere mich immer etwas über die Entrüstung, wenn jemand feststellt, dass der Mensch ist, wie er immer schon war :grinning_face:
Was nicht heißt, dass man nicht versuchen sollte, den Zustand zu verbessern, aber wie gesagt … diese Entrüstung hat was Komisches.
bei den Extremen (Trump zB) verstehe ich sie, aber bei der EU, unserer und anderen EU-Regierungen, auch Söder u.ä.?
Das sind doch Anfänger, alles im Bereich des Erwartbaren, verglichen mit Trump.

Diese unverdiente Entrüstung ist m.E. auch der Grund dafür, dass jede Regierung nur noch verlieren kann. Alle machen Fehler, kaum jemand hält, was er verspricht, einer lügt immer, keiner kann die Welt ändern.
Weil der Wähler aber merkwürdigerweise erwartet, dass die Regierung übers Wasser laufen kann, ist er bitter enttäuscht, wenn sich das als Irrtum herausstellt und reagiert mit Liebes- und Stimmenentzug. Siehe gerade wieder UK. Bei uns der ganze Osten und zunehmend auch der Rest der Republik.
Und bei der nächsten Regierung wieder dasselbe Spiel.
Und wenn die AfD gewählt wird, wird auch die versagen, bei ihr wird die Differenz zwischen Versprechen und Leistung besonders krass sein. Und dann?
So kann man jede Demokratie kaputt machen.

Solange die Gesellschaft sich selber einredet, dass sie das Paradies auf Erden verdient hat, und dass die Regierung das bitteschön liefern muss, sind wir verratzt.
Und selber was beitragen zum „Paradies“ will niemand, immer die anderen sollen liefern.
Diese kindlich-dümmliche Erwartungshaltung produziert notgedrungen Enttäuschungen, mit denen die Leute dann nicht umgehen können. Es fehlt zuvielen Wählern die Bereitschaft, die Realität zu erkennen und die Fähigkeit, mit ihr umzugehen.
DARAN geht im Kern die Demokratie zugrunde.
Alles andere sind Folgen und Symptome.

Ich sprach von VERlogen nicht GElogen. Es lassen sich sicher in der EU-Politik viele Belege für eine humanistische Einstellung und für die Achtung der Menschenrechte finden. Aber für die Menschen im eigenen Land zu entscheiden, das ein Pflanzenschutzmittel zu gefährlich für Mensch und Umwelt ist.

Und es dann nur den Einsatz auf EU-Gebiet zu verbieten, aber Produktion und Export bleibt in Ordnung. Diese Art von Politik nenne ich verlogen. Denn es drück aus: Scheiß auf die Menschen im Rest der Welt!

verlogen ist vielleicht das falsche wort.
egoistisch, eigennützig, unmoralisch trifft es besser.
man könnte aber auch argumentieren, dass die anderen länder bescheid wissen und selbst entscheiden können, ob sie das zeug importieren. sie müssen ja nicht.
dann wäre unser verhalten egoistisch (hauptsache wir verkaufen unsere produkte), aber nicht verlogen. egoismus in dem sinne könnte ich grds akzeptieren

Sie bestreiten es ja nicht, diskutieren es aber auch nicht groß in der Öffentlichkeit.
Die meisten EU-Bürger wollen auch davon vielleicht auch gar nicht wirklich etwas hören, wenn sie nicht gerade selbst von so einer Produktionsstätte betroffen sind, aber natürlich indirekt durch den Sozialstaat von den Steuereinnahmen profitieren?
Ein ganz schwieriges Pflaster.

Wenn man zu einem Boykott aller Lebensmittel aufrufen würde, die außerhalb der EU mit den Mitteln behandelt und dann bei uns verkauft werden, könnte man mal austesten, wie sehr es die Leute interessiert. Viele europäische Bauern hätte man in dem Fall vermutlich sogar mit im Boot.

Das ist an den Haaren herbei gezogen. Für den Verbraucher in der EU ist es vollkommen egal, ob der Stoff exportiert wird oder nicht.

Wichtig für den Verbraucher ist eine Herkunftsangabe auf Lebensmitteln und wie gut Lebensmittelimporte auf Schadstoffe kontrolliert werden.

Aber nochmal, dieses eine Beispiel rechtfertigt keineswegs diese Verlogenheits-Polemik.

Verlogen ist ein Adjektiv, das eine Person oder Sache als durch und durch unehrlich, heuchlerisch oder unaufrichtig beschreibt. Es bedeutet, dass jemand immer wieder lügt oder eine Scheinheiligkeit an den Tag legt (z.B. „eine verlogene Moral“).

Nein, es drückt aus, dass wir unsere Standards nicht dem Rest der Welt aufoktroyieren. Wir haben bei Lebensmitteln einen sehr hohen Standard. Für andere Länder mag es eine höhere Priorität haben, genügend Lebensmittel zu produzieren, als das letzte Quäntchen an Sicherheit zu realisieren. Das ist aber eine ganz andere Diskussion.

Ja, genau das war mein Einwand.

Übrigens, ob die EU den Export verbietet oder nicht ist für die anderen Länder ziemlich egal, dann kaufen sie das Zeug eben bei den Chinesen.

Aber nicht innerhalb der EU, denn China gehört nicht zur EU!

Dann muss es halt ein entsprechendes Einfuhrverbot für China und andere Länder geben. :thinking:

Aber mit diesen Ländern will man sich ja auch nicht anlegen.

Meine Freundin, die Google-KI, möchte etwas Licht ins Dunkel dieser Diskussion bringen:

“Die meisten Pflanzenschutzmittel, die in der EU aufgrund von Gesundheits- oder Umweltrisiken verboten sind, aber dennoch aus der EU exportiert werden, stammen von großen internationalen Chemiekonzernen. Laut Datenanalysen der NGO Public Eye und Greenpeace (Stand 2024/2025) ist BASF der mit Abstand größte Exporteur dieser verbotenen Pestizide. [1, 2, 3]

Hauptproduzenten und Exporteure (Stand 2024/2025):

  • BASF: Führend mit über 33.000 Tonnen zum Export gemeldeten verbotenen Pestiziden im Jahr 2024.

  • Syngenta: Ein weiterer Hauptakteur, der trotz Verboten in der Schweiz und EU große Mengen (z.B. Thiamethoxam, Propiconazol) exportiert.

  • Corteva Agriscience: Ebenfalls unter den Top-Exporteuren von verbotenen Pestiziden.

  • Teleos Ag Solutions und Agria: Werden ebenfalls als maßgebliche Exporteure genannt.

  • Bayer: Beteiligt am Export hochgefährlicher Pestizide. [1, 2, 3, 4, 5, 6]

Wichtige Fakten zum Export verbotener Pestizide:

  • Deutschland als Drehkreuz: Deutschland ist der größte Exporteur dieser Mittel innerhalb der EU, gefolgt von Ländern wie Belgien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden.

  • Volumen: Die Exporte verbotener Pestizide aus der EU sind stark angestiegen und beliefen sich 2024 auf über 120.000 Tonnen, was etwa einer Verdopplung gegenüber 2018 entspricht.

  • Zielländer: Die Mittel werden hauptsächlich in Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen exportiert, darunter Brasilien, Mexiko, Südafrika und Chile.

  • Verbotene Substanzen: Zu den exportierten Stoffen zählen Produkte mit Wirkstoffen wie Mancozeb, Dichlorpropen (1,3-D) und Neonicotinoide. [1, 2, 3, 4, 5]

Obwohl die Produktion und Verwendung dieser Mittel in der EU verboten ist, ist der Export in Drittstaaten, in denen diese Stoffe zugelassen sein können, bisher rechtlich weitgehend möglich, was oft als „Doppelmoral“ kritisiert wird. [1, 2]”

Der Prompt, den ich eingegeben hatte, war:
”Wer produziert die meisten Pflanzenschutzmittel, die in der EU verboten sind?”

Ja und? Warum billigen wir den Ländern nicht zu, selber zu entscheiden? Wenn ein Land außerhalb der EU ein Mittel für notwendig erachtet – etwa zur Bekämpfung spezifischer Schädlinge, die in Europa nicht vorkommen –, greift die EU nicht direkt in diese Entscheidung ein.

Die Exporteure müssen allerdings die Behörden in den Empfängerländern darüber informieren, dass der Einsatz dieses Mittels in der EU verboten ist.

Also nichts mit „verlogen“.

Nein, das ist keine Lösung - abgesehen davon das es sehr komplex wäre dies umzusetzen.
Denn das hieße, es wäre egal, wenn durch unsere Mittelchen Bauern in anderen Ländern vergiftet werden. Hauptsache die eigenen Bürger sind nicht betroffen?

Diese Art von EU möchte ich nicht.
Diese Art von EU-Politikern möchte ich nicht.

Wow, das nenne ich an den Haaren herbeigezogen. Vielleicht brauchen die Bauern dort auch unsere Gifte, weil sonst Kinder verhungern? (Sarkasmus)

Nein, eigentlich heißt es das nicht.
Wenn du zum Beispiel Fair-Trade-Rosen statt “normaler” Rosen verschenkst, tust du dies, damit Anbaumethoden gefördert werden, bei denen die Landarbeiter (meist außerhalb der EU) nicht im Giftnebel stehen.

Für die Beschenkte dagegen wäre es egal, sie isst die Rosen ja nicht.

Der Gedankengang bei Kauf von Obst und Gemüse sollte ähnlich sein, nur dass man hier dann eventuell auch selbst noch einen kleinen Vorteil hat.
Das meiste Gift bleibt aber immer in der Landschaft, nicht auf den Lebensmitteln.

Ich möchte eine EU, die sich in erster Linie um ihre Bevölkerung kümmert und andere Staaten nicht bevormundet. Wenn manche Staaten zu dem Schluss kommen, lieber Pestizide einzusetzen statt ihre Menschen verhungern zu lassen, bleibt es deren Sache (nur ein fiktives Beispiel)

Den kannst du dir schenken. Ja, der Einsatz von Pestiziden steigert den Ertrag und trägt damit zur Ernährung der Kinder bei.

… und wird dort abgebaut (wenn es nicht gerade DDT oder Schwermetall ist)

Ganz einfach, dann sollten sie ihre giftigen Pestizide selber herstellen.

Ansonsten ist das Ganze eher Heuchelei.

Die typische Gesinnungsethik, die sich um Konsequenzen keine Gedanken macht. So gesehen dürften wir auch keinen Wein oder Bier exportieren, Alkohol ist auch ein Gift.

Und nein, es ist keine Heuchelei. Es ist alles offen und transparent.

Nur ein Beispiel:

“Der Pharma- und Agrarkonzern Bayer ist wegen milliardenschwerer Belastungen aus den Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten in den USA tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stand im vergangenen Jahr ein Verlust von 3,62 Milliarden Euro, wie das Unternehmen heute mitteilte. 2024 hatte der Verlust noch bei 2,55 Milliarden gelegen.”

Wirtschaftlich gesehen “Top”! :thinking:

“Ja, der Einsatz von Pestiziden steigert den Ertrag und trägt damit zur Ernährung der Kinder bei.”

Und dabei werden sie vergiftet und krank.

Ganz davon abgesehen von den Menschen, die mit diesen Giften in Kontakt kommen.

Hauptsache der Ertrag wird gesteigert.

Zumindest beim Alkohol kann jeder selbst entscheiden, ob man es trinkt oder nicht.

Das ist für mich kein Argument und Ausrede.