SZ: Die reichen Erben werden den Sozialstaat nicht retten, egal wie saftig man sie besteuert

Die Grünen haben 22 Varianten einer Reform der Erbschaftsteuer durchrechnen lassen.
Ergebnis: alles nicht so einfach. Und es bringt nicht soviel, wie immer gesagt oder erhofft wird.
Die Rede ist von 8 Mrd. pro Jahr. Damit werden wir nicht mal annäherungsweise alle Löcher stopfen und alle Projekte finanzieren können.

Das führt mich zu meinem bekannten Mantra:
Alle müssen was beitragen.
Ein Großteil des benötigen Geldes wird aus der Mittelschicht kommen, die Milliardäre alleine werden uns nicht retten.
Der standardmäßige Verweis auf die „Superreichen“ als Finanzierungsquelle ist Augenwischerei.

Es klingt einfach: mehr Geld für den Staat, indem man insbesondere große Erbschaften stärker besteuert. Die Grünen im Bundestag haben jetzt 22 Reformvarianten durchrechnen lassen, doch es stellt sich heraus – jede hat Nachteile.

Interessant ist zunächst: Die eine völlig klare, sofort auf der Hand liegende Reformoption gibt es nicht, denn alle überprüften Varianten weisen neben Vorteilen jeweils auch Mängel auf. Entweder wird die Bevorzugung von Unternehmersprösslingen nicht beseitigt, oder aber das Steueraufkommen, das allein den Bundesländern zusteht, schrumpft dramatisch zusammen. Auch der von manchen Experten favorisierte vermeintliche Königsweg – eine Streichung aller Ausnahmen bei gleichzeitiger Einführung eines einheitlichen Steuersatzes von beispielsweise zehn Prozent – erweist sich als Sackgasse: Nicht nur dass ausgerechnet viele Nutznießer kleiner Erbschaften und Schenkungen mehr zahlen müssten als bislang, vielmehr gingen auch die Einnahmen der Länder um 4,4 Milliarden Euro pro Jahr zurück.

Entsprechend kommt eine „Flat Tax“ für Katharina Beck auch nicht infrage: „Auf den ersten Blick mag ein einheitlicher Steuersatz einfach wirken“, sagte die finanzpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion der SZ. „Kleinere Erbschaften bei einer Reform höher zu belasten als heute, kann aber definitiv keine Lösung sein.“

Auch die Einführung sogenannter Lebensfreibeträge führen für sich genommen noch nicht zum Ziel. Nach Vorstellung von SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf darf jeder Mensch „eine Summe X“ – beispielsweise eine Million Euro – im Leben steuerfrei erben oder geschenkt bekommen, alles darüber hinaus würde konsequent besteuert. Bisher variieren die Freibeträge je nach Verwandtschaftsgrad zwischen 20 000 und 500 000 Euro. Zudem können sie alle zehn Jahre neu in Anspruch genommen werden, was vor allem Vermögende dazu nutzen, um Teile ihres Hab und Guts portionsweise steuerfrei an ihre Kinder weiterzureichen.

Die Regel für große Firmennachlässe ermöglicht Tricksereien

Wie das DIW vorrechnet, würde ein Lebensfreibetrag die Zahl der Steuerpflichtigen drastisch verringern. Ebenso drastisch ginge allerdings auch das Steueraufkommen zurück. Es müsste also durch Streichen von Ausnahmen an anderer Stelle wieder ausgeglichen werden.

Hier kommen die bisher geltenden Privilegien für die Erben von Unternehmen und Mietshäusern ins Spiel. Fielen sie weg, könnten die Länder mit fast acht Milliarden Euro zusätzlich rechnen, das Gesamtaufkommen der Erbschaftsteuer erhöhte sich also auf rund 20 Milliarden Euro.

Firmen können heute weitgehend oder sogar gänzlich steuerfrei auf die nächste Generation übertragen werden, wenn der Betrieb für einige Jahre auf einen nennenswerten Abbau der Belegschaft verzichtet. Zudem gibt es die sogenannte „Verschonungsbedarfsprüfung“ für Erbschaften von mehr als 26 Millionen Euro: Können die Erben nachweisen, dass sie die Steuer nicht aus ihrem Privatvermögen bezahlen können, verzichtet der Staat auf seine Ansprüche. Das öffnet nicht nur Tür und Tor für Tricksereien, sondern bedeutet auch, dass jemand, der von der Tante vielleicht 50 000 Euro erbt, womöglich mehr Steuern zahlen muss als jemand, der 26 Millionen einstreicht. Allerdings: Bei einer vollständigen, ersatzlosen Streichung der Sonderregelung könnte es tatsächlich dazu kommen, dass einzelne Firmenerben die Steuerlast nicht bezahlen könnten. Sie müsste deshalb gestundet und beispielsweise auf 30 Jahre verteilt werden.


Mit dem jetzigen Gutachten, so Grünen-Expertin Beck, habe man zumindest den „Raum für eine weniger aufgeregte, dafür lösungsorientierte Diskussion abseits der Grabenkämpfe geöffnet“. Klar sei, dass die hohe Konzentration von Vermögen in den Händen weniger durch Erbschaften und Schenkungen immer weiter steigt und es immer schwieriger werde, sich allein mit Bildung und seiner eigenen Hände Arbeit etwas aufzubauen. Beck: „Das widerspricht dem Leistungsversprechen in unserem Land. Mit einer gut funktionierenden Erbschaftsteuer kann der Staat da ansetzen.

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Die SZ kommentiert:

Die reichen Erben werden den Sozialstaat nicht retten, egal wie saftig man sie besteuert

Höhere Renten? Zahlen die Bonzen! Pflege und Gesundheit werden immer teuer? Zahlen die Bonzen! Mit der Realität haben diese Wünsche nichts zu tun.

Die Erbschaftsteuer muss mehr Biss bekommen. Bisher können wohlhabende Firmenerben einen Steuertrick nutzen und müssen somit gar nichts zahlen, wenn sie sich richtig anstellen. Um das zu schaffen, müssen die Erben – pointiert gesagt – dem Finanzamt einen Stichtag melden und an diesem Datum ihr privates Konto leer räumen. Wenn dort zu wenig Geld liegt, um die eigentlich fällige Erbschaftsteuer zu zahlen, wird sie ihnen erlassen. Diese kuriose Regel heißt Verschonungsbedarfsprüfung. Die entsprechende Statistik zeigt jedes Jahr, dass das Missbrauchspotenzial dieser Regel offensichtlich ist.

CDU/CSU müssen akzeptieren, dass es unfair ist, diese Firmenerben so zu privilegieren. Es gibt richtigerweise Signale aus der Union, dass die Fraktion zu einer Reform bereit ist, sobald das Bundesverfassungsgericht ein Urteil zum Erbschaftsrecht gesprochen hat.

Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit über die Erbschaftsteuer. Viele linke Politiker und ihre Wähler freuen sich diebisch auf die vermutlich anstehende Reform. Sie erwarten neue Milliardeneinnahmen, die sie für ihre Wunschprojekte ausgeben wollen. Höhere Renten? Zahlen die Reichen! Pflege und Gesundheit werden immer teuer? Zahlen die Reichen! Die Bundeswehr braucht neue Drohnen? Zahlen die Reichen!

Acht Milliarden Euro? Es klingt nach viel

Nun zeigt ausgerechnet eine Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion, dass diese Wünsche mit der Realität nichts zu tun haben – selbst wenn man mal ausblendet, dass die Erbschaftsteuer den Ländern zusteht, also dem Bund gar nicht hilft. Ökonomen haben durchgerechnet, was verschiedene Reformen der Erbschaftsteuer bringen würden: Würde die Politik den Steuertrick der wohlhabenden Unternehmererben über Nacht streichen, hätte der Staat zusätzliche Einnahmen von nur acht Milliarden Euro.

Moment mal, was heißt hier nur acht Milliarden? Wenn man nicht zufällig selbst Erbe eines Konzerns ist, klingt das natürlich nach viel Geld. Aber der Staat nimmt pro Jahr mehr zwei Billionen Euro an Steuern und Abgaben ein. Acht Milliarden mehr oder weniger beeinflussen die Staatsfinanzen nur in der Nachkommastelle. Und es könnte sogar noch weniger Geld werden, denn eine höhere Steuer entzieht einer Firma Geld - mit dem sie dann nicht mehr arbeiten kann, um spätere Gewinne und Steuerzahlungen zu erwirtschaften.

Es gibt gar nicht so viele Superreiche in Deutschland

Zu hoffen, dass die reichen Erben einen immer teurer werdenden Sozialstaat finanzieren können, ist eine weitverbreitete linke Illusion. Allein schon das geplante Rentenpaket mit Haltelinie und Mütterrente kostet mehr, als selbst eine saftige Erhöhung der Erbschaftsteuer bringen kann. Das liegt daran, dass es viel weniger Superreiche gibt, als viele glauben. Stattdessen zahlt vor allem die Mittelschicht für den Sozialstaat. Wer sich politisch dafür einsetzt, dass die Renten schneller steigen als bisher, sollte also ehrlich sagen, wer diese Kosten tragen wird: die Mittelschicht, nicht irgendwelche imaginierten Superreichen.

All das spricht überhaupt nicht gegen eine Reform, um die Erbschaftsteuer fairer zu machen. Nur müssen hier nicht nur CDU und CSU Einsicht zeigen. Auch SPD und Grüne müssen akzeptieren, dass diese Reform finanziell gar nicht so viel bringen wird.

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Mal abgesehen davon, dass ich auch dieser Meinung bin (dass die Erbschaftssteuer, so notwendig die Reform auch ist, nicht das nötige Geld bringen wird, um alle derzeitigen Hauhaltslöcher zu stopfen).

Den Satz

verstehe ich leider nur bedingt.

Wenn ein Firmeninhaber eine Firma erbt, sind die Kredite, die für das Aufbringen der Erbschaftssteuer notwendig sind, nicht rel. einfach “refinanzierbar”? Rein theoretisch betrifft die Erbschaftssteuer nicht das Unternehmen - sondern den Erben.

Ein Freund von mir hat kürzlich in München ein Mehrfamilienhaus in München geerbt - das gab (auch schon nach heutigen Steuersätzen) eine Erbschaftssteuer, die er natürlich nicht von seinem Konto begleichen konnte - er musste also einen Kredit aufnehmen. Es gibt nun mehrere Möglichkeiten, diesen Kredit zurückzuzahlen

  1. Verkauf des Hauses

  2. Erhöhung der Mieten

  3. Warten, bis nach 10 oder 15 Jahren die laufenden Gewinne, die bislang dem alten Besitzer (Erblasser) zugutegekommen wären, die Schulden wieder tilgen.

Letzteres hat den Vorteil, dass der Mieter keinen Nachteil haben, dass er nicht verkaufen muss, und „nur“ den Nachteil, dass er ein paar Jährchen warten muss, bis er wirklich netto etwas davon hat. (im vorliegenden Fall hat er sich dankenswerterweise für genau dieses Modell entschieden).

Das Problem ist doch, dass der Gedanke des Erbes bei vielen automatisch assoziiert, dass damit sofort(!) auch eine Steigerung des Wohlstandes einhergehen muss.

Ist das wirklich - so nahe dies in unserer Gesellschaft auch liegt - wirklich so zwingend selbstverständlich? Wir sind hier wieder bei alten Denkmustern, die es zu hinterfragen gälte.

Kleinvieh macht auch Mist. :grinning_face:

Natürlich können die reichen Erben nicht alleine den Sozialstaat retten, aber sie würden zumindest eine kleine (oder ziemlich große) Lücke füllen.

Hinzu käme vielleicht noch:

a) die Vermögenssteuer (anderes Thema),

b) alle Menschen zahlen in die RV und KV ein (auch anderes Thema) und Zusatzleistungen können privat weiter versichert werden,

c) Sozialabgaben auf Kapitaleinkünfte (auch ein anderes Thema),

d) Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze.

Ich denke, da kommt dann einiges zusammen, was helfen kann, den Sozialstaat zu retten.

Eine Person erbt ein Mehrfamilienhaus, das hat er natürlich vorher nicht gewusst. :thinking:

Wessen Problem ist es dann, wenn nicht rechtzeitig für die Erbschaftssteuer vorgesorgt wurde?

Erbschaftssteuer muss eh bereits gezahlt werden.

Eine Bekannte von mir hatte sogar 3 Mietshäuser geerbt, dann hat sie halt eins verkauft und konnte ihre Steuern bezahlen.

Meine Vermieter (2 Brüder in Erbengemeinschaft) versuchen auch augenblicklich das Haus zu verkaufen und ich muss vielleicht auch irgendwann sehen, wo ich bleibe.

Ist halt so.

Ganz davon abgesehen, dass eine Erhöhung der Mieten auch nicht so einfach geht. Da gibt es auch Grenzen.

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Was für ein Quatsch.

Nicht jeder ist schon vor einer Erbschaft wohlhabend und kann dafür vorsorgen.
Ob die das vorher gewusst hat oder nicht, ist dann völlig irrelevant.

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Die laufenden Gewinne müssen dann zur Tilgung der Steuer verwendet werden.
Das bedeutet, dass der Eigentümer die Gewinne nicht re-investieren kann (bzw. dass die Firma/der Hauseigentümer Investitionen unterlässt, damit genügend Gewinn dabei rumkommt für die Steuer).
Beim Mietshaus entfallen also Sanierungen und Reparaturen.
Beim Unternehmen fehlen Investitionen in neue Maschinen, Forschung, mehr Angestellte, Energieeinsparung, neue Produkte usw.

=> „eine höhere Steuer entzieht einer Firma Geld - mit dem sie dann nicht mehr arbeiten kann:“
Das ist schon plausibel.

Es ist halt die Frage, von welchen Dimensionen wir reden.
Wenn so ein Mietshaus 50 Jahre alt ist und im „Normalbetrieb“ eine Rendite von 3-4% abwirft, ist da nicht viel Luft drin. Es werden immer wieder größere Reparaturen nötig sein und von der Rendite bleibt dann nicht viel übrig.
Wenn ein Unternehmen eine Umsatzrendite von 25% erwirtschaftet, wird das vielleicht anders aussehen (wobei für mein Verständnis 25% extrem viel und eher unrealistisch sind).
Aber die große Ertragskraft wird sich auch in einer hohen Unternehmensbewertung niederschlagen, die wiederum die Steuer erhöht. Im Ergebnis helfen dann die 25% vielleicht auch nicht.

Aber was, wenn er „nur“ ein Haus erbt?
Und bei einem Unternehmen ist es nicht so leicht, ein Drittel zu verkaufen (und häufig auch nicht sinnvoll).

OK. Wie hättest Du vorgesorgt, wenn Du seit 10 Jahren gewusst hättest, dass Du ein Unternehmen erbst und dann 5 Mio. Steuer zahlen musst?
Hättest Du die 5 Mio. ansparen können?

Na dann ist es doch gut.
Du ziehst um und zahlst dann 50% mehr Miete als bisher.
Wenn Du damit kein Problem hast, alles bestens.
Aber dann könntest Du auch höhere Steuer zahlen, wäre wirtschaftlich dasselbe, und wir müssten die Erbschaftssteuer nicht erhöhen.
Ist dann halt so.

Klar. Sagt ja auch niemand, dass die verschont werden sollen.
Aber wir sollten uns und anderen nicht einreden, dass es nur die oberen 10.000 treffen wird.
Die Belastungen müssen vermutlich weit runter bis in die mittleren Einkommenslagen gehen.

“Aber wir sollten uns und anderen nicht einreden, dass es nur die oberen 10.000 treffen wird.”

Wer macht denn das und wem trifft es in der Gesellschaft tatsächlich am meisten?

”Die Belastungen müssen weit runter bis in die mittleren Einkommenslagen gehen.”

Funktioniert ja bereits und noch weiter runter, einige Politiker*innen wollen ja den Ärmsten noch das Bürgergeld streichen, die Menschen sollen gefälligst mehr arbeiten, der 8-Stunden-Tag soll abgeschafft werden, und etc.

U.a. auch gierige Vermieter von Wohnungen sorgen dafür, dass die Mietpreise immer mehr steigen, sodass es für die Menschen mit niedrigen Einkommen kaum noch möglich ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Die Zahl der Mieter in Deutschland hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Knapp 30 Prozent fürchten, sich ihre Wohnung künftig nicht mehr leisten zu können.

Warum sind denn die Menschen in Deutschland mit der Politik so unzufrieden?

Die Mehrzahl der Menschen in Deutschland gehören jedenfalls nicht zu den “Obersten 10.000”.

Die Kluft zwischen Reich und Arm wird immer größer.

Ich habe übrigens noch ein Punkt d) ergänzt:

Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze (auch anderes Thema).

Finde ich auch, von wegen hohe Mieten, die Mieter sollen sehen wo sie bleiben.

Das ist zwar hier Off-Topic, aber es hat sich aktuell ein sehr hoher Anspruch bezüglich der Wohnfläche etabliert. Als ich ein Kind war, hatten wir zu dritt eine 63 m²-Wohnung, unsere Nachbarn sogar zu viert. Ich denke, wenn man alle Berechnungen mit 21 m² Wohnfläche pro Person noch mal machen würde, könnte es klappen mit der Bezahlbarkeit sowohl der Miete als auch der Nebenkosten.

Dann dazu die Pflicht für die Vermieter zur energetischen Sanierung und fertig ist der Beitrag zum Klimaschutz im Gebäudesektor bei bezahlbaren Mieten und zu einem Sozialstaat wie in den „goldenen 1960ern“.

Inzwischen habe ich die Wohnung geerbt und vermietet für 6,50 €/m² kalt, und es wohnt dort jetzt eine Arschgeige ganz allein auf 63m². Er hat eine Frist bis nächste Woche, die Nebenkostennachzahlung für 2023 und 2024 zu leisten. Ich bin sehr gespannt, ob er das macht. Das ist jedes Jahr ein Theater. Einschreibebriefe nimmt er grundsätzlich nicht an.

Bisher hatte ich immer Mitleid mit seiner Frau, deshalb habe ich noch keine härteren Maßnahmen ergriffen, aber sie hat ihn nun verlassen, deshalb fällt diese Hemmschwelle weg.

Erbschaftssteuer habe ich für die Wohnung selbstverständlich gezahlt. Keine Ahnung, warum hier immer so getan wird, als ob die Erbschaftssteuer zu niedrig wäre. Hier noch mal die Tabelle:

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findest Du diese unsortierte Aneinanderreihung aller möglichen Gedankenschnipsel eigentlich selber überzeugend?

nee nee, komm uns jetzt nicht auf diese Mitleidstour.
Du bist per definitionem Vermieter = Großkapitalist = gieriger Ausbeuter der wehrlosen Mieter.
:innocent:

Private Vermieter wie Du und ich vermieten 2/3 aller Wohnungen in D

Aber dieser populistische Müll ist unausrottbar:

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Das ist nicht zwingend richtig - beim Mietshaus entfällt nur, dass der Erbe die ersten 15 Jahre von den Mieteinnahmen leben kann - er muss ganz normal weiterarbeiten, um weiterhin seinen Arbeitslohn als Lebensgrundlage zu nehmen, und muss die Einnahmen dafür verwenden, die Zinsen + die Sanierung zu betreiben. Der eigene Vorteil kommt erst später (nach den 10-15 Jahren.

Beim Unternehmen weiß ich das nicht so genau, wovon das alles abhängt - wenn ich mir die Freiberufler um mich herum aus meiner Generation ansehe, dann stelle ich fest, dass die (fast) alle die ersten 10 Jahre mit rel. wenig Gewinn rechnen konnten, bis sie sich etabliert haben (mein Schwager hat ca. 10 Jahre gebraucht, bevor aus seinem Starten was geworden ist, was mehr als 2500€ monatlich abgeworfen hat - warum sollte sein Sohn, der das demnächst übernimmt, (sozusagen als vorgezogenen Erbe) gleich bei den 8000€ einsteigen, wenn er den Laden übernimmt.

Wenn er also auch erst einmal wieder bei 2000€ einsteigt, könnte er die derzeit 6000€ für Zinsen/Rückzahlung und Weiterentwicklung des Ladens entscheiden.

Bei meinem anderen Schwager, der Landwirt ist, und bei dem auch in den nächsten 10 Jahren eine Übergabe ansteht, ist das ähnlich - wobei ich mir vorstellen kann, dass das bei Landwirtschaft sowieso anders gehandhabt wird.

Es ist bei vielen bislang geprägt von “es lohnt sich nicht, wenn ich nicht glich wohlhabend weitermachen kann“

Seit wann bedeuten höhere Steuern gleichzeitig mehr Geld für den sozialstaat?

Es kommt doch eher darauf an wie viel Geld ich wo reinstecken

Andere steuermodelle bedeutet ganz einfach nur eine quasi Umverteilung bei denen die Steuern zahlen.

Du unterstellst, dass die Mieteinnahmen für beides reichen.
Die Mietrenditen sind nicht hoch, da wird es je nach Höhe der Steuer uU nicht für beides reichen.

wer sagt, dass das möglich ist und dass er das will?

weil es ihm gehört.
weil sein Vater es aufgebaut hat.
Gegenfrage: warum soll er wieder auf den Stand seines Vaters vor 30 Jahren zurückgehen?
So kann er nie ein großes Unternehmen aufbauen.
Dieses Klein-klein-Denken („von EUR 2000 kann man doch auch leben“) ist nicht der Stoff, aus dem erfolgreiche Unternehmen gemacht werden.
Sagen wir der Vater hat 5 Angestellte.
Warum soll der Sohn den Laden mit soviel Kostenlast übernehmen, wenn er nur soviel verdient wir ein start-up-Gründer?
Dann macht er halt den alten Laden dicht, entlässt die Angestellten und macht wieder ein 1-Mann-start-up ohne Angestellte. Der Verdienst ist derselbe, das Kostenrisiko aber geringer.

Den Gedanken habe ich noch nie gehört und noch nie selber gehabt, und er ist unplausibel.
Ich halte ihn für eine Erfindung oder Spekulation.
Es ist doch im Gegenteil so, dass Immobilien häufig zu Lebzeiten auf die Kinder übertragen werden, mit einem lebenslangen Nießbrauch für die Eltern.
D.h. die Kinder /Erben stehen zwar als Eigentümer im Grundbuch, aber die Miete kriegen die Eltern bis an ihr seliges Ende. Die Kinder können die Immobilie nicht verkaufen und erzielen kein Einkommen damit.
Sie wissen von Anfang an, dass sie von dem Erbe erst was haben, wenn die Eltern tot sind.
Bei mir hat das (Gott sei Dank) über 20 Jahre gedauert.
Ich weiß nicht, wovon Du redest …

Kleiner praktischer Tipp:
Einschreiben mit Rückschein - dann gilt das Schreiben als zugegangen, ob er es zur Kenntnis nimmt oder nicht. Und Du kannst über den Rückschein den Zugang beweisen. Und verweigert er die Unterschrift unter den Rückschein, vermerkt der Zusteller dies und der Effekt für den Zugang ist rechtlich der Gleiche.

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Dann fällt aber - bei entsprechender finanzieller Größe der Schenkung (um die es sich dann dabei handelt) -Schenkungssteuer an. Freibeträge und Steuersätze sind identisch zur Erbschaftssteuer.
Zu versteuern ist nur der über den Freibetrag hinausgehende Wert der Schenkung.
Zudem verringert das Nießbrauchsrecht der Eltern den steuerlichen Wert der Schenkung.

Na ja, aber sie haben nach weiteren zehn Jahren nach Erhalt der Schenkung für eine weitere Schenkung resp. dann ein Erbe erneut die Freibeträge zur Verfügung.

Also steuerlich “Luft” für eine weitere Schenkung plus den endfälligen Erbfall.
Sei Dir ja von Herzen gegönnt, aber damit kann man schon mal ein Vermögen von mehr als einer Million “steuerfrei” erben (vorausgesetzt, elterliches Vermögen bzw. Nachlass sind so ergiebig),

Und mal zum Grundsätzlichen:

Na gut, aber die von der CDU angekündigten Milliarden-Einsparungen beim Bürgergeld liegen jetzt in der Realität eher in der Größenordnung von 8 Millionen als 8 Milliarden.
Fällt schwer, da keine Satire zu schreiben.

Das Steuerschlupfloch müsste auf jeden Fall geschlossen werden. Wenigstens hier könnte die grüne BT-Fraktion mal mit entsprechenden Gesetzgebungsvorschlägen aktiv werden.

Und damit die SPD in der jetzigen Koalition mal in die Bredouille bringen.

Und die CDU zum politischen Offenbarungseid zwingen …

Nachtrag:

Auch das ist ein Grund, warum die Linke - bei allem gelegentlichen Ärger über die eigene, grüne Partei - für mich als Alternative nicht in Frage kommt:

Ist mir einfach zu blöd!

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das Kernproblem des Erbens.

Gegenfrage: Würde es mit dem Unternehmen vielleicht auch weitergehen, wenn es keinen Sohn gäbe? Würde es das Mietshaus noch geben, wenn es nicht vererbt würde? Diese Dinge lösen sich ja nicht einfach in Luft auf, nur weil jemand der sich bislang darum gekümmert hat verstirbt. Staat ohne Erbe (Demokratie statt Monarchie) haben wir schon geschafft, Wirtschaft ohne Erbe wäre ebenso möglich und vermutlich noch deutlich besser - denn dass gute Geschäftsführergene erblich sind ist wohl genauso Unfug wie dass gute Königsgene erblich sind.

Und gleichzeitig wohnen mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland zur Miete (mehrheitlich wohl selbst nicht gleichzeitig auch Vermieter). Die Vermieter weil sie es können, oftmals dank Erbe, die Mieter weil sie es müssen, oftmals mangels Erbe.

Im Vergleich zur Einkommenssteuer, die jemand zu zahlen hat, der sich sein Vermögen wirklich hart erarbeitet, ist die Erbschaftssteuer geradezu lächerlich niedrig (insbesondere mit den üppigen Freibeträgen und insbesondere für nahe Verwandte). Aus meiner Sicht müsste leistungsloses Einkommen (Schenkung, Erbe) mindestens genauso besteuert werden wie Arbeitslohn, inklusive aller Abgaben an die Sozialkassen. Oder was spricht dafür Einkommen aus Arbeit stärker zu belasten als Einkommen aus Erben?

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Nichts.
Man kann nach meiner Vorstellung alles gleich bewerten, aber ob das dann zu höheren Erbschaftssteuern führt, sei mal dahin gestellt.

Wenn man arbeitet, kommt es ja auch darauf an, wie viel man verdient, und was man alles von der Steuer absetzen kann, da ist der Steuersatz nicht notwendigerweise hoch.

Es geht ja am Ende nicht nur darum, dass die Erben mehr zur Kasse gebeten werden, sondern dass auch die gezahlten höheren Steuern auch an den richtigen Stellen ankommen, und zwar in den Sozialkassen und nicht irgendwo anders.

Das hat auch etwas mit Solidarität zu tun.

Das kann man rein rechtlich nicht verknüpfen.
Wofür das Geld dann ausgegeben wird, ist eine ganz andere Entscheidung des jeweiligen Landtags, der den Haushaltplan beschließt.