Das ist ein Irrtum und greift viel zu kurz.
Das rechtswidrige Vorgehen der USA legt nur offen, was faktisch immer schon galt:
Es hat nie eine funktionierende „Weltordnung“ gegeben.
Das haben wir uns nur eingeredet.
Es galt immer das Recht des Stärkeren.
Das haben wir nur ignoriert.
Das Völkerrecht oder die Menschenrechte haben nie entscheidende Bedeutung gehabt.
Das war immer nur Theorie, bedrucktes Papier, wohlklingende Feiertagstexte.
Weder die Russen noch die Chinesen noch die Israelis noch sonst jemand braucht das Beispiel der USA, um Völkerrecht und Menschenrechte zu ignorieren. Das haben sie ausreichend bewiesen.
Praktisch lief es doch immer schon so:
Wer die Macht dazu hat, überfällt fremde Staaten, wenn er meint, dass es seinen Interessen dient.
Das Völkerrecht und „freedom and democracy“ wurden als Vorwand benutzt, von denen einen mehr (USA), von den anderen weniger (Russland/UdSSR).
Beipiele sind bekannt: Afghanistan, Irak, Panama usw.
Völkerrecht und Menschenrechte wurden nur von denen ernstgenommen, die keine Macht besaßen, und die naiverweise meinten, sie könnten dieses Defizit durch Moral und Recht ersetzen.
Das sind und waren insb. die europäischen Staaten, allen voran Deutschland, weil wir ja wg WK II daran gehindert waren, militärische Macht auszuüben.
Die USA haben theoretisch und wenn es sie nichts kostete, ebenfalls Völkerrecht und Menschenrechte hochgehalten, beides aber gerne ignoriert, wenn es ihren Interessen widersprach. Darüber wurde von den Europäern idR peinlich berührt hinweggesehen, weil … was wollte man denn machen?!? Die Amerikaner waren doch irgendwie die Guten.
Dieser mehrfache Selbstbetrug endet jetzt.
Die Amerikaner sind jetzt nicht mehr die Guten, und sie geben sich nicht mal mehr die Mühe, Völkerrecht und Menschenrechte wenigstens theoretisch für wichtig zu halten. Sie sind ihnen egal.
Jetzt sind wir in Europa empört, weil der Kaiser uns selber sagt, dass er keine Kleider anhat.
Wir erkennen, dass Völkerrecht und Menschenrechte in der weltpolitischen Praxis immer schon wertlos waren, und dass nach wie vor das Recht des Stärkeren gilt.
Das Dumme ist, dass wir versäumt haben, die nötige eigene Stärke aufzubauen.
Jetzt wurden uns auch noch die (vermeintlichen) rechtlichen und moralischen Hebel aus der Hand geschlagen und wir müssen uns unsere immer schon vorhandene Hilflosigkeit eingestehen.
Das schmerzt.
Aber eigentlich hat sich nichts geändert.
Es gilt das Recht des Stärkeren. So wie es immer war.