In der von Dir beschriebenen Weise ist das ein natürlich unhaltbarer Vorwurf, der wohl tendenziell auch eher reflexartig von Links kommt …
Natürlich gibt es kaum „empathielose“ Menschen (egal, ob arm oder reich); natürlich gibt es nur wenige, die tatsächlich rücksichtslos Eingenoptimierung betreiben - in dieser Polemik ist das fast schon lächerlich, bzw. - wie Du schreibst - traurig (egal, ob von links oder rechts) …
Was allerdings richtig bleibt, ist, dass die Empathie offenkundig nicht ausreicht, um lokale wie - vor allem - globale Probleme hinreichend anzugehen.
Das fängt auch nicht erst bei den „Reichen“ an - wobei sich hier schon die Frage stellt, wer eigentlich „reich“ ist - aus Sicht eines verhungernden Afrikaners ist jeder Europärer mit einem Einkommen deutlich über 2000 € reich, weil er/sie deutlich mehr hat als zum Überleben notwendig…
Die Förderung von Entwicklungshilfe oder auch der Sozialstaat ist, wie @dittgesa zu Recht schreibt, natürlich kein Akt des Althruismus, sondern das Wissen, dass eine Gesellschaft nur nachhaltig funktionieren kann, wenn die Unterschiede nicht zu groß und die „Bedürfnisse“ der allermeisten auch hinreichend befiedigt werden!
Das Problem ist daher eher, dass die Empathie nicht hinreichend ist, und der eigene „Reichtum“ tendenziell kleiner und der „Reichtum“ des anderen eher hochskaliert wird…
Die Empathie ist deswegen nicht hinreichend, da sie beim Menschen im Wesentlichen auf die „überschaubare Kleingruppe“ und auf einen Zeithorizont von einen halbe Jahr begrenzt ist.
„Globale Empathie“ gibt es (beim Menschen) nicht.
Und Reichtum - wenn man davon ausgeht dass man Reichtum tatsächlich als etwas definiert, dass einen Besitzstand kennzeichnet, der mehr beinhaltet als selbst verbraucht werden kann, so wäre es - theoretisch - ganze einfach, die Dinge, die darüber hianus gehen, zu verteilen, da sie selbst das eigene Wohlbefinden nicht mehr nachhaltig steigert.
Wenn also ein „sehr Reicher“ die Ressourcen (z.B. Geld), das er selbst nie verbrauchen könnte, einfach an andere veteilt, so wäre das kein Fall von Althruismus, sondern ein Beitrag im Sinne von @dittgesa, der selbst nicht bemerkbar ist, aber die Gesellschaft nachhaltig stützt.
Dummerweise funktioniert das in unserer Gesellschaft nicht, da
- die Gesellschaft zu groß ist (Thema „begenzte Empathie“)
und
- da der eigentlich gemäß obigem nicht vorhandene Mehrwert eines Überschusses emotional allein wegen der puren Existenz bereits als Mehrwert empfunden wird - dieser gefühlte Mehrwert kann viele Gründe haben (Neid, „Vorsorge“, Abwertung der Zielgruppe etc.)
Und das macht es so schwer (bis unmöglich), das Beispiel im Video weltweit auch umzusetzen - denn es gibt einen weiteren bedenkenswerten Effekt, den man unbedingt mitdenken muss bzw. der „reflexhaft“ mitgedacht wird - was passiert, wenn wir es tatäschlich schaffen, in erster Instanz mit so einfachen Methoden Menschen ein Leben zu ermöglichen - da sie nicht zum „eigenen Stamm“ gehören, sind sie dann bald „gefährliche Konkurrenz“ um weitere Ressourcen - das ist das Problem von der begrenzten Empathie - der Chinese nimmt uns eben jetzt schon zunehmend „unsere Rohstoffe“ weg - Indonesien ist den nächste Kandidat mit hohem Potential …
Das Problem ist also weniger, dass es technische Methoden gäbe, die hier eine bestehende Not dramatisch lindern würde - sie führt zur „gefährlichen“ Konkurrenz…
„Entwicklungshilfe neu denken“ bedeutet also unbedingt, sich mit den Resultaten der technische Bawältigung auch darüber zu freuen, dass der Chinese, der Indonesier, oder wer auch immer auf der Welt diese Unterstüzung bekommt, endlich auch von vielem, dass wir derzeit noch im Überfluss konsumieren, etwas bekommt, das uns - theoretisch - gar nicht fehlt, da es derzeit ohnehin im Überfluss zur Verfügng steht.
Hier schließt sich aber der Kreis zu obigem, da besagter Überfluss leider nicht automatisch auch als verzichtbar erlebt wird.
Wir sind eben immer noch darauf geeicht, möglichst viele Vorräte als aktuellen „Überfuss“ anzuzulegen, um damit über den nächsten Winter zu kommen - dabei gibt es seit 10 Generationen (nicht metereologisch sondern eher soziologisch interpretiert) keinen Winter mehr! (Auch hier haben wir es mit einem bdeauerlichen Relikt unseres Steinzeithirns zu tun - es ist farglich, ob unser Intellekt ihn überwindend endlich Maßnahmen wie der oben beschriebene Mechanismus ergreift, und sich dann freut, dass der eigene Überfluss endlich sinnvoller verteilt wird - der Versuch muss gemacht werden (auch wenn ich persönlich Zweifel habe - mein Problem ?! 