Eingeschränkte Krankenversicherungsleistungen bei über 80-Jährigen?

So sehr ich Deiner Meinung bin…. dazu muss dieser Zusammenhang erst mal gesellschaftlich akzeptiert sein. Wir haben derzeit (nicht nur im Gesundheitssystem) viele Verletzungen, bei denen wir aber monokausal dir Frage zubeantworten suchen, wass denn nun wirklich sein muss (im Sinne @Herbert )

Was aus der einen Perspektive als notwendig erscheint, richtet aus anderer Perspektive mehr Schaden an als (eigentlich) akzeptabel erscheint.

Es bleibt daher (für mich) ein Mysterium, was nun wirklich notwendig ist - und was nicht.

Spinnen wir mal diesen Gedanken weiter. Auch Feuerwehr und sonstige Rettungsdienste müssten sich an die geltende Höchstgeschwindigkeit halten. Aber auch diese garantiert nur relative Sicherheit. Also alle Kfz abschaffen? Und dann? Ein Großvater meiner Angetrauten wurde mal tödlich von einem Pferdehuf getroffen. Auch der elektrische Strom birgt Risiken. Zurück zu Kerze und Petroleumfunzel? Damit wären wir wieder bei der zuerst genannten Feuerwehr. Risiken lassen sich nicht völlig eliminieren. Man kann sie nur mit aller gebotenen Sorgfalt gegeneinander abwägen und durch geeignete Vorkehrungen minimieren. Es gibt aber auch Fälle, in denen Antibiotike ohne erkennbares Restrisiko verschrieben wurden.

Eben. Für diese tatsächlich gerechtfertigten Fälle in der Humanmedizin müssen wirksame Antibiotika auch weiterhin zur Verfügung stehen. Denn dafür sind sie eigentich gedacht.

STVO §35 (5a) Fahrzeuge des Rettungsdienstes sind von den Vorschriften dieser Verordnung [gemeint ist die STVO] befreit, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden.

Das ist für mich die zentrale Überlegung. Auch im politischen Diskurs. Wenn wir den Leuten “Lösungen” anbieten, die suggerieren, dass “alles gut wird” (Betonung liegt in diesem Fall auf “alles”!), dann verschweigen wir das Restrisiko.

Wenn wir also - um zum Thema zurückzukehren - Krankenversicherungsleistungen (für wen auch immer und welche Leistungen auch immer) einschränken/streichen, um das Gesundheitsystem finanzierbar zu halten, so ist das eine Abwägung, die (aus Gründen des Einsparpotentials aber auch der “Verteilungsgerechtigkeit” des steigenden “Restrisikos”) in jedem Fall nicht nur die Ü80 treffen sollten - sondern alle.

Immer mit der Begründung, dass man durch Weglassen/inschränken von Behandlungsoptionen “nur” das “Restrisiko” vergrößert.

Das “Restrisiko sollte nicht gegen 100% konvergieren (das ist z.B. bei bestimmten Tumorpatienten der Fall) - auch bei einigen Hüft-OP’s ist ein Eingriff (unabhängig vom Alter) zum Erhalt einer Lebensqualität “alternativlos”.

Wichig ist bei dem Gedanken natürlich auch, dass wenn denn der Fall eintritt, der unter “erhöhtem Restrisiko” fällt, dann nicht das Geschrei groß ist, man haben “nicht alles erdenkliche getan”!

Hier sehe ich große Verständnisprobleme bei vielen, die sich mit “Restrisiko” nicht wirklich aktiv beschäftigt haben. Ich hatte jüngst einen Bekannten, der sich ein subdurales Hämatom bei einem Fahrradunfall zugezogen hat, weil er ohne Helm gefahren ist. Es fiel ihm sehr schwer, zu akzeptieren, dass seine Entscheidung, ohne Helm zu fahren, über das nicht auf diese Weise verringertem Restrisikos nicht zuletzt auch seine Verantwortung war, die dieses Krankheitsbild erst mit verursacht hat.

Politik, die (nicht nur aber auch) an Stellschrauben für Einsparungen dieser Art schrauben will (natürlich auch jenseits des Krankenkassensystems!), muss diese Restrisikobetrachtung mit vermitteln. Die meisten politischen Akteure vermitteln aber etwas anderes. Das ist in Zeiten, wo ohnehin keine Aufbruchsstimmung mehr vorherrscht sondern es im Wesentlichen um Bestanderhalt geht, gefühlt dann immer ein Rückschritt. (was - nota bene - natürlich immer noch kein Grund ist, eine Alternative zu wählen, die - gerade in diesem Punkt - überhaupt keine Alternative ist, denn ich habe von noch keinem AfD-Funktionär irgend etwas über Restrisiko ihrer Entscheidungen gehört. Dort ist immer alles absolut gut und absolut richtig).

Politiker versprechen eben viel, wenn der Tag lang ist. Besonders gern vor der Wahl. Gerade auch im Fall des Antibiotikamissbrauchs wäre es ihr Job, dem Volk die Wahrheit zu sagen, dass man nicht alles haben kann - billiges und gesundes Fleisch. Der Einfluss der Agrarlobby tut sein übriges. Was uns bleibt ist, von der großen Politik immer wieder lautstark einzufordern, dass Richtige zu tun.

… die Limo-Lobby schaltet in der Bild am Sonntag eine Anzeige gegen die Zuckersteuer. [1] Kostenpunkt: über 100.000 €. [2] Zehn bunte Sätze mit Emojis, um Verbraucher:innen zu täuschen. Wer so viel Geld übrig hat, hat Angst.
Aus einem Foodwatch-Newsletter

Es wäre schon hilfreich, den Zucker mit der normalen MWSt. zu belasten. Und die Vorschriften zu lockern, damit auch Getränke, die nicht so widerlich süß schmecken, Limo genannt werden dürfen.

Da has Du meine volle Zustimmung - könnte kollidieren mit https://das-gruene-forum.de/t/warum-sind-die-gruenen-unfaehig-die-chance-auf-dem-silbertablett-zu-nutzen-konsequenzen-des-irankriegs/

für

ebenfalls - es ist eben nicht nur die Lobby, die hier Stimmung macht.

Aktuel tut die augenblickliche Regierung sehr viel” um gegen den globalen Trend wirtschaftlich Deutschland auf die Beine zu stellen. Auch wenn die Regierung aktuell rel. unbeliebt ist - sie engagiert sich damit für etwas, das den meisten durchaus auf dem Herzen liegt. (ebenfalls vgl. Warum sind die Grünen unfähig, die Chance auf dem Silbertablett zu nutzen? Konsequenzen des Irankriegs - #179 von HarmsCar )

Sie vermeidet daher sehr viel, was sich kontraproduktiv für Umsätze aus wirkt - dazu gehören eben auch Steuererhöhungen (z.B. für Zucker).

Es könnte natürlich sein, dass sich das langfrisitig auch auf die Gesundheit auswirkt.

Aber wie sagte ein SPD-oberer (Carsten Schneider - letzter Absatz) jüngst: “…Wir müssen in einer Krise auf Sicht fahren…”. Es ging dabei zwar um die Frage neuer Schulden und nicht um die Gesundheitsreform.

Aber “auf Sicht fahren” bedeutet eben auch, langfristige Probleme hinten anzustellen bzw. nichts/zu wenig zu deren Lösung zu tun.

Für den Verkehr auf der Straße oder auf dem Wasser sollte zwar das “auf Sicht fahren” selbstverständlich sein, ist aber auch Murks, wenn man nicht seine Fahrtrouten (im Wesentlichen) im Kopf hat. Und das Ziel bzw. Etappenziel. Nun soll ja die Zuckersteuer doch noch kommen. Dafür sollen die Beitragszahler aber auch weiterhin für die Bürgergeldempfänger blechen. Hatte vorhin eine Petition bewusst nicht mitgezeichnet, die forderte, dann wenigstens auch die privaten Kassen mit einzubeziehen. Denn das liefe auf ein stillschweigendes Akzeptieren von Klingbeils Standpunkt hinaus. Mag ja sein, dass Steuern als Belastung empfunden werden, doch sie wirken sich längst nicht so beschäftigungshemmend wie Sozialbeiträge aus. Als die Regierung Kohl damals die Massenarbeitslosigkeit auf Kosten der Sozialkassen (im konkreten Fall war es die Rentenversicherung) minderte, wurde sie zu Recht auch von der SPD gescholten.

Eben auch so ein Thema, bei dem Merz & Co. keine gute Figur machen. Dabei ist das Problem wahrlich nicht neu. Ich erinnere mal nur an die erste große Energiekrise zu Anfang der 70er. Das war aber nicht das einzige Mal. Kupfer ist zwar nur der zweitbeste Leiter, geht aber im Prinzip auch.

Wer so mit der Volksseele umgeht (es wurden bereits mehrere Kliniken und Geburtsstationen geschlossen, weitere stehen ebenfalls auf der Streichliste), muss sich nicht über sinkende Umfragezahlen wundern. Da hilft auch der Tankrabatt nicht wirklich weiter. Aber 2,5 Jahre haben sie noch. Und dann kann ja Katherina Reiche mal den Song neu aufnehmen: “Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n…” :grin:

Das ist aber genau das Problem - wenn Du zu Wasser mit Deinem Boot in Richtung Niagarafall unterwegs bist, bedeutet “auf Sicht fahren” den sicheren Tod. Und wenn Du nicht weißt, dass hinter der nächsten Wegbiegung Dich eine gerade zusammengebrochen Brücke erwartet, kannst Du zwar vielleicht durch schnelle Reaktion den Tod noch verhindern. Der kilometerlange Umweg sorgt aber dafür, dass Du Dein Ziel nicht mehr “rechtzeitig“ erreichst (s. Klimawandel). Wenn wir uns also jetzt allein auf die Wirtschaft konzentrieren, die Ökologie aber dabei völlig hintanstellen, könnte es sein, dass wir reich sterben…

(Allein) auf Sicht fahren ist immer dann ein großes Risiko, wenn man langfristige Ziele verfolgt.

„Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat ihre Forderungen zur kurzfristigen Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) klar und deutlich formuliert. Damit die Beitragssätze 2026 nicht erneut steigen, fordert sie unter anderem die vollständige Übernahme der Behandlungskosten von Bürgergeldempfangenden durch den Staat. Dadurch könnte die GKV jährlich um rund zehn Milliarden Euro entlastet werden. Das ist eine deutliche Ansage der Bundesgesundheitsministerin, der jetzt konkrete Maßnahmen folgen und im Bundeshaushalt eingeplant werden müssen. Es handelt sich um gesamtgesellschaftliche Aufgaben, die aus Steuern zu finanzieren sind und nicht aus Beitragsmitteln.”

Diese Forderung (Quelle s.u.) ist vom Tisch, richtig?