Inwieweit die Bürokratie zu den überteuerten Verhältnissen beisteuert, lässt sich an einem praktischen Beispiel meines Vermieters anführen:
Er hat sich ein altes Haus im Speckgürtel von Rostock gekauft. Relativ gute Lage, DDR-Fertighaus aus den 70er Jahren. Von der Energieeffizienz her eine Vollkatastrophe.
Er wollte teilweise abreissen und neu bauen. Pech gehabt, weil die Baubehörde sagt: Bestandsschutz im Außengebiet. Also nicht abreissen, sondern höchstens sanieren. Das kostet bei der alten Hütte richtig Geld, weil sehr viel Arbeit. Der Eigentümer ist über 70 und kann nicht mehr so wie er will. Das Haus stand 4 Jahre leer und die Wasserleitungen sind geplatzt. In diesem Zustand also nicht vermietbar.
Ich hatte eine bei ebay Kleinanzeigen eine Anzeige eingestellt, dass ich eben ein Haus in solch einem Zustand suche. Ich mache die Arbeit, er bezahlt das Material und ich bekomme eine günstige Miete. Im Raum Rostock zahlt man für eine 2 Zimmerwohnung gerne mal 800 € kalt. Ich zahle 600 € für ein ganzes Haus mit Grundstück ohne Nachbarn. Vertraglich haben wir eine Mieterhöhung für die nächsten 15 Jahre ausgeschlossen.
Nun kommen wir zum Thema explodierende Kosten und Nachhaltigkeit. Ich wollte unbedingt Lehm als gesunden Baustoff verwenden und habe über ebay Kleinanzeigen etwas gesucht und gefunden. Ein Hausbesitzer hatte Lehm als Füllung in einer Zwischendecke, die er entsorgen wollte. Habe ich mir geholt und als Dankeschön ein wunderbares Vollholzschlafzimmer in brombeerfarbenen Stil geschenkt bekommen. Der Lehm dient nun als Putz und Raumklimaregulator im Schlafzimmer, Bad und Wohnzimmer. Kostenpunkt: 0 €.
Auch habe ich mir eine Glastür für das Schlafzimmer über ebay besorgt. Geschenkt gegen Ausbau und Abholung.
Betrachte ich mir die Kostenentwicklung der letzten Jahre, so sind die Mieten in den Ballungsräumen extrem gestiegen. Grund: Grundstücksspekulationen, gestiegene Baustoffkosten und Arbeitskosten. Dies belastet unter anderem den Sozialstaat. Der Löwenanteil beim Bürgergeld werden durch Mieten und Heizkosten verursacht. Da werden mit Schrottimmobilien richtig gute Renditen erwirtschaftet. Ein nachhaltiges Bauen und eine Regulierung beim Thema Heizkosten würden ja direkt wieder auf die Mieten umgelegt werden und tausende Bürgergeldempfänger und Kleinverdiener könnten sich die Wohnungen schlicht nicht mehr leisten.
Viele Menschen geben gut die Hälfte ihres Einkommens für Wohnen aus. Neubauten sind unerschwinglich, weil die Preise für Baustoffe explodiert sind. Einfache Dachlatten als Beispiel kosten heute fast das dreifache wie noch vor einigen Jahren. Leider kann die Bauindustrie hier kein upcycling machen, wie ich es gerade mache.
Eine Kostenexplosion ist auch bei der Verwaltung zu erkennen: verpasste Digitalisierung ist das Stichwort. Die Justiz lässt derzeit etwa 1 Mio Fälle unbearbeitet, weil Personalmangel. Es wird noch zuviel Papier produziert, das dann auch noch gelesen und verwaltet werden muss.
Alleine 2300 verschiedene Bauvorschriften in den Bundesländern lässt erkennen, das das föderale System einen großen Teil an Kosten verursacht.
Leben wir über unser Verhältnisse? Definitiv ja, weil wir unfähig zu tiefgreifenden Reformen sind.
Man sollte fast mal einen Musk den Bürokratiedschungel mit der Kettensäge durchforsten lassen. Nur befürchte ich, dass da nur noch weniger Effizienz heraus käme. Also sollten wir nach Litauen schauen, die die Digitalisierung als Chance genutzt haben, in der Verwaltung effektiver zu arbeiten.
Es fehlt oft am Willen, so mein Eindruck. Im Kleinen wie im Großen. Ich mache meine Einsparungen im Kleinen, weil ich einfach nicht mehr Geld zur Verfügung habe.
Im Großen fehlt dieser Zwang. Und da die “Großen” ohne Konsequenzen einen finanziellen Faux pas sich leisten (Spahn mit Masken oder Scheuer mit Maut) können, nimmt der Kleine sich ein Beispiel daran. Unnötiger Konsum und Überschuldung sind die Folge. Hauptsache über die Verhältnisse gelebt (neues Auto, obwohl ein älteres durchaus noch fahren würde; riesiger TV, der kaum in die Wohnstube passt, etc).
Und die Industrie? Allen voran die deutsche Autoindustrie hat den Anschluss verpennt. Warum sind Autos aus China bezahlbarer als ein neuer VW Golf? Liegt es an den Unsummen, die ein Arbeiter verdient oder an der Gier der Manager und Aktionäre? VW zum Beispiel baut schon lange kein Auto mehr für das Volk.
Ich könnte die Liste endlos weiterführen. Aber ich kümmere mich nicht mehr um die da oben, sondern nur noch um mein kleines Scheiß Leben….