Es ist mal wieder Zeit sich für eine grüne Spitzendandidatin zu schämen. Wobei sie nichtmal Mitglied der Grünen ist. Unsere österreichische Schwesterpartei hielt es trotzdem für klug Lena Schilling als Spitzenkandidatin für die Europawahl aufzustellen. Immerhin ist sie dort schon als Aktivistin für Fridays for Future bekannt, ähnlich wie hierzulande Luisa Neubauer oder Carla Reemtsma. Dass sie keinerlei fachliche Qualifikation hat - geschenkt. Aber was nun ans Tageslicht kam, macht es echt schwer ihr eine Stimme anzuvertrauen. Lena Schilling hat:
Falschbehauptungen über Beziehungsgewalt und eine Fehlgeburt ihrer damaligen Freundin verbreitet und musste dazu eine Unterlassungserklärung unterzeichnen (hat jemand im Freundeskreis schonmal was per Unterlassungserklärung klären müssen? ich nicht)
falsche Anschuldigungen der sexuellen Belästigung gegen einen Journalisten erhoben
mehrfach Gerüchte über erfundene Liebesbeziehungen und Affairen verbreitet
War es echt nicht möglich jemanden zu finden, der zumindest vertrauenswürdig rüberkommt, wenn man schon auf fachliche Kompetenz gänzlich pfeift? Worauf sollte man bei der Auswahl von Spitzenkandidaten eurer Meinung nach achten?
Das ist bei den Grünen in Österreich nicht anders wie bei den Grünen in Deutschland.
Die maßgebliche „Qualifikation“ die alles andere schlägt ist: weiblich
worauf man bei der Personalauswahl achten sollte:
Eignung geht vor ideologischer Prinzipientreue.
Eignung geht vor Fähigkeit zur Selbstdarstellung.
Irgendeine Form der Erfahrung außerhalb der Politik ist ein großer Vorteil.
Ein Berufsbaschluss ist eine sinnvolle Sache. Und „Aktivistin“ ist kein Beruf.
Der Bewerber sollte schon mal irgendwas erreicht haben, das sich mit seinen Aufgaben/Zielen als Abgeordneter usw. halbwegs vergleichen lässt (systematisches Arbeiten an Sachthemen, langfristige Beschäftigung mit einem Thema, Aneignung von Fachwissen).
Ehrlichkeit und ein Bezug zurb Realität sind immer hilfreich.
Eher keine „23-jährige Klimaaktivistin“ für ein relevantes Amt vorsehen.
Aber wenn eine Partei so eine Liste braucht, ist ihr nicht zu helfen.
Das sind doch alles banale Kriterien, da reicht der gesunde Menschenverstand.
Du meinst berufliche Erfahrung? Warum eigentlich? Von einem Arzt erwartet auch niemand, dass er erst 5 Jahre im Supermarkt arbeitet.
Bill Gates und Steve Jobbs hatten auch keinen. Es gibt noch viel mehr Beispiele von erfolgreichen Menschen ohne Abschluss. Zählen für Dich eigentlich auch Abschlüsse in Lehramt, Politologie, Soziologie?
Ich halte z.B. Kevin Kühnert für einen sehr fähigen Politiker. Bei Ricarda habe ich Zweifel.
Und andersrum ist ein selbst Doktor (so er nicht aberkannt wird) überhaupt keine Garantie für einen guten Politiker. Auch Quereinsteiger tun sich oft schwer.
Leider sind gerade das die Erfolgsfaktoren für Politiker, nicht nur bei den Grünen.
ah geh weider…
natürlich ist ein beruf keine garantie für irgendwas.
ich kenne viele promovierte schwachköpfe.
und natürlich gibt es sehr erfolgreiche leute ohne formale ausbildung. aber im durchschnitt und im regelfall ist eine ausbildung eine sinnvolle sache und eine qualifikation.
es macht einen unterschied ob man 5 jahre in einer bank gearbeitet hat oder ob man sich bei einem besuch von einem abteilungsleiter erklären lässt, wie denn das bankgeschäft so funktioniert.
ich halte es nicht für gut, wenn jemand nach dem abitur ein halbes studium macht und dann berufspolitiker wird. das ist doch eine sehr eigene welt und ein beschränkter erfahrungshorizont.
ausnahmen mögen die regel bestätigen.
kühnert ist ein akzeptables beispiel.
aber wenn ich die wahl hätte würde ich im zweifel jemand nehmen, der schon mal was anderes gemacht oder wenigstens gelernt hat.
Es ging doch um die Kriterien für die (Aus-)Wahl von Politikern. Da sollte man nicht auf den Durchschnitt schauen, sondern auf den Einzelfall. Es ist doch ein Unding, einem hochintelligenten Politiker, der die Fähigkeit hat, sich schnell in komplexe Themen einzuarbeiten, eine mangelnde Ausbildung in irgendeinem Beruf vorzuwerfen.
Das Problem hast Du doch bei jedem Beruf, jeder Beruf ist eine eigene, beschränkte Welt. In wie vielen Berufen soll ein Politiker ausgebildet sein, bis er einen angemessen Erfahrungshorizont hat? Dabei bieten die meisten Berufe einen viel engeren Erfahrungshorizont als der Politikerberuf.
Natürlich macht es Sinn, wenn in den Fachausschüssen des Parlaments auch echte Experten sitzen, das heißt aber nicht, dass jeder Politiker in einem anderen Beruf Experte sein muss.
Es gibt auch noch etwas dazwischen.
Würdest Du das auch bei Deinem Arzt so machen? Für mich wäre das eines der letzten Kriterien, kurz vor Geschlecht und Haarfarbe.
da haut ihr in die Kerbe der AfD. Deren Hauptargument: im Handwerk gilt Meister-Zwang… in der Politik nicht.
Man sollte bei Mandaten echt einen psychologischen Test einführen. Maligner Narzissmus ist nicht förderlich für gute Politik.
Mit ein Grund, warum ich nie ein Mandat in der Politik angestrebt habe: mir fehlen dazu die Ellenbogen eines Narzissten
das kommt drauf an, ob man die Person persönlich einschätzen kann.
Kann ich das nicht (wie im Regelfall) würde ich mich
für jemanden mit Ausbildung/Beruf/Erfahrung entscheiden.
Kenne ich den Menschen gut, ist natürlich die Person entscheidend.
Das mcht man doch bei der Einstellung von Mitarbeitern auch so.
Oder wie machst Du das?
Wir reden hier über die Kandidatenaufstellung bei unserer Partei. Da sind die Leute in der Regel keine Unbekannten und die Delegierten sollten da schon einen Eindruck von der Person haben, bevor sie wählen.
Falls nur der CV bekannt ist, zählen natürlich die Kriterien Berufs-Erfahrung und Ausbildung (in der Reihenfolge). Wenn ich z.B. einen SW-Entwickler einstelle, schaue ich aber nicht was er an anderweitiger Berufserfahrung hat, sondern an Erfahrung genau in diesem Metier. Schulausbildungen kommen als Letztes.
Auf Politiker übertragen, wenn es im Führungspositionen geht, würde ich mich nicht fragen, ob er/sie eine Banklehre gemacht, sondern ob er/sie Politik- und Führungs-Erfahrung hat.
Um noch mal auf mein Beispiel Kevin zu kommen: Er hat mittlerweile so viel Erfahrung und hat bewiesen, dass er das Handwerk versteht, so dass jede Bemerkung über seine fehlende Berufsausbildung in irgendeinem anderen Beruf einfach nur lächerlich ist. (Ich weiß, das hat hier niemand getan, aber die AfD macht das mit Vorliebe)
Da hast du dir ja den richtigen ausgesucht.
Der labert nur seine einstudierten Phrasen.
Wenn du das als Handwerk verstehst, okay das kann er.
Wenn es darüber hinaus geht, glänzt er durch Unwissenheit.
So habe ich ihn jedenfalls im Fernsehen erlebt.
Das sehe ich auch so. Wobei in diesem Fall die Spitzenkandidatin einer kleineren Partei in einem kleineren EU-Land zur Europawahl nicht unbedingt für ein relevantes Amt in Frage kommt - sie bekommt „nur“ sehr sicher einen Sitz im EU-Parlament. Man könnte es sogar für strategisch klug halten den Listenplatz 1 mit übermäßig viel Ausstrahlung (bei Verzicht auf Qualifikation) zu besetzen um so mehr Stimmen für die Liste einzufangen und dann auch mehr Fachpolitiker (ohne ausreichende Eigendarstellung) auf hinteren Listenplätzen mitzuziehen.
Ob so viel Kalkül bei der Nominierung von Lena Schilling dahinter stand, weiß ich nicht - vielleicht waren es auch einfach die guten alten Seilschaften. Das zumindest lassen die Vorgänge Rund um den Rücktrick von Clemens Stammler und das Vertuschen von Schillings Beteiligung daran seitens der Parteiführung vermuten.
wenn du Imperativ benutzt, (du musst, du sollst) dann entsteht beim gegenüber der Eindruck, Befehlsempfänger zu sein. Entweder er nimmt es knurrend an oder wendet sich irgendwann ab.
Wenn du aber bei der Vorstellung deiner Idee den anderen mit Fragen so einbindest, dass er die Antworten findet, dann hat er das Gefühl, dass deine Idee eigentlich seine sei. Wenn man also auf der eigenen Idee nicht unbedingt seinen eigenen Namen sehen muss, dann kann man andere Leute dafür begeistern.
Ich habe mal irgendwo ein Zitat aufgeschnappt: wenn du Schiffe bauen willst, musst du den Menschen den Traum von der weiten Welt vor Augen führen… nicht technische Details. (oder so ähnlich)…
Wenn dein Ratschlag gut ist und derjenige, der deine Idee verbreitet hat, dafür gelobt wird, wird er dich auch beim nächsten Mal um Rat fragen.
Klingt jetzt ein wenig nach Manipulation, aber das kann man ja positiv als auch negativ nutzen.
Also kein Grund, mich in den Vordergrund zu stellen. Die jungen Leute sind da viel fotogener und sprechen auch die jungen Leute an, sich für Politik zu engagieren.