Dieses Antibiotikum ist leider nicht lieferbar!

Die Schicht an Zivilisation, die uns noch vom Chaos trennt wird dünner und dünner.

Anruf bei der Aphotheke, wg. eines Antibiotikumrezepts:

  • „Haben wir nicht da, scheint auch im Moment nicht lieferbar zu sein. Ich rufe mal unseren Großhändler an und melde mich wieder“
  • „Hallo, also der Großhändler hat es auch nicht. Das ist im Moment überhaupt nicht lieferbar. Bitte fragen Sie den Arzt, ob er eine Alternative verschreiben kann“

Ok, es handelt sich um ein recht spezielles Antibiotikum, aber wie weit sind wir noch davon entfernt, dass in China „ein Sack Reis umfällt“ und bei uns wieder Arme und Beine amputiert werden müssen, um Leben zu retten?

Oder man stirbt halt einfach wieder.

Ein dreifach Hoch auf die Globalisierung !

PS: Basiert auf einer wahren Geschichte, aber um mich muss sich keiner Sorgen machen - Problem wurde gelöst.

2 „Gefällt mir“

These: Eine Marktwirtschaft ist einfach nicht in der Lage Antibiotika herzustellen: Ein hoch wirksames Medikament, dass man maximal 10 Tage nehmen muss und das außerdem nur eingesetzt werden sollte, wenn es wirklich notwendig ist? Das macht marktwirtschaftlich überhaupt keinen Sinn da dran zu forschen oder es herzustellen.

Im Vergleich: Blutdruckmedikamente sind super! Der Konsument nimmt die jeden Tag und erfolgt misst sich daran, das er nicht tot umfällt. Und wenn doch, dann hat er auf Grund des Medikaments bestimmt viel länger gelebt als ohne (nur das das keiner Beweisen kann).

Ein weitere Grund für die mangelnde Forschung an Antibiotika ist auch, dass diese bei unsachgemäßer Nutzung schnell die Wirkung verlieren. Was eigentlich heißt: Diese dürften nicht mehr in Länder exportiert werden, wo sie bei Husten verschrieben werden oder für Tiere eingesetzt werden. Nur wird es dann wirtschaftlich noch uninteressanter.

Hier wäre wirklich staatliche Forschung, z.B. an Universtäten interessant, in welcher Form oder inwieweit es das schon gibt weiß ich nicht.

2 „Gefällt mir“

@WitzelJo

Naja, ganz so einfach ist es leider nicht…
Wegen der Globalisierung geht es einigen deutlich besser - aber anderen deutlich schlechter - was ohne Globalisierung dann genauso wäre…:slight_smile:
Interessant ist dabei auch noch, dass die gleichen, die von der Globalisierung profitieren gleichzeitig auch Opfer der Globalisierung sein können - es ist also schwierig, diese beiden Dinge gegeneinander aufzurechnen
Überdies ist die Globalisierung gar nicht mehr änderbar - wir sollten also eher überlegen, wie die Globalisierung so umgebaut werden kann, dass sie - gemessen an der Weltbevölkerung - mehr Vor- als Nachteile hat…
Bleiben wir also bei Deinem Beispiel Lieferbarkeit eine Medikaments (und vielleicht auch Bezahlbarkeit (nicht nur für das eine sondern auch für die Entwicklung weiterer Anitbiotikas)…

Wenn wir das global betrachten, sind die paar Hanseln in den Industrienationen von dem Problem wie Du es beschreibst, eine verschwindende Minderheit - lebensnotwendiges nicht zu bekommen ist in den Entwicklungsländern immer noch Alltag - aber deswegen gleich von „Die Schicht an Zivilisation, die uns noch vom Chaos trennt, wird dünner und dünner.“ ??? Es ist eher so, dass die 1 Milliarde in den Industrienationen akzeptieren müssen, dass ihr Luxus beginnt zu bröckeln - und das noch nicht einmal wegen der Globalisierung per se - sondern deswegen, weil die Globalisierung immer noch auf zu wenig Redundanz (=kurzfristige Gewinnmaximierung) ausgelegt wurde - bei den Lieferkettenengpässen (und im weitesten Sinne gehört dazu auch die Entwicklungsleistung, die ausgelagert wurde) hat man immer auf das „billigste“ und nicht auf das Nachhaltigste geschaut - das ist nun das Restrisiko, das wir tragen müssen, denn das war nur eine Frage der Zeit…
Ergo ist die eigentliche Frage, wie wir Grünen uns einen Umbau der Globalisierung vorstellen, oder?

2 „Gefällt mir“

Man müsste wissen, welcher Wirkstoff es war. Antibiotika sind sehr unterschiedlich.

Ja, sehe ich auch so. China sollte Europa komplett von der Versorgung mit Antibiotika ausschließen, so wie bei uns mit diesen Medikamenten umgegangen wird. Das wäre langfristig besser für die Menschheit.

Die Relativierung der Woche. Mag sein das es den Wanderarbeitern, die zu hunderttausenden in den taiwanesichen Werken der Firma Foxconn in China iPhone zusammenbauen „deutlich besser“ geht als in ihren Heimatdörfern. Ich weis es nicht.

Warum sollte das wichtig sein. Allein die Tatsache, da irgend ein Antibiotikum mal einfach so nicht mehr lieferbar ist erschreckt mich über alle Maßen.

1 „Gefällt mir“

Gerade China glaube ich hat erfolgreich schon ein zweistufiges Malaria Medikament mit in den Resistenz -Graben gefahren. Bei uns die Verwendung von Antibiotika für Tiere… kein Kommentar, auch bei den Ärzten bekommt man das zu leicht.
Die Niederlande sind da glaube ich recht vorbildlich was die Verschreibung angeht.

Wie auch immer, die Forschung muss weitergehen, auch was Phargen angeht. Das Problem ist damit u.a. ein rechtliches Problem.

@WitzelJo

Was genau schreckt Dich daran?
Viel schrecklicher als die Frage, ob einzelne Antibiotika in Europa und den USA nicht mehr lieferbar sind (und durch ein anderes Medikament ersetzt werden muss, das vielleicht ein paar Prozentpunkte schlechter wirkt), ist doch die Tatsache, dass Durchfallerkrankungen - wir haben das jüngst wieder bei den Überschwemmungen in Pakistan gesehen - einer der großen Todesursachen ist…
Während wir also in den Industrienationen um „ein paar“ Menschen reden, die eventuell deswegen sogar sterben, ist das in weiten Teilen der globalisierten Welt für Millionen eine Bedrohung, überhaupt keinen Zugang zu Medikamenten zu haben - worüber sollten wir uns also als Weltbürger mehr sorgen?
Um die eigene (individuelle oder deutsche) Befindlichkeit bei kleineren Versorgungsengpässen - oder um den weltweit viel gravierenderen Umstand???
Wenn wir also mit „global“ beginnen zu argumentieren, ist doch ganz klar, worauf der Fokus liegen muss - sicher nicht auf der deutschen/europäischen Befindlichkeit - und schon gar nicht auf der eigenen…
Vgl: Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben mehr als zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu essenziellen Medikamenten. Jährlich sterben 25 Millionen Menschen an Krankheiten, deren Behandlung oder Vorbeugung eigentlich unkompliziert wäre.

1 „Gefällt mir“

@anonymeNutzer ich wollte mit meiner Antwort andeuten, das es hier nicht um ein Land geht, dem man die Schuld zuweisen kann, sondern das Antibiotika und Marktwirtschaft einfach nicht zusammen funktionieren. Die Logik sagt: So wenig wie irgend möglich einsetzen. Der Kapitalismus sagt: Soviel Anwendung wie es geht um die Investition wieder rein zu holen.

Schon vor 10 Jahren oder länger habe ich auf heise.de mal eine Artikelserie gelesen, die Kampf zwischen Menschen und Bakterien als einen Informationskrieg beschrieben haben. Die Antibiotika sind dabei eine Waffe, die um so länger einsetzbar bleibt, je weniger die Bakterien damit in Kontakt kommen.

Aber irgendwann werden die Bakterien eine Mutation entwickeln, die Sie da raus führt. Das sehen wir ja heute schon. Doch statt unseren Informationsvorsprung zu hüten, habe wir mit unserer „Geheimwaffe“ nur so um uns geworfen. Stichwort: Antibiotika in der Tiermast.

Allerdings komme ich damit selbst vom Thema ab: Da Antibiotika so wenig rentabel sind, gibt es immer weniger Hersteller und auch das ist ein Effekt der Marktwirtschaft und der Globalisierung.

1 „Gefällt mir“

@WitzelJo

Der Satz ist nur so lange richtig, so lange es zu wenig Anreize gibt (sprich: der Preis für Antibiotikas nicht hoch genug ist, um selbst bei geringerer Stückzahl rentabel zu bleiben) - das ist dann wieder eine gesellschaftliche Abwägung, was uns wichtiger erscheint - möglichst wenig Sozialausgaben (von denen die Forschung mit finanzierbar wäre) und billiges - antibiotikagepuschtes Fleisch - oder langfristige Nachhaltigkeit in der Bekämpfung der entsprechenden Krankheiten…
derzeit entscheidet sich unsere Gesellschaft immer noch an dieser wie an vielen Stellen für „Geiz ist geil“…
Auch hier würde übrigens wieder gelten - wenn Antibiotika tatsächlich weltweit Verwendung fänden, weil es die Infrastruktur und unsere finanzielle Unterstützung gibt, wäre bei 8 Milliarden Menschen sicher genug Absatzmarkt für Antibiotika vorhanden (vor allem, weil man damit eine Problematik weltweit in den Griff bekäme - sieht derzeit trotz grüner Regierungsbeteiligung eher aber nicht danach aus…

1 „Gefällt mir“

Was soll das denn mit „der Gesellschaft“ als Ausrede? Jeder der als Gesundheitsminister oder Landwirtschaftsminister noch seine fünf Sinne zusammen hat, weis, was die richtige Entscheidung ist.
Und jede Umfrage zu diesem Thema würde das auch bestätigen.

Das Antibiotikaeinsatz bei Tieren nicht schon längst komplett verboten ist, liegt an Korruption oder Unfähigkeit der Entscheidungsträger und nicht an „der Gesellschaft“.

2 „Gefällt mir“

Da liegst Du afaik falsch. Das gilt nur für Medikamente gegen sehr, sehr seltene Krankheiten. Antibiotika werden häufig genug verschrieben (bzw. zu häufig).

Sehr viele Wirkstoffe werden nur noch in China und/oder Indien in einigen wenigen Betrieben hergestellt. Die Pillen werden wohl nach wie vor in D gedreht. Die Kostenersparnis liegt wohl hauptsächlich in den geringeren Umweltauflagen. Wenn da dann mal eine größere Charge verunreinigt ist oder sonstwie ausfällt, entsteht ein Engpass und die verbliebenen Chargen werden quasi meistbietend versteigert.

Das betrifft keineswegs nur Antibiotika. In der ersten Hälfte dieses Jahres war z.B. Losartan nicht lieferbar (Standard-Blutdrucksenker).

Eine Lösung sehe ich am ehesten darin, big Pharma dazu zu verdonnern, jedes essentielle Medikament, was sie in D verkaufen wollen, auch in D oder wenigsten EU herzustellen (und zwar inclusive der zugehörigen Lieferkette). Dann ist es halt etwas teurer.

Im toten Forum gab es einen ähnlichen thread. Dort hatte jemand die offizielle Liste der existenziellen Medikamente aufgetrieben. Ich fand die erstaunlich lang.

1 „Gefällt mir“

Hör doch mal auf, immer über die dritte Welt zu jammern.
Sag mir lieber, wie gespendete Medikamente (im Wert von Mio) diese Menschen überhaupt erreichen sollten ohne Kühlketten, ohne Infrastruktur, ohne Ärzte, ohne Krankenversicherung.

2 „Gefällt mir“

Das ist aber überhaupt keine Seltenheit. Meist hat man Glück und ist davon nicht betroffen. Aber es gibt jede Menge Lieferengpässe.

2 „Gefällt mir“

Das klingt so, als sei die dritte Welt nicht in der Lage, sich ohne Spenden von uns zu retten.

Afrika ist sehr gut durch die Pandemie gekommen, vor allem, weil es bereits gute Lösungen (durch MERS und Ebola etc.) hatte, während Europa noch Skilaufen war.
Außerdem sind SPenden nicht unproblematisch.

2 „Gefällt mir“

Also diese Diskussion sollte eigentlich nichts mit der dritten Welt oder der globalen Versorgung mit Medikamenten zu tun haben. Ich wollte lediglich das Gefühl vermitteln, wenn man essentielle Medikamente mal nicht mehr einfach bei der nächsten Apotheke bekommt.

Das ist mir das erste Mal in meinem Leben passiert und es hat mich erschreckt. Ihr seid vermutlich meist nicht auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen um zu überleben. Ich schon.

Wir sind uns alle meist ziemlich sicher, das es irgendwie schon weitergehen wird. Dafür gibt es aber keine Garantie.

3 „Gefällt mir“

Nun, ich bin mir jedenfalls sicher, dass es irgendwann nicht weitergehen wird. Das ist die einzige Garantie, die wir haben. Und auch alle, die gesund sterben, sind definitiv tot.

Unser Gesundheitssystem ist eins der besten, ohne den heutigen medizinischen Standard, würden wir wahrscheinlich alle nicht älter als 35 oder 40 Jahre.

Natürlich macht es uns Angst, wenn gewohnte und bewährte Arzneien nicht verfügbar sind. Da brauchen wir Vertrauen in die Alternative.

1 „Gefällt mir“

Der Artikel beschreibt aber mal wieder auch nur das Problem und warnt vor den Folgen. Außer einer Meldpflicht haben sie keinen Lösungsansatz zu bieten.

Ich dachte nicht an Alt-Medikamente.

Mein Punkt ist: Selbst mit Spenden klappt das nicht. In den Städten geht das noch, aber auf dem platten Land fehlt meist die Logistik.

Mir nicht. Meine Frau war schon 2-3 mal betroffen. Und vor 2-3 Jahren war sogar mal Insulin knapp.

1 „Gefällt mir“

Ja, es ist nicht der, den ich eigentlich gesucht habe.
Das war ein Interview mit dem Chef der Afrikanischen Union oder so…
Leider weiß ich die genaue Quelle nicht.

Aussage: Afrika und Asien sind geschockt, was die Europäer alles nicht wissen.

OK - ich habe den „Vorteil“, dass ich dieses Erweckungserlebnis schon vor über 20 Jahren hatte - wenn auch in einem etwas anderen Kontext - seitdem - da ich Deinen Optimismus nicht teile - arbeite ich daran, eben auch mit der Möglichkeit, dass es dann nicht mehr weitergeht, einigermaßen zurecht zu kommen, und konnte das bei meinen Kindern auch schon anwenden…
Das mit der Globalisiertung habe ich nur wegen Deines Statements „dreifaches Hoch auf die Globalisierung“ aufgegriffen (und werde das hier auch nicht weiter vertiefen (versprochen -:slight_smile: - im Übrigen halte das thematisch eher mit @Duke - kritische Lieferketten eher vor Ort statt global - und möglichst redundant…
Schon hier wird sich dann aber wieder die Frage auftun, wie das zu finanzieren wäre - wenn es um die Frage einer idealen Versorgung ginge, wüssten tatsächlich alle damit befassten Ressorts, was zu tun wäre - wenn es um die dafür notwendige Finanzierung und die sozialverträgliche solidarische Umverteilung dieser Kosten geht, weiß ebenfalls jedes Ressort, was zu tun ist - ungücklicherweise führen beide Fragestellungen in vielen Bereichen nicht zum gleichen Ergebnis…

1 „Gefällt mir“