Entwicklungshilfe neu denken

Vordergründig geht es in folgendem video von Marc Rober um ein Pulver, das Trinkwasser aus Schlammwasser macht.

Der Knackpunkt kommt aber am Ende im Interview mit Bill Gates:
Wir sollten das ganze Gedöns von Altruismus und Empathie (und erst recht Kolonialismusschuld) beiseite schieben und unsere Hilfe ganz egoistisch betrachten:

  • Sicherheit: Armut ist ein guter Nährboden für extremistische Ideen
  • Gesundheit: Auch die nächste Pandemie wird wohl aus einem Gebiet mit schlechtem Gesundheitssystem kommen
  • Komfort/Wirtschaft: Welche Errungenschaften diese Menschen liefern könnten, wenn sie ihre Zeit nicht mit dem Kampf ums Überleben verplempern müssten
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Es fehlt noch der Punkt, dass auf diese Weise Fluchtursachen bekämpft werden.

Ehrlich gesagt, dachte ich nie, dass Entwicklungshilfe altruistisch sei. Genausowenig, wie der Sozialstaat auf reiner Menschenliebe basiert. Arme Menschen konsumieren nicht und sind unzufrieden. Da lassen die Reichen ihnen lieber ein kleines Stück vom Kuchen, mehren dadurch ihren Reichtum und haben ihre Ruhe.

Irgendwie schon traurig, wie alles so hingestellt wird als würden „die Reichen“ alles immer nur deshalb machen um noch reicher zu werden.
Da wird allen diesen „Reichen“ pauschal jede Empathie und guter Wille abgesprochen.
Ist das so ein linker Beißreflex, das die „Reichen“ immer die Bösen sind?

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In der von Dir beschriebenen Weise ist das ein natürlich unhaltbarer Vorwurf, der wohl tendenziell auch eher reflexartig von Links kommt …

Natürlich gibt es kaum „empathielose“ Menschen (egal, ob arm oder reich); natürlich gibt es nur wenige, die tatsächlich rücksichtslos Eingenoptimierung betreiben - in dieser Polemik ist das fast schon lächerlich, bzw. - wie Du schreibst - traurig (egal, ob von links oder rechts) …

Was allerdings richtig bleibt, ist, dass die Empathie offenkundig nicht ausreicht, um lokale wie - vor allem - globale Probleme hinreichend anzugehen.

Das fängt auch nicht erst bei den „Reichen“ an - wobei sich hier schon die Frage stellt, wer eigentlich „reich“ ist - aus Sicht eines verhungernden Afrikaners ist jeder Europärer mit einem Einkommen deutlich über 2000 € reich, weil er/sie deutlich mehr hat als zum Überleben notwendig…

Die Förderung von Entwicklungshilfe oder auch der Sozialstaat ist, wie @dittgesa zu Recht schreibt, natürlich kein Akt des Althruismus, sondern das Wissen, dass eine Gesellschaft nur nachhaltig funktionieren kann, wenn die Unterschiede nicht zu groß und die „Bedürfnisse“ der allermeisten auch hinreichend befiedigt werden!

Das Problem ist daher eher, dass die Empathie nicht hinreichend ist, und der eigene „Reichtum“ tendenziell kleiner und der „Reichtum“ des anderen eher hochskaliert wird…

Die Empathie ist deswegen nicht hinreichend, da sie beim Menschen im Wesentlichen auf die „überschaubare Kleingruppe“ und auf einen Zeithorizont von einen halbe Jahr begrenzt ist.
„Globale Empathie“ gibt es (beim Menschen) nicht.

Und Reichtum - wenn man davon ausgeht dass man Reichtum tatsächlich als etwas definiert, dass einen Besitzstand kennzeichnet, der mehr beinhaltet als selbst verbraucht werden kann, so wäre es - theoretisch - ganze einfach, die Dinge, die darüber hianus gehen, zu verteilen, da sie selbst das eigene Wohlbefinden nicht mehr nachhaltig steigert.

Wenn also ein „sehr Reicher“ die Ressourcen (z.B. Geld), das er selbst nie verbrauchen könnte, einfach an andere veteilt, so wäre das kein Fall von Althruismus, sondern ein Beitrag im Sinne von @dittgesa, der selbst nicht bemerkbar ist, aber die Gesellschaft nachhaltig stützt.

Dummerweise funktioniert das in unserer Gesellschaft nicht, da

  1. die Gesellschaft zu groß ist (Thema „begenzte Empathie“)
    und
  2. da der eigentlich gemäß obigem nicht vorhandene Mehrwert eines Überschusses emotional allein wegen der puren Existenz bereits als Mehrwert empfunden wird - dieser gefühlte Mehrwert kann viele Gründe haben (Neid, „Vorsorge“, Abwertung der Zielgruppe etc.)

Und das macht es so schwer (bis unmöglich), das Beispiel im Video weltweit auch umzusetzen - denn es gibt einen weiteren bedenkenswerten Effekt, den man unbedingt mitdenken muss bzw. der „reflexhaft“ mitgedacht wird - was passiert, wenn wir es tatäschlich schaffen, in erster Instanz mit so einfachen Methoden Menschen ein Leben zu ermöglichen - da sie nicht zum „eigenen Stamm“ gehören, sind sie dann bald „gefährliche Konkurrenz“ um weitere Ressourcen - das ist das Problem von der begrenzten Empathie - der Chinese nimmt uns eben jetzt schon zunehmend „unsere Rohstoffe“ weg - Indonesien ist den nächste Kandidat mit hohem Potential …

Das Problem ist also weniger, dass es technische Methoden gäbe, die hier eine bestehende Not dramatisch lindern würde - sie führt zur „gefährlichen“ Konkurrenz…

„Entwicklungshilfe neu denken“ bedeutet also unbedingt, sich mit den Resultaten der technische Bawältigung auch darüber zu freuen, dass der Chinese, der Indonesier, oder wer auch immer auf der Welt diese Unterstüzung bekommt, endlich auch von vielem, dass wir derzeit noch im Überfluss konsumieren, etwas bekommt, das uns - theoretisch - gar nicht fehlt, da es derzeit ohnehin im Überfluss zur Verfügng steht.

Hier schließt sich aber der Kreis zu obigem, da besagter Überfluss leider nicht automatisch auch als verzichtbar erlebt wird.

Wir sind eben immer noch darauf geeicht, möglichst viele Vorräte als aktuellen „Überfuss“ anzuzulegen, um damit über den nächsten Winter zu kommen - dabei gibt es seit 10 Generationen (nicht metereologisch sondern eher soziologisch interpretiert) keinen Winter mehr! (Auch hier haben wir es mit einem bdeauerlichen Relikt unseres Steinzeithirns zu tun - es ist farglich, ob unser Intellekt ihn überwindend endlich Maßnahmen wie der oben beschriebene Mechanismus ergreift, und sich dann freut, dass der eigene Überfluss endlich sinnvoller verteilt wird - der Versuch muss gemacht werden (auch wenn ich persönlich Zweifel habe - mein Problem ?! :frowning:

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Mir ist es primär egal, ob Entwicklungshilfe aus altruistischen oder egoistischen Motiven erfolgt, Hauptsache, es sind die richtigen Maßnahmen. (Gib ihm einen Fisch oder lehre ihn zu fischen).
Irgendeine Kombination von beiden Motiven dürfte eh der Standard sein.

Egoistische Motive sind nachhaltiger i.S.v. dauerhafter. Altruistische Motive tendieren zu ‚falschen‘ Maßnahmen:

  • Der Egoist wird 80% der Bevölkerung vorm Verhungern retten (wenn das für seine Ziele ausreicht) und damit erfolgreich sein.
  • Der Altruist wird versuchen, 100%, also auch das hinterletzte Bergdorf zu erreichen (und daran scheitern).
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Da es bei der Überfischung nicht mehr reichen wird, ihm eine Angel zu geben, sollten wir ihnen also besser den Fisch, den wir für unseren Überfluss zwar nicht brauchen aber trotzdem fangen, geben - in Form von Entwicklungshilfe - ich stelle aber fest, dass - so einfach es wäre, unsere Fischflotte umzuleiten, und ihren gefangenen Fisch z.B. an den armen afrikanischen Häfen anzulanden - es findet nicht - oder im viel zu geringen Maße statt - langfristig besser wäre natürlich, ihnen ein paar Hochleistungsfanschiffe zu überlassen und die eigenen Fangquoten zu reduzieren, damit das Hilfe zur Selbsthilfe wird - mein Eindruck ist aber auch hier - so technisch einfach das wäre - dass das nicht stattfindet …

Beim Thema Egoismus versus Althruismus gebe ich Dir durchaus recht - mit sind die egoistischen Ziele aus genannten Gründen auch lieber - derzeit herrscht hier aber eher als Motiv noch Egozentrik vor - wir stellen unsere Belange immer noch deutlich über die derjenigen, die es viel dringender nötig hätten.

Daher bleibe ich dabei, dass „Entwicklungshilfe neu denken“ nur funktioniert, wenn das auch einhergeht mit dem Neudenken unseres Selbstverständnisses.

Es ist übrigens auch ökologisch unsinnig, Fische im Atlantik vor Afrika (auch schon mal weiter südlich) zu fangen, nur um sie dann wieder nach Europa zurück zu bringen …
Ist bislang kein gutes Argument, wie es scheint (und zugegeben auch nur eine Nebenbetrachtung)

Ähh … „Fisch vs. fischen“ war äußerst methaphorisch gemeint.

Ich denke da primär an sowas wie Wassermanagement mit swales und so. Was z.B. die paani foundation so macht.

Was ist das Negieren der Überfischung und Neuverteilung der Meere anderes als „Fischereimanagement“?
Die Ressourcen, die da sind (das ist bei Deinem Wassermanagement nicht anders), werden effektiver verteilt - das gilt im kleinen vor Ort genauso wie im globalen - ob es nun Wassermengen oder Fischmengen sind, ist dabei unerheblich.
Das Wassermanagement hat - zumindest noch in einigen Regionen - den Vorteil, dass regional noch genug da ist, um daraus durch lokale Effektivitätsverbesserungen, hinreichende Mengen zu generieren - was aber macht Du, wenn das alleine nicht mehr ausreicht?
(mal sehen, wie das demnächst in Südspanien mit Wasser aussieht)…

(Hochsee-)Fischerei ist eine globale Angelegenheit und unterliegt dem Seerecht. Ich habe leider derzeit absolut keine Idee, wie man diesen Schwachsinn in den Griff bekommen könnte :frowning:

Wassermanagement hingegen ist äußerst lokal, meist nur auf ein Dorf bezogen. Da sind keine ‚chinesischen Wasserfangflotten‘ unterwegs.

Und Wasser bedeutet Nahrung->Überschüsse->Geld->Krankenschwester->Lehrer->Geburtenkontrolle.
Der Rest geht dann fast wie von selbst :slight_smile:

Ja, da ist was dran.
Die Krux ist, dass der Altruist kein Altruist ist, sondern nur eine andere Spielart des Egoisten.
Der klassische Egoist macht etwas, weil er damit einen handfesten Vorteil erhält (mehr Geld, mehr Macht usw usw).
Der als Altruist verkappte Egoist macht etwas, damit er sich besser, ehrlicher, wertvoller, moralischer fühlt (und vielleicht auch von anderen so wahrgenommen wird, aber vielen reicht die Selbstwahrnehmung schon).
Deswegen muss er auch das letzte Bergdorf retten, weil ihm alles andere uU als Mangel an Moral ausgelegt werden könnte. Daher sind die Altruisten auch nicht selten so fanatisch.
Die LG gehört für mich in diese Kategorie.
Die wollen sich vor sich selber und der Welt moralisch reinwaschen, ob ihre Aktionen was bewirken, ist nicht entscheidend.

In dem Sinne halte ich jede Entwicklungshilfe immer schon für egoistisch.
Das ist nicht tragisch, solange sie wirklich hilft.
Tragisch ist es, wenn vor lauter Selbsterhöhung die Ergebnisse keinen mehr interessieren.
Wie @Duke sagt, ist Hilfe aus plattem Eigeninteresse verlässlicher.
Denn dieses Eigeninteresse wird nur erreicht, wenn die Hilfe funktioniert.

Das mag alles sein - aber derzeit herrscht der Egozentriker vor - das sollte bei der Fragestellung nicht übersehen werden (s.o.)

Das hängt von der Menge des Wassers ab - zunächt bedeutet Wasser „Nur“ überleben - obs dann tatsächlich für Überschüsse reicht, ist nicht selbstverständlich - da steckt eine inplizite Annahme drin, die es erst einmal zu verifizieren gilt - so wird durch das Erreichen des 3°-Ziels (das ist das, worauf wir uns scheinbar jenseits der unterschriebenen Verträge letztlich implizit geeinigt haben, da die DInge, die wir derzeit unternehmen, die eben nur für das 3°-Ziel ausreichend sind) sich die Regenmenge in einigen Gebieten so dramatisch abnehmen, dass das mit dem Überschuss dort m.E. höchst fragwürdig ist…

(Zynismus ein)
Natürlich könnte sich der Regenüberschuß (z.B: in Europa) als Exportschlager erweisen (wenn nicht erst einmal immer wieder die Hochwasserschäden, die dabei entstehen, dem entgegen stünden, und sich das Wasser - so schnell es alles überflutet - sich lange genug sammeln ließe…

Das ist natürlich wieder ein sehr zynischer Ansatz, und wird so noch funktionieren -
(Zynismus aus)

Was die einen zu dramatisch wenig bekommen werden, werden die anderen dramatisch zuviel bekommen - es gibt also 2 Phänomene auf der operativen Seite zu lösen - da wir das gemeinsame Problem (Die globale Erwärmung) nicht hinreichend in den Griff bekommen.

Mal sehen, wie sich die Dörfer dann bei einem super Wassermanagement halten werden, wenn es trotz Management zu wenig Wasser gibt …

Wahrscheinlich wird sich dann doch entweder die zur Nutzung zur Verfügung stehende Landfläche verkleinern - bei steigender Welt-Einwohnerzahl - da es für Überschüsse in diesen Regieonen mit Geld - Krankenschwestern - Lehrern - Geburtenkontrolle eben trotzdem nicht reicht - oder doch überregional gehandelt werden müsste …

Hier kommt dann der Egoist zum Tragen, der die 80%-Lösung anstrebt - das ist an sich nichts verwerfliches (s.o.), wenn es denn wirklich 75-80% werden - woher der Optimismus, dass es für weit mehr als 30-40% reicht?

Haste nicht gesehen, oder? Natürlich klappt das nicht immer und überall. Aber für andere Situationen gibt es auch andere Lösungen.

Geld ist vielfach auch in Entwicklungsländer genug da, wenn es nicht durch Korruption etc. verschwinden würde.
Hier sollte man ansetzen.
Zum Beispiel bei den Banken die daran verdienen.

Doch, das habe ich gesehen - aber es geht von den aktuell noch fallenden Niederschlägen aus - nur die Tatsache, dass das vorübergehend klappt, weil durch das Wassermanagement die noch vorhandenen Ressourcen optimiert werden, bedeutet noch lange nicht, dass das auch dauerhaft so bleibt - das wird auch bei uns interessant - im Augenblick haben wir z.B. in Bayern jedes Jahr zur Schneeschmelze einen großen Überschuss an Wasser, der Problemstellen wie z.B. Passau jedes Jahr bangen lässt, dass die MAuern hoch genug sind, da aktuell infolge des Klimawandels neben dem gefallenenn, abtauenden Neuschnee auch noch eine große Menge Gletscherwasser, das zusätzlich abschmilzt, die Lage von zu viel Wasser verschärft - nun ist es irgendwann so, dass es in den Alpen keine Gletscher mehr geben wird, und das kleine Rinnsal im Frühjahr an geschmolzenem Neusschnee wahrscheinlich niemanden mehr an Hochwasser denken lassen wird - nur wird dann im Sommer ein Problem mit zu deutlich wenig Wasser in der Region geben …
wenn man also den Zeithorizont des Klimawandels auf 30-50 Jahre ausdehnt, dann ist die Frage, ob viele Regionen, die jetzt schon erkennbar mit geringem Wasser zu kämpfen haben, und die infolge Klimawandels zu den „Regenverlieren“ gehören werden, das Wassermanagement tatsächlich mehr ist, als eine kurze Zeit, in der wir hier eine deutliche Verbesserung erreichen?

Keine Frage - es besteht natürlich kein Zweifel, dass es sich selbst für genau diese „kurze Zeit“ dieses Management unbedingt lohnt (zumal die Aufwände sich in Grenzen halten, mit denen sich kurzfristig eine deutliche Verbesserung erzielen lässt.

Das darf aber nicht zur Augenwischeri führen, dass wir damit endlich eine Form der Entwicklungshilfe gefunden haben, die Probleme in diesen Regionen nachhaltig zu beheben …

Es wird natürlich auch Regionen geben, in dennen das dauerhaft zur Nachhaltigkeit reicht …
Daher ist damit vieleicht die 40%-Lösung dauerhaft möglich - Du sprachst weiter oben aber von 80%-Lösungen (bei 8 Milliarden Menschen bedeutet das eine langfristig nachhaltige Lösung für 6,4 Milliarden Menschen - bist Du sicher?

Impliziert mal wieder, dass es „für fast alles“ eine Lösung gibt (die nicht nur technischer Natur sind - was definitv wohl der Fall ist -, sondern die wir Menschen auch mehrheitlich praktizieren könnten) - gewagte Hypothese

Du bist doch Physiker. Nach meinem Verständnis ist es so, dass eine global wärmere Atmosphäre mehr Feuchtigkeit aus den Ozeanen aufnehmen kann und wird. Diese Feuchtigkeit wird sich auch irgendwo wieder abregnen. Wir könnten dank Klimaerwärmung also sogar insgesamt mehr Niederschläge bekommen.

Die große Frage dabei ist: WO? Einige vom Regen verwöhnte Gebiete könnten leer ausgehen. Einige Wüsten könnten Überschwemmungsprobleme bekommen. Die Meteorologen halten sich da mit Prognosen anscheinend sehr bedeckt.

Wassermanagement ist überall hilfreich:

  • hätten wir entlang der Donau samt Nebenflüssen ein gutes WasserMgmt (mehr Wiesen, Auen, Weide, Rückhaltebecken, …), würden die Passauer auch bei Schneeschmelze keine nassen Füße mehr bekommen. Und die Donau würde auch nicht versiegen, weil es Steigungsregen an den Alpen auch in Zukunft immer geben wird.
  • das Gebiet in Indien aus dem video kriegt im Monsun massenhaft Wasser. Nur fließt das binnen kürzester Zeit in den nächsten Fluß und nimmt einen Teil des Bodens mit. Nach dem Monsun wird das Land allerdings aufgrund der Hitze schnell furztrocken.
  • der nördliche Teil der Kalahari ist praktisch unbewohnt und hat etwa die gleiche Jahresniederschlagsmenge wie Hannover, allerdings verteilt auf 3-4 einzelne Regentage. Auch hier ist der Boden schon am nächsten Tag wieder trocken. Mit ensprechendem WasserMgmt könnten hier landwirtschaftliche Flächen entstehen. Ich habe solche Konzepte gesehen.

Es ist völliger Blödsinn, dass die landwirtschaftlich nutzbare Fläche des Planeten nicht vermehrbar sei, wie Pessimisten wie Du es häufig suggerieren.

Und wenn aufgrund der Niederschlagsverschiebungen ein paar Gebiete wirklich gar keinen nennenswerten Regen mehr bekommen, dann kommt es auf den Entwicklungsgrad an:

In den Industriestaaten wird man das über ‚Wasserleitungen‘ lösen. Gibts längst rund um den Colorado. Und irgendwo anders in den USA habe ich im video den Bau eines ‚Wasserleitungstunnels‘ mit IIRC 8m Durchmesser gesehen.

In der 2ten Welt werden die Menschen halt umziehen müssen. Während Corona, als die Touristen ausblieben, haben hier in TH viele kleine Restaurants und Geschäfte ihr Inventar auf den PickUp geladen und sind zurück in ihr Dorf im Isaan, wo sie von 1$ am Tag leben können. Ja, das hat viele mühsam aufgebaute Existenzen zerstört, aber verhungert sind sie nicht.

In der 3ten Welt besitzen die Menschen meist so wenig, dass sie für den Umzug noch nicht mal einen PickUp brauchen.

Mir ist klar, dass diese Umzüge hohe Reibungsverluste erzeugen werden. Ganz besonders, wenn sie über Staatsgrenzen hinweg erfolgen. Da das aber an allen Ecken und Enden des Planeten erforderlich sein kann, werden wir auch ziemlich schnell Lösungen dafür finden. Da bin ich zuversichtlich.

Und WANN. Momentan scheint es in Europa so zu sein, dass es ausgerechnet in der Vegetationsperiode zu trocken ist.

Ja. Wobei das je nach Region sehr unterschiedlich sein kann. Die einigemaßen regelmäßigen Niederschläge können wir uns für die Zukunft wohl abschminken.

Deshalb ist es ja so immens wichtig, dass wir mehr Versickerungsflächen schaffen und das Grundwasser auffüllen, damit wir daraus dann künstlich bewässern können. Nicht so schön wie früher und auch teurer, aber machbar.

Noch besser sind Böden, die selbst Wasser gut speichern können. Wenn auf eine mittel geneigte Hangweide von Greg Judy (kennste, ne?) 50mm Regen an einem Tag fallen, dann schwillt der Bach am unteren Ende des Hangs nicht mal an, so saugfähig ist der Boden. So ein Boden (bzw. das Gras darauf) übersteht völlig problemlos drei Monate ohne jeglichen Regen.

Das ehe ich prinzipiell alles genauso wie Du (obwohl ich - angeblich Pessimist<?!?!> bin)

Das ist technich-theoretisch durchaus möglich - es gibt beispielsweise auhc in der Nordsahara durchaus einige Projekte, die positiv aufhorchen lassen, dass die einst baumreiche Region, (aus der u.a. auch das Holz der Römer (vom Hiezen bis zum Schiffsbbau einst kamen) , wieder belebt wird - es ist derzeit zumindest statistisch so, das noch mehr Land an die Wüste verloren geht, als ihr wieder abgetrotzt werden kann - da sagt ein Optimist wie Du natürlich, dass dass dann doch nur eine Frage der Zeit sei - praktisch ist das aber genauso spekulativ wie mein „Pessimismus“…
Wenn man sich den energetischen Aufwand, der dfür betrieben werden muss, ansieht, so stellen wir zumindest fest, dass der zumindest nicht trivial ist
Hinzu kommt, wie gesagt, dass Erosion derzeit schneller ist als die Aufforstung (bsp.: Amazonasgebiet)
Es ist allerdings in der Tat derzeit noch völlig unklar, welche Regieonen sich als Gewinner des Klimawandels herausstellen werden, und welche zu den Verlierern gehören werden.

Was die Alpenregion angeht, so stimme ich Dir durchaus zu, dass da noch sehr viel passieren muss, damit das Ökosystem als ganzes (auch mitt seinem Wasserzyklus) zusammenbricht - insbesondere dann, wenn das ganze, wie Du schreibst, durch ein kluges Wassermanagement (in den Industreinationen sogar überregional) unterstützt wird!

Das Problem ist, dass es sich dabe um MIlliarden von Menschen handelt (die dann vielleicht noch auf die dumme Idee kommen, hierher umzuziehen, oder sich die verbleibenden Ressourcen vor Ort <oder doch auch bei uns?!>) mit Gewalt nehmen werden wolllen …

Mein - pessimistisches - Fazit ist also weniger der Tatsache geschuldet, dass es inzwischen nicht tolle Projekte gäbe, die noch vor 2 Jahrzehnten völlig undenkbar gewesen wären, und die sicher auch in der nächsten Zeit - vielleicht sogar deutlich - zunehmen werden - es rührt primär daher, dass das alles zu spät und mit zu wenig Engagement betireben wird, um tatsächlich Deinem 80%-Maßstab für die derzeit 5-6 Milliarderen Menschen (derzeitige Tendenz noch steigend, auch wenn das nicht immer so bleiben muss) zu genügen, auf die das derzeit zutrifft…

Es ist z.B.: spannend, wie das geplante Wassermanagement am Oberlauf des Nils (ich hatte dazu mal einen Link gepostet) tatäschlich dazu führt, dass nicht nur „lokal“ in Äthiopien wieder mehr Landwirtschaft betrieben werden kann, sondern das auch ohne „Kolateralschäden“ (mit „Massenumzügen“, um mit Deinen Worten zu sprechen :wink: am Unterlauf (z.B. in Ägypten) - übrigens beste Voraussetzung für einen Verteilungskrieg! - zu weiterem Wohlstand führt, und Wasser dort in der Region niemals als politisches Druckmittel eingesetzt werden wird (womit wir jenseits der technischen Machbarkeit wieder beim Faktor Mensch und dessen Machtgebaren wären, das sich eben nicht regional begrenzen lässt).
Hier bin ich endgültig „Pessimist“ - zugegeben: mein Problem :frowning:

Disclaimer: Wenn ich Dich als Pessimisten ‚brandmarke‘ (Du weisst das wohl längst, aber für unsere Mitleser), dann nicht als Angriff, sondern nur, weil Du eben ein markanter Vertreter dieser Strömung bist.
Ich hingegen glaube fest an „wir könnten alles, wenn wir es nur genügend wollten“.
Bezüglich des wahrscheinlichen Endergebnisses bin ich vermutlich genauso pessimistisch wie Du :frowning:

Jein. Die Zahl der Umzüge wegen absoluter Wasserknappheit schätze ich auf deutlich < 1 Mrd.
Hinzu kommen allerdings ein paar Mrd wegen steigender Meeresspiegel. Darin sehe ich das größere Problem.