Einführung einer Vermögenssteuer / Erhöhung der Erbschaftssteuer

Vor ein paar Jahren hat ein Buch von Thomas Piketty sehr viel Aufmerksamkeit bekommen: Das Kapital im 21. Jahrhundert. Das ganze basiert auf einer Datenbasis die mittlerweile als
https://wid.world/wid-world/
im Internet verfügbar ist.

Basierend auf diesen Analysen und Daten bin ich der Meinung das eine Vermögenssteuer auch in Deutschland unbedingt notwendig ist. Die Ungleichheit der Vermögensverteilung bedroht die Struktur unserer Demokratie und den Zusammenhalt unserer Gemeinschaft.

Dabei geht es im ersten Schritt überhaupt nicht um die Höhe der Vermögenssteuer. Schon 0,5% oder weniger für Vermögen ab 100.000.000 Euro würden ausreichen. Es geht darum das im Moment überhaupt nicht klar ist wie hoch die Vermögen in Deutschland wirklich sind und wem Sie gehören. Denn mit der Einkommenssteuer ist das nicht korrekt zu erfassen.

Ziel einer Vermögenssteuer sollte zunächst die genaue Messung der Vermögensverteilung sein.
Und im zweiten Schritt der Stop bzw. eine Teilweise Umkehr der Vermögenskonzentration in der Gesellschaft. Elon Musk ist ja nur bei weitem nicht der einzige oder der erste Milliardär, der sich ein Massenmedium kauft und damit die Politik beeinflusst.

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Ich bin bekanntlich ein extremer Gegner einer Vermögensteuer bzw. aller Steuern auf den Bestand. Allein schon aus technischen Gründen, die ich im toten Forum bereits ausführlich dargelegt habe.
Vermögensteuer ist Populismus pur.

Aber nehmen wir mal an, Du machst eine Veranlagung mit 0 % (das scheitert übrigens bereits an den Bewertungsspielräumen bei vielen Vermögensgegenständen wie z.B. Kunst). Danach glaubst Du zu wissen, wie genau das Vermögen in D verteilt ist. Was hast Du dann gewonnen?

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Das Buch von Piketty hat auch mich sehr beeindruckt. Er hat damit eine Problematik auf den Punkt gebracht, die auch heute noch ungelöst ist.
Ob Vermögensteuer ein notwendiger Teil einer Lösung ist, weiß ich nicht. Aber wenn die Sache so weitergeht, hat das negative Folgen für den Großteil der Menschen weltweit und für die Demokratien insbesondere.
@Duke, siehst du das Problem wie wir? Welche Lösungen ziehst du in Betracht?

Offiziell wurde die Vermögenssteuer in Deutschland eigentlich nie ganz abgeschafft.

Seit 1997 wird die Vermögensteuer nicht mehr erhoben, da die Bewertung von Immobilien den Gleichheitsgrundsatz nicht erfüllt hatte, weil sie nicht mit dem Marktwert erfasst wurden.

Die damalige schwarz-gelbe Bundestagsmehrheit wollte diese abschaffen und verhinderte eine Neuregelung der Grundbesitzbewertung, die anschließend nur für die Erbschaftsteuer erneuert wurde.

Das Bundesverfassungsgericht hat mit Beschluss vom 22. Juni 1995 die Erhebung einer Vermögensteuer für verfassungswidrig erklärt. Immobilienvermögen wurde gegenüber anderem Vermögen besser behandelt

Unser Finanzminister ist natürlich dagegen, wahrscheinlich auch als reiche Privatperson:

Eine Vermögensteuer kann Deutschland sich nicht leisten: Gastbeitrag von Christian Lindner für das Handelsblatt:

Allerdings hat bereits im letzem Jahr der Internationale Währungsfond die Einführung einer Vermögensteuer befürwortet, um die Kosten aus der Corona-Krise zu bewältigen. Dabei solle es sich um eine Abgabe nach dem Vorbild des Solidaritätszuschlags in Deutschland handeln.

In Deutschland gibt es so viel Reichtum wie nie zuvor, wir müssen ihn endlich vernünftig verteilen und gerecht einsetzen.

Seit Jahrzehnten nehmen soziale Ungleichheit, Unsicherheit und Ungerechtigkeit zu.

Die Einkommen der Beschäftigten sind weit hinter der Entwicklung der Gewinne und Vermögenseinkommen zurückgeblieben.

Millionen Menschen sind von Erwerbslosigkeit oder Armut trotz Arbeit betroffen. Viele Alleinerziehende, Menschen mit Behinderung, Zugewanderte und andere Gruppen geraten immer mehr ins Abseits.

Zugleich wurden Steuern auf große Vermögen, hohe Einkommen und Gewinne gesenkt und Kapitalmärkte entfesselt. Viele große Konzerne drücken sich notorisch vor der Steuer.

Reichtum und Macht konzentrieren sich in immer weniger Händen. In der Politik dominierten jahrelang die Interessen der wirtschaftlich Mächtigen. Hier lagen die Ursachen der sozialen und politischen Spaltungen und Probleme.

An den Missständen in diesem Land sind nicht die Armen, die Erwerbslosen oder die Schutzsuchenden schuld.

Eine Vermögenssteuer muss die Millionäre und Milliardäre angemessen an der Finanzierung der öffentlichen Aufgaben beteiligen und soziale Ungleichheit abbauen.

Trotz aller Krisen kommt es in Dutschland trotzdem noch zur unbegrenzten Anhäufung von privatisierten Ressourcen und Vermögen. Dieses inzwischen ins „unermeßliche“ gewachsene Vermögen in den Händen Weniger könnte dazu genutzt werden, effektiv und nachhaltig einige Probleme von Millionen von Menschen und der belasteten natürlichen Umwelt zu lösen.

Man könnte sogar über eine evtl. Einführung von Obergrenzenregulierungen für Vermögen in verschiedenen Formen und Graduierungen (nach eingehender sorgfältiger Überprüfung aller Möglichkeiten, Faktoren und Parameter) nachdenken.

Aber das ist ein anderes Thema und ziemlich heikel.

Nein, Solidarität!

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Ich gehe davon aus das Pikettys (et al.) Analysen stimmten und der Kapitalismus mit den von uns aktuell praktizierten Regeln unweigerlich zu einer immer stärkeren Konzentration des Kaptials/Reichtums/Vermögens führt.

Ich bin des weiteren davon überzeugt, dass eine solche Gesellschaft ist kann keine stabile Form von Demokratie mehr sein kann. Oder nur eine Farce von Demokratie.

Also geht es nicht darum den Bestand zu besteuern, sondern den inhärent eingebauten Zuwachs aufzuhalten um die Vermögensverteilung in der Gesellschaft zum Nutzen aller zu stabilisieren. Es gibt dann noch immer Arme und Reiche Menschen. Aber keine Superreichen mehr.

Die Krux ist ja das jeder der mal eine Million besitzt oder zehn sich gleich angesprochen fühlt, wenn es um Vermögenssteuer geht. Oder die Besitzer von Familienbetrieben mit 50 Mitarbeitern.

Dabei geht es um Macht und Einfluss von Personen wie diesen hier.

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Kurz auf die Meta-Ebene: Ich finde es sehr gut, das wir hier unterschiedliche Positionen zu diesem Thema haben. Das brauchen wir für eine gute Diskussion.

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Nein.
Nahezu alles in dieser Welt außer der Zeit ist ungleich verteilt. Von der Schuhgröße bis zu den Fähigkeiten. Was ändert es an unserer Lebenswirklichkeit, dass Bill Gates in einer 140 Mio Hütte wohnt und Richard Branson eine hübsche Südseeinsel gehört? Gar nichts.

Angenommen, wir würden alle großen Vermögen einziehen und wegbunkern, also nicht an die Gesamtbevölkerung verteilen und auch nicht für Investitionen in Klimaschutzprojekte verwenden.
Ginge es uns dann besser? Ja, zumindest etwas. Weil dann der Neidfaktor entfiele. Ich kenne Kulturen, in denen es (fast) keinen Neid gibt. Dort fühlt sich das gesellschaftliche Leben wesentlich besser an als hierzulande.

Ich bin ja durchaus dafür, die Reichen und Superreichen stärker an den Gemeinschaftsaufgaben zu beteiligen (die lustigerweise vielfach auch). Mir fallen dazu gleich eine handvoll verschiedener Möglichkeiten ein, angefangen mit einer deutlichen Erhöhung des Spitzensteuersatzes bei der ESt. Da käme auch viel mehr bei rum als bei so einer läppischen Vermögensteuer. Der Entwurf der SPD aus GroKo-Zeiten sollte IIRC 17 Mrd bringen. Das reicht nicht mal für ein Wümmslein.

Dann lass uns doch gezielt gegen den Mechanismus der Konzentration (als Ursache) und den Missbrauch von Vermögen (als Auswirkung) bekämpfen, statt stumpf das Vermögen selbst (als Symptom).

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Das stimmt, sogar für die Zeit. Die Varianz ist verschieden, und die Folgen sind es auch. Eine Zusammenstellung der Folgen von großer Ungleichheit findet sich zB bei Stiglitz: Der Preis der Ungleichheit. In jedem Bereich kommen zur Ungleichheit natürlich bestimmte Rahmenbedingungen dazu, die die Folgen beeinflussen. Diese Folgen müssen gar nicht zwangsläufig von Missbrauch großer Vermögen herrühren.

Sicher stimmen dir hier die meisten zu. Die Ausführungen von Piketty beziehen sich hauptsächlich auf den Mechanismus, der zur Konzentration von Vermögen führt. Die Daten, historisch und aktuell aufgeführt für verschiedene Länder, zeigen offenbar bereits jetzt eine Verteilung, die zu beträchtlichen gesellschaftlichen Nachteilen führt. Mit Einkommensbesteuerung wird nur die weitere Konzentration gehemmt, nicht die bestehende abgebaut. Was gegenwärtig politisch sinnvoll und möglich ist, da bin ich mir nicht sicher.

Ich finde das Thema sehr schwierig, da so völlig unterschiedliche Lebenswelten aufeinanderprallen. Ich würde Neid als Argument aber nicht so in den Vordergrund stellen: Der tritt eher im direkten sozialen Vergleich auf, also innerhalb eines Milieus. Gefühle beim Erleben von Ungerechtigkeit sind noch einmal etwas anderes, mit anderen Ursachen. Soziale Gefühle sind komplex, in beide Richtungen der sozialen Leiter :wink:

Bitte verlinken.

Nur die Intelligenz ist fair verteilt. Jeder glaubt, genug davon zu haben.

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Nee, nicht die Intelligenz.

»Der gesunde Menschenverstand ist …
… die am besten verteilte Sache auf der Welt. Denn jeder denkt, so gut mit ihm ausgestattet zu sein, daß selbst diejenigen, die mit kaum einer anderen Sache zufrieden sind, sich gewöhnlich nicht mehr davon wünschen, als sie bereits besitzen.«
René Descartes

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Genau.
Das wars

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Nicht einfach zu finden. Ich suche noch. Der hier ist aber schon mal ganz nett:
https://discourse.netzbegruenung.de/t/warum-sind-wir-fuer-die-landwirtinnen-nicht-interessant/20309/158

Wieviel es bringt:
https://discourse.netzbegruenung.de/t/umverteilung-mal-in-zahlen/9131

Das hier gilt auch immer noch:

ohne Freigrenzen ist es eine extrem unsympathische Steuer
Steuern auf den Bestand sind nicht nachhaltig
man braucht Dutzende von Ausnahmeregelungen
mit Freigrenzen und Ausnahmen bringt sie gar nicht so viel
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Ok, da bin ich für Vorschläge offen. So kommen wir weiter.

Ich sag ja immer: Erst sich über die Ziele verständigen und dann über Maßnahmen reden. :slight_smile:

Es geht wirklich nicht darum, wie viel Geld dabei eingenommen wird, sondern darum die Vermögensungleichheit in der Gesellschaft zu begrenzen. Es gibt schließlich genug Beispiele
wie sich die Vermögensungleichheit negativ auf demokratische Systeme auswirkt.

Nur mal hypothetisch: Wie wäre eine Gesellschaft in der der Ärmste Mensch 1.000 Euro gespartes hat und der Reichste 10 Millionen? Ich weis natürlich das dies ein utopisches Konzept ist.

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Dann müsstest Du alle mittelständischen Familienunternehmen streichen, deren Betriebsvermögen 10 Mio übersteigt. Bekanntlich die Stärke der deutschen Wirtschaft.

Auch startups hätten unendliche Schwierigkeiten, ihre erste Fabrik für 300 Mio (typische Größenordnung) finanziert zu bekommen. An Innovationen geht keine Bank im nennenswerten Umfang ran. Und finde mal 300 Reiche, die jeweils eine freie Mio in die gleiche riskante Idee investieren.

Von Gigafactorys ganz zu schweigen … :wink:

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Also zunächst ist das kein ernst gemeinter Vorschlag, sondern nur eine Utopie.
Aber wenn wir in diesem Rahmen bleiben: Es gibt heute schon Crowdfounding, was wäre, wenn sich statt Familienunternehmen, dann halt 20 bis 30 Leute mir je 1-5 Millionen an einer Firma (als Stille Teilhaber) beteiligen?

Mit kleinen Familienunternehmen wird ja immer als Beispiel gegen Vermögenssteuer argumentiert. Hier mal eine Liste von ein paar Familienunternehmen:

Das Familienunternehmen auf Platz 30 hatte 2013 3,31 Milliarden Euro Umsatz.

Eine Utopie ist ein positives Szenario. Nennen wir es lieber Gedankenspiel :wink:

… sind gaaanz schwer zu finden. Wenn jemand einen (für ihn) erheblichen Betrag investiert, will er auch ein gewisses Mitspracherecht. Dann geht aber sehr schnell die typische Eigenschaft des Familienunternehmens verloren, die Einheit von Risiko (-entscheidung) und Haftung.

Die Liste fand ich ganz lustig. Da ist ja der halbe DAX versammelt. Und VW hatte ich nicht wirklich als Familienunternehmen auf dem Schirm. Aber ja, nach der Definition ist es eines. Meine persönliche Definition (und ich finde vermutlich auch eine offizielle) würde alle Unternehmen in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft ausnehmen, weil da die Familie eben nicht notwendigerweise mit ihrem gesamten Privatvermögen haftet.

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