Lisa Paus' Strategie gegen Einsamkeit: sinnvoll oder überflüssig?

Ist das eine gute Idee oder überflüssiger Unsinn?
Richtige Schwerpunktsetzung oder Psychokram?
wertvolle Hilfe oder Entmündigung des Einzelnen?

Zitat der oben verlinkten Seite des Ministeriums:

" Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Lisa Paus: „Einsamkeit ist eine Herausforderung an die gesamte Gesellschaft mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen und das soziale Miteinander. Einsamkeit schadet Menschen unabhängig von Alter oder Lebenslage. Unser Ziel ist es, das Thema Einsamkeit in Deutschland stärker politisch und wissenschaftlich zu beleuchten. Deshalb gehen wir Einsamkeit gesamtgesellschaftlich an mit 111 konkreten und bereichsübergreifenden Maßnahmen. So brechen wir das Tabu und setzen ein Signal: Einsame Menschen sind nicht alleine. Das Motto der Strategie gegen Einsamkeit lautet ‚Richtig gut geht’s uns nur gemeinsam‘.“

Die Strategie verfolgt insgesamt 111 Maßnahmen zur Stärkung der sozialen Verbundenheit und des gesellschaftlichen Miteinanders. Diese sollen helfen, Einsamkeit vorzubeugen oder zu lindern. Sie sensibilisieren, unterstützen die Menschen konkret, stärken das Wissen und die Praxis.

Bundesministerin Lisa Paus hatte im Juni 2022 das Startzeichen für die Erarbeitung einer Strategie gegen Einsamkeit gegeben. Sie entstand in einem breiten Beteiligungsprozess, umfasst alle Altersgruppen und nimmt Menschen in den Blick, die auch nur in bestimmten Lebensphasen von Einsamkeit betroffen sein können.

Durch eine Geschäftsstelle im Projekt „Kompetenznetz Einsamkeit“ wird das Erreichen der Ziele begleitet. Im Kompetenznetz entsteht ferner ein Wissenspool zu aktuellen Forschungsergebnissen und es veröffentlicht jährlich ein „Einsamkeitsbarometer“. Die Erkenntnisse aus den geförderten Modellmaßnahmen werden über das Kompetenznetz Einsamkeit in die Weiterentwicklung einfließen.

Geplant sind zudem öffentlichkeitswirksame Aktionen wie die Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“. So nahm Ministerin Paus am Sonntag, 10.12., an der Aktion „Singen gegen Einsamkeit“ gemeinsam mit dem Berliner Kiezchor am Berliner Hauptbahnhof teil."

Ich glaube diese Strategie bringt nur bedingt etwas… Einsamkeit hat auch viel mit Ausgrenzung bei Armut, manchmal auch wegen Alter oder Behinderung zu tun…

Diese Komischen Programme von Frau Paus sind nett, funktionieren aber nur bedingt…

Diskriminierugnsprobleme reduzieren mindert fast automatisch das Einsamkeitsproblem…

Denn:

Wer disrkriminiert wird hat es schwerer in einem Sozialen Netz Fuß zu fassen.

Bie alten Menschen greift hier die Altersdirkriminierung, solange deren Freunde ähnlichen alters noch leben und einigermaßen gesund sind hält es sich noch in Grenzen.

Sterben diese Freunde, wird es schwierig neue Freunde zu finden… Der Besuch des Friedhofs hilft nicht wirklich gegen Einsamkeit der alten… wie es viele machen… sofern sie noch können… der Einsamkeitsstress kann zu einer Kettenreaktion führen das alte Menschen dadurch sterben… oft folgt der nächste bald nach seinem Freund…

Das habe ich schon öfter gehört und bei einigen älteren Angehörigen und Bekannte hohen alters erlebt…

Bei Behinderung ist es eigentlich eher schlimmer, weil diese das ganze leben lang schwerer haben Teil einer sozialen Gruppe zu werden.

Leider verschärft die Digitalisierung diese Probleme weil diese die Einsamkeit zusätzlich fördert.

Bei meiner Oma kann ich diesen Effekt sehr gut beobachten… Sie hat kaum noch Freunde nachdem diese inzwischen fast alle Verstorben sind…

Meine Oma ist heute knapp 90 Jahre alt…

Da viele Verwandte arbeiten ist sie seit Langer Zeit viel allein. Das hat ihrer Gesundheit nicht besonders gut getan… vor ein paar Jahren ist ihr neuer Lebensgefährte (damals schon 90 Jahre alt) leider verstorben. Kurz bevor sie im relativ hohen alter nochmals heiraten wollte nachdem sie Jahrzehnte zuvor vom ersten Partner die Scheidung bekam… (der ist nach Spanien abgehauen…)

Seelisch war sie dann lange sehr geschwächt…

Meine Oma war lange Zeit in einem Gesangclub, und singte in der Kirche… das hat wohl die Einsamkeit begrenzt… Weil sie heute nicht mehr mobil ist und in einem abgelegen Dorf wohnt, geht das nicht mehr… fahren kann sie nur selten jenamd. Da sie arm ist kommt ein Taxi nicht in Frage… zu teuer…

morgen gehe ich sie Besuchen…

ich sehe es mal positiv…

wer durch Mitmachprogramme aus der Isolation kommt, verfällt nicht den abstrusen Algorithmen der sozialen Medien… Stichwort Radikalisierung.

Ein praktisches Beispiel aus meiner Nachbarschaft:
Ein Nachbar, der ein paar Häuser weiter wohnt, kommt täglich zu mir zum Kaffeetrinken. Er hat miterlebt, wie wir den Ukrainern helfen. Da er Rentner ist, hat er nichts zu tun. Also hat er peu a peu sich in unser Helfernetzwerk einbinden lassen.
Das hat Vertrauen geschaffen. Gestern war ich das erste Mal in seiner Wohnung. Ich sage nur Messi. Er war voller Scham und hat nie jemanden in seine Wohnung gelassen. Da er gestern eine Havarie hatte wegen eines defekten Durchlauferhitzers, musste er jemanden in die Wohnung lassen. Ich habe ihm das Ding angebastelt. Heute haben wir sein Bad geputzt. Für nächste Woche haben wir uns verabredet, den nächsten Raum zu säubern…

Gemeinsam gegen Einsamkeit…
Ich bezweifle, dass der Staat hier wirklich hilfreich sein kann, aber es könnte durchaus sein, dass der ein oder andere durch eine gezielte Werbekampagne über seinen Schatten springen kann…

ein schönes Beispiel, danke.
aber

genau das dachte ich auch. Sowas kann wahrscheinlich nicht staatlich organisiert werden.
Entweder die Leute sind so drauf, oder eben nicht.

wenn dafür wieder eine Staatssekretärstelle geschaffen werden muss…
dann wird es wieder enorm bürokratisch.
Hätte man dagegen ein kleines Expertenteam aus Psychologen und Sozialarbeitern aus der Praxis mit ein paar Werbefachleuten… könnte da was draus werden.

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Warum nicht? Hier ein Beispiel, wie es geht:

Zugegeben, das kann sich nicht jede Kommune leisten, aber eine Aufwertung von bereits bestehenden Stadtbüchereien (z.B. Kaffee-Ecke) wäre denkbar.

Und viele private Initiativen könnten staatlich gefördert werden. Auch ohne große Bürokratie.

ja, dagegen ist auch nichts zu sagen.
Ich frage mich aber, ob das den Menschen hilft, die wirklich einsam sind.
Wer will und kann, kann doch jeden Tag für wenig Geld in zig Vereine eintreten, Veranstaltungen besuchen, zur VHS gehen, bei der Flüchtlingshilfe mitmachen oder einfach in die nächste Kneipe gehen.
Ich vermute, die wenigsten sind einsam, weil es faktisch keine Gelegenheit gibt, andere Menschen zu treffen, sondern eher, weil sie es körperlich (Alter, Kankheit, Behinderung) oder mental (Depression, Alzheimer) nicht schaffen, rauszugehen.
Dagegen hilft auch keine 100-Mio.-Bibliothek.
Da gehen dann die hin, die fit sind und ohnehin kein Problem haben.

Und ich habe auch einen leichten intuitiven Widerwillen gegen die Vorstellung, dass der Staat mir meine privatesten Probleme abnehmen muss.
Einsamkeit, OK. Was ist mit Traurigkeit? Viele Leute sind ab und an traurig. Brauchen wir eine Traurigkeitsstrategie der Bundesregierung?
Was ist mit Frustration, Enttäuschung, Verzweiflung, Mutlosigkeit?
Sind das nicht alles Dinge, die jeder kennt, mit denen aber eben auch jeder selber fertig werden muss?
Die GRÜNDE für all das mag der Staat gerne bekämpfen (Krankheit, Arbeitslosigjkeit, fehlende psychologische Betreuung). Aber das persönliche Ergebnis in meinem Leben (Einsamkeit, Traurigkeit usw) zu bekämpfen ist allein meine Aufgabe, nicht die des Staates.

Die kann auf dem Land ganz schön weit weg sein.

Die Einsamkeit ist zwar auch, aber nicht nur ein Altersproblem. Bzgl. Einsamkeit im Alter: Ich habe noch nie verstanden, warum so viele alte Menschen, sich mit Händen und Füßen dagegen wehren in ein Altersheim zu gehen. Lieber hocken sie allein zu Hause und machen ihren Kindern ein schlechtes Gewissen, weil sie so selten zu Besuch kommen. Vielleicht liegt es an der Qualität der Heime? Ich sehe Altersheime nicht nur als eine Pflegeeinrichtung, sondern auch eine Möglichkeit im hohen Alter Gesellschaft zu haben.

Das verstehe ich. Wenn es wirklich mit der mentalen Verfassung des Menschen zu tun hat, kann und sollte der Staat wenig tun.

Wie gesagt, ja. Aber eine gewisse Hilfestellung vom Staat, niederschwellige Angebote und vor allem Unterstützung privater Initiativen (Vereine) kann der Staat schon geben.

Beispielsweise bei der AWO u.a. Verbänden wird sehr viel Seniorenarbeit geleistet, u.a. wöchentliches Seniorenkaffee und gemeinsame Feste.

Jahrelang selbst AWO-Vorsitzende in einem kleinen OV gewesen.

Teilweise werden sogar die Mitglieder mit einem Fahrdienst abgeholt, wenn sie dazu nicht in der Lage sind.

Auch einige Städte und Gemeinden haben dies im Angebot.

Aber, wenn dies die alten Menschen es nicht wollen bzw. nicht annehmen, jeder Mensch ist am Ende für sich selbst verantwortlich.

Viele meiden auch den Anblick von anderen alten Menschen, weil sie dadurch an das eigene Alter und an ihren letzten Lebensabschnitt erinnert werden.

In dem Pflegeheim meiner Mutter sah ich dies auch als sehr vorteilhaft an, u.a. mit gemeinsamen Mahlzeiten.

Dort wurde auch Gymnastik, gemeinsames Kochen oder Backen, Singen, Spielen etc. angeboten und eine nette Frau hat die Bewohner*innen regelmäßig zum Spaziergang ausgeführt.
Auch gab es in den entsprechenden Jahreszeiten gewisse Veranstaltungen, wie Weihnachten, Nikolaus, Karneval, Sommerfest oder gemeinsames Grillen.

Der Kontakt zu den Pflegekräften war auch sehr gut, aber sie haben schließlich auch noch andere Bewohner*innen zu versorgen.

Trotzdem war meine Mutter ständig am jammern, dass sie alleine ist, konnte ich aufgrund meiner damaligen Berufstätigkeit schließlich als Einzelkind nicht täglich bei ihr auf der Matte stehen.

Na ja, wenn man gewisse Angebote nicht annimmt …

Betonen möchte ich auch, dass sie selbst es so gewünscht hatte, da sie mir eine Pflege nicht zumuten wollte.

Auch im Bezug auf meine Person, sehe ich das für später genauso.

Allerdings ist jeder Mensch da natürlich sehr verschieden.

Ich werde mich im Alter freuen, wenn ich unter Gleichgesinnten bin.

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Ja und? Ich bin mir jede Sekunde meines Alters bewußt ,akzeptiere es einfach und versuche das beste daraus zu machen. Verdrängen ist in dem Fall keine Lösung. Wäre aber eine andere Diskussion

Geht mir genauso. Vielleicht treffen wir uns irgendwann mal in einem Altersheim.

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ich bin auch dabei :slight_smile:
die Vorstellung, von meinen Kindern gepflegt zu werden, finde ich furchtbar.
Erstens haben die keine Ahnung und sind überfordert, und
zweitens geht das gute Verhältnis zu ihnen dabei wahrscheinlich kaputt.
Lieber im Heim von Profis betreut werden. Das kann auch daneben gehen, aber das ist mein Risiko.
Aber wir kommen etwas vom Thema ab.

Erst einmal finde ich die Initiative gut - es macht auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam, das real existiert, und sich kontraproduktiv auf die Gesellschaft auswirkt.
Das muss zunächst nicht bedeuten, dass der Staat die Verantwortung übernimmt, dass sich keiner mehr in diesem Land einsam fühlt - es reicht, einen Prozess in Gang zu setzten, der für das Thema sensibilisiert, und zugleich Ideen entwickelt und kommuniziert, wie die Resillienz dagegen verbessert werden kann - es bleibt immer auch Verantwortung von jedem, sich damit frühzeitig auseinander zu setzen, und sich zu schützen - wenn es erst einmal so weit ist, wird es schwierig, sich da alleine wieder hinaus zu manövrieren (ähnlich wie bei Depressionen).
Insbesondere im Alter wird die Gefahr größer.
Nach meiner - wieder einmal nicht repräsentativen - Erfahrung hängt das u.a. damit zusammen, dass ein wichtiger Indikator der Selbstüberprüfung im Feedback von Vertrauenspersonen besteht - und diese nehmen im Alter i.d.R. ab. Und das Altersheim bietet da oft nicht hinreichend Ersatz - zum einen, weil der Wechsel oft schon zu einem Zeitpunkt passiert, wenn es zum Vertrauensaufbau zu „Wildfremden“ im Altersheim nicht mehr reicht - zum anderen (analog der Situation in Kindergärten) die Personalsituation vieler Strukturen eine Vertrauensprojektion auf das Personal nicht möglich ist - überdies gibt es - wie überall - mehr „nicht so gute“ wie gute Plätze/Personal.
Das wiederum könnte natürlich auch eine Kostenfrage sein - in Anbetracht der Babyboomer, die das aktuell betrifft, wird das ganz schnell richtig (unbezahlbar) teuer :frowning:

Da ich mir das nicht leisten kann und ebenfalls nicht über Gebühr meine Kinder damit belasten will, sehe ich durchaus auch eine Möglichkeit im sozialverträglichen Ableben. Sollte ich das noch einigermaßen unbeschadet bis Mitte 70 durchhalten, so waren es zumindest tolle 35 Jahre, die ich/wir hatte(n).
Ich diskutiere das bereits heute intensiv mit meiner Frau (und manchmal auch mit meinen Kindern) .
Schließlich haben wir dafür inzwischen das Rcht auf selbstbestimmtes Sterben.
Und hoffentlich bis dahin auch einen gangbaren Weg in Deutschland.
Ansonsten sehe ich mich persönlich derzeit gegenüber dem Thema Einsamkeit recht gut/resilient aufgestellt :slight_smile:

das ist der klassische Fehler: ich gehe erst ins Heim, wenn alles zusammenbricht.
Entscheidend ist, dass man geht, wenn es noch nicht zwingend nötig ist.
Das ist aber auch wieder ein Beispiel für die Selbstverantwortung:
jeder kann für sich entscheiden, wann er sich um einen Heimplatz bemüht.

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wenn man grds. die Sache mit der Einsamkeitsbekämpfung nicht schlecht findet, insb. im Wege der Unterstützung privater Initiativen:
ist es jetzt das richtige Thema?
Sollte das FamMin. darauf den Schwerpunkt setzen und die Regierung dieses Thema jetzt angehen?
Oder gibt es Wichtigeres?

da fällt mir vieles ein… Verbesserung und Beschleunigung des Opferschutzgesetzes, des EHS (erweitertes Hilfesystem für Erwachsene, die in der Kindheit sexuell missbraucht wurden, Depressionshilfe und Verbesserung des Angebotes für Psychotherapie… uvm…

Es gibt sicher Wichtigeres, aber ein Ministerium sollte multitasking-fähig sein.

ja, und das Wetter sollte auch besser sein :slight_smile:
Wieviel Zusammenhalt hat diese Koalition?
wieviel Zeit hat sie noch, die Wähler zurückzugewinnen?
Oder ist das mit der Einsamkeit vielleicht das einzige Thema, bei dem es keinen Streit gibt, weil es so wurscht ist?

Aus meiner Sicht ist es ein sehr aktuelles Thema, und ich sehe nicht, weshalb es da keinen Streit geben könnte?

Seit Corona, homeoffice und agilen Arbeitsmethoden hat sich die Arbeitswelt dahin gehend verändert, dass viele Leute keine Kollegen mehr haben, sondern sich stattdessen an ihren Präsenztagen mit ihrem Rollcontainer an einem freien Arbeitsplatz einloggen, jeden Tag an einem anderen. Wenn sie zufällig noch mal ein bekanntes Gesicht sehen, ist dieses gerade in einer Videokonferenz mit ganz anderen Leuten und kann gerade nicht reden.

Alte Leute haben ihre erwachsenen Kinder meist aus beruflichen Gründen nicht mehr in der Nähe, so dass sie auf fremde Gesellschaft angewiesen sind, die aber nicht notwendigerweise jung ist, weil es Kräfte in der Gesellschaft gibt, die eine extreme Alt-Jung-Polarisierung schüren.

Ich bin schon der Meinung, dass es nötig ist, Strategien gegen Vereinsamung zu entwickeln, z.B. Nachbarschaftshilfen zu unterstützen.

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