Privatisierung und Verstaatlichung

wirklich? die haben auf die Weise privatisiert? das wusste ich nicht.
Hast Du mal einen Link dazu?

Die Abwicklung der Staatsbetriebe

Die meisten Politiker und Geschäftsleute in Jelzins Russland stammt aus der alten Nomenklatura von Parteifunktionären, Kombinatschefs, Abgeordneten.
Laut Orlando Figes (‚100 Jahre Revolution‘, 2014) hatten 1999 frühere Mitglieder der Sowjet-Nomenklatura drei Viertel der Posten in Jelzins Präsidialverwaltung und der Regierung inne. Daraus rekrutierte sich dann die Geschäftselite der 90er Jahre. Durch das juristische Chaos der Gorbatschow-Ära gelang es dieser Gruppe ehem. Staatseigentum in Privateigentum umzuwandeln.
Figes schreibt:
„Von 1987 an konnten Sowjetfunktionäre staatliche Vermögenswerte erwerben, lange bevor die übrige Bevölkerung Anteile daran erhielt. Ministerien wurden kommerzialisiert und von ihren höchsten Vertretern, welche die Aktivposten zu Billigstpreisen an sich selbst verkauften, teils als Wirtschaftsunternehmen betrieben. Genauso verschleuderte man Fabriken und Banken“

ChatGPT gibt mir folgendes Summary:
"Die Privatisierung von Staatseigentum in der Sowjetunion begann während der Amtszeiten von Michail Gorbatschow und setzte sich unter Boris Jelzin fort. Hier sind einige der wichtigsten Maßnahmen, die von den Regierungen unter Gorbatschow und Jelzin ergriffen wurden, um die Privatisierung zu ermöglichen:

Unter Gorbatschow:
1. Perestroika (Umstrukturierung): Gorbatschows Reformpolitik der Perestroika zielte darauf ab, die ineffiziente Planwirtschaft zu reformieren. Dies umfasste auch die Einführung von Elementen der Marktwirtschaft. Es wurden zunächst jedoch nur begrenzte Schritte in Richtung Privatisierung unternommen.
2. Gesetz über Unternehmensvereinigungen: 1987 wurde ein Gesetz über Unternehmensvereinigungen erlassen, das es Unternehmen erlaubte, als rechtliche Einheiten zu agieren. Dies erleichterte den Übergang von staatlichen Betrieben zu teilweise privaten Strukturen.

Unter Jelzin:
1. Programm der schnellen Privatisierung (1992): Jelzin und sein Wirtschaftsberater Jegor Gaidar führten ein radikales Reformprogramm durch, das als „Programm der schnellen Privatisierung“ bekannt ist. Dieses Programm sah vor, staatliche Unternehmen durch die Verteilung von Gutscheinen an die Bevölkerung zu privatisieren. Die Bürger konnten diese Gutscheine dann verwenden, um Aktien staatlicher Unternehmen zu erwerben.
2. Auktionen und Direktverkäufe: Neben dem Gutscheinprogramm wurden staatliche Unternehmen auch über Auktionen und Direktverkäufe privatisiert. Oft wurden diese Unternehmen zu niedrigen Preisen an gut vernetzte Geschäftsleute verkauft, was den Aufstieg der Oligarchen förderte.
3. Liberalisierung der Wirtschaft: Jelzins Regierung verfolgte eine Politik der wirtschaftlichen Liberalisierung, die den Privatsektor stärkte und die Rolle des Staates in der Wirtschaft reduzierte. Dies trug dazu bei, dass Unternehmen in privater Hand effizienter arbeiten konnten.
4. Gesetz über das Eigentumsrecht: Im Jahr 1992 verabschiedete Russland ein Gesetz über das Eigentumsrecht, das den rechtlichen Rahmen für die Privatisierung schuf und den Übergang von staatlichem zu privatem Eigentum regelte.

Diese Maßnahmen zur Privatisierung waren Teil eines breiteren Übergangs von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft in Russland. Während sie das Ziel hatten, die Wirtschaft zu beleben und effizienter zu gestalten, führten sie auch zu beträchtlichen sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten sowie zur Entstehung der Oligarchenklasse.

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Wikipedia sagt auch was dazu:

Danke. Das klingt für mich ganz anders (und plausibler) als die Version, wonach jeder einen gleichen Anteil bekommen hätte und die arme Bevölkerung ihre Anteile aus Unkenntnis für einen Appel und ein Ei verkauft hat.
Das mit den Gutscheinen war dann vielleicht nur noch Resteverwertung, um den Schein zu wahren?!

na ja, zur SU sagt der Beitrag so gut wie nichts. Mehr zur Treuhandanstalt

Sei nicht so undankbar. Das ist doch mehr als nichts:

„Die Coupon-Privatisierung wurde unter anderem in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, Polen und in der ehemaligen Tschechoslowakei zum Ende des Kommunismus durchgeführt, wo ab Juni 1992 nach langen Kontroversen ein beachtlicher Teil der Staatsbetriebe privatisiert wurde.“

Hier noch mal ein Beitrag aus der Zeit zu dem Thema:

Der Beitrag ist aus dem jahr 2015. Dort steht am Ende auch die Antwort auf die Frage, was den Russen an Putin gefällt:

„In den Augen vieler Russen hat Putin ihnen ihre Würde wiedergegeben und für bescheidenen Wohlstand gesorgt. Die Wiederkehr von Ordnung und Sicherheit mussten sie mit dem Verlust politischer Freiheit bezahlen. Nach allem, was sie erlebt hatten, waren die meisten Russen bereit, diesen Preis zu entrichten.“

Damit schließt sich der Kreis wieder zu diesem Post:

https://das-gruene-forum.de/t/diesen-krieg-kann-keiner-gewinnen-kehrt-jetzt-vernunft-ein/1284/851?u=biologin

Das halte ich für einen Irrtum.
Die Russen haben ihre politische Freiheit nicht verloren, denn sie besaßen sowas wie Freiheit noch nie.

Deswegen wollten sie Ordnung und Sicherheit (law and order? :slight_smile: ), auch ohne Freiheit, denn das war ein Fortschritt gegenüber Chaos und Unsicherheit und Unfreiheit.

Was für ein trauriger Zustand, wenn ein ganzes Volk den Wunsch nach Freiheit aufgegeben hat, und sich mit der Sicherheit einer Gefängniszelle zufrieden gibt!
Eine Tragödie.

Das ist es, was ich meinte:

Ich finde das auch tragisch, aber wie frei sind wir selbst? Die meisten Menschen haben auch in Deutschland für ein Leben in Sicherheit und Ordnung große Opfer gebracht, z.B. in Bezug auf freie Zeitgestaltung, freie Ortswahl und freie Entscheidungen während der Arbeitszeit. Viele haben auch noch dazu eine Hausordnung dort, wo sie wohnen.
Die meisten Menschen sind so gestrickt, das sie sich zu größeren funktionierenden Gefügen zusammenschließen, die dann nicht mehr demokratisch organisiert sind.

Freizeitgestaltung und Hausordnung?!
Das willst Du ernsthaft mit den Freiheitseinschränkungen in Russland vergleichen?
Dann ist Dir jeder Maßstab abhanden gekommen.
Du verwechselt Regeln, die ein System zum Funktionieren braucht, mit gezielten Einschränkungen der Freiheit aus politischen Gründen.

Außerdem verwechselst Du innere und äußere Sicherheit.
Die Russen sind im Verhältnis zum Ausland militärisch sicher, weil sie die Bombe haben.
Im Inland sind sie nicht sicher, weil sie nie wissen, was dem Staat morgen noch alles einfällt (ist es zB erlaubt, mit leeren weißen Blättern zu demonstrieren? oder wird man dafür eingesperrt?).

Aber ansonsten hast Du natürlich recht: in Russland gibt es keine Hausordnungen und bei der Freizeitgestaltung sind die Russen uns Lichtjahre voraus :roll_eyes:

Was für ein Scheiß. Wo soll ich das behauptet haben?

Ich wollte nur schreiben, dass du selbst auch nicht frei bist, sondern ein Gefangener in deinen eigenen Einschränkungen, die du für alternativlos hältst:

das kann ja sein, aber es hat nichts mit dem Thema zu tun, nämlich dass die Russen ihre persönliche Freiheit für äußere Sicherheit eintauschen bzw. dass sie keine Freiheit haben und noch nie hatten. Können wir nicht EINMAL beim Thema bleiben?!

Und was das Thema ist, bestimmst du?

Ich habe diesen thread extra angelegt, weil du vom Thema abgekommen warst.

Soll ich noch einen anlegen?

nein, die Logik der Argumente und der sachliche Zusammenhang.

ich habe Dich nicht darum gebeten, sondern musste erstmal meinen eigenen Beitrag suchen.

Du meinst für russische Hausordnungen? :slight_smile:

sehr witzig!

Nein, für Selbstreflexion

Ich verstehe das Thema nicht ganz. Was hat denn Privatisierung mit Freiheit zu tun?

Grundsätzlich ist es von Vorteil für dich, wenn dir die Dinge, die dir wichtig sind, gehören.
Ansonsten bist du abhängig von den Entscheidungen der Besitzer.

Das Problem, wenn dem Staat nichts mehr gehört, ist, dass er dann auch abhängig von den Entscheidungen der jeweiligen Besitzer ist.

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