Flüssiggas aus Russland für Spanien, Frankreich und Belgien

Da wir ja Gas sparen, um das Klima zu schützen und Russlands Krieg nicht mit zu finanzieren, ist es immer wieder interessant zu sehen, was mit dem Gas stattdessen passiert.

Tja, das ist so wie bei uns mit der Abschaltung der deutschen AKW’s - nur um dann Strom aus den französischen AKW’s zu beziehen …
Es geht immer noch primär darum, den eigenen Status durch den eigentlich „notwendigen“ bzw. konsequenten Verzicht nicht zu gefährden (ich weiß schon wieder die alte Leier - vielleicht sollte ich mich auch gleich selbst wegen notorischem Wiederkäuens flaggen)…
Egal, ob das nun CO₂, Strom, Gas, Flugreisen oder was auch immer ist - für viele gilt in den meisten Fällen immer noch: lieber umgehen als konsequent ändern …
Man könnten sicher noch hunderte andere gesellschaftlich relevante Fälle finden, aber das ist hier off topic …

Interessant wäre, ob es Deutschland gelänge, durch seine neuen LNG-Terminals und durch Kontrollen den gesamten europäischen Markt mit „politisch sauberem“ LNG zu versorgen, und das zu einem konkurrenzfähigen Preis - wäre nicht zuletzt eine Form europäischer Solidarität

Was soll das sein? Frackinggas aus den USA?
Oder Gas aus Katar?

Es sollte zumindest deutlich einfacher werden, russisches Gas auf die Sanktionsliste zu bekommen, wenn es eine bezahlbare Alternative gibt, die man den diesen europäischen Staaten anbieten könnte - aber ich gebe zu, meine Formulierung ist deutlich suboptimal :frowning:
Beim Frackinggas aus den USA wissen wir zumindest, dass wir die Kriegskasse Putins damit nicht weiter füllen - Kollidiert natürlich weiterhin mit unserer (Grünen) Ablehnung von Frackinggas an sich
Und Katar ist ebenfalls sowohl aussen- wie umweltpolitisch umstritten …:frowning:

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Die restlichen EU-Staaten haben wesentlich mehr LNG Terminals als wir. Wir sind schon froh, wenn wir uns darüver versorgen können.

Ich als Grüner lehne Fracking Gas nicht per se ab.

Nicht nur. Drei Zitate aus diesem Artikel:

https://www.energiezukunft.eu/politik/fossiles-grossprojekt-vor-ruegen-beschlossen/## LNG-Terminal im Hafen von Mukran

„In Pressemitteilungen von Bundestag und Bundesrat heißt es, dass über den Terminal vor allem Ostdeutschland und Bayern mit Erdgas versorgt werden soll. In einem Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums vom März dieses Jahres klingt an, dass eine mögliche Mitversorgung der Osteuropäischen Nachbarländer mitgedacht wurde.“

"Das Verhalten der Bundesregierung sei völlig inakzeptabel, kommentiert die BI Lebenswertes Rügen. „Unter dem Deckmantel einer angeblichen Gasmangellage soll im beschleunigten Verfahren eine Renaissance klimaschädlicher, fossiler Energieträger im großen Stil angesteuert werden. Die Gaslobby frohlockt. Dem Klimaschutz wird abgeschworen.“

„Der Protest soll weitergehen. Fokus sei von nun an die Genehmigung des Projekts. Die sonst notwendige Umweltverträglichkeitsprüfung entfällt bei dem beschleunigten Verfahren. Die BI Lebenswertes Rügen will erreichen, dass der Bau auf umweltrelevante Aspekte geprüft wird und Natur- und Meeresschutz beachtet werden. Unterstützung erfährt die Initiative von der DUH, die aus demselben Grund bereits eine Klage gegen den Bau der Anschlusspipeline angekündigt hat. Die Gemeinde Ostseebad Binz plant zudem, per einstweiliger Verfügung einen vorläufigen Baustopp zu beantragen. Die Zeit drängt: Vorgesehen ist, dass Terminal und Pipelines so schnell wie möglich in Betrieb gehen.“

Was für ein Schwachsinn.

Das scheint zu stimmen, dazu die Zahlen aus dem verlinkten Bericht:

Wenn wir die Nachbarstaaten nicht mitversorgen, sparen wir ca. ein halbes LNG-Terminal

Die geplanten Liefermengen über die LNG-Terminals liegen im Rahmen der Klimaschutzziele. Und je mehr Gas wir haben, desto schneller können wir die noch viel umweltschädlicheren Kohlekraftwerke abschalten.

Dazu müssen ein paar Touristen auf Rügen halt den Anblick eines LNG-Tankers aushalten.

Es geht auch darum, dass keine Umweltverträglichkeitsprüfung stattfindet.

Weil wir das Gas jetzt brauchen, nicht erst in 3 Jahren. Das ist, als würde man im Notfall einen Rettungswagen wegschicken, wenn bei dem der TÜV abgelaufen ist. [Die Biologin würde sich, nach eigenem Bekunden, aber auch von einem nicht aktuell TÜV-geprüften Rettungswagen retten lassen.]

P.S. Auf Hinweis der Biologin möchte ich den letzten Satz als ironische Zuspitzung kenntlich machen.
P.S.S. Auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Dame, habe ich meine Bemerkung entpersonalisiert

Klar, solange es nicht vor unserer Haustür gefördert wird.
(Sarkasmus aus)

Dir ist hoffentlich bewusst, welche Umweltschäden Fracking anrichtet, wie Belastungen des Grund- und Trinkwassers, der hohe Flächenverbrauch und die Zerstörung von Natur und Landschaft.

Schlimm genug, dass Deutschland noch darauf angewiesen ist.

das ist nicht gut, da stimme ich Dir zu.
Ich prophezeihe aber, dass hier in Zukunft noch ganz andere Sachen nicht (mehr) stattfinden werden.

Das ist Blödsinn.
Habeck zu unterstellen, dass er den Gasmangel nur „erfindet“ oder vortäuscht, um wieder möglichst viel fossile Energieträger einsetzen zu können, ist doch ersichtlich falsch.
Das ist wieder pseudo-grüne Propaganda und Opfer-Populismus, gegen die eigenen Leute!
Wer so was schreibt, sollte sich schämen. Letztlich wird nach meinem Eindruck nur versucht, das St. Florians-Prinzip mit allen Mitteln durchzudrücken.

Jeder von uns wird in den nächsten Jahrzehnten irgendwo Federn lassen müssen, sonst wird das hier nix. Windkraftanlagen, Leitungsbau, Energieengpässe, fehlende Infrastruktur, fehlende Arbeitskräfte, Flüchtlingsprobleme usw.
All das wird zu Beeinträchtigungen und Nachteilen führen, mal für den, mal für die.
Wenn dann jedesmal eine Bürgerinitiative bis zum BVerfG klagt und Sturm läuft, Blockaden veranstaltet usw. werden wir handlungsunfähig.

Natürlich wissen wir das alle.
Aber was folgt daraus?

Eben.

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Nein, das ist mir nicht bewusst, aber Du bist offensichtlich nicht am Laufenden, was die moderenen Förderverfahren angeht. Und ich hätte nichts dagegen, wenn das „vor meiner Haustür wäre“.

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Das passiert meist auf rel. kleiner Fläche auf irgend einem Acker oder Weideland im nirgendwo.
Wenn das Feld ausgebeutet ist zieht der Zirkus weiter und es bleibt fast nichts übrig.
Also mit Flächenverbrauch Zerstörung von Natur und Landschaft brauchst du da nicht zu kommen.

Echt jetzt?
Auch die Industrie und die Leute, die unbedingt mit dem Auto fahren und ihre Bude auf über 17 Grad haben wollen?
Das sehe ich zurzeit noch nicht.

Naja, das Problem der Abhängigkeit von nur einem - dem damals billigsten - Lieferer ist seit Jahren bekannt…
das konsequente Ignorieren hat evtl. schon auch „System“ und führt natürlich früher oder später dazu, dass eine „Notlage“ entsteht, die „plötzlich“ behoben werden muss - natürlich ist das nicht Habeck anzulasten - sondern der Vorgängerregierung bzw. deren Wähler - die Frage, die man durchaus stellen kann, ist, was daraus folgt - ich sehe das genauso (düster?!) wie Du in Bezug auf

Aber bedeutet das wirklich, dass die Feuerwehr, die wir in den letzten Jahren zunehmend an diesen Stellen spielen müssen, deswegen Gesetze zeitweise außer Kraft setzt - gerade vor dem Hintergrund, dass solche Probleme in den nächsten Jahren wohl deutlich zunehmen werden - und z.T. es nicht mal in unserer Hand liegt, das zugrunde liegende Problem auch nur annähernd zu lösen (BRD ist nur für 2% des CO₂-Ausstoßes direkt verantwortlich) - riskieren wir durch solche z.T: seit Jahrzehnten verschleppten Probleme unseren Rechtsstaat zunehmend zu ruinieren - immer mit der Begründung einer „Notlage“?
Welche Kriterien würdest Du definieren, um die häufiger werdenden strukturellen „Notlagen“ von „normalen Krisen“ zu unterscheiden?
Wie willst Du diese mögliche Erosion des Rechtsstaats erfolgreich verhindern?
Und wenn irgendwann eine AFD an die Regierung gelangt, ist das für sie zudem eine Steilvorlage, diverse Dinge dann mit Verweis auf diese Beispiele zu „legalisieren“ - wir wissen aus der Historie, wie labil das Regieren über „Notverordnungen“ sein kann - auch wenn wir von diesen Zuständen noch gefühlt weit entfernt sind - die Versorgungskrisen werden in den nächsten Jahren nicht weniger werden - Du sagst es selbst…

Vielleicht dadurch, dass nicht alles überkompliziert ist und in vertretbarem Zeitrahmen stattfinden kann.
Es darf z. B. nicht sein, dass die Genehmigung eines Windrads x Jahre dauert.

Diese „Feuerwehr“ hatte zumindest in Wilhelmshaven schon einen Jahre langen Vorlauf unter Scholz als Finanzminister:

"Doch über die Bereitschaft der Bundesregierung, Flüssiggas-Häfen auch ohne ausreichende Nachfrage am Markt an den Start zu bringen, herrscht wenig Klarheit. Einerseits soll Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) schon einmal Steuergelder in Aussicht gestellt haben…"Quelle:

die werden das künftig teurer bezahlen müssen als bisher, vermute ich.

Eben. Darum ging es mir.

wieso nur zeitweise?
Ich glaube, wir müssen etliche Gesetze ändern, nicht nur vorübergehend suspendieren.

wieso wird der Rechtsstaat ruiniert?
Ich könnte zB sagen, dass bei Klagen gegen ein LNG-Terminal nur noch eine Instanz besteht.
Also nicht Verwaltungsgericht- OVG- BVerwG, sondern nur OVG (solche Regelungen gibt es schon).
Spart Zeit und Geld. Ist aber trotzdem rechtsstaatlich.

Man kann auch sagen, dass bei einer Baugenehmigung von der Behörde nicht mehr geprüft wird, ob der Abstand zum Nachbarn gewahrt wird. Das können die Nachbarn dann untereinander ausfechten, wenn sie möchten. Das hat mit fehlender Rechtsstaatlichkeit nichts zu tun.

Das Absenken materieller Standards ist im Regelfall kein Rechtsstaatsproblem.
Das ist ein Missverständnis.
Den Zusammenhang mit der AfD sehe ich daher nicht.

Im Gegenteil könnten die staatlichen Institutionen durch eine Beschränkung der Komplexität und der Anforderungen wieder handlungsfähig werden, weil sie nicht in Bürokratie und undurchsichtigen Vorschriften ersticken. Das würde den (Rechts)Staat eher stärken.

Richtig. Das ist ein bekanntes und gutes Beispiel.

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