Frauen in die Aufsichtsräte von DAX-Konzernen bringen - wie geht das?

Es wird ja immer wieder von der Politik gefordert, für DAX-Konzerne eine Frauenquote einzuführen, aber wenn ich mir mal genauer ansehe, wie ein DAX-Konzern funktioniert, ist das gar nicht nötig.
Ein DAX-Konzern hat seine eigenen Regeln, die, soweit ich das beurteilen kann, nicht frauenfeindlich sind.

Eigentlich muss man/frau nur Aktien von dem Konzern kaufen und das Stimmrecht wahrnehmen, denn der Aufsichtsrat wird ja von den Aktionär*innen gewählt, und wenn sich dort Frauen zur Wahl stellen, kann man sie wählen.

Das gilt natürlich auch für alle anderen Entscheidungen des Konzerns, die wir ggf. mitbestimmen möchten.
Soll er mehr gewinnorientiert arbeiten oder nach ökologischen und sozialen Kriterien? Oder was ist uns sonst noch wichtig? Klimaschutz vielleicht?

Das mit den Frauen hatte ich in die Überschrift geschrieben, weil ich weiß, dass dieses Thema hier sehr populär ist, und die Befürchtung hatte, dass es sonst keiner anklickt.

Wer keine Zeit hat, an den Aktionärsversammlungen einmal im Jahr teilzunehmen, kann sein Stimmrecht auch übertragen. Es soll zum Beispiel einen Verein kritischer Aktionäre geben, die sich dafür bereit halten.

Interessant auch:
Wem gehören eigentlich die Firmen zu welchen Anteilen?
Wen bevollmächtigen die für ihre Entscheidungen?

Ich möchte das wie Alice im Wunderland jetzt mal alles kennen lernen am Beispiel von ProSiebenSat1 Media SE. Die ist zwar nicht mehr im DAX, sondern nur im MDAX, aber zum Üben wird es reichen.

Ich habe 410 + 150 Stimmrechte, und für 25 Stimmrechte hat mich jemand bevollmächtigt.
Auf einer Aktionärsversammlung war ich noch nie.

In drei Tagen ist Anmeldeschluss für die Versammlung am 30.6.2023.

Interessant wird das Ganze ja nur, wenn mehr Leute mitmachen, deshalb poste ich das hier.
Vielleicht hat ja auch schon jemand Erfahrungen damit?

Nur die Hälfte der Aufsichtsratssitze ist von den (Anteils-)Eignern besetzt. Die andere Helfte ist durch die Arbeitnehmer besetzt. Aus meiner persönlichen Erfahrung in der Mitarbeitermitbestimmung kann ich sagen, dass auch diejenigen, die sich in Betriebsräten und Gewerkschaften engagieren, übermäßig häufig (im Vergleich zum Branchendurchschnitt) männlich gelesene Personen sind. Warum ist das so? Für das Engagement gibt es in der Regel nicht mehr Geld oder sonstige erstrebenswerte Privilegien. Eigentlich ist es doch sogar etwas sehr soziales sich für seine Kolleginnen und Kollegen einzusetzen, was ja eher Frauen nachgesagt wird. Andererseits braucht es ein gutes Stück Konfliktfähigkeit in die Opposition zum eigenen Arbeitgeber zu gehen … ich fürchte mit Quote kommt man bei solchen Dingen nicht wirklich weiter.

Wobei, wenn nun gelten soll mindestens 50% Frauen in jedem Betriebsrat, wird sich so manch ein Unternehmer freuen, seinen Betriebsrat damit verhindern/auflösen zu können - eine Quote mit der sich die FDP vielleicht anfreunden könnte :smiley:

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Bekommen die Arbeitnehmer*innen im Aufsichtsrat auch dieselben Bezüge wie die anderen?
Oder nur ihr normales Gehalt?

Die Plätze sind „durch“ die ArbeitnehmerInnen, nicht zwingend „mit“ den ArbeitnehmeInnen besetzt :wink: In den DAX Unternehmen lassen es sich die entsprechenden Gewerkschaftsfunktionäre nicht nehmen, diese Sitze selbst einzunehmen (und das damit verbundene Gehalt abzugreifen) dafür, dass sie ja ganz ordentliche Tarifverträge für die Belegschaft aushandeln. In MDAX Unternehmen findet man aber schon den ein oder anderen „normalen“ Arbeitnehmer im Aufsichtsrat … die Besetzungen und Lebensläufe sind übrigens meistens veröffentlicht.

Na, dann sehe ich mir das mal an:

Hier ist der jetzige Aufsichtsrat:
https://www.prosiebensat1.com/unternehmen/aufsichtsrat/

und nun wird es spannend:

Damit weiß ich schon mal, wem der Konzern zu großen Teilen gehört:

"Der neue tschechische ProSieben-Sat.1-Großaktionär PPF fordert einen Platz im Aufsichtsrat des bayerischen Fernsehkonzerns. Das von der Milliardärin Renata Kellnerova beherrschte Unternehmen hat seine Beteiligung an ProSiebenSat.1 nach eigenen Angaben von 9,1 auf 10,1 Prozent aufgestockt. PPF ist damit zweitgrößter Aktionär hinter der italienischen MFE-Mediaforeurope."Quelle:Neuer tschechischer Großaktionär fordert Platz im ProSiebenSat.1-Aufsichtsrat - Etat - derStandard.de › Kultur

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/fernsehkonzern-tschechische-ppf-bekommt-platz-im-pro-sieben-aufsichtsrat/29210502.html

[

ProSiebenSat.1 Media Aktie (PSM777 | DE000PSM7770)

](ProSiebenSat.1 Media Aktie • PSM777 • DE000PSM7770 • onvista)

Marktkapitalisierung: 1,97 Mrd. EUR ; Anzahl Aktien: 226,49 Mio. Stk. ; Streubesitz: 46,53 %

Um dort Einfluss zu nehmen, wirst Du noch etwas sparen müssen …

Es geht ja nicht um den Einfluss, den ich persönlich nehmen möchte.

46% Streubesitz ist doch schon ganz okay. Wenn die sich alle dafür interessieren würden, wer den Sender führt, wäre das doch schon mal ein Fortschritt im Gegensatz zu dem alltäglichen Kampf um die Fernbedienung auf dem Sofa.

ich habe schon an einigen HVs teilgenommen, die wir zT als Anwälte mitorganisiert haben.
Ich habe eine ungefähre Vorstellung davon, wie so eine AG funktioniert.
Aber da fängts schon an: das ist keine AG, sondern eine SE (Societas europaea), bei der zT wieder andere Regeln gelten.

Mir ist unkar, was genau Du erreichen möchtest.
Mit knapp 600 von 226 Mio. Stimmen und ohne jegliche Erfahrung würde ich mir aber keine allzu großen Hoffnungen machen.
Willst Du die AR-Besetzung mitbestimmen?
Oder selber AR-Mitglied werden?
Oder was ist das Ziel?

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Meine ganz persönlichen Ziele sind, zu entscheiden, ob ich die Aktien für eine gute Investition halte, und mit einen Eindruck davon zu verschafffen, wer über diesen Fernsehsender bestimmt, weil er nach meinem derzeitigen Informationsstand der letzte unabhängige Fernsehsender in Deutschland ist.

In diesem thread möchte ich aber etwas anderes diskutieren, und zwar interessiert es mich, ob diejenigen, die z.B. eine Frauenquote für Aufsichtsräte oder sonstige Einflussnahme auf Unternehmen fordern, auch bereit wären, sich an diesen Unterrnehmen in irgendeiner Form zu beteiligen.
Aktien zu kaufen und Stimmrechte an einen Verein zu geben, wäre ja z.B. für alle machbar, die sonst ETFs bei Blackrock kaufen.

Und dieser Verein würde das Stimmrecht dann stur nach Quote auf weiblich, Migrationshintergrund, behindert, schwere Kindheit verwenden? Fachliche Kompetenz und inhaltliche Vorstellungen wären egal … kommt mir irgendwie bekannt vor :wink:

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ich kaufe keine Pro7-Aktien, auch nicht für die Frauenquote.
Die haben 226 Mio. Aktien, Kurs ca. EUR 8, eine Marktkapitalisierung von ca. 1,9 Mrd.
Um auf die Entscheidungen der HV Einfluss zu nehmen brauchst Du 10%? 20%? Keine Ahnung
Das macht EUR 190 Mio. oder EUR 380 Mio.
D.h. Du suchst Leute, die insg. 200 -300 Mio. investieren und ihre Stimmrechte an einen Verein abtreten für ein Ziel (mehr Frauen in den AR), bei dem völlig unklar ist, ob es das investment verbessert.
Findest Du die?

Und selbst wenn Du die findest, weißt Du nicht, ob es hilft.
Viele Stimmrechte werden durch Banken ausgeübt, die stimmen (ohne Weisung) immer nach den Vorschlägen des Vorstands an. Und es gibt etliche Großaktionäre, die immer noch mehr Stimmen haben als Deine 10 oder 20%.

Und wen schlägst Du vor als AR?
Es reicht ja nicht, Frau zu sein.
Ein AR sollte bei einem Unternehmen dieser Größe einige Qualifikationen besitzen.
Und wer macht es?
Mit dem Job ist eine ziemliche Verantwortung verbunden und ein persönliches Haftungsrisiko.
Ich würde den Posten nicht übernehmen, so gut kann die D&O-Versicherung gar nicht sein.

und schließlich:
es gibt schon Regeln zum Frauenanteil in Vorständen und AR (auch wenn die noch etwas löchrig sind).
Deine Prämisse stimmt also nicht

Vielleicht liegt da der Fehler bei dem Plan.

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25% = Sperrminorität.

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Grundsätzlich kannst du, wenn du jemanden für eine Aktionärsversammlung bevollmächtigst, ankreuzen, wie er zu den einzelnen Tagesordnungspunkten abstimmen soll.

Natürlich kannst du ihn auch ohne Weisungen bevollmächtigen, dann kann er nach eigenen Kriterien entscheiden.

Ich gehe davon aus, dass es da auch verschiedene Vereine mit verschiedenen Kriterien gibt. Hier ein Beispiel:

https://www.kritischeaktionaere.de/mitmachen/stimmrechte-uebertragen/

Offensichtlich scheint sich ProSiebenSat1 gerade neu aufzustellen, und sowohl die weiblichen als auch die männlichen Kandidat*innen für den Aufsichtsrat machen auf mich einen guten Eindruck. Ich habe sie alle gewählt.

Die virtuelle Hauptversammlung (läuft gerade) ist übrigens sehr gut organisiert.

Da kann ich für uns für unseren Forumsverein noch viel lernen :slightly_smiling_face: für die Zeit, wenn er mal größer wird.

Gerade habe ich einige Infos durch Internetrecherche vertieft, die ich in der Aktionärsversammlung bekommen habe. Schade, dass ich dazu nichts schreiben darf, weil es im nicht öffentlichen Teil war.

Ich kann nur sagen, es war spannender als alles, was der Sender je im Fernsehen gebracht hat.
Ich kann euch allen empfehlen, euch auch von verschiedenen Konzernen mindestens eine Aktie zu kaufen, um an solchen Sitzungen online teilnehmen zu können. Auch gerade von denjenigen Konzernen wie z.B. RWE und Siemens, die wir kritisch betrachten.

Aktionäre haben grundsätzlich auch Rederecht und dürfen während der Versammlung online spontan Anträge stellen, viel besser als bei den Günen.

Bei der Abstimmung gehen die Stimmanteile natürlich nach dem vertretenen Kapital, wir leben ja schließlich im Kapitalismus.