Ihr kennt ja meine Meinung: es gibt mehr Schwarmdummheit als Schwarmintelligenz.
Hier ein Beispiel:
Im Autoradio habe ich heute einen Bericht darüber gehört, dass die Mehrheit der Leute mit Merz unzufrieden ist, u.a. deswegen, weil er sich zu viel um Außenpolitik kümmert und zu wenig um das, was in D vor sich geht.
Aber: Das wichtigste politische Thema für die Mehrheit war die Ukraine und der Krieg!
Zweiter Platz die US-Zölle.
Dritter Platz Naher Osten.
Ich habe mich über diesen Blödsinn sehr geärgert.
Ein schönes Beispiel für Schwarmdummheit.
Was soll ich daraus als Kanzler machen?
Die Ukraine als 17. Bundesland aufnehmen, damit sie unter Innenpolitik fällt??
Als ich zuhause ins Netz geschaut habe, habe ich das hier gefunden:
Merz ist nur der Einsteiger - ich finde das Thema durchaus interessant (und es gibt noch viele andere Beispiele (ganz ohne Merz).
Schwarmintelligenz entsteht doch dadurch, dass sich viele vernetzen (selbst wenn es über ganz profane Regeln wie beim Vogelflug läuft), um flexibel zu bleiben und trotzdem sinnvollere Entscheidungen zu treffen als im Alleingang - die Dummheit kommt doch dadurch zustande, dass vielleicht noch eine Vernetzung stattfindet, aber das Individuum sich in seiner großen Unkenntnis trotzdem Entscheidungen trifft, die zwar gemessen an dem eigenen winzigen Horizont kurzfristig plausibel erscheinen, mittel- und langfristig aber im Verbund mit den anderen zu riesigen “Reibungsverlusten” führt (im Schwarmflug schlimmstenfalls zu Kollisionen führen würde). Ein gutes Beispiel dafür ist die alltägliche Staubildung, die z.T. allein dadurch entsteht, weil mit zu unregelmäßigem Tempo gefahren wird. Viele Staus ließen sich vermeiden, wenn sich jeder man der Geschwindigkeit der umliegenden Fahrzeuge orientieren würde (ein ehemaliger Prof. von mir hat dazu interessante Forschung in den 90ern betrieben).
Zumal das “wichtigste politische Thema” wohl sehr mediengetrieben und mittlerweile von sehr kurzer Lebensdauer sein dürfte. Die US-Zölle haben viele bereits wieder vergessen, wo nun ein paar Wochen kaum noch darüber berichtet wurde.
es ging um eine Umfrage von dieser Woche, nicht um die BT-Wahl.
„In der Forsa-Erhebung liegen nämlich auf den ersten drei Plätzen der „wichtigsten Themen“: der Krieg in der Ukraine (für 65 Prozent), US-Politik/Trump/Zölle (für 39 Prozent), Naher Osten (38 Prozent, Mehrfachnennung möglich). Dann erst kommt die „ökonomische Lage“, die 36 Prozent der Befragten derzeit für das wichtigste Thema halten.“
einfacher ausgedrückt:
die Addition vieler uninformierter („dummer“) Standpunkte führt nicht zu besseren („intelligenten“) Entscheidungen.
Das mit der Schwarmintelligenz kann funktionieren, wenn ein halbwegs kluger Mensch die Meinungen von 100 anderen einholt und sich daraus die ein oder zwei Ansichten raussucht, die wirklich weiterhelfen, und die 98 anderen ignoriert.
Es funktioniert eher nicht, wenn man (um im Beispiel zu bleiben) die 100 Angefragten abstimmen lässt oder den Mittelwert ihrer Reaktionen als Basis für weitere Überlegungen nimmt. Dann schlägt die Gauss´sche Verteilung zu und man bekommt bestenfalls mittelmäßige Informationen/Vorgaben/Ideen.
Das ist aber das Prinzip der Meinungs- und Wahlumfragen (und aller „basisdemokratischen“ Ansätze).
Und so kriegen wir dann Umfragen, in denen eine Mehrheit von der Regierung verlangt, dass sie Ziele erreicht, die sich gegenseitig ausschließen, siehe oben.
Ich halte ihn für einen ehrgeizigen Taktierer, der auch vor Lügen und übler Polemik nicht zurückschreckt, wenn es seinen Zielen dient. Gleichzeitig hat er aber auch typische Eigenschaften, die man in Managerkreisen braucht: Eloquenz, Rethorik, Auftreten, mal konziliant, mal breitbeinig, mehr Schein als Sein, Durchsetzungskraft.
Das hilft ihm in der jetzigen Lage in der Außenpolitik, da macht er vieles viel besser als der Autist Scholz, z.B. die Abstimmung mit den EU-Partnern, ist aber letztlich nicht konsequent. Typisches Beispiel Taurus: in der Opposition markige Worte und Ultimaten an Putin, in der Regierung zieht er den Schwanz ein. Ich erkenne da ein gewisses Maulheldentum.
Zur Schwarmintelligenz
In aller Kürze (das ist ein weites Feld), der Begriff beschreibt ein Phänomen, das es wirklich gibt, sagt aber noch nichts über die Höhe der SI aus. Wie bei individueller Intelligenz ist es manchmal in höherem Maß, manchmal in geringerem Maß vorhanden. Und wird meistens auch noch durch die Emotionen überwuchert. Es gibt auch Schwarm-Emotion.
Ich sehe da aber Analogie zum Gehirn, in dem sich Milliarden Zellen vernetzen und daraus entsteht ein größere Intelligenz als sie die einzelnen Zellen haben. Dazu ist aber eine sehr enge Vernetzung erforderlich, die ist vermutlich in den Gesellschaften viel zu lose, um eine wirklich hohe SI zu erreichen.
Die “Forsa-Erhebung für RTL NTV” ist scheinbar nicht öffentlich. Was konkret gefragt wurde und wie die Stichprobe erhoben wurde unbekannt. Ging es hier um ernsthafte Meinungsforschung oder um etwas Futter für Berichterstattung? Das erhobene “Meinungsbild” deckt sich jedenfalls mit keiner anderen halbwegs aktuellen Umfrage dazu.
Leute die Berichten hinterherlaufen in denen Tatsachen behauptet werden, die einer unabhängigen Überprüfung nicht standhalten - ärgert mich auch sehr.
Ich beobachte zurzeit öfter mal einen riesigen Schwarm Stare, der von Tag zu Tag immer größer wird, weil sich immer mehr Gruppen dort anschließen. Sie ernten gemeinsam Obstbäume ab, üben in der Luft schnelle Wenden und Kurven und stoßen nie zusammen. Bald wird der Schwarm seinen Zug Richtung Süden antreten und eine riesige Strecke zurücklegen, für die wir ein Flugzeug bräuchten.
Das ist eine erstaunliche Leistung, und ich frage mich jedes Mal wie sie das schaffen.
Das ist auch eine große Leistung, natürlich!
Auch, dass die Flugzeuge beim Starten und Landen auf Großflughäfen trotz der engen Taktung nicht zusammen stoßen, ist genial.
Fürs eigene Fahren im Schwarm auf der Autobahn reicht’s scheinbar nicht
Im Schwarm von rechtsradikalen Aufmärschen klappt’s hingegen wieder ganz gut - Der Mensch - ein Mysterium …
Ich weiß es nicht mehr so 100%ig - schon etwas länger her, dass ich darüber mal etwas gelesen habe – aber die Regeln sind wohl rel. einfach und lassen sich auch gut am Computer simulieren - vor allem achtet jedes Individuum auf den rel. Abstand zu den direkten Nachbarn und passt die Geschwindigkeit entsprechend an. Es gibt dann noch die Sonderrolle desjenigen, der a der Spitze fliegt, und die, die ganz am Rand unterwegs sind - ich habe dazu etwas Literatur zu Hause rumliegen - ist aber wahrscheinlich schon wieder etwas veraltet.
Man spricht hier von „emergentem“ Verhalten. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Wir bestehen schließlich auch nur aus dummen Atomen und schreiben hier in diesem Forum intelligente Texte, mehr oder weniger.
Bei Vögeln ist nur die Frage, welche direkten Nachbarn die Orientierungspunkte sind, an denen sie ihre Richtung und Geschwindigkeit festlegen - das könnte ein prima Modell auf der Autobahn sein - funktioniert beim Menschen aber nur, wenn die Geschwindigkeit von außen (durch den Staat) festgelegt und auch streng kontrolliert wird (Leitsysteme - technisch kein Problem).
Der Mensch kann schon auch bei Demos und ähnlichen Veranstaltungen durchaus in den “Flugmodus” schalten - tut das aber aus irgendwelchen Gründen auf der Autobahn nicht (ich spekuliere mal, weil die Gruppenidentität bei einer Demo größer ist als beim Autofahren).
Das mit der Mittelwertbildung muss nicht unbedingt grundverkehrt sein - auf diese Weise kann man sich langfristig zumindest synchonisieren, was das effektive Handeln der Gruppe an sich schon verbessert. Es scheitert aber eher daran, sich zu selten als Gruppe zu verstehen, da die Einzelinteressen überwiegen - da sind wir wieder bei unserem Steinzeitproblem - in der Kleingruppe (insbesondere Familie) funktioniert das immer noch - damit kann man vielleicht keine Spitzenleistung hinbekommen - aber zumindest das Überleben der Gruppe einigermaßen hinbekommen - wie ist es aber mit der Gruppe von 83 Mio - oder erst recht der von 7,2 Mrd. Wo ist da die Fähigkeit, sich als Gruppe zu verstehen, die gemeinsam z.B. das Hunger- oder das Kriegsproblem in den Griff bekommt - da ich kein Freund der Kapitalismuskritik bin, sondern eher die Frage der “Schwarmfähigkeiten” stelle, würde ich pers. die Frage eben auch in diesem Sinne beantworten, das die Orientierung in diesem riesigen Schwarm eben einfach beim Menschen nicht funktioniert, da der Mensch eher ein Rudelwesen ist. (Ich weiß, dass jetzt sofort wieder der Vorwurf des “Biologismus” kommt