Gendern: "despektierlich"? ein (Menschen)Rechtsverstoß?

mal was Neues:
Gendern als Herabsetzung der betroffenen Personen.

Bemerkenswert ist jedoch ein – ebenfalls vom OLG zitierter – Eingangspassus aus dem Antrag der GenStA, der mit der eigentlichen Bußgeldsache nichts zu tun hatte.
„Vorab ist zu bemerken, dass das Urteil – in atypischer Weise – geschlechtsneutrale Formulierungen hinsichtlich der Verfahrensbeteiligten verwendet“ schrieb die GenStA.
So werde der Betroffene, bei dem es sich laut seinem Verteidiger „unzweideutig um einen ‚Herrn‘“ handele, im Tenor und in den Urteilsgründen des AG durchweg als „betroffene Person“ bezeichnet, der angehörte Sachverständige wird als „sachverständige Person“ und der Messbeamte als „messverantwortliche Person“. Nur der erkennende Richter selbst habe sich "als solcher und nicht etwa als ‚richtende Person‘" bezeichnet, kommentierte die GenStA.

Die Darstellung in den Urteilsgründen müsse aber klar und bestimmt sein; dem widerspreche ein Urteil, in dem Verfahrensbeteiligte „geschlechtslos oder -verwirrend“ bezeichnet würden, so die Behörde. Die geschlechtsneutralen Bezeichnungen seien nur dann angebracht, „wenn die betreffenden Verfahrensbeteiligten ausdrücklich um eine geschlechtsneutrale Bezeichnung nachsuchten“. "Im Übrigen muteten derartige Bezeichnungen von Menschen in hoheitlichen Erkenntnissen despektierlich an" kritisierte die GenStA.

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Interessant. Ich kann es etwas nachfühlen. Wenn in Beratungsflyern von „gebärenden Personen“ oder „stillenden Personen“ geschrieben wird, habe ich ein ganz ungutes Gefühl.
Es gibt schon seltsame Fragestellungen.

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Das sag ich schon lange

Finde ich auch gut. Aber bei dem (Menschen)… im Titel übertreibst du. Bist du als Anwalt jetzt der Meinung der höheren Instanz oder möchtest du deren Einwand kritisieren?

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Das mit den gebärenden und stillenden Personen finde ich auch Quatsch, weil eine Frau das ja nicht die ganze Zeit tut, und im Alter erst recht nicht mehr, aber wenn mich jemand als sachverständige Person bezeichnen würde, fände ich das okay.

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stimmt. War eine kleine ironische Reminiszenz daran, dass der Vorwurf der Menschenrechtsverletzung bei einigen hier manchmal sehr locker sitzt.

das wollte ich erstmal nicht zu deutlich sagen.

Ich kann die Kritik nachvollziehen.
Ich mag das Gendern ohnehin nicht, aber es wird abstrus, wenn zB eine Gesellschaft einen Mann als Geschäftsführer hat, auf den aber in irgendwelche Schreiben als "Geschäftsführerin" Bezug genommen wird (oder der sich selber als "Geschäftsführerin vorstellt, alles schon erlebt).
So war es ja hier wohl auch: das Geschlecht der Leute war offenbar nicht unklar oder strittig, da wirkt es unfreiwillig komisch und überanstrengt, wenn man von Personen + Partizip spricht.
Immerhin konnte der Richter sein eigenes Geschlecht noch zweifelsfrei feststellen und benennen …

Und ja, ich weiß, „wie kann ich denn sicher sein, ob jemand Mann oder Frau oder sonstwas ist“, Selbstbestimmung usw usw. Ich würde aber für die geringe Wahrscheinlichkeit, sich da mal zu irren, nicht die gesamte Sprache umarbeiten. In einem Prozeß werden die Personen identifiziert, Name, Vorname usw, da besteht ausreichend Gelegenheit, die Frage zu klären und dann im Urteil die Leute als das zu bezeichnen, was sie sind.

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Wenn ich weiß, welches Geschlecht die Person hat, mit der ich kommuniziere, sehe ich auch keinen Sinn darin, zu gendern.

Sinnvoll sehe ich es eher darin, wenn ich mehrere Menschen anspreche, die durchaus verschiedene Geschlechter sein könnten oder sind.

„Gebärende“ und „Stillende“ hört sich vielleicht erstmal etwas seltsam an, aber muss man dies gleich aufs Gendern schieben?
Natürlich können dies offensichtlich nur Frauen sein.

Es ist immerhin kürzer, als wenn man schreibt „Frauen, die Kinder gebären“ oder „Frauen, die Babys stillen“ und hört sich vielleicht auch etwas stilvoller an. :smiley:

Man spricht ja auch von „arbeitenden Menschen“.

Was ist daran so schlimm, wenn man statt „Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, „Liebe Mitarbeiter*innen“ schreibt?

Fühlt sich da jemand beleidigt oder diskriminiert?

Man kann natürlich auch auf das frühere maskuline „Liebe Mitarbeiter“ zurückkehren, damit diskriminiert man zumindest die weiblichen Mitarbeiter(*innen).
Dies würde garantiert einigen gefallen.

Ich sehe es eh ziemlich locker, Gendern ist kein „Muss“ oder ein „Gebot“, jeder Mensch kann es halten wie er möchte, aber am Ende ist man für sein eigenes Verhalten selbst verantwortlich.

Natürlich. Habe ich alles mehrfach ausgeführt.

Der despektierlichste Ausdruck für mich im Zusammenhang mit Berufsbezeichnungen ist „Personal“. So hat vemutlich jede*r seine/ihre Empfindlichkeiten.

„Liebes Personal“?
Ich glaube, wenn ich das so geschrieben hätte, hätte ich tatsächlich einen auf den Deckel bekommen, da ich selbst Mitarbeiterin war.

Übrigens, bei mir hat sich nie jemand beschwert und mir sind auch keine Beschwerden zugetragen worden, immerhin saß ich neben meinem Chef mit offener Tür.

Wer sollte das denn sein, etwas Du?

Die einzigen die es sein könnten, ist die ach so sensible und jetzt diskriminierte Männerwelt. :grinning_face:

Einen Horizont vom Radius Null nennt man Standpunkt.

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Ein schöner Spruch, leider passt er auf diese Situation überhaupt nicht. Erklär doch mal, was du damit im Zusammenhang mit dem Thema dieses Threads sagen willst.

Er passt super. Ellen sollte meine ausführlichen Statements zum Thema gelesen haben, kommt aber erneut mit Frechheiten.

Ihr Standpunkt steht unabhängig von Informationen fest.

Und bevor jemand fragt

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Erfreulich. Der Faden ist noch offen.

Daher hier ein interessanter Beitrag.

„Gendern ist das Latein der neuen Eliten“ – Wissenschaftskommunikation.de „Gendern ist das Latein der neuen Eliten“ – Wissenschaftskommunikation.de

Oder der?

Wird aus diesen Urteil bzw der Bemerkung der Generalstaatsanwaltschaft hier nicht teilweise etwas zu viel rausgelesen?

Ein Urteil richtet sich an eine konkrete Person und diese sollte auch angesprochen und nicht misgendert werden. Wenn es also klar um einen Mann geht, männliche Ansprache (oder - wie vom OLG auch ausgesprochen: geschlechtsneutral, wenn die Person selbst so wünscht).

Wenn die Generalstaatsanwaltschaft dieses misgendern in diesem Fall als despektierlich bezeichnet, sagt das null, null darüber aus, ob Gendern allgemein despektierlich sein könnte/die Staatsanwaltschaft das allgemein despektierlich findet.

Ist doch gerade im rechtlichen Kontext in sich logisch. Gesetz//Norm ist generell, abstrakt - richtet sich an unbestimmte Vielzahl von Personen und Sachverhalten und hier stellt sich die Frage nach einer möglichst (geschlechts)neutralen Formulierung.

Rechtsanwendung/Subsumtion legt das über einen tatsächlichen Sachverhalt und wird konkret, individuell und ist damit naturgemäß nicht mehr (geschlechts)neutral.

Als Aufhänger für ein Diskussion taugt dieser Artikel daher meines Erachtens nur um über diese Unterscheidung zu diskutieren, aber nicht über eine grundsätzliche Diskussion über genderneutrale Sprache.

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Habe ich den falschen Artikel verlinkt?
Moment.

Mir ging es um die Überlegung, ob Gendern zwingend der korrekte Weg zur Gleichstellung ist.

Mein Kommentar bezieht sich auf den Aufhänger der Diskussion und was darauf folgt. Nicht auf Deinen Link.

Ach so. Danke

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Vielleicht können @RiedelJe oder @Teelicht da was beitragen? Ich schätze deren Ausgewogenheit sehr

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Diskriminiert würde ich jetzt darauf nicht sagen, sondern würde eher sagen nicht gesehen. Es gibt ja mehr als 2 Gender. :sweat_smile:

Wenn wer „Liebe Mitarbeiter*innen“ schreibt, und sich offensichtlich bemüht, hab ich einfach auch mehr vertrauen und sympatie zu der Person, als wenn ich davon ausgehen muss, eh nicht verstanden zu werden. Es geht also eher um das zeigen von Respekt füreinander.

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