Drei Szenarien für unser Jahrhundert

Ich weiß jetzt nicht, wo ich das hinstellen soll, also stelle ich es einfach mal hier rein. Und zwar habe ich ein neues Blogpost geschrieben, in dem ich drei Szenarien für unser 21. Jahrhundert grob skizziere:

Drei Szenarien für unser Jahrhundert

Viel Spaß beim Lesen und Diskutieren!

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Was ist mit dem 4. möglichen Szenario „Low Tech, High Life“?
Scheidet das von vorn herein aus?

Kannst Du mir erklären, wie das funktionieren soll? „Low Tech“ schließt „High Life“ aus - jedenfalls für die große Mehrheit der Bevölkerung. Zumindest bei den heutigen Bevölkerungszahlen. Eine kleine Elite mag in einer Low-Tech-Gesellschaft in Saus und Braus leben - aber für die meisten Menschen heißt das Schuften bis zum Umfallen und trotzdem gerade genug - oder eben nicht genug - zu erwirtschaften, um so eben über die Runden zu kommen. Sicher, es gab verschiedene Low-Tech-Hochkulturen, aber in allen solchen Kulturen waren die meisten Menschen arm wie die sprichwörtlichen Kirchenmäuse, wenn nicht gar Sklaven. Insofern scheidet „Low Tech, High Life“ von vorn herein aus, ganz egal, wovon die Landkommunarden der 70er und 80er Jahre geträumt haben mögen. Das war alles „Low Tech, Low Life“.

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High Life z.B. im Sinne von Tanzen und Musik machen (das gab es auch schon zu Zeiten als die Leute noch mehr schuften mussten)

Zu den SSP-Szenarien sind Erzählungen veröffentlicht worden, um sie anschaulicher zu machen.
Wie stehen deine Szenarien zu denen?
Welche Grundlagen haben deine?
Hier die Kurz-Narrative: Die SSP-Szenarien — Deutsch
Und hier ein Fachartikel (von vielen) mit weiteren Infos: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959378016300681

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Natürlich gibt es auch in Armutsgesellschaften Musik und Tanz, sofern nicht ein bigottes Regime das verbietet, wie das unter den Taliban in Afghanistan der Fall ist - was es aber auch in Gesellschaften mit hohen Einkommen geben kann, siehe Saudi-Arabien. Aber das ist nicht das, was ich mit „High Life“ meine. Sondern ein insgesamt angenehmes Leben für alle, und das, denke ich, ist in einer Low-Tech-Gesellschaft kaum zu erreichen.

Was die SSP-Szenarien betrifft, so entspricht „Grünes Licht“ SSP1, „Business as Usual“ SSP2 (mit Tendenzen zu SSP4 und vielleicht SSP5), und „Die Rückkehr des Krieges“ in etwa SSP3, würde ich mal sagen.

Von deinen drei Szenarien halte ich das Erste für am wahrscheinlichsten, aber natürlich gefällt mir das Dritte besser, und ich werde mich bemühen, dass es zumindest nicht an mir liegt, wenn trotzdem das Erste eintritt :slightly_smiling_face:

Ich halte es für am wahrscheinlichsten, dass die Entwicklung irgendwo zwischen allen dreien verlaufen wird. Das sind nur Eckpunkte auf einem großen Kontinuum der Möglichkeiten.

Kann sein, aber wenn gesellschaftliche Kipppunkte auftreten, kann es abrupt und beschleunigt in die eine oder andere Richtung gehen.
Ich würde die SSPs als Grundlage nehmen, die sind ausgearbeitet, und sicher gibt es auch Literatur über die Wahrscheinlichkeit bestimmter Entwicklungswege.
Man muss das Rad nicht neu erfinden.

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Die Saudis machen Party in Dubai und neuerdings auch in ihrem eigenen Land.

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Bisher kannte ich solche Szenarien nicht. Aufgrund welcher wissenschaftlicher Grundlagen wurden sie erstellt? Erhöhte zukünftige Temperaturen durch den Klimawandel sind ja wissenschaftlich prognostizierbar. Aber welche wissenschaftlichen Grundlagen gibt es für die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prognosen in diesen Szenarien?

Ich kannte die SSP-Szenarien bisher auch noch nicht, danke für die Information, @Dagmar !

Der Artikel, den ich oben verlinkt habe, geht darauf ein. Er bildet ein Zwischenergebnis, das in einem jahrelangen Prozess erarbeitet wurde:

The process of developing the SSPs and IAM scenarios involved several key steps. First, the narratives were designed and subsequently translated into a common set of “input tables”, guiding the quantitative interpretation of the key SSP elements and scenario assumptions (e.g., on resources availability, technology developments and drivers of demand such as lifestyle changes – see O’Neill et al. (2016a) and Appendix A of the Supplementary material). Second, the narratives were translated into quantitative projections for main socioeconomic drivers, i.e., population, economic activity and urbanization. Finally, both the narratives and the associated projections of socio-economic drivers were elaborated using a range of integrated assessment models in order to derive quantitative projections of energy, land use, and emissions associated with the SSPs.

Die SSPs bilden die Grundlage für die IPCC-Berichte. Nicht nur der Ausstoß von Klimagasen, sondern auch die Folgen sind von der sozioökonomischen Entwicklung abhängig.
Um Zukunftsszenarien zu entwickeln, muss man viele Annahmen machen, die sich gegenseitig beeinflussen. Man muss also zentrale Variablen wählen, die möglichst unabhängig sind und einen großen Bereich von Folgen abdecken. Solche Einflussgrößen sind Bevölkerungswachstum, wirtschaftliche Aktivität und Urbanisierung. Diese Entwicklungspfade sind dann für verschiedene Anwendungsbereiche und Gegenden präzisiert worden.

Das sind die ersten Ansätze gewesen, hier werden die grundlegenden Ideen erklärt: A new scenario framework for climate change research: background, process, and future directions | Climatic Change und A new scenario framework for Climate Change Research: scenario matrix architecture | Climatic Change, und heute steht man etwa hier: Achievements and needs for the climate change scenario framework | Nature Climate Change. Diese Szenarien werden ständig weiterentwickelt.

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Damit habe ich auch ein Thema für mein nächstes Blogpost.

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In Saudi-Arabien feiert die Jugend ausgelassene Partys. Die Konservativen kochen, aber der Kronprinz lässt die Jungen gewähren. Riad soll das Dubai der Zukunft werden

Kann gut sein. Aber ich halte es für unmöglich, dazu Prognosen zu erstellen. Wie @Dagmar sagte, es kann Kipppunkte geben, an denen sich das ganze plötzlich in eine ganz andere Richtung entwickelt. In der Vergangenheit war z.B. der 2. WK ein solcher Kipppunkt.

Die Frage dahinter ist, ob die Entwicklung der Menschheit immer mehr oder weniger linear verläuft oder manchmal doch auch chaotisch.

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Ich würde von Nichtlinear ausgehen ,also eher chaotisch.

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Ich gebe zu: ich kapiere das nicht wirklich.
Es wird sich ein Szenario ausgedacht und dann mit Daten unterlegt?

Es werden Rahmenbedingungen gesetzt (viele oder wenige Investitionen in Erneuerbare Energien, viel oder wenig internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit, usw.), und diese in ein Rechenmodell eingespeist, aus dem dann hervorgeht, wie viel CO2 in die Luft geblasen oder auch wieder entnommen wird, und daraus dann berechnet, was mit dem Klima passiert. Das sind komplizierte mathematische Modelle, die viel Rechenleistung verschlingen. So verstehe ich das jedenfalls.

Ein Forscher namens Jørgen Randers hat wohl ein relativ einfaches (aber grobes) Modell gebaut, das mit einer Excel-Tabelle auskommt, so dass man da zu Hause Szenarien durchspielen kann. Das habe ich aber noch nicht gemacht.

Meinen „drei Szenarien“ liegt zugegebenermaßen kein solches mathematisches Modell zugrunde, das sind nur intuitive Abschätzungen, was passiert, wenn konservative (Szenario 1), reaktionäre (Szenario 2) oder progressive Akteure (Szenario 3) das Geschehen dominieren. Allein auf der Basis meines gesunden Menschenverstandes und dessen, was ich über die zugrunde liegenden Dynamiken so gelesen und verstanden habe.

Das sind alles komplexe nichtlineare Systeme, insofern kann man nicht sagen, was passiert, und kann ganz krass daneben liegen!

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danke, jetzt habe ich das verstanden.
Sozusagen eine datenbasierte Glaskugel.