Kam das Virus aus dem Labor? Wissenschafttheoretische Betrachtung dieser Theorie

Heute einen sehr interessanten Vortrag auf gwup gesehen über die These, dass das Coronavirus aus dem biologischen Forschungslabor in Wuhan stammt. Ich hatte das eigentlich auch immer als Verschwörungstheorie abgetan, auch wegen der öffentlichen Statements vieler Wissenschaftler dazu.

Doch so einfach ist die Situation wohl nicht. Es stellt sich die Frage, ob in diesem Fall die große Keule „Verschwörungstheorie“ nicht zu Unrecht, gegen diese These geschwungen wurde.
Wichtig: In dem Vortrag geht es nicht darum, ob die Labor-Theorie richtig oder falsch ist, sondern allein um die Frage, ob man diese Theorie als Verschwörungserzählung abtun darf oder ob es sich um eine wissenschaftliche Theorie handelt, die man auch mit wissenschaftlichen Methoden diskutieren sollte.

Aber schaut es euch selbst an:

Ich finde insbesonder die Methode interessant, mit der Dr. Andreas Edmüller hier Verschwörungserzählungen von wissenschaftlichen Theorien trennt.

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Ich habe weder Zeit noch Lust, mir stundenlange Videos anzuschauen. Gibt es eine schriftliche Zusammenfassung dazu?

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Selbstverständlich darf und sollte man das! Die Grenze zur Verschwörungstheorie wäre erst dann erreicht, wenn entweder alle Indizien auf reinen Spekulationen fußen würden oder die Argumente widerlegt (falsifiziert) werden könnten.

Ich habe die Diskussion in den letzten Monaten verfolgt. Inzwischen sind sich etliche Kritiker der Labortheorie nicht mehr sicher und halten sie inzwischen für möglich, andere für plausibel, eine kleine Minderheit für wahrscheinlich. Prof. Drosten hat seine Meinung revidiert und begründet auch warum:

https://www.focus.de/corona-virus/drosten-und-die-laborthese-was-bei-unserer-corona-aufklaerung-gerade-schieflaeuft_19dc919d-c2af-47d8-8616-58731371d562.html

Man sollte auch noch mal differenzieren: Wenn schon „Labortheorie“, dann reden die meisten Wissenschaftler, die diese Theorie erwägen, von einem versehentlichen Entweichen des Virus aus dem Labor. Dass es im Labor absichtlich manipuliert und herangezüchtet worden wäre, um es dann als quasi-biologische Waffe einsetzen zu können, davon höre/lese ich so gut wie nie.

In dt. Regierungs- und Geheimdienstkreisen wurde die Theorie durchaus sehr ernst genommen, aber aus politischer Rücksichtnahme zurückgehalten:

Diese hier z.B.:

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Danke für die Links. Daraus fasse ich mal zusammen

Wiki:

Unter einschlägig arbeitenden Experten, die sich dazu äußern wollten, war die Labor-Hypothese laut einer 2023 durchgeführten Erhebung eine Mindermeinung. Vier von fünf Teilnehmern der Anfang 2024 veröffentlichten Erhebung (mit 168 antwortenden Teilnehmern aus 47 Ländern von insgesamt 1138 Befragten) hielten einen natürlichen Ursprung für relativ wahrscheinlicher als einen Laborursprung.

taz/Drosten:

taz: Sie glaubten jedenfalls an einen natürlichen Ursprung.

Drosten: Das halte ich immer noch für wahrscheinlich und das nehmen auch fast alle Wissenschaftler an, die mit dem Thema befasst sind. Annehmen heißt aber nicht wissen.

taz: Das klingt nach indirekten Indizien.

Drosten: Richtig, das sind alles nur Indizien. Ein Beweis fehlt für den natürlichen Ursprung genauso wie für den Laborursprung. Und das Frappierende ist, dass der Beweis für den natürlichen Ursprung eigentlich erbracht werden könnte. Chinesische Wissenschaftler haben dafür alle technischen Möglichkeiten. Es ist medienbekannt, wenn auch für mich nicht überprüfbar, dass zu der Zeit auf dem Markt und auch in Zuchtbetrieben bestimmte Tierarten, die als Wirte im Verdacht stehen, gekeult wurden. Und es ist für mich schwer denkbar, dass so etwas passiert, ohne dass Proben genommen und getestet werden. Bei dem Sars-1-Ausbruch 2002/2003 hat es ein paar Jahre gedauert, aber dann kamen immer mehr Studien aus China, die wasserdicht gemacht haben, dass dieses Virus aus solchen Tieren kommt.

taz: Das hätten Sie hier auch erwartet?

Drosten: Ja, und ich muss sagen, je mehr Zeit vergeht, desto skeptischer werde ich. Verbietet die Staatsräson, dass daran gearbeitet wird? Mag sein. Die andere Erklärung wäre aber, dass da gar kein natürliches Virus war. Die Politik sollte nach all den Jahren deutlicher die Forderung an China stellen, jetzt wirklich zu beweisen, dass es aus der Natur kommt.

Sicher im wissenschaftlichen Sinn war Markt-These nie und für möglich wurde die Labor-These immer gehalten. Das ist nichts neues.

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Es gab Warnungen, wie z. B. in den in Zusammenarbeit mit dem Tagesspiegel erscheinenden Potsdamer Neuesten Nachrichten vom 25. November 2005:

„But my words like silent raindrops fell
And echoed in the wells of silence“

Ich weis, der Vortag im ersten Beitrag von mir ist lang. Doch neben der konkreten Frage, um die es geht: „Woher kam der Virus?“ kam mir durch diesen Vortrag etwas anderes zu Bewusstsein:
Ja es gibt heute eine Menge Verschwörungstheorien, die sich über das Internet auch besser verbreiten können als früher.
Doch gleichzeitig kann man das Label „Verschwörungstheorie“ auch missbrauchen. Und auch das ist ein Problem und genau das ist hier wohl passiert. Dr. Andreas Edmüller hat dazu in seiner Analyse praktische Kriterien formuliert, mit denen man wissenschaftliche Theorien von Verschwörungstheorien unterscheiden kann:

Hat sich das Label „Verschwörungstheorie“ erst mal in der Öffentlichkeit und der Presse durchgesetzt, wird es sehr, sehr schwer für seriöse Wissenschaftler zu einem solchen Thema zu veröffentlichen. Auch das wird im Video diskutiert. Ich weiß, es ist lang. Aber ich kann den Vortag nur empfehlen.

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Es gibt noch einen neuen Beitrag zum Thema:

3sat-Format nano: „Corona-Pandemie: War doch ein Laborunfall der Auslöser?“

Im 3sat-Wissenschaftsmagazin nano ging es am 30. Juni um die Labortheorie bzw. darum, wie mit Wissenschaftlern umgegangen wurde, die schon zu Beginn der Pandemie einen Laborursprung des Coronavirus für möglich hielten:

Während der Pandemie wurden Forscher, die als Ursprung einen Laborunfall für möglich hielten, als Verschwörungstheoretiker abgetan. Nun zeigt sich, dass der BND bereits im Frühjahr 2020 die Bundesregierung unterrichtete, dass es sich mit höchster Wahrscheinlichkeit um einen solchen Unfall handelte. Aber man wollte das unter Verschluss halten, begleitet von interessengesteuerten Wissenschaftlern.

Ich habe mir den Beitrag angesehen und stelle mir jetzt die Frage, ob einige Wissenschaftler nicht auch ihre eigenen Interessen verteidigt haben, als es darum ging, die Labor-Theorie zu diskreditieren.

Ich wüsste im Gegensatz zu früher jedenfalls sehr gern, was in dem BND-Bericht steht.
Und warum der nicht veröffentlicht wird, wüsste ich auch gern.

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Kann man das beantragen? Wenn ja, wer kann das wo tun?

Hi, hi, Ich habe nach „Dokumente des BND einsehen“ gesucht und als erster Treffer kam das hier:

Veröffentlichte amtliche Dokumente des Nachrichtendienstes des Bundes

Erst dachte ich cool, das ist ja einfach. Dann fiel mir auf, dass ich gerade im falschen Land bin :slight_smile:

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Als Hauptindiz für die Laborthese wird meistens die Furin-Spalte aufgeführt.

Doch warum glaubt der Physikprofessor überhaupt an ein Komplott? Wiesendanger argumentiert mit der sogenannten Furin-Spaltstelle des Virus. Diese sorgt nebst dem Spike-Protein dafür, dass Corona leicht in den menschlichen Körper gelangt. Wiesendanger behauptet, das ursprüngliche Fledermaus-Virus besitze keine natürliche Furin-Spaltstelle. Stattdessen sei sie vom Labor in Wuhan experimentell eingepflanzt worden.

Mehrere Wissenschaftler, darunter Drosten, hätten am 1. Februar 2020 an einer Telefonkonferenz mit US-Präsidentenberater Anthony Fauci über die Furin-Spaltstelle debattiert. Laut Wiesendanger sei es aber keine echte Diskussion gewesen, sondern vielmehr ein Gespräch darüber, ob man den Verdacht vor der Öffentlichkeit geheim halten soll oder nicht.

Drosten streitet das ab. Die Furin-Spaltstelle sei zwar auffällig, aber kein Beweis für einen nicht-natürlichen Ursprung. «Damals in der Telefonkonferenz haben wir besprochen, dass bei Influenza solche Furin-Spaltstellen ständig neu in der Natur entstehen. Als wir dann im vergangenen Jahr unsere eigenen Proben von Fledermäusen nachuntersucht haben, fanden wir gleich zwei Exemplare von Sars-verwandten Viren, bei denen nur eine Mutation nötig wäre, und dann hätten diese Viren auch so eine Furinspaltstelle ähnlich der von Sars-CoV-2.» Daraus schlussfolgert Drosten: «Wenn nur so geringe Änderungen im Genom notwendig sind, kann man sich durchaus darauf einstellen, dass so was in der Natur passiert.»

Die Labor-These sei ebenfalls diskutiert und keinesfalls gewollt ausgeschlossen worden, sagt Drosten. «Die Personen, die das Gegenteil behaupten, haben dafür keinen einzigen Beleg vorgelegt. Es gibt auch keinen. Und was mich betrifft: Man kann in allen öffentlichen Äusserungen von mir sehen, dass ich immer offen war für beide Möglichkeiten.»

Er selber halte den Ansatz des natürlichen Ursprungs deshalb für wahrscheinlicher, weil bereits Sars-1-Virus, das zur gleichen Art gehöre wie Sars-CoV-2, von Fledermäusen über Schleichkatzen und Marderhunde auf den Menschen überging. «Wahrscheinlich erst in den Zwischenwirten veränderte sich das Virus so, dass es auch Menschen befallen konnte. Da gleiche Virusarten in der Regel die gleiche Krankheitsökologie haben, ist hier ein wissenschaftlicher Homologieschluss erlaubt, ich muss sogar sagen: geboten. Für die Hypothese vom Labor-Ursprung gibt es vergleichbar hochwertige wissenschaftliche Indizien nicht.»

Warum kocht das jetzt wieder hoch? Ich habe von keinen neuen Erkenntnissen gelesen.

Main Fazit: Wir wissen es einfach nicht, solange die Chinesen mauern.

Zunächst Aspekte, die im Video am Anfang des Themas ausgeführt werden:

  • Die Art und Weise, wie die Labortheorie als Verschwörungstheorie diffamiert wurde, widersprach guter wissenschaftlicher Praxis.
  • Es gab eine ganze Reihe von Indizien, die auf einen Laborunfall im Labor in Wuhan hindeuten.

Im zweiten Video (3sat) wird dann noch ausgeführt, dass eine Reihe von Forschern, die die Labortheorie als Verschwörungstheorie diffamiert haben, Interessenkonflikte hatten.

Einfach mal beide Videos anschauen.

Und es gibt Indizien, die auf den Markt zeigen. So, was nun?

Beim nächsten Mal von Anfang an genauer hingucken

Und den BND-Bericht veröffentlichen

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Dazu sei noch ein weiteres Argument angeführt:

Eben das hatte ich in meinem Beitrag vom 23. Juni verdeutlichen wollen.

Vergangene Woche hat China endlich zugegeben, dass es auch im Reich der Mitte Infektionen mit der Vogelgrippe gegeben hat…

Aus dem angeführten Zeitungsartikel. Wer sich auf solche Partner und ihre offiziellen Mitteilungen verlässt, ist verlassen. Kann eventuell so sein - oder auch nicht. Man tut auf jeden Fall gut daran, sein eigenes Scherenfernrohr (bildlich formuliert) in Stellung zu bringen und sich selbst eine Meinung zu bilden. Das Prinzip “In dubio pro reo” zählt hier nicht, sondern vielmehr die Sicherheit der eigenen Bevölkerung. Hatte davon gehört, dass der Erreger bereits im Herbst 2019 in Abwasserproben in Norditalien nachgewiesen wurde. Und dass zahlreiche chinesische Gastarbeiter über den Jahreswechsel auf Heimaturlaub waren. Mögen diese Infos auch manchem als zu unsicher erscheinen - es geht hier nicht um einen Schuldspruch, nicht darum, jemanden hinter Gitter zu bringen oder gar die Rübe abzuhacken, sondern um ein gesundes Misstrauen gegenüber solchen unzuverlässigen Leuten. Selbst wenn die Marktthese zutreffen sollte (was ich nicht glaube) - kontrolliert nicht sonst das Regime in Peking seine Untertanen in penibler Weise?

Es geht hier nicht um Meinungen, sondern um Fakten. Wenn man etwas nicht weiß, ist eine Meinung kein Ersatz.

Tja, gute wissenschaftliche Praxis wäre gewesen, die Argumente für beide Theorien zu untersuchen und abzuwägen. Doch wie der Vortrag von Dr. Edmüller (verlinkt im ersten Beitrag) ja beschreibt, wurde die Labortheorie von namhaften Wissenschaftlern einhellig als Verschwörungstheorie diffamiert, obwohl diese Theorie wissenschaftlichen Kriterien genügte.

Das ist zunächst mal der Ausgangspunkt für die weiteren Betrachtungen.
Wem das Video zu lang ist, der kann auch den Wikipedia-Artikel lesen: Lancet letter (COVID-19):

The letter was criticized by media commentator Jamie Metzl for „scientific propaganda and thuggery“.[10] Metzel wrote to Lancet editor Richard Horton to flag Daszak’s conflict of interest, but received no response.[11] Horton later responded in a UK parliament session.[12] Horton said to the committee „We trust authors to be honest with us and authors trust us to deal with their work confidentially and appropriately. Sometimes that system breaks down, and in this particular case Peter Daszak should certainly have declared his competing interests right at the beginning.[13]

Was für eine Effekt hätte die Bestätigung der Labortheorie auf die Arbeit der Virologen weltweit gehabt, welche an Viren forschen?

Diesem Prinzip folgend, dürftest du bei der Pilzpirsch kein Exemplar verschmähen, wenn du es nicht zweifelsfrei als giftig oder unbekömmlich definieren kannst. Es könnte dir ja eine leckere Mahlzeit entgehen! Umgekehrt funktioniert’s. Das Prinzip nennt sich Vorsicht. Wenn irgendein Anrufer behauptet, ein Microsoft-Mitarbeiter, ein Enkel oder ein Neffe zu sein, ist garantiert etwas faul. Wo sollen denn die Fakten herkommen, von einem Regime, welches alles Störende unter den Teppich kehrt? Auch in der DDR durfte nur das verbreitet werden, was unserer Obrigkeit in den Kram passte. Ohne Buschfunk, RIAS und sonstige Westsender wären wir Der Doofe Rest geblieben.

Unseren demokratisch legitimierten westlichen Regierungen und den Quantitätsmedien will ich zwar geine bewusste Täuschung der Bürger unterstellen, aber ich traue ihnen durchaus ein Ausblenden so mancher unbequemer Fakten zu. Eben auch mit der Begründung, dass dies keine doppelt und dreifach bestätigten Berichte seien.

Es wäre zumindest ein Signal gewesen, nicht gar zu forsch zu forschen. sondern die Notwenigkeit zu hinterfragen. Wie letztlich jeder einzelne Virologe darauf reagiert hätte, ist eine andere Frage.

Ich verstehe nicht so ganz, worauf du mit dem ersten Teil deines letzten Beitrags hinaus willst @Herbert?

Das ist damals auch geschehen und der damalige Stand hat eindeutig gegen die Laborthese gesprochen:

2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10

Die Theorie ist bis heute nicht bewiesen. Das ist doch wohl das wichtigste wissenschaftliche Kriterium?

Ich mach es genau andersrum. Ich nehme Pilze nur, wenn ich sie zweifelsfrei als bekömmlich identifizieren kann. Genau wie ich sagte, wenn ich die Fakten nicht kenne, enthalte ich mich einer Meinung.

Mit genau dieser Begründung werden sogar bequeme „Fakten“ augeblendet. Man wartet mit der Veröffentlichkeit bis man Bestätigung von mehr als einer Quelle hat. Sonst weiß man ja nicht, ob es wirklich Fakten sind

Das ist guter journalistischer Standard.

Was sind eigentlich bequeme Fakten und was sind unbequeme Fakten?