Sind Europa und die Demokratie noch zu retten?

Warnung, das wird jetzt bisschen länger als üblich, aber ich muss mir einiges von der Seele schreiben.

In diesem Jahr und besonders in den letzten 2 Wochen hat sich für mich die Welt auf den Kopf gestellt. Es kommt überraschend, wie ein Vulkanausbruch, der sich zwar schon seit einiger Zeit durch größere und kleinere Beben ankündigt, dessen monströses Schauspiel aber dennoch ein plötzliches, tiefes Entsetzen auslöst. Als hätte man die ganze Zeit wider besseres Wissen gehofft, dass es nicht so weit kommt, als würde das Magma, das sich unter der Erde aufgestaut hat, irgendwie von selbst wieder verschwinden. Aber nein, es verschwindet nicht nach unten, es bricht sich unter gewaltigem Getöse Bahn nach oben.

Es hat sich Bahn gebrochen in den USA mit der Wahl des brunsdummen Faschisten Trumps und seines Gruselkabinetts; es hat sich Bahn gebrochen in der Ukraine, wo Putin seinen Krieg entgegen aller Beteuerungen des Westens gerade gewinnt; es hat sich Bahn gebrochen im Nahen Osten, wo sich Israel und seine Feine in erbarmungslosem, alttestamentarischen Furor bekämpfen; und es hat sich ein Bähnchen gebrochen in Deutschland, wo eine mäßig progressive Koalition gerade an den ruchlosen Intrigen einer Kleinstpartei zerschellt.

Die Lage ist alarmierend, Europe wird von 3 Mächten, Russland, China und den USA in die Zange genommen. In allen drei Staaten herrschen bereits jetzt oder in Kürze mehr oder minder autoritäre, teils faschistisches Regimes. Derweil scheint sich die EU, unser einziger, fragiler Trost, gerade selber zu zerlegen. Erst der Brexit, dann die Blockaden durch Antidemokraten in Ungarn und Italien, andere Balkanstaaten sind prekär, Polen hat sich noch mal eine Atempause verschafft, in Frankreich ist Le Pen auf dem Marsch, in den Niederlanden Wilders und Deutschland ist gerade intern mit sich selbst beschäftigt (schwache Wirtschaft, Neuwahlen).

Die Entwicklung der Menscheit, wird geprägt durch gemeinsame Geschichten Erzählungen, Mythen, heiligen Schriften, gesellschaftlichen Theorien, Narrativen, Fiktionen, wie immer man es nennen will. Das hat Harari in seinem Buch Homo Deus sehr gut beschrieben. Konziser kommt das in diesem bekannten Spruch zum Ausdruck: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ (angeblich Saint Exupèry).

Das haben momentan die Rechten, Autoritären, die Faschisten weltweit viel besser verstanden als wir. Geschichten von der Umvolkung, vom Deep State der Eliten, von der alten Größe Amerikas oder Russlands, von der Bedrohung der Familie durch Queere, und so weiter. Damit gewinnen sie die Gefühle und die Wahlstimmen der Menschen. Sie schüren Angst vor den Teufeln der Zukunft und erklären gleichzeitig, sie hätten das Kreuz, um die Teufel auszutreiben. (Warum das bei uns mit der Klimakatastrophe nicht klappt, weiß ich nicht, war vielleicht zu abstrakt und zu weit weg)

Jetzt habe ich auch Angst vor der Zukunft. Davor wie es in den USA weitergeht, dass Putin nicht ruhen wird, bevor er die ganze Ukraine im Sack hat, mindestens, dass die EU komplett zerbricht unter dem Druck (ganz vielleicht wird sie unter dem Druck aber stärker). Ja und natürlich auch, dass das Klima immer verrückter spielt. So wie die Menschen.

Zum Abschluss noch unsortiert einige Zitate aus aktuellen Zeitungsartikeln, die mich in ihrer Gesamtheit tief verstören:

In den USA gibt es eine relevante Minderheit von
Menschen, die gern sehen möchte, dass die liberale Demokratie
in Flammen aufgeht.

Menschen, die vor allem von destruktiven Motiven
angetrieben werden, schauen sich keine Programme an. Sie
sind von Emotionen gesteuert, folgen ihren Ressentiments und
vergiften sich dadurch selbst.

Der Soziologe Leo Löwenthal hat einmal gesagt, der typische
faschistische Agitator sei der große kleine Mann. Ein großer
kleiner Mann sagt: Ich bin der Größte, aber ich werde vom
Establishment verfolgt und kleingehalten. Und genauso
beschreibt sich ja Trump.

Trump hat einen messianischen Trieb ausgelöst: Die
Leute putschen sich wechselseitig in ihrer Begeisterung für ihn
hoch, er stellt sich als ihr Führer dar und fordert bedingungslose
Loyalität.

Die vermeintliche Einfachheit und die konstruierte
Scheinnormalität einer patriarchalen Gesellschaft ist sogar für
Leute attraktiv, die gar nicht direkt davon profitieren. Weil in
einer extrem komplexen Welt das Altbekannte, das Simple und
damit eben das als normal Empfundene plötzlich als
haltgebend erscheint.

Keine Verschwörungstheorie, keine Propagandalüge, keine
Hackerattacke von Gnaden Putins, die nicht das immer gleiche
Ziel hat: die liberalen Demokratien zu zerstören. Und die
deshalb von ähnlich gesonnenen Kräften aufgenommen wird.

wie Russland unter der Herrschaft Putins damit begann, die westlichen Demokratien systematisch zu schwächen - mithilfe von Militäroperationen in der Ukraine, Cyberattacken in den USA, Zahlungen an Populisten. Snyder zufolge wären die Erfolge der politischen Rechten in Europa, der Brexit und die Wahl Trumps zum US-Präsidenten ohne russische Interventionen undenkbar gewesen.

Autokraten in spe
werden das zweite Mal, wenn sie an die Schalthebel der Macht
kommen, wirklich gefährlich. Die ersten Amtszeiten eines
Viktor Orbán in Ungarn beispielsweise oder Jarosław
Kaczyński in Polen liefen letztlich auch ohne besondere
Vorkommnisse ab. Tag und Nacht mit Demokratie-Rettung
beschäftigte Kritiker wurden der Hysterie bezichtigt. Beim
zweiten Amtsantritt hatten Orbán und Kaczyński dazugelernt.
Statt politisches Kapital auf Kulturkampf zu verschwenden,
nahmen sie umgehend Institutionen in Beschlag: Sie ersetzten
eine neutrale Beamtenschaft durch Parteisoldaten; Gerichte
wurden der Regierung gefügig gemacht. Die Lektion ist simpel:
Wenn man erst einmal Staat und insbesondere Justizapparat
kontrolliert, kann man immer noch nach Herzenslust
Kulturkampf betreiben; niemand wird einen aufhalten, wenn es
endlich richtig gegen vermeintlich volksverratende linke
Journalisten, Künstler und Professoren geht.

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ich fühle mit Dir und verstehe Dich gut.
Es ist beängstigend.

Ich rede ja hier immer vom worst case, ich sehe überall das Negative, die Gefahr.
Ich vertraue nicht auf das Gute im Menschen, ich glaube nicht an die Rettung der Menschheit oder die Lösung aller Weltprobleme.
Jeder, der das verspricht, ist mir suspekt, weil er m.E. keine Ahnung hat, wovon er redet.

Ich finde zB die Erlösungspredigten auf der aktuellen BDK eher peinlich.
Jedes Jahr wieder die gleichen Heilsversprechen von sozialer Gerechtigkeit, Klimaschutz, Generationengerechtigkeit, überhaupt Gerechtigkeit für alle, Gleichberechtigung, Ende von Diskriminierung und Rassismus usw usw usw.
Und nächstes Jahr? dasselbe wieder. und wenn es wieder nicht geholfen hat?
Dann müssen wir alles einfach nur noch inbrünstiger beschwören und denselben Stiefel weiter machen. Das ist sehr durchschaubare Wohlfühlpropaganda, aber die Leute lieben es.

Meine Herangehenweise ist anders:
ich stelle mir den schlechtesten halbwegs realistischen Fall vor und frage mich, ob ich ihn aus eigener Kraft verhindern kann.
Kann ich das nicht (und das steckt eigentlich schon im Begriff worst case drin), versuche ich, mich damit innerlich abzufinden, in dem Sinne, dass ich bereit bin, ihn notfalls zu ertragen.
Und dann versuche ich trotzdem, ihn zu verhindern.

Ich finde dieses Akzeptieren des worst case sehr hilfreich und entscheidend.
Wenn man das halbwegs schafft, verliert man die Angst und die Erstarrung.
Das Denken fällt leichter, es ist eine Art Befreiung.
Aber man muss sich dabei auch damit abfinden, dass man uU stirbt oder schlimme Dinge ertragen muss (wenn man sich zB mit einer unheilbaren Krankheit abfindet, dem Tod oder psychischen Verfall eines Angehörigen oder einem drohenden wirtschaftlichen Absturz; oder dem 3. Weltkrieg wegen der Ukraine).

Das wirkt vielleicht manchmal wie Zynismus oder Schwarzmalerei oder ein Hang zur Apokalypse, aber es ist nichts von dem.
Es ist für mich ein heilsamer Realismus. Ich will mich selber nicht belügen, und ich möchte innerlich auf alles vorbereitet sein.
Das Schöne ist: nach diesem Akzeptieren des Schlimmsten kann es nur besser werden.
Und häufig wird es das ja auch :slight_smile:

Ich beginne zu akzeptieren, dass wir eine Minderheit sind.

Mit „wir“ meine ich Menschen, die für die Prinzipien der Aufklärung stehen, für Demokratie, die Vernunft über Unvernunft stellen, die für ein Zusammenleben unterschiedlicher Menschen eintreten, die für eine friedliche Zusammenrabeit der Nationen eintreten, kurz für den Fortschritt der Menschheit zu einer globalen Gemeinschaft.

Viele Menschen haben aber ganz andere Ideale. Sie wollen lieber Abgrenzung und verachten alle, die anders sind, sie wollen ethnische Reinheit in ihrem Staat, sie wollen keine Demokratie, sondern folgen lieber einem messianischen Führer, sie wollen die unbedingte Einheit ihrer Nation, ihres Reiches und die strikte Abgrenzung von den anderen Nationen. Sie wollen nicht in Zukunft sondern zurück in eine angeblich glorreiche Vergangenheit, sie wollen keine Progression sondern Regression, ein Abwehrmechanismus gegen die Angst vor der Zukunft, gegen die Überforderung der Gegenwart, ein Sehnen nach einer Rückkehr in eine als besser wahrgenommene Vergangenheit.

Diese Strömungen treten zu Zeit klar hervor und ich fürchte, sie werden in immer mehr Staaten zu entscheidenden Bewegungen, die skrupellosen, faschistischen Führern zur Macht verhilft. Danach spielt die Frage ob Minderheit oder Mehrheit keine Rolle mehr.

hinter all dem steckt Angst.
Ein schwer zu bändigendes Gefühl.
Der kommst Du mit Aufklärung und Vernunft nicht bei.
Die Reaktion auf Angst ist Abwehr, Abwehr anderer Menschen.
Das Gegenmittel gegen Angst ist daher nie universalistisch, auf die ganze Welt bezogen, sondern auf eine kleinere Einheit bezogen, damit es einen Gegner gibt.
Das Heil liegt in der Partei, dem Freundeskreis, dem Verein, der Famlie, der Kirche, dem eigenen Staat. Nie in der gesamten Welt.
Ansätze, die nur global funktionieren (zB Kampf gegen den Klimawandel), bieten keinen erkennbaren Gegner, den man beschuldigen und bekämpfen kann, scheiden also aus.
Aber was wahrscheinlich immer so, nicht erst jetzt. Oder?

Und die wird von interessierter Seite (Putin) sehr systematisch geschürt. Was mir wiederum sehr schlechte Laune macht.

dagegen helfen in dem Fall angeblich Pager-Witze :slight_smile:

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Auch wenn wir oft geteilter Meinung sind kann ich leider dein Fazit der wirklich ernsten Lage nicht wirklich abmildern. Etwas positiv stimmt mich, dass China die Klimaziele früher erreicht als gedacht und dort verstärkt auf die regenerativen Energien gesetzt wird und das ist ein wichtiger Markt. In den USA kann ich wenig positives sehen, ausser dass einige Unternehmen dort die Wirtschaftswende verstanden haben. Auch wenn ich den USA keine Krise gönne, die wir auch spüren würden, hoffe ich dass die beabsichtigte Zollwirtschaft schnell richtig in die Krise kommt, um dann wieder eine vernünftige Wirtschaft zu ermöglichen. Im Ukrainekrieg gibt es wohl auf beiden Seiten eine Kriegsmüdigkeit und die Erkenntnis nicht militärisch gewinnen zu können. Selensky will offenbar jetzt 2025 Verhandlungen, da wissen wir nicht welche Gespräche gelaufen sind. In der Eu sind zwar wichtige Staaten wie Deutschland und Frankreich ziemlich gespalten , dennoch muss man jetzt auch nicht alles in Frage stellen. Es sind unruhige Zeiten , aber die Zukunft ist noch offen.

Ich mag den Negativismus nicht teilen.
Sollte der Russe wirklich hier einmarschieren, wird er in meinem Dorf höchstens zum Pinkeln anhalten, da es hier nichts zu holen gibt…
Also kann ich meine Waffen beruhigt im Tresor lassen.

So chaotisch die Ankündigungen sich auch anhören: umsetzen lassen sie sich schwer. Wenn Trump das Bildungsministerium abschaffen will… bitte schön… dann wird Bildung, Forschung und Wissenschaft in den USA auf dem Niveau von Madagascar landen. Was machen dann die Amis mit ihren Aktien? Sich vermutlich den Hintern abwischen, weil die Wälder entweder abgebrannt oder abgeholzt wurden und kein Klopapier mehr produziert werden kann.

Wenn in Europa eine Remigration und eine Abschaffung der sozialen Hängematte propagiert wird, wer macht dann die ganzen Hiwi-Jobs, die sonst keiner machen will? Die Populisten sind erbärmliche Wirtschafter, was dazu führen wird, dass wir uns nur noch second hand Ware aus China leisten können, weil die Kaufkraft gleich null sein wird. Nur wenn der gemeine Bürger nichts mehr zu fressen haben wird, dann sehen wir einer Revolte entgegen. Da helfen dann auch keine Sprüche wie "wenn sie zu wenig Brot haben, sollten sie mehr Kuchen essen…

Wenn Russland sich die Ukraine einverleiben will, wird er sich daran verschlucken, wie damals in Afghanistan. 44 Millionen Bürger, die durch aktiven und passiven Widerstand gegen die russische Okkupation wehren werden. Dieser Haken wird im Maul des russischen Bären für immer eitern.

Die religiösen Fanatiker im nahen Osten werden auch nicht ewig weiter kommen, da sich die Frauen eine Sklaverei auf Dauer nicht gefallen lassen werden.

Und was machen wir hier in Deutschland?
Entweder raffen wir uns auf, zu wirklichen Reformen, um unnütze Glaspaläste nicht mehr weiter zu finanzieren oder wir werden ein Dasein fristen, wie Portugal Anfang der 70er, als sie noch von der Größe eines ehemaligen Kolonialreiches geträumt hatten, aber in Wirklichkeit das Armenhaus Europas waren.

Meist muss erst etwas zerstört werden, damit es neu aufgebaut werden kann. Traurig aber wahr, wie die Geschichte zeigt. Wir haben eh zuviele Bewohner auf dem Planeten, also kann unser Planet gerne auf die Hälfte der Menschheit verzichten. Vielleicht ist dann das erlebte Chaos endlich stark genug, um ein nie wieder durch zu setzen.

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Ja, die Zukunft ist offen, aber die Perspektiven sind alles andere als rosig.

Putin hat doch schon 20% der Ukraine gewonnen, selbst wenn der heiße Krieg in der Ukraine beendet wird. Und das ist nur eine weitere Etappe auf Putins hybridem Eroberungsfeldzug.

Ja China übererfüllt gerade seinen Plan, der allerdings eine THG-Neutralität erst 2060 vorsieht, was auf eine Klimaerwärmung von mehr als 2° hinauslaufen dürfte und Kipppunkte noch gar nicht beachtet

Wenn Du Dich da mal nicht täuschst. Er wird dich bis zum Hals vollsch…

Mir geht es bei weitem nicht nur um Aktien. Aber alleine das hätte gravierende Folgen für die Weltwirtschaft.

Genau das macht mir Angst, ich fürchte, es wird ziemlich viel zerstört. Dass wir uns irgendwie und irgendwann wieder berappeln, glaube ich auch. Ich hätte wohl nichts mehr davon.

Trump kann nur gestoppt werden durch innere Streitereien der Republikaner oder durch die Wirtschaft. Wenn die großen Unternehmen (und Spender) protestieren, weil die Zölle die Wirtschaft belasten und das Land nicht mehr funktioniert wegen der vielen unfähigen Minister, wird er wahrscheinlich den Kurs ändern.
Der Kapitalismus muss quasi die Demokratie retten, wer hätte das gedacht.

Trump wird früher oder später durch Vance ersetzt, biologisch oder anders. Er ist inzwischen nur noch der nützliche Trottel, der als Clown die Massen begeistert. Das war in seiner ersten Amtsperiode noch anders. Mir machen die Leute Angst, die inzwischen hinter ihm stehen: Musk, Thiel und diese ganzen A-löcher.

Die Hoffnung habe ich auch. Die Zölle wird Trump ja nicht nur gegenüber Europa, sondern auch gegenüber China verhängen, was natürlich immer zu Gegenmaßnahmen führen wird. Das wird die amerikanische Wirtschaft ziemlich in die Knie zwingen ( ist leider für die angeschlagene deutsche Wirtschaft auch schlecht). Ich bin mal gespannt, wie lange er das durchhält.

Er wird nichts tun, was der Wirtschaft schadet. Er hat auch keine Mauer gebaut und er wird den Ukraine-Krieg nicht in 24 Stunden beenden. Aber er wird den Staat umbauen.

ja und die Umwelt zerstören und den Klimawandel einheizen.

Angst ist zunächst positiv - es verhindert Dinge, die zu gefährlich sind.
Wenn der Angstimpuls da ist, so kann man sehr wohl rational durchleuchten, ob es rational tatsächlich so ist, dass hier eine drohende Gefahr vorhanden ist.
Im Falle von Klimawandel und aufziehenden Gewaltherrschaften würde ich mit der Ratio sehr wohl diese Frage bejahen - und ich glaube, das geht derzeit sehr vielen Menschen so.
Nun ist es in beiden Fällen dummerweise so, dass wir uns nicht nur vor Klimawandel und Diktatoren zunehmend ängstigen - sondern gleichzeitig eine weitere Angst, die hinzukommt: die des Status quo Verlusts - wenn wir den Klimawandel bekämpfen wollen - da waren wir an vielen Stellen schon einmal - dann gibt es nichts effizienteres als den konsequenten Verzicht.
Dieser kollidiert nun mit der Verlustangst des Status Quo (und das, obgleich der beim Überprüfen durch die Ratio wahrscheinlich schon nicht mehr so eindeutig zu bejahen ist).
Das gilt grundsätzlich auch für die Verweigerung und den damit möglichen Machtentzug von Diktatoren (auch wenn der weniger trivial ist als der Konsumverzicht)
Wir haben also 2 Ängste, die sich gegenseitig blockieren - Angst vor gefährlichen Menschen/Menschenmengen - und die Angst vor Status-Quo-Verlust.

Der dritte Punkt ist nun, dass - selbst wenn sich diese beiden Ängste zu einer tatsächlichen Bedrohung ausweiten (der Punkt ist m.E. längst überschritten, wie dann mit der Ohnmacht von

umzugehen ist.
Die beste „Medizin“, die ich dazu kenne, ist, aktiv etwas dagegen zu tun - und auch, wenn es am Ende nicht reichen sollte - so lange man kämpft, gibt es das Gefühl eine - und sei es noch so verschwindend geringe - Chance zu haben.

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Dsa macht Sinn, wenn man weglaufen oder ähnliches kann. Das ist hier nicht der Fall, deswegen sehe ich es als nicht positiv. Wie du sagst, Angst und Ohnmacht sind gar nicht gut.

Ich bin nicht in der Lage, wirklich etwas dagegen zu tun. Ich könnte mich nur in mein kleines Paradies, bzw. auf meine Palme zurückziehen. Da ist die Welt vorerst noch in Ordnung. Oder ich muss es aushalten.

Das ist genau das Charakteristikum der Ohnmacht.
Es gibt nun ein paar Handlungsoptionen, damit umzugehen:

  1. zunehmende Aggressivität - die ist dann sinnvoll, wenn es darum geht, letzte Kräfte zu mobilisieren, wenn es zum Shutdown kommt - ist aber im Alltag gänzlich fehl am Platze, da man mit der Aggression i.d.R. die falschen trifft, und weil es die falschen trifft eine Spirale ohne Ende ist, und diese am Ende mehr krank macht als das Problem löst.
  2. Kapitulation: ist ebenfalls (auf der individuellen Ebene) nicht hilfreich, da sie das Ende bereits vorweg nimmt und schnell in Depression mündet - die ebenfalls krank macht.
  3. den Kampf dagegen aufnehmen: auch das ist zweischneidig - vor allem dann, wenn es darum geht, unbedingt noch zu gewinnen - das Gefühl des Sinkflugs trotz Energieaufwand (==> sinnloser Energieaufwand) ist sehr ermüdend.
    Wenn es aber gelingt, den Kampf aufzunehmen, die (pers.) Ziele aber immer noch real erreichbar zu erhalten, so ist das eher ermutigend. Man muss sich lediglich damit abfinden, dass so die Welt nicht zu retten ist - aber die Selbstachtung bleibt erhalten (das ist ein wenig wie Apfelbäumchen pflanzen).
    Die Selbstachtung ist einer der absoluten Basics unseres gesunden Lebens - und das haben wir allein und selber in der Hand - das ist sehr beruhigend, finde ich.
    Es gibt wohl noch weitere Varianten, die hier zu weit gehen, im Detail zu beleuchten… :slight_smile:

Naja,
Mal sehen wie stark und wie lange er von dem Staatswesen eingebremst werden kann.
Wenn er gegen die Wand fährt, hat er zwei Jahre bis zu den Midterms wo er dann hoffentlich im Senat und Repräsentantenhaus die Mehrheit verliert.
Es besteht aber immer die Gefahr, dass er nicht gegen die Wand fährt und die Leute das gut finden was dabei raus kommt.

Die Öl- und Gasindustrie wird auch nur soweit ausgebaut wie es sich rechnet.
Wenn durch Überproduktion die Preise fallen, regelt sich das ein.
Und wenn der Strom aus Wind und Sonne so günstig ist wie immer gesagt wird, wird auch da des Ausbau weiter gehen. Kohle hat dann sowieso keine Chance.

Es geht m.E. nicht primär um einzelne Sachfragen - sondern um die Struktur als ganzes.
Bei jeder Einzelentscheidung sehe ich das auch rel. entspannt.