Krieg in Amerika?

Bitte, wenn du es unbedingt wissen willst… es wird Dir aber nicht gefallen:

Ich denke es ist unstrittig, dass Europa sicherheitspolitisch und militärisch defizitär ist, industriell zu langsam, politisch uneinig ist … mit allem was daran hängt. Unstrittig dürfte auch sein, das Schutzgarantie der USA weg ist und Russland die primäre aggressive Macht in Europa ist.
Wer daran zweifelt, soll sich bitte in der Ukraine sachkundig machen.
Der klassische ‚deutsche‘ Pazifismus [‚Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin‘] bietet darauf keine Antwort. Bedingungsloser Pazifismus delegiert Gewalt an den Aggressor.
Friedenspolitik muss diese Realität anerkennen.
Bis hierhin können wir uns vielleicht noch halbwegs verständigen.

Wenn Du schon von mir eine Idee für eine ‚Friedenspolitik 2.0‘ hören willst dann bedeutet das:
Krieg verhindern, indem man ihn für den Angreifer aussichtslos macht. Frieden ist kein Naturzustand und keine Frage guter Absichten. Frieden ist das Ergebnis glaubwürdiger Abschreckung und strategischer Stärke. Das wird gern als Militarismus denunziert, dient aber der Abschreckung. Das ist auch keine Eskalation, sondern Schutz.
Appeasement ist m.E. oft nur verantwortungslos und Diplomatie ohne Macht-Unterbau ist doch bloßes Bitten und Betteln, kein Verhandeln. „Zivile Verteidigung“ ohne militärische Absicherung ist ein moralisches Beruhigungsmittel, kein Sicherheitskonzept.

Man kann es ja auch positiv lesen:
Abschreckung ist humanitär, denn sie kann Leid verhindern, indem sie Krieg unattraktiv macht.
Verteidigungsfähigkeit ist ein Bürgerrecht , d.h. unsere sehr geschätzte Freiheit muss auch geschützt werden und ‚Stärke‘ schafft Verhandlungsmacht. Frieden kann man nicht erbetteln, sondern nur aushandeln, wenn man ‚in der gleichen Gewichtsklasse‘ antritt.
Nicht zuletzt Europa: Solidarität ist wechselseitig. Wer Schutz erwartet, muss selbst was bieten.

Auch wenn es teuer und unpopulär und sein dürfte: es braucht den Aufbau militärischer Fähigkeiten, Verteidigungsausgaben, die sich an Bedrohung und nicht an Stimmungen orientieren. Dazu auch: gesellschaftliche Ehrlichkeit über Kosten, Risiken und Notwendigkeiten.

Wenn man meine Haltung in eine kurze Formel gießen wollte (sozusagen auf ‚Parteisprech‘ reduzierten Jargon): Wer Frieden will, darf Wehrhaftigkeit nicht delegitimieren.
Wer Freiheit ernst meint, muss bereit sein, sie zu verteidigen. Und wer heute Abschreckung verweigert, entscheidet sich nicht für Frieden – sondern für Abhängigkeit.
Also ich plädiere für: nicht wieder schutzlos, nicht erpressbar, nicht wieder so naiv.

Das wäre doch eine angemessene Lehre aus der Geschichte (sofern man daraus überhaupt was lernen will).

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