Grüne stimmen gegen Mercosur

auch etliche deutsche (auch recht prominente) Grüne haben heute dafür gesorgt, dass das Mercosur-Abkommen verzögert oder verhindert wird.

Ist das Kleingeistigkeit? Angst vor bestimmten Wählergruppen? Ideologie?
Es ist jedenfalls ein fatales Signal an die Welt: die EU kriegt nix gebacken.
Wie sollen wir von den USA unabhängig werden, wenn wir mit niemandem so ein Abkommen schließen können?
Ich fürchte, hier war politisch-moralische Sauberkeit mal wieder wichtiger als ein praktisches Ergebnis.

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Meistens geht es dabei darum, dass noch irgendwas nachverhandelt werden muss, das in der vorliegenden Form nicht tragbar ist..
Ich habe mich aber nicht so intensiv mit Mercosur beschäftigt wie damals mit CETA, deshalb weiß ich nicht, was dort der inhaltlich strittige Punkt ist.

Finde es heraus, wenn du kannst.

Ich denke, Du liegst mit Deiner letzten Befürchtung auf der richtigen Seite. Political Correctness ist alles, was zählt - jedenfalls bei einem großen Teil der in’s EU-Parlament gewählten Grünen.

Und da nicht zu antizipieren, dass das Abkommen auch noch ganz zu Fall gebracht werden kann, wenn nur lange genug (bis zur nächsten Wahl) gewartet/verzögert wird … ist in meinen Augen mehr als dumm.

Dass sie einen Antrag eingebracht haben, der absehbar von ganz rechts Zustimmung bekommt … ist in meinen Augen nur noch dämlich.

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Auch, wenn die Aufforderung nicht in meine Richtung ging :wink:
Im gestrigen Heute-Journal (so etwa bei 19:40) hat sich eine unserer grünen Europaabgeordneten dazu geäußert - sie spricht von hohen Kosten und von der Tatsache, dass unsere europäischen Nachbarn (Polen etc.) ihre Bedenken haben, denen man vor dem Hintergrund einer europäischen Lösung wohl Gewicht verleihen will.

Ich finde diese Argumentation (abgesehen von der Tatsache, dass das „nur“ ein Schnipsel aus dem gesamten Interview ist, das vielleicht aus dem Kontext gerissen ist), aus mehreren Gründen für nicht stichhaltig:

  1. eine europäische Lösung wurde verhandelt, und mehrheitlich verabschiedet - warum also jetzt als „europäische Demokraten“ eine Mehrheitsentscheidung über ein Gericht noch einmal juristisch klären lassen?

  2. natürlich müssen Verträge rechtskräftig konstruiert sein, was bedeutet, dass es notfalls eine juristische Instanz (in diesem Fall der EUGH) das prüfen muss. Aber wenn die Vorbehalte „unser europäischen Nachbarn“, auf die die Abgeordnete da abzielt, gar keine juristischen Bedenken sind, sondern sie - nach deren eigenem Bekunden! - „nur“ ihre Bauern vor „Billigimporten“ schützen wollen, dann ist das gar keine juristische Fragestellung - sondern - böse formuliert - ein Problem gescheiterter Lobbyarbeit.
    Warum also ein lobbyistisches Problem, das in den 20 Jahre zähen Verhandelns nicht zu deren Zufriedenheit gelöst werden konnte, dadurch verzögern, in dem man ein juristisches Konstrukt vorschiebt?

  3. Und auch das mit den Kosten hätte doch nach 20 Jahren des Verhandelns längst geklärt werden können - auch das leuchtet mir nicht wirklich ein.

Ich habe auf die Schnelle keine andere Quelle auftreiben können, und vielleicht gibt es noch mehr Gründe, die in dem kurzen Statement nicht vorkamen - daher ist das - wahrscheinlich - unvollständig.

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bei einem solchen Abkommen gibt es immer Dinge, die für irgendeine Branche oder Gruppe „nicht tragbar“ sind.
zu billige Lebensmittel, die berühmten „Chlorhühnchen“, irgendwelche befürchteten Umweltschäden, schlechte Arbeitsbedingungen im Ausland, usw usw.
Wenn man darauf wartet, dass jeder zufrieden ist, wird das nie was.
Nach 25 Jahren hat die Mehrheit entschieden, dann muss auch mal Ruhe sein.
Sonst kann man uns als Vertragspartner nicht mehr ernst nehmen.

Die Emanzipation der EU von den USA darf nicht an den Interessen oder Sorgen der französischen Bauern scheitern, egal wie berechtigt sie sein mögen. Deren Probleme müssen wir intern lösen (oder vielleicht sogar ungelöst lassen).
Das Abkommen spielt in einer völlig anderen Liga als solche Gruppeninteressen.
Der Widerstand dagegen ist in etwa so, als wenn ich eine Notoperation ablehne, weil die dabei vom Arzt verwendete Maske durch Kinderarbeit hergestellt wurde, oder weil das OP-Team dafür Überstunden machen muss.

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Findest du das unwichtig?
Auch dann, wenn das sogar für für alle Vertragspartnerstaaten ein Problem wäre, sie aber von Lobbyisten gedrängt werden?

Bei TTIP und CETA waren die Schiedsgerichte übrigens das Problem. Sie hätten die Demokratie beider jeweiligen Vertragspartner komplett ad absurdum führen können, wenn das so durchgewunken worden wäre.

Es wird vermutlich bei den Grünen auch noch mindestens eine Quelle geben, aber ich habe gerade keine Zeit, mich damit zu beschäftigen.

Das wäre eigentlich nach meinem Verständnis auch eher die Aufgabe des Fadenerstellers, der hier öffentlich leider nur Kleingeistigkeit, Angst oder Ideologie als Motivation in Erwägung zieht, ohne die Gründe der Grünen für die Ablehnung näher zu benennen.

Das ist über Jahrzehnte nachverhandelt worden. Irgendwann ist auch mal gut.

Die Bauern.

Dafür stellt er es ja zur Diskussion. Es ist erstmal nur seine (bzw. auch meine) Meinung.

Nur die möglichen Charaktereigenschaften der Abgeordneten. Nicht die Inhalte.

Aha, da kommen wir der Sache schon näher.

Was sagen denn die Grünen zu den Argumenten der Bauern und wie lauten diese?

Na und?
Es ist sehr einfach, ein Haar in einer so großen Suppe zu finden.
Die Frage ist aber, was passiert, wenn wir kein solches Abkommen abschließen?
Solche Kritik geht immer davon aus, dass es eine risikolose und schmerzfreie Alternative gibt.
Mercosur zB dient gerade dazu, unsere Demokratie zu retten, indem wir uns von den USA abnabeln.

Ob dabei das Risiko besteht, dass in Südamerika dies oder das passiert oder 20000 Bauern in Frankreich Verluste erleiden, ist demgegenüber vernachlässigbar.
Das sind völlig verschiedene Dimensionen.
Die Amis haben 1942 ja auch nicht gesagt „nee, wir helfen GB und F nicht, das verbraucht soviel Benzin und schadet der Umwelt.“

Daher:

ja, in dem Fall schon.

Jutta Paulus hat heute mitgeteilt, dass sie eigentlich für das Abkommen ist, aber blablabla

Zitat:

Liebe Freund:innen,

angesichts der geopolitischen Lage war die Entscheidung sehr schwierig. Jedoch hat für mich letztlich das Bekenntnis zur Rechtsstaatlichkeit den Ausschlag gegeben. Denn ich bin grundsätzlich FÜR dieses Abkommen – es wäre aber fatal, wenn es vom EU-Parlament ratifiziert und später vom EuGH kassiert würde (Polen hat eine Klage angekündigt).

Die Abstimmung im Europäischen Parlament bezog sich nicht auf eine Zustimmung oder Ablehnung des Mercosur-Abkommens selbst. Bei der Abstimmung ging es ausschließlich um die Frage, ob der Europäische Gerichtshof ein Gutachten über bestimmte rechtliche Aspekte des Abkommens erstellen soll, um rechtliche Klarheit zu schaffen, bevor das Europäische Parlament das Abkommen ratifiziert.

Diese Entscheidung war eine schwierige Abwägung. Auch wenn das Mercosur-Abkommen aus Umwelt- und Agrarsicht problematische Punkte enthält, ist klar, dass wir in geopolitisch herausfordernden Zeiten internationale Partnerschaften brauchen. Sollte sich der Mercosur-Raum stärker China zuwenden, wäre für Umwelt-, Klima- und Sozialstandards nichts gewonnen. Deshalb bin ich grundsätzlich für das Abkommen.

Konkret soll der Europäische Gerichtshof drei Fragen prüfen. Erstens geht es um die Aufteilung des Abkommens in zwei Teile, wodurch die Beteiligung der nationalen Parlamente am Handelsteil umgangen werden könnte. Zweitens betrifft die Prüfung den sogenannten Rebalancing-Mechanismus. Nach Einschätzung zahlreicher Juristinnen und Juristen könnte dieser Mechanismus europäische Gesetzgebung insbesondere im Bereich Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz unter Druck setzen und damit gegen die Europäischen Verträge verstoßen. Es ist unklar, ob dies „nur“ künftige, oder sogar bestehende Gesetze wie die Entwaldungsverordnung oder das Lieferkettengesetz betreffen würde – beide Gesetze werden von den Mercosur-Staaten sehr kritisch gesehen. Dieser Punkt ist für mich der wichtigste! Drittens soll geprüft werden, ob das Abkommen das europäische Vorsorgeprinzip verletzt, da es Prüf- und Kontrollmechanismen für Agrarimporte absenkt.

Die Überweisung an den Europäischen Gerichtshof ist weder eine Klage noch eine Blockade des Abkommens. Die vorläufige Anwendung des Abkommens wird dadurch nicht verhindert oder verzögert. Auch der Ratifizierungsprozess in den Mercosur-Staaten kann weiterlaufen. Sollte der Gerichtshof feststellen, dass einzelne Teile nicht mit EU-Recht vereinbar sind, müssten ausschließlich diese Punkte nachverhandelt werden. Das Abkommen insgesamt bliebe bestehen.

Wir haben diese Initiative unterstützt, weil wir großen Wert auf Rechtsstaatlichkeit und rechtssichere europäische Gesetzgebung legen. Gerade in Zeiten, in denen das Europarecht zunehmend unter Druck gerät, ist es wichtig, große Handelsabkommen sorgfältig rechtlich prüfen zu lassen.

Die Resolution wurde von einer Gruppe von 144 Abgeordneten aus den Fraktionen der konservativen EVP, der Sozialdemokraten, der Liberalen, der Grünen sowie der Linken eingebracht. Wir haben weder mit rechtsextremen Fraktionen zusammengearbeitet noch für deren Anträge gestimmt. Für die von rechtsextremen Abgeordneten eingebrachte separate Resolution haben wir ausdrücklich nicht gestimmt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass wir nicht gegen das EU-Mercosur-Abkommen gestimmt haben. Wir setzen uns für internationale Partnerschaften ein und zugleich dafür, dass solche Abkommen mit den Europäischen Verträgen im Einklang stehen

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Mir sind die Bauern in diesem Fall vollkommen egal, es steht viel mehr auf dem Spiel. Und das wurde hier auch ausreichend thematisiert.

Wenn dir die Bauern wichtig sind, wäre das doch ein gute Gelegenheit für dich, hier auch mal etwas inhaltlich substantielles beizutragen.

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„es wäre aber fatal, wenn es vom EU-Parlament ratifiziert und später vom EuGH kassiert würde“

Auch nicht fataler, als wenn es jetzt kassiert würde. Fadenscheiniges Argument

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warum schreibst du hier, wenn Du von dem Thema gar nichts weißt und auch keine Lust hast, mal selber was nachzusehen?

ich bin nicht Deine Auskunftei

Äh…lies dir bitte meine Frage noch mal durch.

Aber der Ersteller dieses threads, und ein gewisses Niveau kann ich da erwarten.

Dieser Beitrg zum Beispiel war hilfreich…

…geht doch!

Das ist zwar sicher kein Beschluß gegen das Mercosur Abkommen, dennoch ist die Argumentation von Paulus etwas naiv. Entscheidend wäre doch gerade jetzt, dass sich die Eu als handlungsfähig erweist. Insofern ist das einfach politisch- strategisch ein falsches Vorgehen. Und wenn die Entscheidung des EuGH erst abgewartet würde, kann das das Abkommen schon entscheidend verzögern. Aber die Eu Kommission kann wohl beschließen ungeachtet des Verfahrens Mercosur schon anzuwenden.

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Also für mich ist das schizophren. Ohne diesen Antrag wäre die Klage von den Polen sowieso gekommen, wenn ich das richtig verstanden habe.
Aber dann hätten Grüne nicht gegen einen Vertrag gestimmt, den sie im Großen und Ganzen für gut halten. Und nebenher die Brandmauer eingerissen. Denn es kann mir keiner vormachen, daß nicht vorher absehbar war, daß die Extremisten den Antrag unterstützen würden. Da kann jemand lange Krokodilstränen weinen und sagen, daß man ja mit denen nicht zusammengearbeitet hat.
Und ein kleiner Gemeinderat kriegt Prügel, weil er einem AfD-Antrag zugestimmt hatte, der irgendeinem Kulturverein 500€ mehr Zuschuss als selbst beantragt hatten, gegeben hat.
Das halte ich für das größte Problem. Kein Grüner darf einer anderen Partei mehr vorwerfen, daß sie die Brandmauer einreißt. Aber vielleicht ist es auch gut, daß die Brandmauerdiskussion von grüner Seite jetzt erledigt ist.
Zumindest ist das mein aktuelles Verständnis der Sachlage.

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Ja

Die Brandmauer ist sowieso an der falschen Stelle.
Sie müsste eigentlich mitten durch die AFD verlaufen zwischen denen, die die Demokratie verbessern und denen, die sie abschaffen wollen.

Trotzdem würde mich noch mal interessieren, was die Bauern fordern, wenn sie diejenigen sind, die mit dem Abkommen in dieser Form nicht einverstanden sind.

Hier haben wir es ja:
„die dortigen Mega-Betriebe dann die kleineren europäischen Betriebe nach und nach verdrängen, so die Sorge.

CONECAR ist so ein Megabetrieb. In Argentinien, nur ein paar Kilometer entfernt von Rosario, Heimatstadt von Fußballstar Lionel Messi. 12.000 Rinder stehen bei CONECAR zur Endmast in sogenannten „Feedlots“: Das sind Außenställe, in denen viele Rinder auf engem Raum stehen und sich möglichst wenig bewegen, um viel zuzunehmen.

Während europäische Landwirte oft strengen Regeln unterliegen und für jedes Mittel eine Zulassung benötigen, sind in Südamerika viele Wirkstoffe erlaubt, die in der EU längst verboten sind - etwa Atrazin.“ Quelle: Mercosur: Bedroht das Abkommen Deutschlands Landwirtschaft? | tagesschau.de

Die Einfuhr von Rindfleisch aus Südamerika scheint wohl die Antwort auf die Verschärfung der Bedingungen in Deutschland/Europa zu sein? :wink:

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nein. es ist das motiv, das die argentinier brauchen, um zB unsere autos zollfrei in ihr land zu lassen.
verträge kommen idR dann zustande, wenn beide seiten einen vorteil davon haben.