Guter Journalismus auch ohne Zeitungen!

Historische Kurzzusammenfassung

Zeitungen waren Ende des letzten Jahrtausends der ganz heiße Scheiß: Innerhalb von Stunden wurden gewaltige Mengen an aktuellen Informationen gesammelt, aufgeschrieben mit riesigen Maschinen in großer Auflagen gedruckt und über ein gewaltiges Verteilernetz transportiert und bis zum Leser verteilt. Das ging soweit, daß man diese Papierzeitungen auch tagesaktuell im Ausland lesen konnte.

Das Ende ist nah

Die Organisation und der Inhalt von Zeitungen, wurde wesentlich durch den Druck [1] und die notwendige physikalische Verteilung des bedruckten Papiers bestimmt. Deshalb haben sehr viele Journalisten zu allen möglichen Themen Artikel verfasst: Im Vergleich zum Druck und Transport, war das Sammeln und Aufschreiben der Information der geringere Kostenfaktor.

Das alles ist Schnee von gestern. [2]

Das ganze Konzept hat sich in diesem Jahrtausend komplett erledigt: „gewaltige Mengen an Information“? Jeder von uns hat über sein Handy Zugriff auf Wikipedia. Das entspricht ca. 1640 Büchern [3] Also wozu noch das Verteilernetz der Zeitungen?

Wenn ich aber kein Verteilernetz mehr brauche, weil es das Internet gibt, warum sollte ich als Kunde ein Zeitung bezahlten, die Sport, Kultur, Erziehungstipps, Wissen, Ausgehtipps für München, Gesundheit, Arbeit, usw. enthält, wenn mich nur die Politik interessiert? Oder nur für Meldungen über Mosambik? Mit dem Vertriebsweg ist auch das Konzept der Universalzeitung tot. Es existiert nur noch, weil die meisten von uns älter als das Internet sind und an unseren Gewohnheiten hängen, wie an unseren Autos :slight_smile:

Und wie geht es weiter?

Die Gesellschaft braucht aber Journalismus, guten sorgfältig recherchierten Journalimus. Ohne diesen Journalismus haben wir ein großen Problem:

Desinformations-Forscherin Renée DiResta vom Stanford Internet Observatory schreibt im Magazin Noéma über Noam Chomskys Manufacturing Consent und wie seine Medientheorie durch das Internet und Social Media unterlaufen wurde.
(piqd)

Der neue Journalismus

Nun die neuen Konzepte für Journalismus gibt es schon: Redaktionen, die rein im Internet existieren und deshalb vollkommen ohne Verteilernetz auskommen. Diese Teams haben außer den Journalisten praktisch nur vernachlässigbare Kosten für ihre Artikel und leben komplett von ihren Abonnenten ohne irgendwelche Abhängigkeiten durch Werbung in der Zeitung. Sie verlinken natürlich auch auf ihre Quellen oder untereinander - im Gegensatz zu alten Zeitungen mit Online-Auftritt. Digital Natives eben.
Eines ist diesen Angeboten gemeinsam: Keine Werbung und damit null Abhängigkeit von Werbepartnern.

Ursprünlich gab es hier in diesem Thema eine Link-Sammlung. Diese habe ich aber jetzt in ein eigenes Thema verlagert: Der neue Online-Journalismus


  1. Deshalb heißt es ja freie Presse ↩︎

  2. Die älteren unter euch werden sich noch Erinnern: Gefrohrenes Wasser das vom Himmel fällt ↩︎

  3. Bei aktuell 2.812.971 Artikeln ergeben sich anhand der Annahmen rechnerisch 1.639.962.093 Wörter mit in Summe 13.119.696.744 Zeichen. ↩︎

Ein Beitrag wurde in ein neues Thema verschoben: Der neue Online-Journalismus

Ich weiß nicht wie wir es einsortieren müssen aber nachdem ja die allgemeinen Medien von Presse, Funk und Fernsehen immer schlechtere Qualität abliefern ist auf der anderen Seite die Qualität von diversen Influencern weitaus besser geworden und in gewissen Teilen könnte man sogar sagen übersteigen sie die von so manchen Mainstream-Medien.

Die Qualität z.B von RTL ist indiskutabel darüber brauchen wir gar nicht mehr diskutieren zuletzt ist ja ein riesengroßes Problem bei den Öffentlich-Rechtlichen entstanden und zwar bei Funk dort haben scharnweise Influencer wieder die Zusammenarbeit gekündigt und zuletzt kam ja mit Strg.F ein Eklat Zustande hinsichtliches des Influencers Rezo. Zur Blase von Rezo gehört z.B auch der Dunkle Parabelritter ausgerechnet diesen hat sich jetzt der MDR geschnappt und hat ihn bei Funk platziert.

Die Zusammenarbeit zwischen Funk und diversen influencern ist ja gerade wichtig da sie hier den Zusammenhalt zwischen jungen Publikum und alten Medien wiederherstellt.

Ich würde sagen dass gerade diese Influencer denen man ja zuschreibt dass sie gerade für den Verfall der Medien verantwortlich sind wahrscheinlich auch den Erhlt hochqualitativer Medien am Ende zu schreiben wird.

Ich finde es wichtig dass man genau diesen eine besondere Stellung zuweist.

Also ich beziehe mich hier nicht auf Fernsehen oder Video Kanäle die durchaus ihre Aufgabe haben, sondern allein auf Zeitungen. InfluencerInnen sind für mich werbebasierte Formate und deshalb, was deren Informationen betrifft immer mit Zweifel zu genießen.

Allein das Wort „Presse“ unterstützt ja schon meine Analyse weiter oben :slight_smile:

Alle Formate, werbefinanziert oder nicht, sind mit Zweifel zu genießen. Oder ist RT, weil nicht werbeabhängig, über alle Zweifel erhaben?

Damit machst du es Dir zu einfach. Publikationen, die sich allein über ihre zahlenden Kunden finanzieren würde ich nicht mit einer Webseite gleichsetzen, die von Russland finanziert wird.

Außerdem kann sich ja auch „seines eigenen Verstandes bedienen“ und einfach die Artikel auf solchen journalistischen Plattformen lesen, um sich eine Meinung über deren Seriosität und Qualität zu bilden :slight_smile:

Der beschriebene Trend erscheint mir insgesamt ziemlich eindeutig.

für Journalismus braucht man Journalisten…
wie ist die Entwicklung (s.u.) diesbezüglich und in Kombination zur oben (im Thread) beschriebenen Entwicklung einzuschätzen, was kann gemacht werden?

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/74822/umfrage/anzahl-getoeteter-journalisten-seit-1995/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/155013/umfrage/unaufgeklaerte-morde-an-journalisten-weltweit/

Der hier beschriebene Wandel des Journalismus kann nur eingeschränkt gegen die Verfolgung von Journalisten helfen. Natürlich ist ein Online-Format einfacher aus dem Ausland zu betreiben, aber ob man dann seine Leser in z.B. Ungarn noch erreichen kann, hängt auch von deren IT-Expertise ab (VPN, TOR, usw.)