Gentechnik Ja - Aber

Hier ein Artikel zum Thema:

Ich war doch sehr über die Aussage überrascht, dass mit der Zulassung von Goldenen Reis mit besonders viel Provitamin A pro Tag 40.000 Menschen das Leben retten könnten.

Dazu kommt noch der Klimawandel, der unsere Landwirtschaft noch vor ganz andere Probleme stellen wird.

Ein Knackpunkt ist die Rechtslage, dass man sich Pflanzen nur mit recht kleinen Änderungen im Genom patentieren lassen und damit auch Landwirte verklagen kann, wenn man so etwas auf ihren Feldern findet. Da müssen wir u.a. ran.

Kurz, ich denke nicht, dass wir uns das Dogma „Gentechnik nein Danke“ in Zukunft werden leisten können.

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Ich hatte am 18. April schon mal versucht, einen thematisch entsprechenden Thread wieder zu beleben … damals noch im ‚offziellen‘ Forum … jetzt dort nur noch unter Archiv zu finden:

https://discourse.netzbegruenung.de/t/haltung-zur-gentechnik-gruene-fordern-umdenken/11235/156

Ich hatte dann wegen einer anderen Debatte nicht genug Zeit und Energie dieses Thema weiter zu ‚beatmen‘… die spärliche Resonanz tat ein übriges…

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Bei meiner Grundhaltung zu diesem Thema werde ich sicher bei ‚traditionellen‘ Grünen sofort als Häretiker oder Blasphemiker klassifiziert.
Bei vielen Grünen wird das ‚Follow the Science‘ -Fähnchen nur dann hochgehalten, wenn es ideologisch passt.

Die fundamentalistische Ablehnung moderner molekularbiologischer Methoden (für mich seit Jahren personifiziert durch Künast und Ebner) ist ein intellektuelles und politisches Armutszeugnis für eine Partei, die doch so sehr auf wissenschaftliche Evidenz pocht - zumindest in Klima-Fragen, wenn es zur politischen Generallinie passt (die Baustelle ‚Homöopathie‘ wäre hier auch noch ein nettes Thema).
Die offizielle Parteiposition ist rückwärtsgewandt, ignoriert wissenschaftliche Fortschritte und bedient ein - zugegeben populäres - unrealistisch romantisierendes Bild von 'Natürlichkeit, ‚organischer Landwirtschaft‘ etc. In der öffentlichen Diskussion wird die wissenschaftliche Ignoranz des größten Teils der Öffentlichkeit und die in der deutschen Bevölkerung verbreitete Risikoaversion (‚German Angst‘) auf - und das sage ich ganz bewusst - auf klassisch populistische Art und Weise (wie wir sie ja bei der ‚anderen Seite‘ zurecht anprangern) zur Stimmungsmache und zum Stimmenfang genutzt. Es geht nicht um eine rationale Nutzen-Risiko-Bewertung sondern um ‚Bedenkenträgertum‘ oder sogar um eine quasi-religiöse Verdammung jeglicher Gentechnik - bei gleichzeitiger Romantisierung der Bio-Landwirtschaft. Die zur Rechtfertigung der Programmposition oft erwähnte Ablehnung von ‚Gentechnik‘ in der Bevölkerung (was immer dort darunter verstanden wird) ist zum Teil durchaus heuchlerisch: wohl wissend, dass hierzulande ein durch die Grünen mit-verschuldetes politisches und emotionales Klima auch schon gegen Forschung (Freilandversuche) besteht, ist ein nicht unerheblicher der Teil der berühmt-berüchtigten ‚öffentlichen Meinung‘ selbst herbei-geredet/-geschrieben worden (anderswo nennt man das treffend ‚fear mongering‘).
Durch die Überzeichnung von vermeintlichen Risiken und der intellektuell unredlichen Überbetonung des Vorsorgeprinzips (die Abwesenheit von etwas, das nicht existiert, kann auch nie bewiesen werden) hat man ein selbst konstruiertes Verhinderungsargument!
Es ist unbestritten, dass es hohen Forschungsbedarf gibt, gerade auch für die neuen technischen Möglichkeiten. Aber es gibt aber auch seit mehr als 2 Jahrzehnten global unzählige Projekte und Studien zur Biosicherheit von GMOs. Keine seriöse Studie hat jemals belastbare Hinweise auf spezifische und signifikante Gefahren von GMO-Produkten für menschlichen Konsum gezeigt.
Die Grünen sollten auch die ‚Nibelungentreue‘ zu manchen NGOs oder zu fragwürdigen ‚Instituten‘ wie ‚Testbiotech‘ in diesen Fragen kritisch überprüfen… die natürlich auch gern an die ‚Futternäpfe‘ Grün geführter Ministerien wollen.
Je stärker das Gewicht der Grünen auch auf Bundesebene wird, umso höher wird auch die politische Verantwortung und umso dringender muss der anti-wissenschaftliche, ideologischen Tunnelblick in diesem Themengebiet aufgebrochen werden (die ganze ‚grüne‘ Gentechnik in Deutschland leidet bis heute unter dem gültigen Gentechnik-Gesetz aus Künasts Tagen.
Diese Zeilen schreibt ein langjähriges Mitglied (länger schon als es die jetzige Partei gibt), von Haus aus gelernter Biowissenschaftler, der schon seit Jahren an dieser Position der Partei leidet… und den Austritt eigentlich nur aus Treue zum Milieu und aus Mangel an Alternativen unterlassen hat.

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Als Teil dieser unwissenden Bevölkerung habe ich bisher wohl was extrem falsch verstanden.
Dank Maithink X verstehe ich nun…

Es muss Aufklärung erfolgen. Aber wie?

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Man könnte hier noch die die Haltung zur Kernenergie anführen. Auch hier ist oft mehr Ideologie als Naturwissenschaft+Technik im Spiel. Ich bin auch für den Ersatz der Kernkraft durch EE, aber einige der Argumente gegen einen vorübergehenden Weiterbetrieb, es gibt da auch sehr valide Argumente, sind nicht objektiv. Bisschen OT und eigentlich auch nicht direkt vergleichbar, aber eine ähnliche Haltung wie bei Gentechnik.

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Danke. Ich arbeite gerade an einem Text über den Irrtum „Veganismus rettet die Welt“ und würde gerne Stichworte von dir mit einarbeiten.
Hast du Argumente schon gesammelt, vielleicht gar mit Quellen?

Huhu,

beim „Grünen Netzwerk Evidenzbasierte Politik“ widmen wir uns auch sehr intensiv diesem Thema:

Ich würde mich freuen, noch weitere Mitstreiter*innen zu finden, die sich für die Neubewertung der naturidentischen Pflanzen einsetzen, die mit den neuen Züchtungsmethoden hergestellt wurden!

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Danke.
Ein biologisches Thema.
Ich schau es mir an.

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Vielversprechende Initiative… bin gern dabei.
Parteigenosse Ebner wird ‚not amused‘ sein.

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Bisher gibt es aus der Ecke Ebner/Künast/Häusling nur donnerndes Schweigen… was ich sehr bezeichnend finde.

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Man redet von „Grüner Gentechnik“ und raus kommen dann Pflanzen, die als einzige resistent gegen die Giftstoffe sind, die Dir der gleiche Konzern zusammen mit seinem patentierten Saatgut verkaufen will und der Bauer nebenan, der einfach mit dem Saatgut vom letzten Jahr arbeitet wird dann verklagt, weil sein Saatgut ja Spuren von den patentierten Genen enthält. Das ist das Thema über das geredet werden sollte!

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Stimmt - das Problem hatte ich ja auch im Eingangspost angerissen.

Bei allem Idealismus, aber mit Gentechnik kriegt man das selbe wie mit herkömmlichen Züchtungsmethoden, nur schneller und kontrollierter. Es gab einmal eine gifitge Gurke, die war ein Produkt herkömlicher Züchtung.

Und wir werden unsere Pflanzen so gut es geht an den Klimwandel anpassen müssen, das sind so ganz triviale Dinge wie längere Wurzeln von Nutzplanzen etc, die man damit schneller hinkriegt.

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Ich sage es nur ungern, aber eigentlich sind wir schon wieder bei der Meiose.

Du schreibst: „…und raus kommen dann Pflanzen, die als einzige resistent gegen die Giftstoffe sind…“.

Ja, das KANN sein, aber es MUSS nicht so sein. Deshalb sollte man das Thema auch nicht singulär betrachten, sondern neben der wissenschaftlichen Machbarkeit auch die sozialen und ökonomischen Fragen angehen. Wenn wir das NICHT tun, dann haben wir wirklich ein „Monsanto 2.0“ und das will nun wirklich niemand.

Deshalb wäre es nur klug, die naturidentischen Pflanzen, die mit den neuen gentechnischen Verfahren gezüchtet werden, mit denen, die konventionell gezüchtet wurden, rechtlich gleichzustellen und aus der GVO-Verordnung zu nehmen. Das ist übrigens genau das, was die Leopoldina und zahlreiche andere Wissenschaftsvereinigungen fordern. Dann sind auch die zeit- und kostenaufwändigen Zulassungensverfahren nicht nötig und im Prinzip könnte dann jede*r diese Pflanzen anbauen.

Erfolgreiche Beispiele gibt es international zuhauf, in der CRISPR-Bibliothek der „Progressiven Agrarwende“ gibt es eine gute Übersicht:

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Eigentlich sollte der Titel sein „Gentechnik ja - aber!“

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Gentechnik ist oft missverstanden.
Du kannst es gerne ändern.
Nucleotide und Enzyme in eine Suppe geben und es kommt ein Impfstoff heraus, ist ja auch Gentechnik

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Am Titel hängt nicht mein Herz, ich habe allerdings nicht „ja aber“ geschrieben, weil ich das viel zu oft höre. Ja aber das Landschaftsbild, ja aber der Tourismus, ja aber der Infraschall, ja aber der Lärm, ja aber die Vögel…

Mir geht es hier darum, die Chancen einer Technologie zu erkennen und zu nutzen auch weil ich überzeugt bin, dass wir diese durch den immer schneller werdenden Klimawandel noch brauchen werden, um das daraus entstehende Elend zu mildern. Chancen zu erkennen und Probleme zu suchen sind zwei verschiedene Dinge. Beides gehört zu einer sauberen Abwägung, allerdings haben wir Grünen zum Thema Gentechnik schon sehr viele „ja abers“ gebracht, meiner Meinung nach allerdings nicht aus wissenschaftlicher Sicht, sondern eher aus dogmatischen Gründen. Deswegen möchte ich hier auch das „Ja Bitte“ und die Chancen diskutieren - ohne die Probleme aus dem Augen zu verlieren.

Das Problem mit den verklagten Landwirten ist z.B. kein Problem der Biowissenschaften, sondern ein Problem der Rechtswissenschaften. Zum Glück sind wir Politker, und können Gesetze ändern.

Wir ändern ständig die Gene von Pflanzen, die tun das auch von ganz alleine. Was ist der biologische Unterschied, wenn man eine gewünschte Eigenschaft in 5 Jahren anzüchtet oder wenn man mit der Genschere die gewünschte Eigenschaft in wesentlich kürzerere Zeit erzielt?

Monokulturen haben wir auch ohne Gentechnik geschafft, ebenso dass die Menschheit sich aus einer sehr kleiner Anzahl von Pflanzensorten ernährt. Wenn hier ein spezialisierter Schädling auftritt, haben wir sicher ein ernstes Problem. Unso wichtiger ist es, Nahrungsplanzen hier schnell anpassen zu können. Was nicht heißt, dass wir nicht auch auf mehr Diversität setzen sollten.

Wir haben immer mehr Dürren, wäre es da nicht sinnvoll in kurzer Zeit die Pflanzen dazu zu bringen, längere Wurzeln auszubilden oder wollen wir auf die natürliche Selektion warten, die erst so richtig bei starkem Selektionsdruck (was weniger Nahrung bedeutet) Fahrt aufnimmt? Es spricht ja nichts dagegen, beides zu tun.

Hier ein Video von Mai zu dem Thema in Maithink X:

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Ich habe vorhin ein kleines Medienwunder erlebt: in der Panaroma-Sendung von heute hat es die ARD doch tatsächlich mal gewagt, die Grüne Haltung zu moderner Agro-Gentechnik kritisch darzustellen und in Frage zu stellen… Chapeau!

Der BUND wurde sehr schön ‚vorgeführt‘ hinsichtlich seiner manipulativen und ‚fear mongering‘ Anti-Gentechnik-Propaganda (ab min. 4:00 → 5:28)
… und Madame Künast (ab 6:45 → 7:28) spielte auch nur die alte Schallplatte wieder ab: das überstrapazierte Vorsorgeprinzip.
Die Risiken nicht seien nicht bekannt: „Wir wissen viel zu wenig“, „Wir haben einen Mangel an Risikoforschung“
zu Gesundheitsrisiken: „Wissen wir nicht, auch dazu gibt es keine Forschung“
Bloody nonsense …
Verleugnung des wissenschaftlichen Kenntnistandes aus ideologischer Verblendung

Panorama: Angst vor Gentechnik: Berechtigt oder Hysterie? | ARD Mediathek

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Liebe Svenja,
aber alles viel komplizierter… hexaploid bei Triticum, das ist doch noch mal was anderes!!!
… zumal die meisten Leute schon mit diploiden/haploiden Systemen überfordert sind! :roll_eyes: :wink:

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Ja korrekt, die Gentechnik Angst ist so ne absurde Sache… Total irrational… Die Grüne Gentechnik ist tatsächlich eine beschleunigte Form der Züchtung. Das einzige Problem dass ich darin sehe, ist, dass dann auf Pflanzen Patente gemacht werden und diese somit für arme Länder unbezahlbar sind. Da muss der Gesetzgeber noch entsprechende Bedingungen schafffen das es dadurch nicht zu Mondpreisen für Gemüse kommt. Und was die Gen Angst angeht. Komischerweise ist ja ausgerechnet die sehr beliebte BionThech Corona Imfung eine MRNA Imfung die mit Gentech Methoden- arbeitet, kein wirklicher Angst auslösser. Und das obwohl diese MRNA Impfstoffe eng verwandt sind mit Immun- Chemotherapie gegen Krebs! Die Potente Wirkung solcher Impfstoffe ist mit der enormen Wirkung einer Immun- Chemotherapie vergleichbar. Interessant wie komisch es im Hirn mancher vorgeht. BionTech=gut, Genpflanze=sehr böse… Jede MRNA Impfung gegen Covid ist schon fast ne Chemotherapie wegen der extrem starken Wirkung. Das haben mit leute bestätigt die sich damit auskennen! Ah ja, deshalb schützden die auch so gut gegen Covid. Selbst Vorerkrankte bekommen kaum noch ernste Covid. Das schafft kein anderes Mittel…