Der Anlass für diesen Artikel ist ein Brotmesser. Kann euch leider aktuell kein Bild dieses Brotmessers zeigen, denn es liegt in der Gepäckaufbewahrung des Bahnhofs von Barcelona. Ist aus Edelstahl und etwa 20 cm lang mit Wellenschliff.
Nur kann man damit leider in Barcelona nicht in einen Zug steigen, wie wir heute Morgen gelernt haben. Bevor man die Gleise für die Fernzüge betreten darf, wird man durch eine Zugangskontrolle wie am Flughafen geleitet, und das Gepäck durchleuchtet. Muss man halt Wissen, wenn man in Barcelona im Urlaub einkaufen geht. Vermutlich ist das ganze eine Folge der Madrider Zuganschläge.
Zunächst zur Wirksamkeit der Maßnahme: Die Passagiere werden nicht durch einen Scanner geschickt. Nur das Gepäck. Es wäre ohne weiteres möglich, sich das Messer auf den Rücken zu kleben oder so. Ganz davon abgesehen, das es keine solchen Kontrollen gibt, wenn man in Barcelona über den Bahnhof anreist.. Also an irgend einem Zwischenbahnhof eingestiegen ist.
Wenn diese Maßnahmen also für einen entschlossenen Täter nur ein sehr kleines Hindernis sind, warum hat man dieses Verfahren dann eingeführt und vermutlich damit schon mehr als einen Einkauf in den Müll befördert und Millionen von Menschen beim Reisen behindert? Außerdem kostet das ganze natürlich auch eine Menge Geld.
Auf die Frage: Soll uns der Staat vor allen Risiken des Lebens beschützen? würden die meisten Menschen vermutlich nein Antworten.
Wieso gibt es dann diese relativ sinnlosen Maßnahmen?
Nun meiner Ansicht nach ist dies auf zwei Mechanismen zurückzuführen: Im Falle einer Katastrophe wird natürlich immer nach der Ursache geforscht. Die Menschen möchten wissen, warum das geschah, ob es hätte verhindert werden können usw. Das bedeutet dann für die Presse auch immer, daß sich Berichte über das Ereignis gut verkaufen, Zeugen und Opfer befragen und Politiker.
Welcher Politiker steltl sich in einer solchen Situation hin und sagt: So Sachen passieren halt mal? In der Logik eines Politikers, der irgendwann gewählt oder wiedergewählt werden möchte, gibt es meist nur zwei Optionen: Entweder man sagt Nix oder man fordert das etwas unternommen wird.
Also ist nach jeden Ereignis die Wahrscheinlichkeit größer, das neue Maßnahmen ergriffen, neue Gesetze eingeführt werden. Einmal eingeführte Gesetze für Sicherheit lassen sich aber nur in sehr wenigen Fällen wieder abschaffen: Denn jeder der für sich für eine solche Abschaffung einsetzt, lebt unter dem Risiko, daß nach der Abschaffung wieder etwas passiert. Und wer bekommt dann die Schuld? Eben.
Also leben wir in einer Gesellschaft in der die Betroffenheit nach Anschlägen oder Verbrechen und die Notwendigkeit von Politikern nach Beachtung und Aufmerksamkeit einen unheiligen Zyklus in Gang halten.