in dem obigen Tweet vom 19 September charakterisiert Annalena Baerbock einige Merkmale sogenannten Feministischer Aussenpolitik. Was man dort liest sind Allgemeinplätze, denen man kaum je widersprechen kann - es sei denn, man verfolgt böswillige Absichten. Gleichwohl stellt sich doch die Frage, was feministische Außenpolitik eigentlich im Lichte der Kolonialismusdebatte bedeute. Kann sie nicht auch als Versuch gedeutet werden, in bekannter kolonialer Übergriffigkeit, Menschen mit anderen Traditionen und Werten, westliche Werte überstülpen.
Ich möchte diese Frage einmal hier in den Raum stellen - eine Frage, auf die ich selber keine schlüssige Antwort habe.
Ich finde es grundsätzlich gut für Frauen und Mädchen in anderen Ländern, wenn wir sie dort, wo sie durch das Patriarchat unterdrückt werden, unterstützen.
Das Problem ist nur, dass es selbst in Deutschland kein erklärtes grünes Ziel ist, dies zu tun.
Ich erinnere mich an das auffällige Schweigen zum Beispiel zum Schwimmunterricht und Fahrradführerschein für muslimische Mädchen und einer Politikerin aus NRW mit dem Banner „coexistenz“ im Hintergrund (also Kooexistenz zwischen Patriarchat und Frauenstatut).
Grundsätzlich finde ich es gut, erst mal vor der eigenen Tür zu kehren als fremden Regimen Vorschriften zu machen.
Es stellt sich die Frage, ob feministische Außenpolitik in die Gefahr gerät, im Zweifelsfall in moderen Kolonialismus abzugleiten. Schließlich wollten auch so manche weiße Kolonialherren früherer Jahrhundert nur das Beste für die ungebildeten Wilden.
Diese Frage stellt sich mir nicht; ich sehe uns sowieso eher alle als Weltgemeinschaft.
Was ich allerdings komisch finde, ist dass Annalena ausgerechnet Afghanistan und Mali erwähnt. Es gibt so viele andere Länder, in denen es einfacher wäre, unterdrückten Frauen zu helfen.
Wenn es nicht wie im Kolonialismus ablaufen soll, darf man nur Initiativen unterstützen, die in den Ländern von den Betroffenen selbst gestartet wurden. Dann kann man sicher sein, dass man denjenigen nichts überstülpt.
Genauso sehe ich das auch. Nur aus dem Land entstehende Bewegungen dürften unterstützt werden. Auch dies nur sehr behutsam, da überall die Gefahr der Ubergriffigkeit lauert.
Meines Erachtens wäre es deshalb ratsam, gar nicht weiter von feministischer Außenpolitik zusprechen. Ich rate dies auch, weil manche Grüne sehr schnell mit dem Vorwurf des Kolonialismus bei der Hand ist.
Ich denke, es ist falsch, das deutsche Gesellschaftsmodell für das ausgereifteste zu definieren, und das dann als Exportschlager in die Welt hinaus transportieren zu wollen… das liefe dann auf einen neuen Sozialkolonialismus hinaus (und dabei ist es egal, ob es sich dabei um die Gleichstellung der Frau oder um die Verneinung des in weiten Teilen Indiens immer noch gelebten Fragmente des Kastenwesens geht)…
Was ich aber dennoch für Selbstverständilich und eigentlich für eine Sache der Zivielcourage halte ist, unsere Werte als Alternative anzubieten und auch zu vertreten - ebenso hier wieder der Feminismus (man denke nur an den diesbezüglich unsäglichen Besuch von Frau von der Leyen bei Erdogan) oder bei dem leider sehr verunglückten Nicht-spontan-Reaktion unseres Kanzlers bei der Relativierung des Holocausts durch den Palistinenserpräsidenten hier in Deutschland…
Die Werte an sich sollte man sehr wohl formulieren und auch für sich/uns „verteidigen“ - ohne dabei indes übergriffig/missionarisch zu werden - die beschriebenen Fälle zeigen, wie schmal der Grat ist - verbunden mit der Frage, ob ein politischer Eklat nicht doch auch manchmal dem allzu harmonischen Stil bei solchen Veranstaltungen vorzuziehen ist, da das Gegenteil von Kolonialismus/Missionierung nicht etwa erfürchtige Demut ist (auch wenn ich fürchte, das ein Gandhi hier wiedersprechen würde…
…
ich finde Baerbocks Art Außenpolitik zu machen bis jetzt richtig gut.
Aber ich verstehe nicht, was daran feministisch ist oder warum man das so nennen soll.
Natürlich gibt es Bereiche, wo Feminismus ein Thema ist, zB bei der Unterstützung von Frauen in Afghanistan.
Aber es hat mit Feminismus nix zu tun, wenn die Ukraine Haubitzen von uns bekommt.
Insofert greift das F.-Label zu kurz.
Wirkt auf mich ein wenig verkrampft. Werteorientierte Außenpolitik ist präziser (ob sie uns gelingt, sei dahingestellt)
Aber OK, solange sie das Richtige tut, ist es zweitrangig, wie sie es nennt.
Ich glaube, das trifft es besser - und zu diesen Werten gehört eben auch der Feminismus…
Interessante Frage ist, ob das mit bedacht rhetorisch so gewählt war (was ich zugegeben auch bereit bin zu unterstellen
(?!), denn der Begriff Feminismus spricht mehr Menschen bei uns an - und birgt auch innenpolitisch weniger Angriffsfläche, weil unsere Aussenpolitik systembedingt eben auch die eigenen nicht nur aber auch wirtschaftliche Interessen in dubio über solche Werte stellt, und das durchaus schnell zu sehr unangenehmen Fragen führen kann - streng genommen bleibt das aber natürlich eine Unterstellung…![]()
Was vermutest du, was sie tun wird, wenn sie schreibt: „Ungleichheiten unserer Welt im 21. Jahrhundert schlicht und ergreifend anerkennt und angeht: ob in den Schulen Afghanistans, auf den Märkten in Mali…“
da vermute ich erstmal nichts, das ist doch sehr allgemein gehalten.
Allgemein wäre „in den Schulen und auf den Märkten dieser Welt“.
Sie hat aber zwei Länder genannt, aus denen sich die Bundeswehr gerade zurück gezogen hat bzw. dies erwägt.
Finde ich nicht und was daran feministisch sein soll verstehe ich schon gar nicht. Wenn man erstmal objektiv falschen Beshauptungen in die Welt setzt, wie dass Russland durch das (damals 2. Sanktionspaket) ruiniert würde ,ist das auch in der Kernaussage fragwürdig, weil es nicht darum geht, dass Russland ruiniert wird, sondern dass wieder der Frieden erreicht wird. Der Ruf nach immer mehr Waffenlieferungen in die Ukraine (auch gegen den Willen der deutschen Wähler- wieder ein unnötiger faux-pas), statt Initativen für Friedensgesprächen zu überlegen, ist eher eine militärische ( oder gar bellizistische) Sicht der Dinge als eine feministische. Dass diplomatisch auch was passieren kann, hat die Türkei bei der Lösung der Getriedelieferungen gezeigt ( hielten hier ja viele für unmöglich).
Feministisch ist, wenn Frauen die Ukraine verlassen dürfen und Männer nicht.
Aber in dieser Angelegenheit ist mir der Feminismus eher peinlich.
keine ahnung was du mir sagen willst.
zwei länder genannt, ja. aber was bedeutet das deines erachtens?
was ist daran feministisch??
männer kämpfen, frauen flüchten.
war schon in der steinzeit so.
ich will das nicht kritisieren, aber feminismus kann ich da nicht erkennen
Frauen dürfen etwas, das Männer nicht dürfen.
Dass sie in diesen Ländern etwas plant.
das ist aber eine traurige definition von feminismus
Was denn sonst?
Feminismus ist nicht zu verwechseln mit Gleichberechtigung, sondern wie alle Strömungen, die auf „ismus“ enden, kritisch zu betrachten.
dann hältst Du nichts von der feministischen Aussenpolitik von Baerbock?
ich werde nicht schlau aus dem, was Du schreibst
