Als Frischling in dieser Gruppe habe ich da so meine eigene Ansicht.
Ich wollte mich politisch betätigen. Hier in MV gibt es die roten Socken, die an ihren Sitzen kleben (siehe die Affäre um Nordstream 2), die Schwarzen, die sich elegant im Tango Korrupti bewegen (ein ehemaliger Innenminister, der sich im Landschaftsschutzgebiet ein Haus bauen lässt) und die AfD, die so ziemlich alle Spinner von Nationalen Dümplern, Corona-Schwurblern und „aufrechten“ Deutschen um sich versammeln.
Die Grünen sind nur in Greifswald mehr oder weniger existent, da sie hier bei den Landwirten nicht gerade auf Gegenliebe stoßen.
Also habe ich mich im Spektrum der Kleinstparteien umgesehen und bin bei der freiparlamentarischen Allianz fündig geworden. Eine Partei, die aus einer Schul-AG heraus entstanden ist. Diese Mini-Partei hat mich mit meinem Dorfprojekt ganz gut bisher unterstützt, auch wenn sie nicht über das Netzwerk verfügen.
Ich denke, dass in der Gesellschaft nicht eine Politik-Verdrossenheit herrscht, sondern eine Politiker-Verdrossenheit. Das liegt wohl daran, dass sich viele Menschen nicht mehr von der abgehobenen Politiker-Kaste verstanden fühlen.
Wer also am lautesten schreit, die einfachsten Erklärungen abliefert oder ein vermeintliches Gerechtigkeitssystem vertritt, geht hier auf Stimmenfang.
Dazu zählt auch ein Herr Maas, der sich als Opfer eines Staatssystems verkauft, „bloß“ weil er auf dem rechten Auge nicht so gut sieht.
Ich frage mich, warum solche gebildeten Menschen nichts aus der Geschichte gelernt haben. Dieses „Wehret den Anfängen“ scheint völlig in Vergessenheit geraten zu sein. Da werden abstruse Fake-Fakten auf einmal gesellschaftsfähig, weil ein Malermeister oder ein abgedrehter Studienrat sich rhetorisch gut verkaufen können. Mich schreckt das eher ab. Viele andere hingegen fühlen sich in den Parolen verstanden.
Vielleicht sollte man in der Politik nicht alles schön reden und endlich auch mal unangenehme Wahrheiten offen ansprechen. Nach Silvester sprach die Bundesinnenministerin von einem ruhigen Jahreswechsel. Aus der Presse entnehme ich, dass alleine in Berlin 1300 Straftaten gemeldet wurden. Im Internet kursieren die Aufnahmen einer Berliner Notaufnahme, wo drei Männer einen Arzt und einen Pfleger verprügeln. Auch wurden von den festgenommenen 320 Straftätern in der Berliner Silvesternacht alle wieder auf freien Fuß gesetzt.
Wie kommt das in der Bevölkerung an? Als das angekündigte harte Durchgreifen?
Wenn Malermeister und Oberstudienrat hier mehr oder weniger zur Selbstjustiz aufrufen und sich Landwirte dazu berufen fühlen, etwas härter zuzulangen, weil den Klimaklebern juristisch auch nicht beizukommen ist, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn auch ein Herr Maas als ehemaliger Verfassungsschützer mit seinen Parolen die bürgerliche Mitte anvisiert.
Wenn das so weiter geht, befürchte ich politische Auseinandersetzungen wie in den 20ern während der Weimarer Republik. Da darf es dann mal hier ein Knüppel sein und dort mal ein Totschlag, um sein politisches Gegenüber von der eigenen Wahrheit zu überzeugen.
Ich sehe einen deutlichen Zuwachs an den Kleinstparteien, die aber per Gerichtsbeschluss nicht einzeln bei den Medien in den Wahlergebnissen aufgeführt werden. Das würde aufzeigen, dass nicht alle Politiker-Frustrierten den rechten Rand wählen.
Ich fühle mich als solch ein Frustrierter, wenn man das so nennen darf, bei dieser ehemaligen Schüler AG ganz gut aufgehoben. Wir alten Leute sind da eher beratend tätig und lassen die Jugend machen. Vielleicht auch ein Vorbild, die Parteistrukturen radikal zu verjüngen.
Da für mich Umweltschutz mit ganz oben auf der Agenda steht, sehe ich mich nahe bei den Grünen. Aber in anderen Dingen, wie Digitalisierung, Stärkung des ländlichen Raumes und Verschlankung des Staatsapparates sehe ich mich eher bei der FPA.
Aber bei Herrn Maas oder Frau Wagenknecht sehe ich mich nicht aufgehoben, da dort die selben Tango Korruptis getanzt werden, nur mit anderem Farbanstrich.
Es bleibt also abzuwarten, wie sehr sich die AfD um Stimmenanteile sorgen muss, wenn zwei neue Parteien im Rennen sind.