Ist wohl alles zutreffend, was Du da an Zustandsbeschreibung lieferst, Bernd.
Hat vielfältige Ursachen, über die man ausführlich diskutieren könnte.
Auch ich war drei Jahre beim Militär (Bundeswehr, wenn auch zum Glück nie in einem Krieg). Würde zwar den Begriff
als Selbstbeschreibung für mich nicht widerspruchslos akzeptieren, bin aber bestimmt auch kein weltfremder „Gutmenschen-Pazifist“.
Aber darum
geht es auch gar nicht.
Deine Formulierung
kann man doch nur so verstehen, dass Du diese (Ab)Qualifizierung der Leute „aus den Plattenbauten“ als „verzichtbares Material“ auch selber inhaltlich teilst.
Mal abgesehen davon, dass der verächtliche Begriff „Menschenmaterial“ eine eindeutige Herkunft aus der Sprache des Nationalsozialismus hat, gilt heute in der Bundesrepublik Deutschland der Art. 1 unseres Grundgesetzes:
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“
Dein Gerede vom „verzichtbaren Material“ tastet genau diese Menschenwürde der Betroffenen an, stellt sie fundamental in Abrede.
Du kannst so natürlich denken (Meinungsfreiheit, „die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten …“). Aber wenn Du sie äußerst, kannst Du Dich dafür nicht auf die in Art. 5 Grundgesetz garantierte Meinungsäußerungsfreiheit berufen.
Unsere Demokratie ist nun mal keine Wischi-Waschi-Angelegenheit, sondern an grundlegende Werte gebunden. Und wer Grundrechte - wie z.B. die Meinungsäußerungsfreiheit - zum Kampf gegen diese Grundrechte mißbraucht, dem können sie durchaus auch entzogen werden (Art. 18 GG, sozusagen das individuelle Pendant zum Parteienverbot nach Art. 21 Abs. 2 und 4 GG).
Ich will Dir damit jetzt nicht drohen (allenfalls vielleicht mal die „Folterinstrumente“ zeigen).
Aber ich habe mir schon vor längerer Zeit geschworen, solchen Tendenzen zur Sagbarkeit des Unsagbaren entschieden entgegen zu treten und nicht mehr einfach nur pikiert zur Seite zu schauen.
Und wenn das nicht in einem grünen Forum gilt, wo denn dann?
ich verstehe deine Intention…
aber schau bitte noch einmal genau hin:
ich den von dir monierten Ausdruck in Anführungsstriche gesetzt…
In verschiedenen Artikeln habe ich solche Ausdrücke bereits entnehmen können, wenn über die russische Fleischwolftaktik geschrieben wurde.
Wenn ich von solchen Menschen respektlos gesprochen hätte, hätte ich mich auf ein RTL II Niveau begeben a la Hartz aber herzlich, bei dem gewisse Protagonisten eben diesen Eindruck erwecken, zu doof und zu faul zum Arbeiten zu sein. So mancher Zuseher mag da an „verzichtbares Material“ denken.
Auch wenn das Einstellungsniveau bei der Bundeswehr gesenkt wurde, nehmen sie zum Glück vermutlich solche Protagonisten (noch) nicht. Deshalb wird die Bundeswehr ohne eine Wehrpflicht auch nicht auf ein verteidigungsfähiges Level kommen.
Inhaltlich teile ich dieses Niveau ganz und gar nicht. Denn aus „meinen“ Dreckfressern wurden meist ordentliche Menschen, weil sie feste Strukturen hatten, die Möglichkeit Bildung nachzuholen (was nach Auflösung des US Bildungsministeriums vermutlich noch schwieriger wird in den USA) und eine gewisse Karriere und somit Ansehen in der Gesellschaft hatten.
An letzterem fehlt es in Deutschland gänzlich.
Du kannst mir hier nicht drohen. Aber ich nehme deinen Hinweis gerne wohlwollend zur Kenntnis für die nächste Formulierung. Ich teile deine Meinung, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sein darf
wikipedia:
Das Wort Menschenmaterial sei „zwar bereits im 19. Jahrhundert bei Karl Marx aufgetaucht, habe aber in diesem Jahrhundert zynische Bedeutung erlangt, nicht zuletzt als Umschreibung von Menschen, die als Soldaten im Ersten und Zweiten Weltkrieg ‚verbraucht‘ wurden.
übersetze doch mal den neudeutschen Begriff: human ressources
Deswegen nicht immer gleich pikiert reagieren, wenn ein gewisser, in der deutschen Sprache eingebürgerter, Sprachgebrauch verwendet wird.
Da wären wir nämlich wieder bei der Grundsatzdiskussion, ob „Zigeunerschnitzel“ oder „Mohrenkopf“ aus der deutschen Sprache verbannt werden muss.
Und?
Das sagt überhaupt nichts über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit aus.
Wenn jemand 10.000 Euro im Jahr verdient, aber in diesem Jahr keine Gehaltserhöhung bekommen hat ist hat er dennoch viel mehr als jemand mit 1.000 Euro und einer 10% Gehaltserhöhung.
Nebenbei, wirklich drohen wollte ich Dir tatsächlich nicht. Dazu wäre die „Keule“ des Grundrechtsentzuges nach Art. 18 GG auch noch bei weitem zu überdimensioniert.
Bevor so ein „Hammer“ zum Einsatz käme, gäbe es diverse Strafrechtsnormen, mit denen die Menschenwürde auch sozusagen „mit kleinerem Besteck“ zu schützen wäre.
Hier stimme ich Dir ausdrücklich zu.
Das ist wieder ein anderes Thema.
Kurzfristig hilft uns m.E. die Wiedereinführung der Wehrpflicht eher nicht.
Damit würde die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr in den nächsten Jahren eher belastet, geschwächt. Die ohnehin (zu) geringen Kapazitäten durch den Wiederaufbau einer mehrere hunderttausend Mann (vermutlich kaum unter ½ Million) starken Truppe gebunden. Stichworte: Fehlende Kasernen, benötigte Ausbilder, Ausrüstungen etc. - ich brauche das hoffentlich Dir als „altem Kommisskopp“ nicht alles bis in’s kleinste Detail aufzudröseln.
Und längerfristig sollte das doch besser in einem umfassenderen Rahmen diskutiert und geregelt werden.
Auch hier nur stichwortartig: Allgemeine Dienstpflicht (auch für Frauen - Achtung, Grundgesetzänderung erforderlich!) statt Wehrpflicht? Aufbau einer weitgehend integrierten europäischen Armee (auch mit eigenständiger und differenzierter atomarer Komponente!), statt vieler nationaler Armeen mit geringerer Effizienz? (Geht das, ohne eine vertiefte Einigung Europas ----> „Vereinigte Staaten von Europa“?)
Und ist die Bedrohungslage für Europa auch auf längere Sicht von gleicher Art und Ausprägung wie heute? Wie lange hält Russland seine derzeitige rigide Kriegswirtschaft durch? Knapp 145 Mio. Russen mit einem Brutto-Inlandsprodukt wie gerade einmal Italien mit seinen rd. 50 Mio. Einwohnern.
Helmut Schmidt hat mal etwas despektierlich von der damaligen Sowjetunion als „Obervolta mit Atomraketen“ gesprochen. Heute heißt dieser immer noch bettelarme zentralafrikanische Staat „Burkina Faso“. Man könnte also das heutige Russland - kleiner und schwächer als die SU damals - in Schmidt’scher Großschnäuzigkeit auch als „Burkina Faso mit Atomraketen“ abqualifizieren. Wäre schon was dran.
Und Putin lebt ja auch nicht ewig. Wer oder was kommt nach ihm? Eine Rückbesinnung auf die eigentlichen, drängenden inneren Entwicklungsbedarfe Russlands? Das wäre nicht nur für Europa die positive Variante.
Andererseits: Da „Obervolta“ (Russland) nur mit seinem überdimensionierten atomaren Potential so etwas wie eine „Weltmacht“ ist, wie wahrscheinlich ist es, dass zukünftige russische Führungen auf genau diesen einen Trumpf, den sie auf der Hand haben, verzichten werden? Auch wenn dieser „Trumpf“ gleichzeitig ökonomisch ein schwerer Klotz am Bein ist.
O.k., Dein Hineis auf wikipedia belegt, dass die etymologische Quelle des Begriffs „Menschenmaterial“ noch deutlich tiefer reicht, als bis zu den Nazis (die sich offenbar auch hier mal wieder auf schon vorher angelegte Entwicklungen stützen konnten). Den ollen Kalle Marx als Quelle hätte ich allerdings nicht vermutet. Mal wieder was dazu gelernt.
Aber warum nicht
???
Was hast Du gegen Menschenrechte als wertemäßige Bezugsgröße?
Ist jedenfalls für mich - neben dem Thema „Klima“, und das hat indirekt auch was mit Menschenrechten zu tun - eine, wenn nicht sogar die entscheidende Bezugsgröße.
Schlechtes Beispiel! Makroökonomie funktioniert eben nicht wie Mikroökonomie.Der Staat ist halt keine schwäbische Hausfrau. Wir müssen uns wegen einer Staatsverschuldung tatsächlich wenig Sorgen machen, soweit Deutschland als besonders kreditwürdig eingestuft wird. Sowas kann sich schnell ändern, wenn wir kein Wachstum mehr haben. Deshalb sind jetzt Maßnahmen notwendig um wieder Wachstum zu generieren. Das kostet natürlich Geld, dass wir jetzt erst für die notwendige Infrastruktur aufbringen müssen und um die Wirtschaft anzuschieben. Mal abgesehen, dass man dein Beispiel ohnehin schlecht auf die Finanzen eines Landes anwenden kann, ist das auch keine Frage des Vermögens. Nicht investiertes Geld ist totes Geld, es geht nicht um Vermögen,sondern immer um Möglichkeit und den richtigen Weg zu investieren. Leider
wurde das in den letzten Jahren in den Regierungen mit der schwarzen Nulll- Politik nicht beachtet und so hatten wir zwar schöne Zahlen, aber in Wirklichkeit einen Investitionsstau, der
gerade den Wirtschaftsstandort Deutschland massiv bedroht. Jetzt sieht sogar die CDU das das ein ziemliches Problem ist.
Der Kreditwürdigkeit hängt viel mehr von der Schuldenquote und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ab.
Schau dir nur mal Frankreich an. Die hatten die letzten Jahre höheres Wachstum als die BRD, sind aber nicht kreditwürdiger. Im Gegenteil. https://www.handelsblatt.com/politik/international/ratingagentur-moodys-stuft-frankreichs-kreditwuerdigkeit-herab/100094779.html
Wobei sie dabei auch noch davon profitieren, dass sie Teil der EU sind.
Das fehlendes Wachstum sich ggf. langfristig auf die Leistungsfähigkeit auswirken kann ist ein anderes Thema.
Wir haben kein „nicht investiertes Geld“, sondern müssen Schulden aufnehmen. Also dein Geschreibe von Vermögen ist Unsinn.
Und neue Schulden verändern die Schuldenquote zum negativen.
Konkret sind es Haushaltsführung, Schuldenstand und wirtschaftliche Gesamtlage. Und die wirtschaftliche Gesamtlage hängt natürlich mit dem Wachstum zusammen.
Das widerspricht ja nicht der grundsätzlichen Bewertung von Vermögen. Natürlich müssen wir erst mal Schulden aufnehmen und beeinflusst das die Schuldenquote. Wenn damit aber Wirtschaftswachstum geschaffen wird, wird sich an der guten Bewertung nichts änderm. Warten wir halt mal, ob das gelingt. Zum Hauptthema- jedenfalls ist es jetzt kein guter Zeitpunkt, um Deutschland als besondere Macht einzuschätzen.
es geht nicht ums „Einschätzen“ der Gegenwart, sondern um einen Entschluss für die Zukunft.
Einfach durch Abwarten wird es nie einen Zeitpunkt geben, in dem uns die Großmachtrolle einfach in den Schoß fällt.
Wenn der Wille nicht da ist, bleiben wir, was wir sind:
eine verängstigte, leicht degenerierte, mit den eigenen Selbstzweifeln beschäftigte, militärisch jederzeit erpressbare Wirtschaftsmacht ohne politisches oder militärisches Gewicht, die von Chinesen, Russen und Amerikanern nur noch spöttisch, mitleidig oder verächtlich belächelt wird.
Wir können mehr.
LInks in diesem Format zu posten ist ziemlich unhöflich. Außerdem ist Amazon ein amerikansicher Konzern, der in der EU kaum Steuern zahlt. Also warum kannst du keinen Link auf eine andere Verkaufsplattform posten. Thalia z.B. ist eine deutsche Buchhandelskette. Die verkaufen das Buch bestimmt auch.