Das ist für mich die zentrale Überlegung. Auch im politischen Diskurs. Wenn wir den Leuten “Lösungen” anbieten, die suggerieren, dass “alles gut wird” (Betonung liegt in diesem Fall auf “alles”!), dann verschweigen wir das Restrisiko.
Wenn wir also - um zum Thema zurückzukehren - Krankenversicherungsleistungen (für wen auch immer und welche Leistungen auch immer) einschränken/streichen, um das Gesundheitsystem finanzierbar zu halten, so ist das eine Abwägung, die (aus Gründen des Einsparpotentials aber auch der “Verteilungsgerechtigkeit” des steigenden “Restrisikos”) in jedem Fall nicht nur die Ü80 treffen sollten - sondern alle.
Immer mit der Begründung, dass man durch Weglassen/inschränken von Behandlungsoptionen “nur” das “Restrisiko” vergrößert.
Das “Restrisiko sollte nicht gegen 100% konvergieren (das ist z.B. bei bestimmten Tumorpatienten der Fall) - auch bei einigen Hüft-OP’s ist ein Eingriff (unabhängig vom Alter) zum Erhalt einer Lebensqualität “alternativlos”.
Wichig ist bei dem Gedanken natürlich auch, dass wenn denn der Fall eintritt, der unter “erhöhtem Restrisiko” fällt, dann nicht das Geschrei groß ist, man haben “nicht alles erdenkliche getan”!
Hier sehe ich große Verständnisprobleme bei vielen, die sich mit “Restrisiko” nicht wirklich aktiv beschäftigt haben. Ich hatte jüngst einen Bekannten, der sich ein subdurales Hämatom bei einem Fahrradunfall zugezogen hat, weil er ohne Helm gefahren ist. Es fiel ihm sehr schwer, zu akzeptieren, dass seine Entscheidung, ohne Helm zu fahren, über das nicht auf diese Weise verringertem Restrisikos nicht zuletzt auch seine Verantwortung war, die dieses Krankheitsbild erst mit verursacht hat.
Politik, die (nicht nur aber auch) an Stellschrauben für Einsparungen dieser Art schrauben will (natürlich auch jenseits des Krankenkassensystems!), muss diese Restrisikobetrachtung mit vermitteln. Die meisten politischen Akteure vermitteln aber etwas anderes. Das ist in Zeiten, wo ohnehin keine Aufbruchsstimmung mehr vorherrscht sondern es im Wesentlichen um Bestanderhalt geht, gefühlt dann immer ein Rückschritt. (was - nota bene - natürlich immer noch kein Grund ist, eine Alternative zu wählen, die - gerade in diesem Punkt - überhaupt keine Alternative ist, denn ich habe von noch keinem AfD-Funktionär irgend etwas über Restrisiko ihrer Entscheidungen gehört. Dort ist immer alles absolut gut und absolut richtig).