Naturschutz ist wichtig, nicht nur bei uns sondern weltweit. Der Rückgang an Biodiversität wird als eine der größten Bedrohungen der Menschheit gesehen - also sollte man alles tun um ihn aufzuhalten. Aus afrikanischen Ländern gibt es zunehmend Kritik an dem von Industrienationen und insbesondere auch von uns propagierten Weg möglichst viel Naturschutz weltweit durchzusetzen. Medienwirksam hat nun Botswana angekündigt 20000 Elefanten nach Deutschland „abzuschieben“. Sie machen damit aufmerksam auf die Schattenseiten dieser Naturschutzvorhaben und beklagen, dass sie übermäßig die Lasten zu tragen haben. Aus Protest: Botswana will Deutschland 20.000 Elefanten abgeben | BR24
Mich erinnert die Debatte ein Stück weit an die Diskussion um den Wolf. Naturschützer freuen sich über jedes Exemplar in Deutschen Wäldern, Landwirte fühlen sich bedroht. Scheinbar ist das Problem in Botswana und anderen Ländern Afrikas ungleich größer. Sind wir da in unseren Forderungen zu einseitig? Sollten wir uns mehr auch an den Belastungen beteiligen, die die Menschen dort für die weltweiten Naturschutzvorhaben zu tragen haben? Wie könnte das aussehen?
Das ist eine gute Frage. Ich diskutiere sie regelmäßig mit großen und kleinen Zoobesucher*innen zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung, aber eine richtig gute Lösung hat noch niemand vorgeschlagen.
Es gibt Umweltbildungsprojekte, z.B. in Sri Lanka, die wir von Deutschland aus unterstützen.
Solche würden wir in Deutschland nicht dulden.
ist es unsere Aufgabe, dem Rest der Welt Umweltschutz beizubringen?
Ich habe meine Zweifel.
Wie würden wir es finden, wenn die Chinesen uns nur noch dann ihren Kram verkaufen, wenn wir nachweisen, dass mind. 25% der Schüler in D Chinesisch als Unterrichtsfach haben? Oder von mir aus Konfuzianismus, oder die Lehren des Mao Tse Tung?
Und wie würden wir reagieren?
Wir würden die Lehrpläne auf dem Papier so gestalten, wie verlangt, und den Schülern sagen, dass das alles freiwillig ist oder gar nicht stattfindet.
Und so werden es die afrikanischen Länder auch machen.
Der Drang, andere Menschen und Völker zu erziehen, führt zu nichts Gutem.
Den Begriff Neokolonialismus würde ich aber vermeiden, der führt auch zu nichts Gutem.
Da wir genauso vom Artensterben betroffen sind - sollten wir uns auch genauso daran beteiligen - wir würden schließlich vom Erhalt der Arten genauso profitieren.
Ich weiß leider nicht, in welchen Gebieten die meisten Arten verschwinden - und wo also auch der größte Schutzbedarf besteht - aber kalr ist doch, dass - genauso, wie die Bauern hierzulande einen Ausgleich für die größeren Schutzzonen rund um Äcker und den damit einhergehenden Verlust benötigen, ist das für die Betroffenen in anderen Ländern.
Theoretisch ganz einfach: es gibt Gebiete, die als Schutzzonen ausgewiesen werden, und die - wie vielleicht viele UNO-Projekte - von der Weltgemeinschaft gemeinsam getragen werden - wobei diejenigen, die am Zahlungskräftigsten sind (analog zur Progression) dabei meisten zahlen - und sie sehr, sehr wahrscheinlich auch die Hauptverursacher des Raubbaus der letzten 100 Jahre sind, die erst zum Artensterben geführt hat (die Überfischung der Weltmeere geht sicher nicht ursächlich auf die Afrikanischen oder Südamerikanischen Länder zurück) - das Elfenbein landete i.d.R. und überwiegend nicht im Mobilliar der afrikanischen und asiatischen Wohnräume …
Verursacherprinzip bedeutet hier, das die Industrienationen das überwiegend zu finanzieren hätten…
So weit die Theorie
In der Praxis habe ich dafür keine wirkliche Lösung, da die notwendigen Mittel derzeit recht hoch sein dürften, und es dafür keien Mehrheiten gibt…
Selbst dann nicht, wenn die Folgeschäden und deren Kosten noch deutlich höher sein werden.
Es bleibt also wahrscheinlich wieder nur, sich regional in eigenen Aktivitäten (sei es als Land oder auch als Individuum) zu erschöpfen - was trotzdem durchaus in der positiven Wirkung nicht zu unterschätzen ist - auch wenns vielleicht dann nicht reicht und wieder nur palleativ ist (ich weiß schon, wieder mal die alte Leier)…
Es geht für mich allerdings bei diesen Überlegungen keinesfalls um Neokolonialismus - die Stoßrichtung kann nur eine Win-Win-Situation sein - sonst wäre das nicht nachhaltig…
Es gibt internationale Vereinbarungen, denen auch afrikanische ua. Staaten zugestimmt haben und die auch Kompensationen einschließen. Ich würde auf den Seiten der UNO und unter Montreal-Protokoll nachlesen.
Allerdings ist das Bevölkerungswachstum in vielen Ländern Afrikas noch hoch und die Verstädterung noch gering, das ist real ein Problem. Aber dort gibt es auch einheimische Naturschützer, manchmal eine lebensgefährliche Aufgabe.
Diesen Begriff hat der namibische Umweltminister verwendet, als Reaktion auf die Ankündigung unserer deutschen Umweltministerin den Import von Jagdtrophäen zu verbieten. Vor dem historischen Hintergrund, der uns mit Namibia verbindet, durchaus ein heikles Thema, inwieweit wir uns in dortige Angelegenheiten einmischen können und sollten. Grünen-Ministerin plant Verbot von Jagdtrophäen – Namibia wirft Rassismus vor - Ausland - FOCUS online
Der WWF wurde von Großwildjägern gegründet und kennt das Thema „Rassismus“ schon länger.
Im Fall von Steffi Lemke will sie ja nur dern Import von Jagdtrophäen verbieten.
Ist Namibia darauf angewiesen, deutsche Großwildjäger*innen zu hosten?
Was ja offensichtlich darauf abzielt, dass in Namibia (und anderen betroffenen Ländern) weniger gejagdt werden soll. Wir wollen hier also Einfluss durch unsere Gesetzgebung auf die Zustände in Afrika ausüben - insofern kann ich den Vorwurf der Einmischung nachvollziehen.
Wenn Großwildjagd weder wirtschaftlich noch in Sachen Umweltschutz ein relevantes Thema wäre, müssten sich die beiden Politiker*innen dazu keine Gedanken machen (und noch weniger scharfe Statements).
Eigentlich soll damit ja nur verhindert werden, dass Deutsche da zum Jagen hin fliegen. Die Leute, die dort wohnen, würde eher eine Organisation wie der WWF einschränken, wenn sie dort Land aufkaufen und unter Schutz stellen.
Eine ‚neokolonialistische‘ Attitude ist europäischen/amerikanischen ‚Umweltschützern‘, die dann z.B. in der Gestalt von NGOs daherkommen, inhärent!
Ich möchte da nur erwähnen, wie Greenpeace seit Jahren in Ländern des sog. ‚Globalen Südens‘ gegen die Entwicklung und Anbau des ‚Golden Rice‘ gearbeitet hat, weil da ja die verteufelte Gentechnik drinsteckt.
aber das versuchen wir doch ständig, das ist doch urgrünes Anliegen.
Das Lieferkettengesetz ist ein Versuch, die Zustände in sehr fernen Ländern zu beeinflussen,
jeder Einsatz für Demokratie, Umweltschutz, Arbeitnehmerrechte, Menschenrechte, Frauenrechte, Kinderrechte, Queerenrechte usw ist eine Einmischung in fremde Gesellschaften.
Wenn man das so nennen will, ist das alles Öko- oder Sozial-Kolonialismus .
Gut gemeint, sicher, aber das waren die Kreuzzüge und die Missionierung Afrikas auch.
Da finde ich die Elefanten noch harmlos.
Oder siehst Du dabei etwas Besonderes, das es bei den anderen Einmischungen nicht gibt?
Die Frage ist für mich eine Grundsätzliche - wenn wir „Eingriffe in innere Angelegenheiten“ anderer Länder einzig zu dem Zweck betrieben, für uns bessere Lebensumstände herzustellen (z.B: weniger steigende Meeresspiegel an unseren Küsten), dann ist das ein kolonialer Mechanismus, der zugegebe fragwürdig ist…
Wenn wir hingegen von der Einsicht getrieben werden, dass in einer globalen Welt eben alles mit allem zusammen hängt, und nicht nur unsere Küstenstädte davon profitieren, dass sie nicht im Meer versinken, sondern auch der Afrikander oder der Braislianer davon profitiert, dass die Weltgemeinschaft den Regenwald erhält (und zwar nicht im Sinne: die müssen Ihren Regenwald erhalten, damit die Welt (wir?!) davon profitieren ==> Kolonialismus), sondern wirklich wir müssen unseren Regenwald erhalten, dan ist das einfach nur global gedachter Schutz…
Heist aber nach dem „globalen“ Solidaritätsprinzip (versus Neokolonialismus): den Großteil müssen die reichen Industrienationen beisteuern (die vom ausbeutereischen Kolonialaismus der Vergangeheit zu Lasten - nicht zuletzt der Natur) auch am meisten profitiertn haben!
Dann wäre wir weg von dieser Frage, ob es sich um einen neokolonialen Akt handelt…
was ist zB mit der Verbesserung der Arbeitsbedingungen?
Wir fordern, dass irgendwo in Südostasien die Leute nicht mehr 14 Std/Tag und 6 Tage/Woche arbeiten.
Uns bringt das gar nichts, unsere Waren werden nur teurer.
Ob das den Arbeitern was bringt, ist unklar.
Vielleicht verbessern sich die Bedingungen.
Vielleicht fallen aber ihre Arbeitsplätze auch völlig weg, weil die Firma in ein anderes Land umzieht.
Wie beurteilst Du das?
Das ist sicher kein „ausbeuterischer“ Kolonialismus, allenfalls eine Art moralischer K.
Eher so wie der religiöse K. der Missionare?
Oder ist das in Ordnung?
Das ist eine Frage, die ich ob meiner mangelnden WIrtschaftskenntnisse nicht beurteilen kann - es gibt für mich natürlich „Visionen“ - ich kenne einige Entwicklungshilfeprojekte, die diesbezüglich durchaus auch nachhaltig dafür gesorgt haben, dass sich die wirtschaftliche Entwickung in der dortige Region tatsächlich langfristig verbessert haben - auch kann man bei Schwellenländern durchaus erkennen, dass sich stetig (z.B. in Indien) etwas tut - auch ist China - zumindest wirtschaftlich - ein gelungenes Beispiel für einen solchen Aufstieg - es gibt viele Staaten in Afrika, wo sich eine Reihe von Bodenschätzen dazu anbieten würden, diese nicht nur zu vermarkten, sondern selbst anzufangen, damit etwas herzustellen, und nach und nach vielleicht auch im Binnenmarkt zu verhöckern (auch hier wieder -
wirtschaftlich - ein Blick nach China)
Die „belebende“ Konkurrenz, die sicherlich dazu angetan ist, effektive Entwicklung zu betreiben und Innovationen zu fördern, sollte nicht dazu verkommen, einfach billiger gegen „noch billiger“ auszuspielen - wo ist da die Innovation und Effektivität?
Aber ich kenne wie gesagt nicht die ökonomischen Randbdingungen, die notwendig sind, um aus Ausbeutung Innovarion werden zu lassen…
Ein wichtiger Aspekt könnte der Ausbau der dortigen Infrastruktur sein, die aber nicht im imperialistischen Stil ala „China hilft Afrika“ sein sollte, sondern tatsächlich Hilfe zur Selbsthilfe sein müsste…
Das bringt den Arbeitern dann nachhaltig etwas, wenn kar ist, dass die umziehende Firma dann keinen Absatzmarkt in Europa mehr hat - die Idee hinter dem Lieferkettengesetz war mal, dass Firmen, die ausbeuten (egal, in welchem Land sie das tun) ein Problem bekommen - was also bringt es, in ein anderes Land umzuziehen, wenn die Firma auch im neuen Zielland die Maßgaben von Mindesturlaub, Arbeitszeit etc. ebenfalls einhalten müssen?
Einzig das mit dem globalen MIndestlohn wird wohl nicht funktionieren - was bei uns möglich und sinnvoll (?!) war, wird global nicht funktionieren - zu groß sind die Unterschiede global in den Lebensstandards vor Ort…
Abe auch heir bin ich kein Wirtschaftswissenschaftler, um realistisch darüber etwas aussagen zu können
Wäre schön, wenn wir hier in unsere Reihen so ein paar Experten dazu hätten, die sich äußern…
nicht nur grünes Anliegen. Macht der IWF auch ständig. Und wenn wir Brasilien dafür zahlen, dass es die Regenwälder nicht rodet, ist das auch Kolonialismus? Man kann jeden Begriff so ausweiten, dass er in das Absurde geführt wird. Aber dann sagt er nichts mehr aus.
Wenn wir aus tier-ethischen Motiven keine Jagdtrophäen importieren, ist das allein unsere Entscheidung. Namibia hat in Zukunft andere Möglichkeiten Handel mit uns zu treiben, z.B. Wasserstoff.
Wenn man den Nationen zugesteht, über ihr nationales Territorium allein zu entscheiden, hatte er Recht (im Sinne von Rechtsstaat).
Es ging ihm wohl um das Merkosurabkommen, bei dem die Rechte der beteiligten Nationen wohl freiwillig eingeschränkt werden sollten, aber da stecke ich im Detail nicht so drin, das weißt du vermutlich besser.
Keine Ahnung, wie das rechlich geregelt ist. Der Luftraum über dem eigenen Territorium gehört dazu, denke ich.
Ansonsten überleg dir mal die Konequenzen für uns in Deutschland. Wir haben einen Großteil unserer Wälder bereits abgeholzt und würden dann von den Vereinten Nationen oder einem anderen Land aufgefordert, sie komplett wieder aufzuforsten, der Atmosphäre wegen? Das ganze dann finanziert durch Ausgleichszahlungen für Kohlekraftwerke z.B. in Brasilien und unterstützt durch paramilitärische Ranger, die über diese Ausgleichszahlungen finanziert werden?