Neid nach oben vs. Neid nach unten

Man kann sich ja vorstellen dass man jemanden etwas neiden kann aber ich dachte eigentlich immer man kann jemanden beneiden der mehr hat was besseres hat, also Neid nach oben. Oder was anderes hat, also Neid zur Seite, aber Neid nach unten das ist eine künstlich erzeugte Neiddebatte von oben um abzulenken.

Wir dürfen also dem Merz seine Cessna nicht neiden aber dem Bürgerempfänger seinen Bürgergeld, hört sich an wie verdrehte Welt.

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Ich habe tatsächlich mal als Doktorandin einer WG-Mitbewohnerin ihre Sozialhilfe geneidet und einem Arbeitskollegen seine ABM, das muss ich hier mal zugeben.

Da ich aber gut mit so etwas umgehen kann, wurde mir relativ schnell klar, dass ich mir einfach für mich selbst mehr Zeit und mehr Sicherheit gewünscht habe. Mit den anderen, die ich beneidet hatte, hatte das gar nichts zu tun.

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Das Raunen im Saal und der Nicht-Applaus am Ende sind schon bezeichnend für die Menschen im Saal. Viele helle Lichter scheinen jedenfalls nicht darunter zu sein, denn ich bin mir zu 99,9 % sicher, dass dort nicht ausschliesslich Milliardär:innen sassen.

Wenn es denen oben gut geht, geht es denen unten auch gut, so heißt es in einem Vorurteil machen wir ein Experiment…

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ich weiß nicht, ob es da tatsächlich um Neid geht im Verhältnis zu den BG-Empfängern, ich würde eher den Wunsch nach Abgrenzung vermuten und Betonung des besseren sozialen Status („ich habe zwar auch nicht viel mehr, aber ich arbeite wenigstens dafür“).
Aber egal, wie man es nennt, diese Abgrenzung wird von populistischen Parteien bestärkt.

ich glaube aber, dass diese reflexhafte Frontbildung oben vs unten nirgendwo hinführt.
Wir kommen nur weiter, wenn alle etwas beitragen, oben, unten, in der Mitte.
Nur auf „die Reichen“ zu schimpfen und deren höhere Besteuerung als Allheilmittel zu propagieren, bringt nichts, das sollte doch mittlerweile klar sein.

Interessant ist, was Wikipedia zu Neid alles sagt.

Einmal die Unterscheidung zwischen konstruktivem und destruktivem Neid - aber auch, das Neid immer etwas mit einem Vergleich zu tun hat.

Die eine - grundsätzliche - Frage, die sich jeder also stellen muss, ist, warum sich überhaupt vergleichen?

Und die andere Frage ist, dass - wenn sich der Vergleich schon nicht verhindern lässt, wie lässt es sich verhindern, dass es der in diesem Kontext genannte destruktive Neid sein muss.

Gleichfalls muss man sich als umgebende Gesellschaft (von der Familie bis hin zur BRD als ganzes) die Frage stellen, wie man eine konstruktive Zeitatmosphäre begünstigt.

Ich kenne das aus Sportvereinen, wo das in - sofern nicht übersteigert - gesundem Ehrgeiz mündet.

Ein Kriterium könnte sein, den Glauben zu haben, es auch schaffen zu können (das ist das Ding vom Tellerwäscher zum Millionär).

Die andere Sache ist die, erst gar keinen Vergleich anzustellen. Da ich beruflich viel mit Schwerbehinderten zu tun habe, führe ich die Diskussion immer wieder, wie man sich nicht vergleicht - insbesondere dann, wenn man nur verlieren kann.

Kulturell ist das nach meiner Einschätzung immer weniger möglich, da wir immer mehr diesen Vergleich suggeriert bekommen.

Was müsste also geschehen, um sich weniger vergleichen zu müssen?

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Dsa hat nichts überhaupt nichts mit Neid zu tun. Es geht mir um die gesellschaftlichen Auswirkungen.

Manche Linke wollen eine Gesellschaft, die weder leistungsbereit (BGE) noch verteidigungsbereit (Pazifismus) ist. Eine solche Gesellschaft ist dem Untergang geweiht.

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Wir haben ja schon herausgefunden dass wir unter alle nicht dasselbe verstehen.

Hinzu kommt alle müssen dann aber auch was abbekommen vom ganzen.

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Ist das eine Position der Linken? Was ich so von ihnen höre, hat mehr mit schlecht bezahlten Jobs im öffentlichen Dienst zu tun, wie z.B. hier:

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  1. ich habe nicht von der gleichnamigen Partei gesprochen
  2. BGE und keine Waffen an die Ukraine sind eine Position der Partei Die Linke

Hast du einen link zu der BGE-Position der Linken? Ich meine damit nicht die gleichnamige BAG.

Such selber. Ist nicht schwer zu finden.

Habe ich gerade versucht, aber nicht geschafft. Ich kam nur bis zu der BAG.

Richtig. Ich mag das Sprichwort “Neid muss man sich erarbeiten, Mitleid bekommt man geschenkt.” Das passt natürlich nur, wenn man nicht als Milliardärskind zur Welt kam oder den Superjackpot geknackt hat.

Ich hatte einige Neider in meinem Leben und mir ist niemand in Erinnerung, der (ganz bewusst nicht gegendert) die Arbeit und vor allem die Fehlschläge sah, die dem Beneidenswerten voraus gingen.

Es gab Neider:innen, die sich nach dem Weg erkundigten, Lob hatten für die Leistung, Verbesserungsvorschläge einbrachten, Support wollten, etc. Wenn Neid Ansporn ist, bestens für Neider und Beneidete gleichermassen, ist es super, finde ich.

Genau solche Selbstreflexion fehlt vielen. Oft geht es gar nicht um den vermeintlich tolleren Job, das höhere Gehalt, die coolere Reise, die bessere Fitness, usw., sondern um die Genugtuung ob der eigenen Ressourcen, Talente und Tugenden, die Selbstsicherheit und das Bewusstsein, dass der 3. Porsche in der Garage nicht glücklicher macht, als der 1. Golf. Wenn es denn so ist. Es soll auch Menschen geben, die nur mit einer vollen Tiefgarage glücklich sind.

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@Biologin
@Kalo

Ich bestätige jetzt einfach mal ja DIE LINKE hat im Parteiprogramm das BGE drin.
Die BAG Bundesarbeitsgemeinschaft hat ihr Modell schon vor vielen vielen Jahren erarbeitet und haben vor wenigen Jahren das dann auch endlich mal beschlossen, es hat lange gedauert aber sie haben es jetzt drin.

„Vom 13. bis 26. September 2022 waren alle Mitglieder der Partei DIE LINKE aufgerufen, über die Aufnahme eines »Bedingungslosen Grundeinkommens« (BGE) in die Programmatik der Partei DIE LINKE zu entscheiden.“

„Unsere Mitglieder haben entschieden
Eine Mehrheit, der teilnehmenden Mitglieder, hat sich für die Aufnahme eines „Bedingungslosen Grundeinkommens“ (BGE) in die Programmatik der Partei entschieden. 56,64 % der Mitglieder sprachen sich dafür aus, 38,43 % dagegen.“

Ich bin auch mit diesem Spruch groß geworden, aber ich kriege den Neid meistens geschenkt, obwohl beides nicht auf mich zutrifft (weder Milliardärskind noch Superjackpot).

Mitleid (geschweige denn Erbarmen) hat dagegen fast nie jemand, aber es gibt zum Glück auch viele wohlwollende, unterstützende Menschen.

Das eine ist die Frage, worauf man genau neidisch ist - es gibt Leute, die mehr Geld haben, und daher ein sog. „unbeschwertes“ Leben führen.

Ist es also das Geld, und die „Unbeschwertheit“. Die Differenzierung ist durchaus wichtig, um nicht auf das falsche neidisch zu sein.

Unbeschwertheit lässt sich aber vielleicht auch auf andere Weise herstellen (ganz ohne Geld)?

Und selbst, wenn das gelingt, könnte es immer noch sein, dass - nach dem das geschafft ist, man feststellt, dass das gar eine völlige Luftnummer (Projektion) war - da die vermeintliche Unbeschwertheit entweder in der Form völlig unrealistisch oder - noch schlimmer - schrecklich langweilig ist.

Ich kenne durchaus beide Seiten - die des Projizierens - und auch die Rolle desjenigen, auf den projiziert wird. Genau genommen haben beide etwas befremdliches, weil das dabei entstehende Bild in jedem Fall irreal bliebt. Die unvermeidliche Ent-Täuschung ist hoffentlich heilsam :thinking: - die eigene Täuschung gilt es so früh wie möglich zu beenden.

So leicht ist das nicht denn unsere Gesellschaft hat einen neuen Begriff geprägt Wohlstandsverwahrlost.

„…beschreibt einen Zustand, in dem Kinder materiell versorgt, aber emotional vernachlässigt aufwachsen, was zu einer seelischen Verarmung führt. Das Phänomen beschreibt eine psychische Verwahrlosung trotz äußeren Reichtums und wird oft als emotionale Vernachlässigung in einem Umfeld des materiellen Überflusses verstanden.“

Wenn solche Menschen dann erwachsen werden werden sie zu einem Problem der Gesellschaft.

Eine der größten Kritiken an unserer Gesellschaft ist dass wir eine Ellenbogengesellschaft sind.

Das ist so ein Fall, den ich mit „vorprogrammierter Ent-Täuschung“ meinte - eine Projektion von Wohlstand, die bar jeder Realität ist - aber wenn das Problem erkannt wird, (und man sich das auch noch bis zur nächsten Wahl merken würde), könnte man daraus viel lernen :thinking:

Auch das halte ich zunächst für ein Vorurteil - was bedeutet das genau? Dass immer mehr Leute dazu neigen, andere gnadenlos für die eigene Selbstoptimierung auf hohem Niveau beiseite zu stoßen?

Es gibt solche Fälle sicherlich - die Meisten könnte aber Fälle sein, bei denen das bereits eine Frage des gefühlten oder tatsächlichen „Überlebens“ ist - das wäre dann aber kein Neid mehr!

Leider kenne ich dazu gar keine Studien :frowning: daher ist das erst einmal eine Spekulation von mir.

Wann genau ist denn ein Vorurteil nur ein Vorteil oder ab wann fußt er auf der Realität?

Da man ja gerne von der sogenannten Wahrnehmungsblase redet wird auch jede Person individuelle Wahrnehmungen zum Zusammenhalt der Gesellschaft hatten.

Ich selbst habe sogar bessere, sozialere Erfahrungen in Chemnitz machen können als in meiner Heimatstadt Halle.