Die Diskussion geht darüber, wie die soziale Zeit zur Sonnenzeit stehen soll. Die UTC±n richten sich eigentlich nach dem Sonnenhöchststand im Mittel der Zeitzone.
Die Rückkehr zu UTC+1, die der Winterzeit entspricht, wäre also nach dem Sonnenstand angemessen. Durch die Sommerzeit wurde die soziale Zeit gegenüber der Sonnenzeit halbjährlich verschoben.
Jetzt hat die EU aber eine nicht-repräsentative europaweite Umfrage gemacht, nach der viele (oder die meisten ?) sich für die permanente Sonnenzeit ausgesprochen haben, und auch einzelne Staaten haben diese Präferenz bezüglich der sozialen Zeit. Wissenschaftler und Mediziner allerdings warnen davor, weil das Problem einer Gesellschaft mit chronischem Schlafmangel dadurch verschärft würde, da sich die menschliche, wie die tierische und pflanzliche Physiologie, nach dem Licht richtet.
Die Präferenz vieler Menschen für eine permanente Sommerzeit als sozialer Zeit liegt in dem erhöhten Freizeitwert an hellen Abenden (Geselligkeit, Sport machen, mit den Kindern noch was unternehmen…), berücksichtigt aber nicht die erheblichen negativen physiologischen Folgen bei einem zu frühen Arbeitsbeginn und zu wenig Schlaf.
Diese zeigen sich in Krankheiten, die man auch bei häufigem jetlag und Schichtarbeit beobachtet (Blutdruck, Herzinfarkte/Schlaganfälle, Übergewicht, psychische Erkrankungen, Hormonstörungen, Erschöpfung, uvm), in der Entwicklung/Lernerfolg von Kindern und Jugendlichen, in der Arbeitssicherheit uvm.
Das liegt daran, dass viele Prozesse (Stoffwechsel, Hormone, Neurotransmitter uvm.) circadian organisiert sind. Taktgeber dafür sind Lichtintensität, Lichtspektrum, Temperatur, Nahrung, soziale Reize, Gene (Eulen vs. Lerchen) und Gewohnheit, und das altersabhängig. Die Empfindlichkeiten für die Taktgeber sind individuell verschieden, und die Anpassungszeiten und -möglichkeiten an Veränderungen sind für verschiedene Prozesse unterschiedlich, so dass die körperlichen Funktionen desynchronisiert werden.
Wenn man jetzt zur ursprünglichen sozialen Zeit (= Sonnenzeit) zurückkehrt, wäre das medizinisch besser, wird aber Proteste und EU-Bashing auslösen.
Und damit gebe ich dir recht, Jörg @WitzelJo , das ist keine geeignete Frage für Volksabstimmungen. Das Vernünftige kann aber offenbar gegenwärtig nicht durchgesetzt werden.
Ein Teil der Lösung liegt imo darin, die gesamten sozialen Zeitregulierungen sowohl flexibler als auch gesünder zu machen. Ist zwar bei vielen Berufen unrealistisch, aber zB. bei späteren Schulzeiten zeigen Versuchsprojekte gerade bei Jugendlichen sehr gute Ergebnisse. Gesundheitlich und volkswirtschaftlich wäre eine bessere Anpassung an biologische Gegebenheiten ein Gewinn.
Ich als physiologische Extremeule bin mit der sozialen Zeit noch nie zurechtgekommen, daher hat mich das auch fachlich interessiert.