Palantir: Eine mächtige Software

Ich bin über diesen Artikel gestolpert (Missing Link: Machtzentrale Palantir – eine Software lenkt Organisationen | heise online), der den Aufbau und die Funktionsweise von Palantir behandelt. Palantir wird von einigen Ländern für die Polizei verwendet, es gibt aber auch Kritik daran.
Ich habe nicht alles verstanden, aber einen Eindruck bekommen, wie mächtig diese Software ist und kann nachvollziehen, dass sie als sehr hilfreich bewertet wird, aber an einigen Punkten hatte ich beim Lesen auch Bedenken.
Ich habe das Thema eröffnet, weil ich denke, dass es sich lohnt, die Entwicklung im Auge zu behalten.
Und einige von euch können auch sicher mehr mit der Beschreibung anfangen.

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So wie sich die USA im Moment entwickeln, verbietet sich jede Zusammenarbeit mit einer Firma wie Palantir. Was kommt als Nächstes? Eine tolle Software aus Russland für unserer Krankenhäuser?

Dazu kommt:

Der Einsatz von Palantir bedeutet nicht nur eine technische, sondern auch eine strukturelle Bindung der eigenen Organisation an das US-Unternehmen. Ein späterer Systemwechsel ist aufwendig. Zwar bietet Palantir zahlreiche Schnittstellen, um bestehende Systeme und Datenquellen zu integrieren, aber keine Möglichkeit das einmal aufgebaute System zu einem anderen Anbieter umzuziehen.

Nach meiner Erfahrung arbeiten viele große Plattformen in der IT heute so, dass Sie den Einstieg günstig oder sogar kostenlos anbieten und je mehr Mitarbeiter dann diese Software nutzen, desto höher werden die Lizenzkosten. Und natürlich nicht linear. D.h. je größer der Vendor-Lockin der eigenen Firma wird, weil sich ein System etabliert hat, desto schneller steigen dann auch die Lizenzkosten.
Da kommt es dann durchaus vor, das man im nächsten Jahr mal ein paar Millionen mehr zahlen muss.

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so würde ich bei erstem Querlesen auch diese Stellungnahme zusammenfassen:

Das BVerfG hat in seiner bereits vorliegenden Entscheidung schon anklingen lassen, dass besondere Sorgfalt geboten ist, wenn es sich um ein ausländisches Softwareprodukt handelt, welches die deutschen Sicherheitsbehörden nutzen. Gleichwohl sind wir in vielen Dingen auf amerikanische Softwareprodukte angewiesen, etwa von Microsoft, Apple und vielen anderen. Mit Blick auf die digitale Souveränität wird man insofern Abstriche machen müssen.

Haben wir eine gleichwertige, unbedenkliche Alternative?

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Übrigens: Von Peter Thiel würde ich nicht mal einen Schraubenzieher kaufen.

Thiel bekennt sich zum Libertarismus – einer politischen Philosophie, die persönliche Freiheit über staatlichen Einfluss stellt –, während er gleichzeitig die Politik des freien Marktes ablehnt, da freier Wettbewerb Profite senke. Wettbewerb sei „eine Ideologie, […] die unsere Gesellschaft pervertiert und unser Denken zerstört“. Freiheit und Demokratie hält Thiel für unvereinbar.[17] Wettbewerb sei etwas für Verlierer, weshalb er Firmengründern rät, durch innovative Technologien Monopole aufzubauen, die er entgegen der klassischen Sichtweise als Fortschrittsmotoren propagiert.

Und seine Produkte benennt er nach gefährlichen Artefakten aus dem Herr der Ringe? Na Danke.

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Alternativen für Palantir scheint es (noch) nicht zu geben. Polizeidatenbanken: Keine Palantir-Konkurrenz in Sicht.

Es gibt zwar für Unternehmen Alternativen, zB von SAP, aber die meisten sind auch aus den USA, und sie scheinen die von der Polizei gebrauchten Funktionen nicht genug abzudecken. Top 10 Palantir-Konkurrenten und -Alternativen (2025).

Außerdem „pochen die Bundesländer auf digitale Souveränität“. Golem.de: IT-News für Profis.

Bemühungen um eine Software scheint es seit 20 Jahren zu geben, auch auf europäischer Ebene.

Europol benutzt Palantir, aber indirekt über die niederländische Firma Capgemini Europol uses Palantir | Matthias Monroy. Es werden (noch?) Daten mit den USA ausgetauscht.

Eine europaweite Vernetzung von Polizeiakten gibt es inzwischen dank europäischer Förderung BKA testet die europaweite Vernetzung von Polizeiakten und BKA - EPRIS-ADEP.

Es wird offenbar auf europäischer Ebene einiges entwickelt, um hoffentlich eine eigene Lösung zu finden Innovation lab | Europol.

Sollte es eine europäische Alternative geben, müssen die Systeme bis auf die Länder und Polizeiposten herab wohl neu aufgesetzt werden. Die Frage ist dann, ob es sich lohnt, bis dahin Geld an Palantir zu versenken. Daran, dass die Europäer das können, habe ich keinen Zweifel. Wenn sie sich zusammenraufen.

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Wenn ich mir Gaia-X anschaue, kommen mir Zweifel.

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Schaun wir mal :wink:

Hier noch ein interessanter Artikel aus der TAZ zum Thema:

Hier stellen sich mehrere Fragen: Wie dreist muss man als Techmilliardär eigentlich sein, um seine Überwachungssoftware nach einem Fantasywerkzeug des Bösen zu benennen? Und: Wer sagt das jetzt den Innenministerien Deutschlands?

Schon der Zauberer Gandalf sagte einst: „Ein Palantir ist ein gefährliches Werkzeug, Saruman.“ Im Herr-der-Ringe-Universum ist der Palantir ein sehender Stein – eine Glaskugel, durch die der Zauberer Saruman Mittelerde überwacht. Gandalf warnte: „Wir wissen nicht, wer vielleicht sonst noch zusieht!“ Er sollte recht behalten: Der einst gute Zauberer Saruman ließ sich durch den sehenden Stein auf die dunkle Seite ziehen – von Sauron, dem bösen Herrscher Mordors, dessen flammendes Auge nämlich ebenfalls durch den sehenden Stein lugte.

Vermutlich kennen die Innenminister Tolkien überhaupt nicht oder sei denken, das wäre doch zu offensichtlich, das würde doch niemand ernst meinen. Und was denkt Thiel? Das stelle ich mir ungefähr so vor:


Ich möchte die Diskussion nicht ins lächerliche ziehen, aber das das ganze ist so absurd, daß wohl nur noch Galgenhumor angemessen ist.

Noch ein Zitat aus dem Artikel:

Das Problem ist dabei nicht, dass die Behörden eine gute Software wollen, mit der sie ihre Daten besser sichten und aufbereiten können. Das Problem ist der Großaktionär und Gründer von Palantir: Peter Thiel ist einer der Tech­oligarchen in den USA, die den autoritären Umbau der liberalen Demokratie vorantreiben. Seine Programme laufen dort bereits bei Militär, Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden. Thiel ist gut verdrahtet in der Trump-Administration und fiel in der Vergangenheit mit Zitaten wie diesem auf: „Ich glaube nicht länger, dass Demokratie und Freiheit kompatibel sind.“

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noch zwei Darstellungen zu Palantir _ und wie MIK heute …funktioniert

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Beides gute Quellen und interessante Informationen.
Aber halte MIKs raus. Sie werden im ersten Beitrag zwar erwähnt, aber man braucht sie nicht für das Verständnis. Es geht auch nur zum Teil um militärische Anwendung.

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:sweat_smile: …mach dir keine Sorgen :wink:
Palantir bzgl. MIKs werden anderswo diskutiert
_ :white_check_mark:

Ich werde immer sehr misstrauisch, wenn etwas mit „The TRUTH about …“ angekündigt wird. Zu 99% Verschwörungstheorie.

Ich auch. Deshalb habe ich nach den Machern der Videos gesucht. Beides echte Journalisten, soweit ich das sehen konnte. Ob alles, was dort gesagt wird, einer Prüfung standhält, weiß ich nicht. Aber völlig abstrus scheint es nicht zu sein, wenn auch wirkungsvoll/plakativ zusammengeschnitten. Für meinen Geschmack etwas zu plakativ.

Ich habe noch überlegt, ob sich Palantir nicht eignen würde, um Steuerhinterziehung und Geldwäsche aufzuspüren. Aber die dafür nötigen Daten will wohl niemand einspeisen.

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Ziemlicher Alarmismus, keiner weiß genaues, aber erstmal stoppen, ohne substantielle Vorwürfe.

Dass Thiel evtl. ein Freund Trumps ist, macht seine Software noch nicht zu einer Gefahr. Das wäre erst der Fall, wenn sensible Daten in die USA gelangten. Wissen wir das?

Dass Mitarbeiter eines Software-Herstellers beim Kunden direkt arbeiten ist absolut üblich und an sich noch keine Gefahr. In dem Appell klingt vieles arg konstruiert und übertreiben.

Einen Aufruf zu umfassender Information über die Planungen würde ich jederzeit unterzeichnen.

diese ganze Problematik, die Bürger generell mit intransparenten Prozessen und Realitätslagen überhaupt haben, ist ein zentrales politisches Problem, auch für „die“ Demokratie…

Können wir das wissen? _ ist auch eine Frage

__
btw., eine genauere Aufarbeitung solcher Zusammenhänge bezogen auf Informationslage und Transparenz, können wir im MIK-Thread demnächst angehen, dort ist es auch von zentraler Relevanz

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gerade für die Demokratie, da Transparenz der konstitutionellen Gewalten zum Markenkern der Demokratie gehört.

welche „Demokratie“ meinst du?
und wie sieht es beim Vergleich zwischen Theorie und Prxis aus?

Die Demokratie als Prinzip. Wie du immer von „dem Kapitalismus“ sprichst.

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Also netzpolitik.org verfolgt das Thema schon seit längerem: Suche: palantir

Der für mich entscheidende Grund gegen Palantir zu sein ist, dass die Software verspricht,
„Predictive Policing“ zu unterstützen.