Gibt es nicht schon Fäden, in denen derartige Dinge diskutiert werden? Z.B. wenn es darum geht, was sich bei den Grünen ändern müsste?
Aber viele Stellschrauben, die ich sehe, werden sowohl von der Mehrheit der Parteifunktionäre als auch Teilnehmern hier abgelehnt.
Naja, es gibt viele Fäden, in die das hineinspielt… Aber keine, die sich mit konkreten Vorschlägen beschäftigt, was konkret zu ändern ist - ob das von der Mehrheit abgelehnt wird, darf keine Rolle spielen - bestenfalls insofern, als die Frage im Raum steht, wie man Mehrheiten dafür bekommen könnte - deswegen sehe ich das auch nicht auf die grünen beschränkt - es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe - und es ist immer noch zu wenigen bewusst, was auf dem Spiel steht, weil sie die vergangenen Tage nicht mehr präsent haben, in denen wir solche Zustände schon mal hatten.
Welche Stellschrauben siehst Du ( seht Ihr ) zum Beispiel ?
Es gibt Forschung dazu, offenbar mit klaren Ergebnissen.
Aus dem Kopf: Investitionen in die Regionen (Schulen, ÖPNV, Gewerbe) hat einen starken Effekt.
Ich kann mal nachsuchen.
Ja, bitte schau mal
Ohne nachzuschauen: Maßnahmen gegen illegale Migration.
Klar kann man eine Light-Version der AFD anbieten, und hoffen, dass die Mehrheit der AfD-Wähler auf diese Light-Version zurückschwenkt - das ist der derzeitige Kurs der Union…
Löst dies das Problem? Ich glaube nicht, da dies bestenfalls eine Besänftigungsstrategie sein kann - und zwar genau deswegen, weil die Lösungen der AfD keine Lösungen sind - wenn Herr Höcke am liebsten alle Nicht-Bio-Deutschen aus Deutschland verbannen will, und 30+x% der Leute ihn deswegen wählen - dann ist die Light-Version nicht zielführend. Das Argument unterstellt (immer noch), dass die meisten AfD-Wähler nicht aus überzeugtem Teilen der „AfD-Werte“ die AfD wählen, sondern weil sie von den anderen Parteien „nur“ etwas vernachlässigt werden.
Meine persönlichen Begegnungen mit AfD-Wählern ergeben aber ein anderes Bild.
Daher wäre die Ergebnisse, von denen @Dagmar spricht, durchaus sehr hilfreich. Einfach, um herauszufinden, ob Dein spontaner Reflex (ohne nachzuschauen) davon wirklich gedeckt wird.
Das ist sicher ein Thema, dass in der Öffentlichkeit als wichtig erachtet wird. Mal abgesehen davon, dass das Thema nur die EU wirklich regeln kann, wäre es nicht eine wichtigere Stellschraube wieder zu versuchen die wirklich wichtigsten Themen zu priorisieren und in das Bewusstsdein der Bevölkerung zu bringen? Das wäre aus meiner Sicht definitv der Klimawandel, deren Massnahmen wieder mit dem Umbau der Wirtschaft zu tun haben die dann auch noch erfolgreich und zukunfstfähig sein muss.
Das setzt voraus, dass wir besser wissen, was diese „wirklich wichtigen Themen“ sind - das genau ist für mich ein Beispiel für falsch verstandene Demokratie - die genau den radikalen Flügel stärkt.
(Plakatives) Beispiel: Der Bürgergeldempfänger möchte gern mehr konsumieren und am gesellschaftlichen Leben teilhaben - aber wir wissen besser, dass langfristig die ökologischen Themen viel wichtiger sind - da kommt dann die AfD daher, und sagt, dass er einen Super-Job haben kann - wenn der nicht bio-deutsche Ausländer ihn nur nicht blockieren würde - und schon ist er bei der AfD, obwohl die Ökologie das „eigentlich wichtige“ Thema ist …
Er (und natürlich auch sie) müsste also selbst erkennen, dass das eigene kurzfristige (Konsum-)Glück unwichtiger ist als der ökologische Umbau der Gesellschaft - dann interessiert ihn/sie das Angebot der AfD gar nicht mehr, weil er/sie die Sackgasse, in die der AfD-Weg führt, von alleine erkennt. Dann wählt er/sie auch wieder von ganz alleine die Grünen - ganz ohne einflüsternde Propaganda, was die „wirklich wichtigen Themen“ sind.
wie soll das ohne Aufklärung gehen? - was auch als eine Art von „Propaganda“ wahrgenommen werden kann?
sicher sollte jene Aufklärung die „wirklich wichtigen Themen“ für AfD-Wähler miteinbeziehen in eine ganzheitliche Betrachtung und eben auch die Propaganda der AfD analysieren und gleich mit-beantworten (inkl. ZDF)
Daher bin ich ein großer Fan von Bildung. Die kann natürlich auch über Parteien erfolgen - erfahrungsgemäß ist diese aber nicht wirklich wissenschaftlich/aufklärend - sondern eher manipulativ.
Das gehört also eher in klassische Bildungseinrichtungen - und natürlich auch in den häuslichen Bereich (wobei da wieder die Frage ist, wie man diese erreicht)
Bei der klassischen Bildung haben wir zu wenige Räumlichkeiten, zu wenige Lehrkräfte, die obendrein dafür zu schlecht ausgebildet sind.
Bei Klassenstärken von 30 Kindern im Sozialkundeunterricht ist das nur unzureichend vermittelbar.
Dann ist ein sehr weites Feld die Frage, ob - und wen ja, was - uns eigentlich davon abhält, bei jeder Alltagssituation auf radikale Impulse engagiert zu reagieren? (Oft auch eine Frage mangelnder bewusster Selbstreflexion - das ist selbstredend auch wieder nur eine sehr pauschale Hausnummer, die es mit deutlich konkreteren Dingen/Maßnahmen zu füllen gilt - werde ich immer wieder hier in Zukunft einstreuen)
Und sicher gibt es noch viel mehr, an deren konkreter Aktivierung wir arbeiten könn(t)en.
Das ist hier der Ort, über solche konkreten Maßnahmen zu diskutieren…
ja, und das ist hier auch der Ort, die Zielsetzung von „Aufklärung“ selbst, umzusetzen
Was verstehst Du unter „Zielsetzung der Aufklärung“?
Die Zielsetzung einer Aufklärung orientiert sich doch nicht an einer Ideologie oder taktischen Überlegung!
Aufklärung bedeutet die Schulung der Fähigkeit, ZDF (Zahlen, Daten, Fakten) selbstständig zu analysieren, sie in den eigenen sozialen Kontext einzubinden, und sie dann auch bewusst verantwortungsvoll zu vertreten.
Sonst sind wir wieder bei der Überlegung, was wir den Menschen für eine „gefilterte Wahrheit“ präsentieren, die wir meinen, besser zu kennen …
Wie also schaffen wir einen Rahmen, in dem sich jeder so entfalten kann, dass jeder die Sachlage (wobei ich soziologischen und psychologische Dinge ebenfalls als „Sachlage“ bezeichne) hinreichend interpretieren und in seinem pers. Kontext einbinden kann.
Hier sind Sozialkompetenz und Wissenskompetenz gleichermaßen gefragt.
Es kann dann immer noch - theoretisch - dazu kommen, dass wir unsere Demokratie und unser Dasein als ganzes (Ökologie) weiter demontieren - aber zumindest ist das dann ein bewusster Akt der Selbstvernichtung - und kein diffuses „ich hab’s gar nicht kommen sehen“ mehr.
Es geht ja nicht um eine wirkliche Regelung, die Simulation von Maßnahmen, wie sie Dobrind betreibt, reicht vielleicht schon aus, um der AfD ein paar Stimmen zu entziehen.
Es geht doch nicht darum, der AfD ein paar Stimmen zu entziehen, und das dann einer Fluktuation zu überlassen, wann es wieder mal gefühlt kritisch wird - das impliziert, dass sich nichts wirklich ändert, sondern dass wir nur „Kosmetik“ betreiben, um das Problem des Rechstradikalismus mal mehr, mal weniger gut zu kaschieren.
Wie kann man aber rechtsradikalem Gedankengut dauerhaft den Boden entziehen?
Es muss jedem klar werden, dass das kein zielführender Ansatz ist - auch dann nicht, wenn sich ein archaischer „Sesshafttrieb“ aus der Zeit des Übergangs zwischen „Jäger und Sammler“ und „Bauern“ meldet, der mal notwendig war, um genügend Energie zur Verteidigung des eigenen Versorgungsbodens zu aktivieren.
Allein die bewusste Wahrnehmung eines solchen Impulses (abgesehen von der anschließenden Bewertung) zur Überprüfung auf aktuelle Sinnhaftigkeit fällt vielen doch bereits schwer (wobei die Sensibilisierung der bewussten Wahrnehmung wahrscheinlich im Vergleich zur Überprüfung sogar noch die leichtere Übung sein dürfte).
Der Unionsansatz enthält so etwas nicht, sondern zielt nur darauf ab, die Wähler weiterhin mit selektiven Informationen so zu manipulieren, dass sie diese selektiven Informationen attraktiv genug finden - ohne wirklich selbst zu prüfen.
Doch, genau darum geht es. Es dürfen natürlich auch ein paar mehr Stimmen sein.
Du suchst wieder nach einer 100%-Lösung. Die wird es nicht geben, genau wie ich in einem Beet dem Unkraut auch nicht dauerhaft den Boden entziehen kann. Ich kann es nur klein halten. Verdammt mühsam.
Ich suche definitiv nicht nach einer 100%-Lösung - da hast Du mich missverstanden!
Was ich will, ist folgendes (um bei Deinem Beispiel zu bleiben):
Wenn wir einen großen Garten haben, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass irgendwo auch Brennesseln sich versuchen anzusiedeln - nun beschneidet die Fläche, auf der die Brennesseln wachsen, die Fläche, die zum Gemüseanbau zur Verfügung steht.
Die AfD hat nun die Idee, dass die Brennesseln gnadenlos des Gartens verwiesen werden, in dem sie alle rausrupft, über den Zaun schmeißt, und sich selbst (in ihrem sterben?!) überlässt - überdies „wollen wir doch nur Kürbisse“ anbauen - da können wir gleich die störenden Tomaten („giftige Nachtschattengewächse“) gleich mit rausreißen und über den Zaun schmeißen.
Die Union hingegen erkennt an, dass Brennesseln Unkraut sind - und versucht sie, mehr oder weniger pfleglich umzutopfen - es bleibt aber beim „Feindbild“ Unkraut und der „Abschiebung“.
Nun kann man aber Brennesseln auch als Pflanze verstehen, die z.B. Schmetterlingsraupen beherbergt, die zur Bestäubung der Kürbisse (und auch der Tomaten!) gute Dienste leistet - natürlich muss man die Brennesseln so weit zurückdrängen, dass sie nicht Überhand nehmen - aber sie sind integraler Bestandteil des Gartens.
Es bleibt zwar immer eine demokratische Diskussion darüber, wie viele Brennesseln wir nun wirklich brauchen - aber das Feindbild ist weg - und mit ihm der ganze Rassismus, der an Hand blödsinniger Kriterien in Gut und Böse unterscheidet - und wenn nach der Brennessel das nächste „Unkraut“ einwandert, kann man strukturell ebenfalls differenziert darüber nachdenken, ob es auch hier eine kleine Ecke gibt, die dafür Raum einräumt, weil es vielleicht auch bei diesem Gewächs einen Vorteil gibt.
Dan kommen solche Ideen wie die der gnadenlosen Ausrottung erst gar nicht mehr auf, wenn die Mehrheit unserer Gärtner bzw. die Mehrheit der Wähler, die die Gärtner mit der Kultivierung beauftragen, erst gar nicht mehr in solchen fanatischen (?!) Feindbildern mehr denkt - ich spreche also nicht davon 100% (=alle WählerInnen) von der Brennessel zu überzeugen - sondern nur davon, dass wieder(??) eine überwiegende Mehrheit sich nicht auf den monokausalen Kürbissanbau fokussiert (Monokulturen sind ohnehin nicht ohne gewaltigen Aufwand überlebensfähig) sondern versteht und akzeptiert, dass es
ist, einen komplexen Garten am laufen zu halten - aber dass die Folgen der Monokultur langfristig einen noch viel größeren Aufwand bedeutet (wenn nicht gar langfristig zum Scheitern verurteilt ist) - die Bestäubung der „Nutzpflanzen“ mit einem Pinsel ist viel aufwändiger als die durch Insekten (die aber irgendwo - am Besten aus dem eigenen Garten! - her kommen müssen).
Es geht also nicht um eine 100%-Lösung - sondern „nur“ um einen anderen Ansatz, der langfristig nachhaltiger ist (und den man im Detail kontrovers diskutieren muss) - und die Bereitschaft, im demokratischen Diskurs abzuwägen, und nicht nach AfD-Pestziden oder Unions-Umtopfung-Aktionen zu schreien.
Ein gut ausgebildeter Gärtner weiß das - und hoffentlich auch der/diejenigen, die den Gärtner einstellen.
Vielleicht sollten wir mehrere Ansätze parallel verfolgen.
Die garten-theoretische Diskussion sollten wir hier nicht weiter verfolgen.
Ich finde diese Ziel gut definiert, aber zur Erreichung auch kein wirkliches Rezept. Bildung ist da sicher ein wichtiger Teil. Wir bräuchten aber auch eine andere Nachrichtenkultur. Sowohl Presse als auch Fernsehen leiden doch unter einer dauerhaften Vereinfachung von Sachverhalten, weil man Informationen lieber als leicht verdauliches Entertainment transportiert. Das schlägt sich dann auch in entsprechenden Wertungen der Kommentatoren nieder. Es gibt natürlich auch sehr gute Dokus, die man in den Mediatheken findet, die aber durchforschen muss.
Das teile ich durchaus - was ist hier aber zu tun - die Pressefreiheit garantiert auch den Herstellern von „seichten Pressemeldungen“ ein Existenzrecht - und zwar m.E. nach völlig zu recht!
Die wichtigere Frage ist, warum so viele Menschen ihr Weltbild auf diesen seichten Betrachtungen aufbauen?
Für Presseprodukte gilt etwas Ähnliches wie für alle anderen Produkte - es gibt ganz billige (die schnell kaputtgehen oder erst gar keinen Mehrwert haben (vgl. tragbare Tisch-Klimaanlagen, die den Raum nicht wirklich kühlen und dabei auch noch die Schimmelgefahr vergrößern) - wer so was kauft, ist „selber schuld“, weil er die grundsätzlichen Gesetze der Thermodynamik (um es geschwollen zu formulieren) nicht verstanden hat - aber verbieten? Eher nicht - genauso ist es mit der Presse - wer die Bildzeitung als Informationsorgan für seine Wahlentscheidung heranzieht, der trifft seine politischen Entscheidungen mit einem hohen Fehlerrisiko.
Man kann die Bildzeitung also verbieten (s. die Falschmeldungen „wir sind Papst“ und „wir sind nicht mehr Papst“) - oder dafür sorgen, dass der Leser entweder den versteckten Schalk in diesen Schlagzeilen erkennt, oder sie als das entdeckt, das sie sind: zumindest in der wörtlichen Form einfach falsch.
Verbote sind hier weder zulässig (s. das Verbotsverfahren gegen Kompakt) noch langfristig zielführend …