Teil 1 - Kampagne für Frauen, Kinder und andere Minderheiten - 3 Einführungstexte

Liebe Mitschreiber,

ich mache gerade ein Studium zur „Kulturwissenschaft“. Online. Das geht auch noch steil jenseits der 25. In diesem Rahmen machte ich ein Praktikum im Öffentlichkeitsteam von DiB (euch kannte ich da noch gar nicht).
Ein Projekt für mein Studium geht ab heute die nächsten Monate online. Um was es geht, seht ihr im Einführungstext, den ich euch hier einstelle.
Es gibt viele Männer hier im Forum. Wir brauchen eure Hilfe. Die Hilfe von Männern, die dafür stehen, dass Menschen gleichwertig sind.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Gedanken mitteilt und wenn ihr meine Kampagne unterstützt. Es werden auch noch Petitionen folgen.
Teilen wäre auch nett.
Und bleibt beim Thema. Nicht wie in meinem anderen Faden. Dort bin ich längst mit meinem Thema untergegangen.

Menschenrechte im Fokus

Jedes Jahr vom 25. November bis zum 10. Dezember steht die Welt im Zeichen der Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“. Diese internationale Bewegung macht auf ein globales Problem aufmerksam, das unzählige Leben betrifft: Gewalt gegen Frauen in all ihren Facetten.
Die Kampagne beginnt mit dem „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ und endet symbolisch am „Tag der Menschenrechte“. Doch viel zu oft bleibt es bei diesen 16 Tagen: Nach dem 10. Dezember kehrt die Stille zurück. Die systematische Gewalt, die Frauen weltweit erfahren, wird wieder unsichtbar – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Wir möchten das ändern. Für uns ist der 10. Dezember nicht das Ende, sondern ein Anfang.

Der heutige Tag der Menschenrechte erinnert uns daran, dass jeder Mensch unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Lebenssituation das Recht auf ein Leben in Würde, Freiheit, Gleichheit und Sicherheit hat. Doch diese universellen Rechte werden immer wieder verletzt – nicht nur in autoritären Regimen, sondern auch in liberalen Demokratien wie Deutschland.

Einige Kernartikel der Menschenrechte zeigen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte:
• Artikel 1: „Alle Menschen sind frei und mit gleicher Würde und gleichen Rechten geboren.“
• Artikel 3: „Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“
• Artikel 7: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Unterschied Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz.“

Doch wie sieht die Realität aus? Trotz dieser Prinzipien erleben wir täglich Verletzungen dieser Rechte. Diese stellen keine abstrakten Probleme dar, sondern bedeuten konkrete Bedrohungen – besonders für Frauen, Kinder und andere schutzbedürftige Minderheiten.

Hass und Gewalt im Netz
In der digitalen Welt, die eigentlich für Austausch und Offenheit stehen sollte, breiten sich Hasskommentare, Bedrohungen und Fake News ungehindert aus. Besonders betroffen sind Frauen, Minderheiten und öffentliche Personen. Die Anonymität des Internets senkt die Hemmschwelle, wodurch aus virtueller Gewalt schnell reale Konsequenzen entstehen.

Gewalt und sexualisierte Gewalt
Gewalt ist allgegenwärtig. Sie reicht von häuslicher Gewalt über sexuelle Übergriffe bis hin zu institutioneller Gewalt. Diese Taten sind nicht nur individuelle Vergehen, sondern Ausdruck tiefer Machtstrukturen. Laut Statistiken wird jede dritte Frau weltweit mindestens einmal in ihrem Leben Opfer physischer oder sexualisierter Gewalt.

Misogynie – die unsichtbare Gefahr
Frauenfeindlichkeit ist kein Relikt der Vergangenheit. Sie zeigt sich in subtilen Diskriminierungen ebenso wie in brutaler Gewalt. Rollenbilder, die Frauen abwerten, sind tief in unserer Gesellschaft verankert. Diese Misogynie wird oft Männern angelastet, doch auch Frauen können sie internalisieren und weitergeben. Das macht den Kampf gegen sie umso schwieriger.

Patriarchale Machtstrukturen
Unsere Institutionen, Gesetze und sozialen Normen sind oft noch von patriarchalen Strukturen geprägt. Sie begünstigen Ungleichheit und schaffen die Basis für Gewalt und Diskriminierung. Echte Gleichstellung bleibt trotz gesetzlicher Fortschritte in weiter Ferne – auch in Deutschland.

1948 wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. Sie war ein Versprechen an die Menschheit: Niemand sollte unterdrückt, diskriminiert oder misshandelt werden. Doch dieses Versprechen ist nur so stark wie unser Wille, es einzulösen.
An diesem Tag der Menschenrechte rufen wir dazu auf, aktiv zu werden. In den kommenden Wochen werden wir uns in einer Blogreihe mit den drängenden Themen unserer Zeit beschäftigen:
• Digitale Gewalt und wie wir uns schützen können
• Gewalt und sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Kinder
• Die Rolle von patriarchalen Strukturen in unserer Gesellschaft
• Warum ist echte Gleichstellung noch ein weiter Weg?
Gemeinsam können wir mehr erreichen – für eine gerechtere Gesellschaft, in der Menschenrechte für alle gelten. Beginnen wir heute, am Tag der Menschenrechte.

https://dib.de/2024/12/10/menschenrechte-im-fokus/

Hallo Lilly,
Was genau erwartest Du von uns in diesem Zusammenhang?
Ich will Dich da gerne unterstützen (sofern ich überhaupt - selbst in den Tiefen des tiefsten Unbewussten - als jemand gelten kann, dessen Selbstverständnis tatsächlich vom Mensch unter Menschen ausgehend denkt, fühlt und handelt)

Dazu brauche ich aber genauere Infos, was Du genau wissen bzw. als Aktion haben willst - das mit der Beteiligung an Petitionen ist dabei rel. eindeutig - aber willst Du hier (Selbst-)Beobachtungen sammeln? Oder darüber diskutieren, wann genau die innere Gleicheit als Voraussetzung der äußere Gleichheit hergestellt ist?

1 „Gefällt mir“

Gut, dass du das Thema aufgreifst.
Dein Text ist schwungvoll und nachvollziehbar aufgebaut. Aber er lässt mich auch etwas ratlos. Du schwingst dein Netz sehr breit, und fängst mehrere Themen gleichzeitig ein, auf einem sehr abstrakten Level.
Ich nehme an, dass in den folgenden Beitragen einzelne Aspekte fokussiert behandelt werden. Das wird sicher interessant. Hast du schon überlegt, wo du Schwerpunkte setzen willst?

1 „Gefällt mir“

Puh, ich hatte Mühe damit, mich heute erneut hier einzuwählen. Es hat ewig geladen und dann kam nichts.

Also, diese Kampagne ist tatsächlich sehr breit gefächert. Es wird insgesamt 3 Einführungstexte geben, die etwas allgemeiner gehalten sind. Einer noch vor Weihnachten und einer im Januar. Danach kommen über 2 Monate jede Woche ein Text, der die oben genannten Themen einzeln und detaillierter aufgreift und deren Dringlichkeit darstellt. Dazu kommen noch die passenden Petitionen. Vermutlich 3.

Das meiste an Blogtexten habe ich schon vorformuliert und muss nur noch fertig überarbeitet werden.
Wichtig wäre, dass die Texte und Petitionen unter die Leute kommen.

Ursprünglich war noch geplant, namhafte Spezialisten zu Wort kommen zu lassen oder betroffene Frauen und andere, aber da meine Partei unterwegs schlappmacht, bin ich schon dankbar, dass sie diese Online-Texte und Petitionen noch mit mir durchziehen. Meine zur Verfügung stehende Zeit ist deshalb begrenzt. Für die Petitionen wäre es natürlich toll, wenn da auch wer Bekannteres wie „Lilly“ von Nirgendwo mit draufstünde. Schön wären Podiumsgespräche oder so gewesen. Nun ist es wie es ist, und ich mache das Beste draus. Trotzdem wäre ich froh, ein bisschen Unterstützung zu bekommen.

Gerade bei Gewalt gegen Frauen und Kinder, Misogynie oder Abschaffung des Patriarchats und Geichstellung sind auch Männerstimmen wichtig. Heute mehr denn je, da die braune Brut sich am liebsten nur noch „Heimchen am Herd“ wünscht.

Seid lieb gegrüßt!

1 „Gefällt mir“

Das Problem habe ich auch. Bei mir liegt es am Browser (Windows PC). Firefox hängt manchmal ewig (habe ich nur bei diesem Forum beobachtet), mit Chrome flutscht es.

1 „Gefällt mir“

Ja, genauso ist es bei mir auch. Ich habe auch Firefox.

Nachtrag: Bin auf Chrome umgestiegen mit dem Forum. Jetzt flutscht es einwandfrei. Danke für den Tipp!

Da möchte ich anknüpfen. Ich war auch erst etwas ratlos und habe den Text etliche male gelesen, um rauszufinden, woran das liegt. @Dagmar s und @HarmsCar s Beiträge haben mir dann auf die Sprünge geholfen.

Der Text beschreibt, was Frauen erleiden, warum sie Opfer sind.
Aber es kommen praktisch keine Täter vor!
Die Formulierungen sind irgendwie passivisch und/oder abstrakt:

  • es breiten sich Hasskommentare aus,
  • Gewalt ist allgegenwärtig,
  • die Taten sind Ausdruck von Machtstrukturen,
  • Frauen werden Opfer von Gewalt,
  • „Rollenbilder, die Frauen abwerten, sind tief in unserer Gesellschaft verankert.“
  • etc.

Es wird fast nie gesagt, wer das alles verursacht.
Damit will ich nicht sagen, dass die jetzigen Aussagen falsch sind oder gestrichen werden sollen. Aber vielleicht ergänzt.

Was hältst Du davon, auch Täter und Taten zu benennen?
Also nicht nur von der „Verankerung von Rollenbildern“ zu sprechen, sondern zu sagen:
„Viele Männer akzeptieren nach wie vor keine Frauen in Führungspositionen.“
Oder noch besser: „Laut einer Umfrage von XY akzeptieren XZ % der Männer zwischen 25 und 60 keine Frauen in Führungspositionen.“
Oder ein Beispiel nennen: „Frau XY durfte nicht Vorstand der YZ AG , weil der Aufsichtsrat keine Frau an der Spitze des Unternehmens haben wollte.“
Oder sie durfte nicht Fussballtrainerin werden, oder Generalin bei der Bundeswehr, oder Parteivorsitzende oder was auch immer. Oder sie wurde am Arbeitsplatz sexuell belästigt, oder in ihrem eigenen Schlafzimmer vergewaltigt.
Also konkret benennen, was passiert und wer schuld daran ist (es werden wohl häufig Männer sein).
Zu solchen Fällen, bei denen Männer als Täter konkrete Dinge tun (oder verhindern), könnte ich als Mann leichter etwas sagen als zu eher abstrakten Aussagen (wie die mit den tief verankerten Rollenbildern).
Ist verständlich, was ich meine?

1 „Gefällt mir“

Ja ich verstehe sehr gut, um was es dir geht. Der Text ist nur eine Einführung in das Thema. Es folgt jetzt eine ganze Reihe von Blogtexten, die diese Themen separat aufgreift und dann von allen Seiten beleuchtet, auch von der von dir beschriebenen.
Es kommen auch noch jede Menge Zahlen und Fakten.

Die Täter sind tatsächlich überwiegend Männer, aber nicht nur. Und die Frauen sind überwiegend die Opfer, aber auch nicht nur.
Eigene Beispiele einbringen wird schwierig, aber ich werde es versuchen.
Ich habe hier einen Stapel Fachbücher zum Thema liegen, mit vielen Beispielen darin, aber die möchte ich nicht abkupfern.

In meinem ursprünglichen Plan gibt es 3 Einführungstexte und 24 Haupttexte. Leider werde ich diese mangels der mir dafür bleibenden Zeit zusammenkürzen müssen. Aber ich werde dennoch so gründlich wie dann möglich die Themen aufarbeiten.

Danke, dass ihr euch hier einbringt.

Vielleicht können wir das Thema auch mal umgekehrt angehen, als Frage an Männer: was glaubt ihr, was für Frauen die Probleme sind, wie Frauen sie wahrnehmen. Also nicht ! eure Meinung dazu, sondern empathische Perspektivenübernahme.
Kann sehr schwierig sein :wink:
@Lilly , was meinst du?

1 „Gefällt mir“

Super gute Idee. Danke von Dagmar zu Dagmar

1 „Gefällt mir“

Das klingt wie mansplaining für Fortgeschrittene :slight_smile:
Als Mann würde ich das tunlichst vermeiden, „den Frauen“ zu erklären, welche Probleme sie „als Frauen“ haben und wie sie die wahrnehmen.

Du sagst es. Gott bewahre :wink:

Du hast haarscharf den Knackpunkt erwischt.
Du hast Recht, mansplaining wäre kontraproduktiv.
Was ich meine ist inspiriert von einer Methode aus der systemischen Therapie, zirkuläres Fragen. Man fragt zb jemand x aus der Familie, was würde y sagen, was z fühlt oder wie z das sieht. Das ist erstaunlich wirkungsvoll. Aber wir machen hier keine Therapie, soll auch gar nicht sein. Eher ein Experiment.
Meine Idee ist kürzer. Und eher als erweitertes Fragen gedacht.
Im alten Forum hast du sehr einfühlsam Vermutungen und Fragen formuliert, um Menschen mit vollkommen anderem Erfahrungshintergrund besser zu verstehen, bevor es dann eskaliert ist.
Meine Idee dahinter ist, einen anderen Gesprächsmodus zu finden, jenseits von Argument und Gegenargument. Eher ein gemeinsames Suchen.

Muss aber nicht sein :wink:

1 „Gefällt mir“

Die Idee finde ich gut - auch wenn

Ich persönlich tue mich allerdings schwer, über eine Perspektivübernahme „der Frauen“ oder „der Männer“ im allgemeinen nachzudenken (ich habe dazu zu wenig soziopsychologisches Wissen.
Ich bin da sehr beschränkt auf mein direktes (oder bestenfalls noch indirektes) Umfeld.
Deswegen tue ich mich beispielsweise bei kulturübergreifenden Fragestellungen auch unglaublich schwer.
Natürlich kann ich mich hier in sehr allgemeinen Thesen dazu ergehen - auf der menschlichen ebene hat jede Person, unabhängig von Alter, Geschlecht etc. einen respekt- und würdevolllen, gleichberechtigten Umgang verdient. Und natürlich ist es oft der Mann, der durch seine Dominanz - sowohl in Richtung anderer Frauen (wie auch übrigens gegenüber anderen Männern) -, dies oft nicht praktiziert - aber das sind immer noch zu sehr Allgemeinplätze.

Auf der individuellen Ebene sieht das ganz anders aus (zumindest in meiner Einbildung :rofl:

Von daher habe ich auch diese Aufgabenstellung immer noch nicht ganz verstanden - ich weiß schon: mein fehler :wink: :

Was genau wollt ihr beide also wissen (Stichwort

)?

das ist mir zu hoch.
Kannst Du mal ein Beispiel bilden?

gut.

danke. Freut mich, dass Du das wahrgenommen hast und Dich daran erinnerst.
Ist ja nicht so, dass ich immer als Rüpel vom Dienst unterwegs bin :wink:
Aber manchmal ist es halt das richtige …

dann mach bitte irgendwie für uns begreifbar, wie das ablaufen soll.
und ob das online und schriftlich funktionieren kann, das wäre auch noch so eine Frage.
Das Thema ist ein Minenfeld und für viele gefühlsbeladen.
Wenn das in dem Rahmen hier funktionieren soll, bedarf es großer Aufmerksamkeit und Zurückhaltung bei allen und einer Führung durch jemand, der/die weiß, wie sowas geht.

Ich hatte mal (in einem Fotoforum!) so einen Fall, wo wir den Inhaber und Moderator davon überzeugt haben, dass wir irgendein damals hochemotionales politisches Thema diskutieren (Corona oder sowas, habs vergessen). Der war zuerst skeptisch und hat gesagt, ich zieh Euch den Stecker, wenn es aus dem Ruder läuft, aber wir haben es geschafft und das Thema nach ein paar Tagen friedlich beendet. Aber das war wie Laufen auf rohen Eiern :slight_smile:

Ich ahne zB schon, dass meine Erfahrungen mit Frauen und das Verhalten der Mehrheit der Frauen, die ich kenne, sich nicht mit den Erfahrungen decken werden, die Motiv für die Kampagne waren. Aber gerade deswegen würde es mich interessieren.
Und ich gelobe, genauso friedlich wie alle anderen zu sein, sollte da jemand Bedenken haben.

Und jetzt frage ich mich, ob ich nicht schon wieder zu viel rede?! :slight_smile:
Lasst Frauen sprechen!

1 „Gefällt mir“

Vielleicht hilft es euch, wenn ihr versteht, warum ich das hier mache und ihr mich etwas besser kennenlernt. Mir ist bewusst, dass ich auch gleichzeitig ein Wagnis damit eingehe, aber ich sehe, dass auch die „sogenannten“ Raubautze oftmals über mehr Empathie, Gespür für das Richtige, für Wahrheit und Gerechtigkeit verfügen als es wirkt.
Ich habe viele von euren Texten gelesen und da steht Vieles drin, für das es sich lohnt, sich einzusetzen und zu kämpfen.
Nur - reden allein ändert nichts - man muss es auch tun.

Gut, nur wo fange ich jetzt an?
Folgende Fälle sind allesamt aus meinem persönlichen Umfeld oder dem meiner Familie. Und ich bin nur eine Person, die das Pech hatte, immer mitanzusehen oder mitanzuhören.
Da kann ich es mit Reinhard May halten:
"Ich weiß nicht, was mich dazu bringt
Und welche Kraft mich einfach zwingt
Was ich nicht sehen will, zu seh’n
Was geh’n mich fremde Sorgen an
Und warum nehm ich teil daran
Statt einfach dran vorbeizugehn …"
(https://genius.com/Reinhard-mey-aber-deine-ruhe-findest-du-trotz-alledem-nicht-mehr-lyrics)

Meine Schwester: Wurde von ihrem Mann über Jahre hinweg erniedrigt, gedemütigt, geprügelt, mehrmals krankenhausreif. Sie hat ihn mehrmals verlassen und ist immer wieder zurück, aus Angst aus Abhängigkeit. Erst als er sie fast tot geprügelt hat, schaffte sie den Absprung. Die Scheidung war eine Farce. So etwas dürfte es nicht geben.
Auch ihre spätere Zeit war und blieb schwierig. Sie lebt nicht mehr.
Wegen ihr bin ich ins Karate und habe mir geschworen, dass mich niemals ein Mann schräg anfasst.

Meine Cousine: Wurde systematisch betrogen und verprügelt, mit drei kleinen Kindern. Sie landete auch schon mal im Krankenhaus.

Mein Cousin: Wurde im Auto in Ungarn, samt seiner Beifahrerin nach einem fingierten Auffahrunfall das Genick gebrochen. Sie wurden beide komplett ausgeweidet für den Organhandel.

Eine Freundin: Sie musste nach Misshandlungen ins Frauenhaus fliehen - mit zwei Kindern - über Jahre hinweg musste sie sich verstecken, immer wieder umziehen, und wurde trotz einem gerichtlichen Abstandsgebot ewig keine Ruhe.

Eine andere Freundin: Wurde nach der Trennung über Monate hinweg gestalkt und bedroht. Es waren ein Kalender voller Vorfälle notwendig, damit sie ihn anzeigen konnte und sich vor Gericht durchsetzen. Ohne Hilfe durch Freunde wäre sie dem schutzlos ausgesetzt gewesen.

Ich selbst war als Kind in einer katholischen Klosterschule. Leider konnte ich abends meine Klappe nicht halten und ich musste meiner Freundin noch schnell gute Nacht zuflüstern. Und nicht nur einmal wurde ich dabei belauscht. Dafür kniete ich dann die halbe Nacht durch im eisigen Badezimmer auf dem Steinboden vor dem Waschbecken im Dunkeln. Ich habe bis heute Probleme mit der Lunge und der Atmung.

In Rom wurden meine Schwester und ich von drei Männern durch die Straße gejagt, die versuchten uns in ihr Auto zu zerren. Und half niemand. Wenn wir nicht so unglaublich sportlich und blitzschnell gewesen wären, würde ich heute nicht diese Texte schreiben. Ganz sicher nicht.

Wir sind auch schon öffentlich begrapscht worden von einer Meute betrunkener Männer, am Nachmittag auf einem belebten Platz. Alle haben weggeschaut und sind einfach weitergegangen. Auch da rettete uns unsere Geschicklichkeit.

Eine Bekannte meiner Familie wird regelmäßig verprügelt, mit drei Kindern, vor den Augen der Kinder. Zwei davon kamen mit Behinderungen zur Welt.

Bei meinen früheren Nachbarn war es umgekehrt. Da wurde er verprügelt. Wir hörten oft die Kleine schreien, dass die Mama den Papa in Ruhe lassen soll. Sie zwang ihn auch dazu, das ganze Haus zu sabotieren (durchgeschnitten Waschmaschinenschläuche, kaputte Räder usw.).

In der Schule, in der ich hospitierte, hatte ich ein Mädchen in der Klasse, die von ihrem Vater schwer missbraucht worden war. Es gab Konferenzen, wie man ihr helfen könnte, wir wir uns verhalten sollten und und und -
und später stand in der Zeitung, dass Lehrer*innen genau in dieser Schule über Jahre hinweg Schulkinder missbrauchten, bedrängten und mehr Gewalttaten. Genau jene Lehrkräfte neben denen ich im Lehrerzimmer saß. Von denen ich das niemals gedacht hätte. Nie! Und ich habe das auch nicht bemerkt als ich noch dort war.

Reicht das?
Es gab schon Kampagnen und auch Petitionen. Aber alle brachten nicht viel. Ich möchte nicht gegen Männer kämpfen, oder lauter laute Frauen um mich scharen, sondern mich mit Männern und Frauen, die verstehen können wie furchtbar solches Verhalten für die Betroffenen ist, und die wirklich etwas an der Situation ändern möchten aufmachen dies auch zu tun.

Einmal im Jahr „Oh wie schrecklich schreien“, ein paar mitfühlende Tränen vergissen und dann zum Alltag zurückkehren, hilft jedenfalls nicht.

Wir Frauen werden die Hilfe kluger und wirklich selbstbewusster Männer brauchen um ein System zu ändern, dass all dies begünstigt.

1 „Gefällt mir“

mein Gott, was für eine grauenhafte Liste …

Hallo Lilly,
ich kann Dein Ansinnen nun etwas besser verstehen - ich kann auch all die schrecklichen Fälle, die Du schildertest, empathisch nachvollziehen - ich habe selbst eine rel. komplizierte Historie, die durchsetzt ist von Mißachtung, Gewalt, etc.- Ich kenne also die damit verbundene Ohnmacht, den daraus resultierenden Hass und auch die Gegengewalt leider nur zu gut - und es spielt natürlich überhaupt keine Rolle, ob das Opfer nun Frau oder Mann ist (auch wenn letzteres eher die Ausnahme ist).

Ich finde es zunächst unglaublich wichtig, persönlich niemals wegzusehen, sondern - wo immer ich solche Situationen bewusst wahrnehme - unterstützend einzuschreiten.

Dazu gehört auch, sich jenseits eines aktuellen Geschehens immer wieder auszutauschen über die eigenen Erfahrungen - aber auch über best practise, um in vergleichbaren Situationen künftig noch effektiver zu handeln.

Ich war schon lange nicht mehr direkt von Gewalt betroffen, und habe auch lange keinen mehr in meinem Umfeld, die/der unmittelbar von Gewalt betroffen ist.

Allerdings hat sich das im letzten halben Jahr ein bißchen geändert - wir sind da aber als Familie sehr aktiv, das wieder hinzubekommen - das spielt sich aber derzeit nur auf der rein privaten Ebene ab.

Die Frage, die Du aufwirfst, zerfällt für mich daher in zwei verschiedene Aspekte

  1. was kann man selbst im Verbund mit anderen tun, um nach Kenntnis solcher Vorgänge (vielleicht auch in Kooperation mit staatlichen Stellen) im betroffenen Einzelfall aktiv Hilfe zu leisten. Da kann ich rel. viel beitragen.

  2. Was kann man (gesellschafts-)politisch unternehmen, dass dieses Thema - vor allem vor dem Hintergrund, dass die Gesellschaft in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer weniger vom „Klebstoff“ des Wohlstandes zusammen gehalten werden wird, und infolge dessen auch das Gewaltpotential sich vielleicht deutlich mehr Bahn brechen könnte -, viel mehr in den Fokus öffentlicher Betrachtungen gerät (die Gesetzesinitiative der Bundesregierung zur besseren finanziellen Ausstattung von Frauenhäusern und deren Ablehnung durch die Union ist hier ein Skandal, den man vielleicht mal auf die Straße tragen müsste (unabhängig von der Frage, ob das überhaupt ausreíchend ist).

Ich habe allerdings darin überhaupt keinerlei Erfahrung (und daher auch wenig Ideen) :frowning:

Allerdings sehe ich vor allem in unserem Bildungsystem sehr viele Ansätze, was man ändern müsste, um mehr Prävention zu betreiben (hier habe ich durchaus viele Ideen, die aber wieder auf Gesetzesinitiativen hinauslaufen, auf die ich keinen direkten Einfluss habe (die von Dir genannten Petitionen sind da - wie Du selbst sagst - ein eher zahnloser Tiger).

1 „Gefällt mir“

Danke dafür. Da haben wir doch schon praktikable Ansätze.
Und ich gebe dir absolut recht - Bildung und Erziehung sind ein wichtiger Meilenstein, um dauerhafte Änderungen zu bewirken (übrigens gilt das für die meisten anderen Themen ebenfalls).
Ich sehe, dass du weißt, wovon ich spreche und das ist allemal hilfreich.

Mein nächster Einführungstext lautet:
Deutschland erlebt einen alarmierenden Anstieg der Gewaltkriminalität
Der geht ganz allgemein auf die steigende Gewalt in allen Bereichen ein.

Der dritte Einführungstext geht auf Gewalt gegen vulnerable Menschen als Übersicht ein.

Und erst Mitte Januar geht es dann mit der richtigen Kampagne und den spezifischen Texten los. Die Zeit haben wir zum Vorbereiten.

Laut der Statistik des Bundeskriminalamtes (BKA) waren 2022 etwa 21% der Männer die Opfer häuslicher Gewalt. Und dazu kommt noch die Dunkelziffer. So wenig finde ich das nicht. Männer haben noch eine höhere Scham als Frauen dies offenzulegen.
Dabei sind psychische (wie z.B. Demütigungen) und emotionale Gewalt besonders häufig.
Allein von 2022 auf 2023 ist die häusliche Gewalt gegen Männer nochmals um 6,4 % gestiegen.

Übersetzt heißt das: auf vier Frauen kommt ein Mann.

Bei partnerschaftlichen Tötungsdelikten waren das innerhalb eines Jahres 155 Frauen und 24 Männer.

Bist Du sicher, dass das BKA seit neuestem nur doch die Dunkelziffern veröffentlich? Oder war das ein Schreibfehler? Ich bin leider sehr sprachgesteuert, und habe das deswegen leider nicht wirklch verstanden.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, den Gewaltbegriff klar zu definieren.
Gewalt beginnt nicht erst bei der Eisenstange oder dem Totschläger, sondern mit ganz subtilen Ausgrenzungen (ich arbeite in einer Einrichtung für Menschen mit Einschränkungen - es ist schon interessant, was die manchmal erzählen, wie sich bereits kleine Missachtungen zu einem ganz üblen Gefühl der handfesten Demütigung auswachsen können - und zwar durchaus bei Situationen, die mich, wenn ich sie erlebe, eher belustigen).
Hier fehlt es oft an Sensibilität für Menschen mit Einschränkungen, die als Folge eine fehlende Empathie für genau diese Menschen nach sich zieht.

Das gilt auch für Kinder, die oft genug in solchen Momenten Erwachsenen gleich gestellt werden - Kinder können z.B. mit Ironie oder - noch schlimmer - Sarkasmus überhaupt nicht umgehen - aber ich gebe zu, das ist wahrscheinlich - hoffentlich - in diesem Kreis schon wieder so trivial, dass ich das gar nicht erwähnen müsste.