HIer im Speisesaal laufen zwei Damen mit Kopftuch herum. Die eine hell und blond, offensichtlich mit germanischen Wurzeln.
Ich merke, dass mich das stört.
Abends schlägt Instagram mir Filme von dem Freiheitskampf der afghanischen Frauen vor, die nicht einmal mehr miteinander reden dürfen, weil die Taliban - zu Recht - Bildung von Widerstand befürchten.
Und hier habe ich zwei Frauen vor mir, die vermutlich sagen würden, dass sie das Tuch freiwillig tragen, wenn ich sie fragen würde.
Wem geht es ähnlich?
P.S. Ja, das Thema ist mit Absicht in der „Demokratie“ und nicht unter „Frauen und Gedöns“
Noch haben wir in Deutschland gemäß unseres Grundgesetzes die sogenannte Religionsfreiheit und es gibt durchaus Frauen, die das Kopftuch freiwillig tragen.
Eine Bekannte von mir trägt dieses beispielsweise freiwillig und ihr Mann muss dies akzeptieren.
Da ist es umgekehrt.
Anders sieht es natürlich aus, wenn sie dazu gezwungen werden und damit ihre Selbstbestimmung eingeschränkt wird.
Mich stört dies deshalb nicht und es gibt sogar sehr schöne Kopftücher.
Für mich ist das auch eine Frage der Akzeptanz und des Respekts.
Übrigens, meine Oma hat auch immer ein Kopftuch getragen und meine Mutter auch.
Dabei handelte es sich vermutlich um andere Kopftücher.
Mir geht’s nicht um die Rechtslage und die erforderte Toleranz sondern darum, ob jemand ein eigenes Gefühl dazu hat und es verbalisieren möchte und sich traut.
d.h. eine Frau ohne erkennbaren muslimischen Hintergrund trägt im Haus ein Kopftuch?
Warum? Ist sie vielleicht doch Muslimin?
Aus welchem Grund würde man sonst in Innenräumen ein Kopftuch tragen?
Gibt es für eine Katholikin einen (religiösen oder sonstigen) Grund dafür?
Meine Großmutter war auch furchtbar katholisch, aber auf die Idee wäre sie nie gekommen.
Du hast nur die eine Frau beschrieben. Und die andere?
„Normale“ Muslima würde ich sagen. Dunkle Haare und die Brille mit Stecknadeln festgehalten.
Nein, keine Chemo. Die beiden sind immer zusammen unterwegs und haben diese weiten Klamotten an.
Ich will sie nicht fragen. Ich gehe davon aus, dass ich die Antwort kenne.
Es stört mich nur.
Ich habe mal 2 Jahre Orientalistik studiert, der Islam im Original ist mir sehr sympathisch. Aber diese Kleidung nicht.
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Bunte afrikanische Kleidung stört mich nicht. Nur dieses Kopftuch.
Zu den Kopftüchern aus religiösen Gründen habe ich immer dann ein ungutes Gefühl, wenn ich den Eindruck habe, dass sich die Frauen dadurch für etwas Besseres halten als diejenigen, die es nicht tragen. Sie tun das dann ja vermutlich, damit sie nicht später in der Hölle schmoren werden (wie wir in ihrer Vorstellung?)
Ich bin dann immer sehr erleichtert, wenn sie es nicht aus diesem Grund tragen.
Ich habe sehr oft Gefühle, wenn ich andere Menschen sehe. Aller Arten von Gefühlen. Die behalte ich meistens für mich. Aus dem einfachen Grund, weil es auf meine Gefühle nicht ankommt.
Davon abgesehen, ich finde manchen iranische Frauen tragen extrem schöne Kopftücher, die die Haare auch nur so halb bedecken. Das kann sehr aufreizend aussehen, wenn das entsprechende Gesicht darunter ist.
Wenn das die deutschen Frauen auch könnten (um zum Thema zu kommen) fände ich das schön.
Was sind „germanische Wurzeln“? Ich höre den Ausdruck zum ersten Mal.
Kannst du genauer beschreiben, was dich daran stört?
Ich weiß, es ist nicht einfach… frage neugierig und aufgeschlossen, wieso sie das Kopftuch tragen? Es darf nicht nach einem „in-Frage-stellen“ klingen. Vielleicht wird das Tragen religiös, vielleicht kulturell begründet. Vielleicht trägt eine der beiden das Kopftuch aus Solidarität? Gewohnheit?
Mir nicht. Aber ich bin neugierig, ob wir ergründen können, was dieses Gefühl bei dir auslöst. Weil du davon ausgehst, dass die Mehrheit dazu gezwungen wird?
Ich versuche zu verstehen, was Kopftuchtragen mit Demokratie zu tun hat? Ich habe eine vage Vermutung, würde es aber gerne von dir hören.
Beim Thema „Zwang“ gibt es kein schwarz-weiß. Echter Zwang wäre eine Anordnung/Befehl. Es kann aber auf Grund sozialer Konventionen einen gewissen, manchmal auch stärkeren Druck geben. Evtl. macht mir das Kopftuch das Leben leichter und ich nehme es als kleineres Übel in Kauf. Wenn man als arabisch aussehende Frau z.B. in Paris durch gewisse Viertel oder Straßen läuft, kann man ohne Kopftuch Unverschämtheiten und Beschimpfungen, mindestens aber unverholene Blicke und eindeutige Gesten von meist meist arabisch aussehenden Männern (ob sie „gläubige“ Muslime sind, kann ich nicht beurteilen) abbekommen. Nun könnte man der Frau natürlich vorwerfen, wieso sie sich das gefallen lasse und sie sich nicht in den heroischen, (feministischen) Kampf für Selbstbestimmung und Respekt stürzt. Sie ist aber vielleicht nur auf dem Weg zur Arbeit oder zu einer Bekanntschaft, guter Laune und möchte sich den schönen Morgen nicht versauen.
Ähnliches gab es früher bei uns, als man vielleicht nicht im kurzen Rock oder mit roten Schuhen auf die Straße gegangen ist, um nicht die tadelnden Kommentare von Familie und Wildfremden zu ertragen zu müssen.
Unsere „deutsche“ Kultur ist nach wie vor voller inoffizieller Kleidungs"verbote", -Vorschriften und Tabus, aus welchen Gründen auch immer. Vermutlich und zum Glück weitaus weniger als in den meisten Ländern der Welt. Eltern maßregeln ihre Kinder vor dem Schulweg („So gehst du mir nicht aus dem Haus!“), jüngst erst wieder mit den beiden Beispielen „bauchfrei“ oder Jogginghose. Ich selbst wurde quasi „gezwungen“, bei meiner Hochzeit einen Anzug zu tragen. Nachwievor finden es vermutlich viele seltsam, dass meine beiden einzigen männlichen Kollegen und ich in kurzer Hose zur Arbeit kommen, ohne dafür Ärger zu kriegen. Der Geschäftsführer der Fa., in der ich früher gearbeitet habe, hat mir gegenüber mal eingestanden, dass ich ihm lange „suspekt“ (mein Ausdruck, er hat etwas anderes gesagt, aber das Wort trifft es am besten) vorgekommen sei, weil ich Birkenstocksandalen trug - und das im Vertrieb!
Meine Frau hatte jahrelang Mädchen aus einer Baptistengemeinde als Besucherinnen in der Bibliothek, die nur Röcke tragen durften. Wenn ich heute Mädchen und Frauen in Röcken sehe komme ich nicht auf Idee, ob die ein oder andere dazu gezwungen worden sein könnte. Definitiv gibt es Familien, in den die Eltern es ablehnen, dass ihre Töchter Hosen tragen oder ihre Söhne eine Bluse. Bei „Junge in Kleid/Rock“ liegt die Verbotsquote vermutlich dicht bei 100%.
In früheren Jahrhunderten und Jahrzehnte trug man in Deutschland sehr viel Kopftuch, Mütze oder Hut, gerne auch als Statussymbol. Schau dir Videos von Straßenszenen in deutschen Großstädten aus den 20er-Jahren an. Wie viel davon war einfach nur praktisch, Mode, Konformität oder „Zwang“, weil man ohne „blöd angeschaut“ wurde?
Das ist zum Glück kein Widerspruch Wichtige Info um zu verstehen, dass es bei dir wohl nicht eine Abneigung oder Skepsis gegenüber dem Islam ist… wenn da nicht der Zusatz „im Original“ wäre. Was ist denn der Orignal-Islam? Über die Auslegung des Koran wurde sogar zu Mohammends Lebzeiten schon gestritten. Ab wann hat sich der heutige Islam vom Original entfernt? Manche Muslime behaupten, mit ihrer heutigen Auslegung dichter dran zu sein an der ursprünglichen Lehre, andere behaupten über diese Menschen das glatte Gegenteil. Kommt mir bekannt vor, gibt’s im Christentum auch ständig, diese Debatte.
Negative Assoziationen? Entspricht nicht deinen Sehgewohnheiten? Wäre auf diesem Niveau nicht viel anders als bei 99,9% der Menschen (was es nicht besser macht): Jeder kennt die Assoziationen mit Springerstiefeln und Glatzen, langen Haaren und Bärten (80er Jahre v.a.), zerrissenen Jeans, Jogginghosen oder sonst was. Viele Menschen scheinen unfreundliche, faule, geschmacklose, dumme, eingebildete etc. Menschen alleine an ihrem Äußeren erkennen zu können
Wie bekommst du diesen Eindruck? Verraten die sich mit abfälligen Äußerungen oder Gesichtsausdrücken? Oder ist das nur so eine Vermutung? Gleich dem Effekt, als Jeansträger in die Oper zu gehen. Der ein oder andere Blick anderer Gäste (in Abendkleid und Anzug) wird auf dich fallen (wäre er auch, wenn du etwas anderes angezogen hättest). Du fällst mit Jeans einfach auf, man registriert das. Registrieren ist zunächst wertfrei. Aus dieser vielleicht unangenehmen Situation macht dein Gehirn leicht ein „Die halten sich bestimmt auch für etwas Besseres!“
Und wenn sie es doch aus religiösen Gründen tragen (ohne die genauen Gründe zu vertiefen)? Enttäuscht, entsetzt? Ich hoffe es ist wenigstens die gleiche Reaktion wie die Handlungen von Christinnen, Jüdinnen und anderen, die Handlungen und Verhalten aus ihrem Glauben ableiten, obwohl NICHTS davon in der Bibel, in der Thora oder sonst wo steht. Die meisten religiösen Gebote werden von Institutionen mit tw. Pseudobegründungen geschaffen, die irgendwann ins Kulturgut übergehen, zur Gewohnheit, Tradition und geschätztem Brauchtum werden. In Italien darf ich als Mann nicht in kurzen Hosen in die Kirche gehen. Überall läuten zum Gottestdienst die Glocken? Wieso noch heute? Ich bauche kein akustisches Signal mehr, um den Gottestdienstbesuch zu verpassen. Und das Morgenläuten um 7 h, das Menschen weckt, die ausschlafen wollen? Heute gibt es Wecker dafür.
Ich bin dann immer ein bisschen befremdet, sage aber nichts dazu, außer, wenn ich gefragt werde. Ich weiß ja auch selbst nicht besser, was „aus religiösen Gründen“ richtig oder falsch ist.
Wenn jemand erwartet, nach ihrem Tod durch das jahrelange Tragen des Kopftuchs Vorteile bei Allah zu bekommen, würde ich die Chancen darauf als relativ gering einschätzen.
Ein praktischer Nutzen zu Lebzeiten erschließt sich mir eher.
In Pakistan zum Beispiel habe ich auch ein Kopftuch getragen, weil es dort sofort messbare Nachteile mit sich bringt, es nicht zu tragen.