Die Vizepräsidentin der Bundesbank macht sich Sorgen über Klimaschäden

Das Klima wird zum Wirtschaftsthema.
So klar habe ich das aus der Wirtschaft noch nicht so häufig gehört

Wie ist die Reaktion, wenn Sie Vorständen oder Politikern Ihre Einschätzungen präsentieren? Hat das einen Effekt?

Den Wirtschaftslenkern ist bewusst, dass der Klimawandel oder auch der Verlust von Natur ein finanzielles und wirtschaftliches Risiko ist, mit dem sie umgehen müssen.

Aber die Aktionäre sind wichtiger?

Das würde ich so nicht sagen, aber ja: Unternehmenserfolge werden an den Börsen eher kurzfristig bewertet. Die arbeiten mit einem anderen Zeithorizont als ein Familienunternehmen. Deshalb weisen wir bewusst auf ökonomisch relevante Schäden hin, die bereits bekannt sind. Die Europäische Umweltagentur in Kopenhagen hat ausgerechnet, dass die Schäden durch den Klimawandel in Europa von 1980 bis 2024 820 Milliarden Euro betrugen. Ein Viertel davon ist auf den Zeitraum von 2021 bis 2024 entfallen. Noch alarmierender ist eine Berechnung eines großen Schweizer Rückversicherers: Im vergangenen Jahr haben Extremwetterereignisse weltweit Schäden in Höhe von 320 Milliarden US-Dollar verursacht. Das ist gewaltig.
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Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie lesen, dass die EU ihre Klimaziele abschwächt und Dinge wie den ETS-2 verschiebt?

Viele Menschen fühlen sich überfordert - nicht nur vom Klimawandel, sondern von der Vielzahl an Ereignissen: der geopolitischen Situation, der Invasion der Ukraine, dem demografischen Wandel oder auch den Entwicklungen von KI. Deshalb ist es klug, wenn die Politik überlegt, wie man die Bevölkerung trotzdem mitnehmen kann. Speziell beim Klimawandel sind viele Menschen einfach müde. Sie merken, dass die Eindämmung Geld kostet oder sogar den Arbeitsplatz. Das muss die Politik moderieren und eine klare Richtung vorgeben. Dieses Hin und Her, das wir aktuell erleben, ist weder für die Menschen noch für die Wirtschaft tragbar.

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